Alberich

Ich spitze die Lippen. Niemand sieht mich:

In den Rachen sammeln sich Komplementsysteme

die mein Auge schlossen und bauten ein Schloss

hoch auf den Infektionsherden

 

und in den Mergelkörpern auf den Sonnenterrassen:

da nicken sie unter den Sonnenuhren. 

Unterm gelben Hort kreist noch immer

der Vernunft-Frass:

 

Meine Antikörper in den verglasten Becken

denken nicht mehr an Verhütung 

noch an neutrale Böden: unter der Haut

sind die Keime in Brand geraten –

 

während ich schlief in meiner Mergelgrube

hat sich das feuchte Gezücht verwandelt

mit der Macht eines Komplementwinkels:

mein Labor ist voller Schwefel und kreischender Randomisierung. 

Reduzierte Morbidität IV

Mit irrem Blick werfe ich mich auf dich

die Porzellanhände im Rücken

die gusseiserne Brust aufgebogen von den Landstreichern und

das Farnbett meiner Fakten ausgebreitet:

ein mürber Gefässkasten voller Zutrauen. 

 

Ich habe genug von den Probewürfen

(es ist was es ist)

von den verzögerten Vorsorgeuntersuchungen

und von der heterogenen Übersterblichkeit:

verschreibe mir Disteln!

 

Mit wildem Blick werfe ich mich auf dich –

an den Rändern meines Gesichts blättert die Glasur

unter deinen schlürfenden Lippen

(und der Fakt ist: vielleicht hat er’s getan)

und ich atme den ausgeworfenen Speichel ein.

 

Seine warme Süsse ist Balsam auf diese Geilheit

die durch meine Adern schiesst

gelb und indikativ als letzte Indikation:

ich halte die Glätte dieses Rasens nicht mehr aus

die Einebnung der Ressourcen!

 

mit schrankenlosem Blick werfe ich mich auf dich –

(vielleicht hat er’s nicht getan)

ich würge am gelben Schnee im Rachen.

Ich höre das unentwegte Zwitschern im Thymus:

ich spüre das unkontrollierte Wachstum der Disteln in den Lungen –

 

plötzlich ist dieses Aufschiessen über den Torfschichten

im Schorfdunkel der Kontinentalplatten

(Aziz! Licht!)

vor den roten Augen und den angelegten Ohren

ein gesinterter Fakt für einen neuen Versuch:

 

Mit hitzigem Blick werfe ich mich auf dich

in meiner ganzen Scherbenschmalheit –

an dem beschlagenen Glas meines Gesichts

das in der Zentrifuge des eisblauen Konjunktivs

in die erdbraune Paste aus Zuneigungsschichten alteriert

 

erkenne ich im englischen Garten der Milz

(es ist was es ist)

ins Licht gehoben von einem Korbflechtergott 

die Zeiten für eine letzte Fotografie und

für eine neue Form des Merkantilismus:

 

Mit irrem Blick werfe ich mich auf dich

und mit dem Husten eines Esels

der seine Hürden selbst in den Wartesaal schleppt

in einem Anfall von Ehrlichkeit und dem Wunsch

von sich selbst im Tod noch ein Bild zu haben

 

diese verzerrten Gesichtszüge zu behaupten

(es ist Zeit für Nähe)

als neurodermitische Verwerfungen meiner Versuchsanordnung:

eine fortschreitende Plattenepithelmetaplasie

in der Verdistelung des Stollengartens von Fakt und Zutrauen. 

Rollen der Köpfe

güte und granatäpfel:
in einer grauen ecke
und kaum weisser dampf über mehlsuppe
nichts verrät das chignon über den tanz
weissbärtig das brot mit angesetztem messer
über den tanz die drehung des schweren kinns 
der harten hüften und die haut graut nicht
ach den kopf schwer so an deine granatene
brust legen und auf den amorbogen warten
auf seinen sprung aus der grauen
grauen ecke mit mehlsuppe und leichter rötung
von handgelenk und wange und das schimmern des ohrs
unterm haar mit angestztem messer vor dem tanz
schon steigt der dampf nicht weiss und die knie 
warm und voll berühren sich und ich 
holofernes ohne platz in der grauen ecke
leise wird klirren der suppenlöffel am suppenkrug und grau
und graniten die suppe nach klumpen 
nach klumpen vom bart muttern aus dem knopf
in der mitte der schale und vor dem eintauchen 
nimm das kinn vom gelenk und in der grauen ecke
erinnerung an die fabrik im blau der latzhose meinen kopf
in diese hand legen noch vor dem tanz bitte ich
der sich nicht spiegelt mit seinem kamelhaargesicht
nicht einmal im griff des suppenlöffels mit einer hand
da steht für dein blaues doppelkinn und ja auch das messer
dunkel in der grauen ecke