Blog-Archiv für März 2011

Dadaisme

So heisst ein Text, den wir im Nachlass Elias Bahms ausgegraben haben, er ist erstaunlicherweise in französischer Sprache. Mehr unter Bahms Schwebende Welten...

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Realität I - Empathiemangel

Längst sind alle Gewissheiten

Erschüttert

Verschüttet

Zerrüttet

Die immediate Oberfläche

Uneigentlich

Unwesentlich

Unwirklich

 

Die Schadensmeldungen

Sind sich keiner Schuld bewusst

Die Erklärungsdiagramme

Sind bekömmlich wie Werbung

Die Geschehnisabrisse

Zerreissen die Zeit in Stücke

Chronologisch statt zeitgleich-alinear

 

Die Augenzeugenberichte

Wurden von einem Newsroom aus

Redigiert zur maximalen Nachfühlbarkeit

 

Wo das Fühlen doch längst vermarktet

Wo das Sehen längst in Voyeurismus gerettet

Wo das Denken nach Davos müsste

In Bissen, Happen und Stichwörtern zubereitet

In Schubladen, Mythen und Kurzschlüssen aufbereitet

 

Die Erschütterungen nur Nachbeben

Wohliges Beben im heimischen Mittelland

Die Gewissheiten nur vermeintlich

Aber versichernd

Die Bilder nur Augenblicke

Die Dauer dauert nicht an

Die Lust gelüstet nicht mehr

Die Angst ängstigt nicht mehr

(Nur die Angst sich fürchten zu müssen

Vor dem was man nicht kennt

-       Allem –

Diese Angst ist so allgegenwärtig

Vielbeschworen

-       Unvergorene Heimeligkeit des Mittellandes - )

Die Demokratie verdämmt

Die Freiheit befreit von sich

 

Und die Gesichter der andern

Eher ein Bild noch

Als eine Einladung

 

(Die Sprache der andern

Qualifikationsmerkmal)

 

Die Berserker der Gegenwart

Sind uns stets um eines voraus

Sie trampeln alles vor

Damit es uns leichter falle

 

Und so sitzen wir

Verfettet oder überaltert

Im Einkaufszentrum

Und reden über Unmeldungen aus Unzeitungen

Lieber als über den Schrecken der Umgebung

 

Wir sind Kunden

Nur Kunden

 

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Twitter-Roman

Habe mich darein verstiegen, einen Twitterroman schreiben zu wollen. In einem ersten Versuch wird es wahrscheinlich eher eine Novelle, aber mal schauen, wie weit ich komme. Folget mir auf @ofueglister!

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Es gibt Kunst I

Es gibt Kunst, die immediat wirkt, die einen wie eine Ohrfeige trifft, die lange noch nachhallt und auch viel später noch Entdeckungs- und Erweckungserlebnisse bereiten kann. Davon ist Konzeptkunst nicht prinzipiell ausgeschlossen, doch werkelt der moderne Konzeptkünstler meist lange an seinem Konzept und führt es keuchend so weit über den Überbau hinaus, dass man mit Fug und Recht von abstrakter Kunst zu reden beginnen kann. Dazu gehört auch Anatoly Shuravlev, der letzthin in Biel ausgestellt hat, wenn ich auch letztlich zweifle, wie überbaut sein Überbau ist und ob es sich dabei nicht eher um ein loses Kartenspiel handelt, das Seriosität vortäuschen soll. Die Idee, in grossformatigen schwarzen Flächen winzige Bilder einzufügen ist nichts mehr als "lustig", verführt zum Schmunzeln, aber eben nicht zu mehr (eines der Bilder heisst Big Panic und zeigt en miniature das Bild eines angreifenden Weissen Hais). Seine Kunst ist unsinnlich - selbst wenn er die Salle Pomona in seine zeitweiligen visuellen Wunde verwandelt, was an sich ein starkes Bild ist (auf Kopfhöhe ein breiter Strich, die schwarze Farbe ist in vielen Varianten hinuntergeflossen, in dem Strich und in die Streifen sind winzige Bildchen geklebt), ist das zu abstrakt, zu kalt. Und was können die vielen kleinen Bildchen, die wie Nagelköpfe auf diese Farbspur gedrückt sind, denn mehr sein als eine weitere Erinnerung und Hommage daran, wie überflutet unsere Welt vom Bildlichen ist - so überflutet, dass wir nicht mehr sehen, was wir sehen... Das ist reichlich platt, wenn auch vielleicht in der Kälte der Darstellung, der vermutlich gewollten Objektivität durch die Verkleinerung der Motive sich eine grosse Spannungsweite aufbauen könnte: die Spannung zwischen Vielfalt & Sichtbarkeit, zwischen Gross & Klein... Wirklich sinnlich ist seine Kunst nur einmal - in der Anlehnung an Malewitschs Quadrat, das er fast orientalisch einhüllt oder -rahmt. Aber auch das ist einfach ein Teil des Parcours eines modernen russischen Künstlers, scheint mir, - dass er mindestens einmal mit dem berühmten Quadrat "gespielt" haben muss, wobei Ironie und Sarkasmus hineinfliessen sollten. Das ist schon fast keine Bezugnahme mehr, sondern pure Unterhaltung, und Kunst sollte nicht zur Spassigkeit verkommen. Shuravlevs Werke aber scheinen nach dem Durchgang durch seine Bieler Ausstellung vor allem eines zu sein, beliebig. 

Schwebende Welten - ein neues Gedicht

Endlich ist auch "Mehr als Nichts" online, ein Gedicht, an dem Bahm vor seinem Tod während fast 6 Monaten gearbeitet hat. Er hat es mir damals zugesandt mit dem Vermerk: "nichts lässt sich nicht versonettieren". Bonne lecture!

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