Blog-Archiv Mai 2014

Mein Bruder

Hallo?

Ja hallo hoi

Du weisst du schon

Das Neueste vom Neuen

Mein Bruder hat eine neue Freundin

Ja eine neue Freundin

Und die ist 30

Weisst du zehn Jahre älter

Und hat braune Zähne

Was? Ja…

Ich meine Scheisse

Die will doch Kinder

Die hat doch Panik

Die will doch heiraten

Und er - voll cool

Mit seinen 20 und der zweiten Lehre…

Ja ich rufe dich an

Wenn ich ankomme

Jetzt muss ich noch was besorgen

Ja-a tschau tschüss.

Scheidung II

… Il faut cultiver notre jardin…

 

Es gibt nichts anderes

Es gibt nur das Wandern

Der Zustände. Die Enden

Wenden sich gegen uns

Legen die Fäden bunt

Um unsere Schultern

Stirnen und Sinnen.

Es gibt keine Räder:

Es gibt die Ränder.

An ihnen die Kräuter

Mit ihren Samenkapseln…

Alles fällt und wendet sich —

Alles andere

Gewandtere und Gewandetere

Wird sich erweisen als

Labyrinthen-weglos

Verhindert-reglos.

 

Die Wiesen leben

Bewiesen neben

All diesen Reben!

 

Es gibt keine andere

Kultur deren Kontur

Grenze ist und Mitte.

Du bist ein Komtur

(Vulture of culture)

Gehoben aus Gründen

Deren erworbenes Leid

Gewoben aus Bestand statt Bedarf —

Und in dem Rinnen

Von oben herab und in die Hand

Wie das rollende Kies im Strand

Deines Mundes und Grundes

Liegt kein Bäschele und Häschele —

Es gibt nur das Kippen hinüber

In neue Gruben: extrem tot

Extrem lebendig — und dann

Der kreisende Fall des Blatts

Ganz anders als das Ausdrehen der Münze

Als gäbe es nur dieses

Hinauf im Aufwind des Rabatts

Im Aufwind des erdschweren Rabatts…

 

Auf der einen Seite des Zauns ist

Ordnung

Auf der anderen Seite des Zauns

Nicht.

 

Du schulterst einen Zaun

Und hackst rechts und links

Du faltest einen Raum

Damit du nicht versinkst —

 

Es gibt nichts anderes

Es gibt nur das Sprengen

Der Umstände. Die Engen

Drängen uns entgegen

Als könnten sie erheben

Ihre flachen Brüste wie Flügel

In dem Wind unserer Ordnung —

Und Fäden des Regens

Ziehen an unseren Schultern

Füllen den Kelch unserer Stirnen

Streifen den Humus von der Sinnenglatze —

 

Ja — du: verwischende Gischt!

Im Auftrieb wirst du

Schuppen-mannigfaltig —

Gott in vielen Stufen

Ein Gehänge von Rufen…

Doch nichts hält auf

Die Entwertung der Traube im Wein

Des Glaubens im Keim —

 

Umschlinge nur deine Schlingen

Umzäune nur deine Zäune

Umkreise nur deine Weisen!

 

Erst wenn der Garten einer Rippe gleicht

Die ausgebleicht ihren Brustkorb

Ins Azur klafft und klaut —

 

Die Wiesen grünen

Bühnen der Kyniker:

Die nichts verdienen…

 

Es gibt keine Mahnung

In den Minen der Ahnung

Und des Blattes:

Die Tat ist Grenze

Berührt im Schwänzeln

Die Mitte. Die Ritte

Auf den ungesagten Ästen

Gestatten einen Aufflug

Über die Schippe der Zäune

Hinüber zum Schäumen der Bäume

Hinüber zum Schimmern der Scherben

Oben auf den Mauern. In den Schluchten sterben

Die Helden. In Bälde

Zähmest du Havarien

Marisken und Leistenbrüche

Beben und Geben. Die Streben

Der Gruben rächen sich an der Last

Mit Nachgeben: all die Knoten

Aus verschobenem Leid

Aus gehobenem Neid

Aus erhobenem Schneid

Aus zerstobenem Gebein…

 

Erst wenn der Garten einer Rippe gleicht

Die ausgebleicht ihren Brustkorb

Ins Azur klafft und klaut

Wird die eine Seite des Zauns

Die andere Seite des Zauns

Annehmen: erst wenn

Alle Wege

Freigesprengt sind

In verknoteter Ausstielung

Von den Wurzeln des Unkrauts

Von den Tropfen gebläht wie Segel

Während das füchsische Schwenken

Ihres Blütenstandes

Die nahen Weiten

Stempeln. Hochkrempeln

Hochkrempeln die Vorhänge

Die nicht zu beweisen…

Scheidung I

Lachszug der Person

Stromauf!

Stromauf!

Jede Schnelle

Mit ihrer Narrenschelle aus Furcht und Hoffnung

Horizont und Fassung einer Person —

Stromauf!

Stromauf!

Ins Reich der rollenden Steine

Der unaufhaltsamen Leichtigkeit einer Strömung

Ins Reich des ewigen Eises

Einer Persönlichkeit

Deren kalbende Inkarnation und Erneuerung

 

Glazial fruchtreich ist. 

Wenn ich schreibe...

Wenn ich schreibe, will ich nicht so schreiben, wie man schreiben sollte, um literarische Aufmerksamkeit zu erhalten. Ich will schreiben, wie oder was ich liebe, ich will im Schreiben ganz und erstmals „ich“ sein oder werden. Dieses „ich sein“ hängt aber in keiner Weise mit einer Selbstverwirklichung moderner Art und Weise zusammen: hier geht es nicht um meine Person, sondern um eine ethische Gründung derselben, um eine Erfahrung des innersten und gleichzeitig auch äussersten Kerns der menschlichen Existenz. Es geht um eine Aussage darüber, was mir das Menschsein bedeutet.

 Wenn ich schreibe, dann konzentriere ich meine Schaffens- und Schöpfungskraft nicht auf ein Publikum und seine Erwartungen: ich konzentriere mich ganz auf mein eigenes Wollen und Wünschen — im Wissen, dass dies, wenn es ganz und gar ehrlich und weder narzisstisch noch selbstbezogen ist, für einen ebenso ehrlichen, neugierigen und unegoistischen Leser von gleicher Bedeutung und Durchschlagskraft sein wird wie für mich. Letztlich zählt nur eines: Ehrlichkeit, Schlichtheit und Strenge (Bashô). 

Wie hat es Proust so schön in Swanns Liebe anhand der „kleinen Phrase“ der Vinteuil-Sonate gesagt?

 

Swann fühlte, dass der Komponist sich darauf beschränkt hatte, die Phrase mit seinen Instrumenten zu entschleiern, sie sichtbar zu machen, ihre Zeichnung mit so zärtlicher, vorsichtiger,  sorgsamer und sicherer Hand zu verfolgen und befolgen, dass der Ton sich jederzeit veränderte, sich verwischte, um einen Schatten aufzuzeigen, sich verfestigte, wenn es ihr nötig war, auf der Spur eine schärfere Kontur nachzufahren. Und ein Beweis dafür, dass Swann sich nicht täuschte, wenn er an die wirkliche Existenz dieser Phrase glaubte, war, dass jeder ein wenig feinfühlige Liebhaber sofort den Betrug gemerkt hätte, wenn Vinteuil weniger Kraft gehabt hätte, um ihre Formen zu sehen und sichtbar zu machen, wenn er, indem er da und dort von ihm selbst stammende Züge einfügte, versucht hätte, damit die Lücken seiner Schau oder die Ohnmacht seiner Hand zu verhehlen.

Das 14. Portfolio ist veröffentlicht!

Eben habe ich mein 14. Portfolio online gestellt. Darin sind auch zwei Texte aus meinem Romanprojekt. Gute Lektüre!

Endliche Hortensien

Der Saal zu meinem stiernackigen Verlobungsring

Der bald schon kahl einem bussfertigen Absalom harren wird

Beschreitet keine Entwicklungsschritte mehr 

 

In Richtung auf die samtenen Zoten der Wurzelkäfige

In denen hummerliche Nackedeien der Ahnung eines Grusses

Nachspüren ohne jedoch in der Schönheit der Momente

 

Anders als unwürdig metallen furztrocken und sturztrunken anzulangen —

Ich bete für die Werte der pharisäischen Götter

Die in Kasematten die Wahl treffen für oder gegen


Eine Gesandtschaft an den Hof der europäisch-furtwänglerischen Hortensien.