Wenn ich mich nicht irre

Ich komme in der Wachheit an 

weich und Marschfeld 

im Westen meines Hungers 

die Beine umschlungen mit Geräten 

die sich wie Sirenen verhalten

die Rückenwurzel enthalst von 

Finanztransaktionen 

die dem Hormonhaushalt eines Pubertären entsprechen 

und komme in die Wachheit 

mit süssen Nägeln im Kopf und

stupiden Clementinen im Herzen und

vollführe kunstvolle Saugbewegungen unter einem Skalp 

der seine Hulkability bis ins letzte Momentum 

erster Erwägungen und letzter Vorzeigbarkeit verleugnet

und komme im Wachhaften an

weich und wahrlos

Superlativ des entmannten Entstaunens

entrahmt von für das Mutterwohl eingeleiteten Zufällen

entfalle dem Rauchzeichen

das aus einem Gedicht wie ein Muttermal entweicht und

Himmel und Arsch in Bewegung setzend 

die Verfickbarkeit von Glück überdeckt bis

mitten in Nebelpetarden und Vaterschaftsexpeditionen

weit hinter Biogefährungsamphoren und Ampullen für Sprechmut

oder aber Fantasieweidegründen für narzisstische Naive

überdeckt also bis in die Vormotilität von Ahnung und Rede

komme in die Konzentration von Helligkeit und farfalline

die sich in der Rahmung aufgestaut hat und

weich und bewegungsfähig 

starre ich aus der Regung in die Morosität hihihi

bade in den x hoch n Quittungen 

die mein Portfolio anschwellen lassen 

ungeniessbare Quittungen 

unumgängliche Quittungen so scheint es 

Quittungen wie Tunnels nach Ägypten und

lecke mir die Druckerschwärze aus den Achselhöhlen 

weich und ungekichert

präriegelb und best-buy

richte ich mich auf 

die Augen voller Treuepunkte

und blicke von der Place de la Concorde die Freiestrasse hinunter

und das einzige Wort das mir einfällt ist Wow

 

 

Gegenstatik (Poetik)

Die Idee eines statischen Gedichts: mehr Bild oder Skulptur als Film oder Folge - Beschreibung und Fixierung, gelegentlich Vexierung - genügt mir nicht mehr. Gewiss kann ein Gedicht als "Momentaufnahme" ganze Zeitalter durcheilen oder erfassen, nur schon von der Zeitenfolge her. 

Ein solches Gedicht ist in meinen Augen ein wenig wie Giottos "Einzug in Jerusalem", wo im rechten vorderen Bildfeld drei Männer dargestellt werden, die ihre Mäntel ausziehen, um sie auf die Strasse zu legen: der eine breitet gerade seinen Mantel aus, der andere zieht ihn über den Kopf und der dritte schlüpft erst aus den Ärmeln. 

 

Wenn ich auf meine ersten Gedichte zurückblicke, erklangen schon damals Stimmen in ihnen, die nur begrenzt mit mir selbst zu tun hatten. Sie rissen an den dünnen Netzen von Sprache und Sinn, ja von Aussage und Kommunikation, die ich über sie zu spannen versuchte. Noch wollte ich zusammenhalten, was doch von unbewussten und notwendigen Fliehkräften, deren Herrscher ich nicht sein kann noch will, zerpflückt und zerstreut werden will. 

 

So lasse ich nach und nach Freiheit und Bewegung ins Gedicht. Was zuerst noch ein Arrangement von grade so zusammengehaltenen und mehr und mehr fadenscheinigen Bruch-Stücken und Satelliten war, wurde mehr und mehr zu Orbitalschrott: im öden Raum des Gedichts rasen Stückwerk, Stimmen, Zeitenfolgen und Zurichtungen wie wahnsinnig umher. 

 

Die Buchstaben, aus denen die Wörter bestehen, bilden die einzigen Streben, das einzige Gerüst, das diese Raumstation, dieses knirschende Werk aus stinkendem Sumpf, Steampunk und kreischendem Stahl, Schimmeltapeten und Schienbeinschmerzen noch erhalten kann. Und die Klänge, die Laute, die Längen und Kürzen der Worte, die Engen und Höhen der Vokale, das Zischen und Ploppen der Konsonanten sind wie die schnell erlöschenden Funken im Vakuum des weissen Blatts. 

 

Ordnung, Tragbarkeit, Ertragbarkeit, Organisation und Gleichmass: die Welt ist erfüllt davon. Je länger ich schreibe, desto radikaler will ich dieses Gespinst von wirklichem Schein und notwendigem Konsens aufdröseln, auflösen: nichts spielt sich geregelt ab, nichts hat seine Ordnung. Statik und Regel sind nur Ausgeburten von Kontrolle, Kapitalismus und Konformität. 

 

Anders gesagt: da ich nicht frei bin, nie frei sein werde, und du auch nicht, begebe ich mich im Gedicht in die unwirtliche Gegend der Freiheit, hebe die Normen, Vorhaben, Vorgaben und Vorschriften auf. Dort ist wenigstens mein Gedicht frei, spuckender Sputnik im Orbit von Sinn und Sage. 

Rollen der Köpfe

güte und granatäpfel:
in einer grauen ecke
und kaum weisser dampf über mehlsuppe
nichts verrät das chignon über den tanz
weissbärtig das brot mit angesetztem messer
über den tanz die drehung des schweren kinns 
der harten hüften und die haut graut nicht
ach den kopf schwer so an deine granatene
brust legen und auf den amorbogen warten
auf seinen sprung aus der grauen
grauen ecke mit mehlsuppe und leichter rötung
von handgelenk und wange und das schimmern des ohrs
unterm haar mit angestztem messer vor dem tanz
schon steigt der dampf nicht weiss und die knie 
warm und voll berühren sich und ich 
holofernes ohne platz in der grauen ecke
leise wird klirren der suppenlöffel am suppenkrug und grau
und graniten die suppe nach klumpen 
nach klumpen vom bart muttern aus dem knopf
in der mitte der schale und vor dem eintauchen 
nimm das kinn vom gelenk und in der grauen ecke
erinnerung an die fabrik im blau der latzhose meinen kopf
in diese hand legen noch vor dem tanz bitte ich
der sich nicht spiegelt mit seinem kamelhaargesicht
nicht einmal im griff des suppenlöffels mit einer hand
da steht für dein blaues doppelkinn und ja auch das messer
dunkel in der grauen ecke