Gedichte von Juli bis September 2015

Auffrischung vonnöten

Nahrung für Fregatten:

Kinderlose Generationen

Im Rinnstein gefunden —

Fassungsarme Becken

Durch das Eidechsen eilig

Ihre Schwänze führen —

Richtige Klagemauern aus falschen Pickeln

Vom polizeilichen Pinzettengriff bedroht —

Oh die Mastbäume des Überflusses

Die hüpfenden Bojen der Umstände!


Nahrung für Fregatten:

Eine Arschgeige begleitet

Von einer Arschbombe

Beide in schicken Sackos…

Lauter Versuchballons

Mit zweifelhafter Füllung!

Und dann der Leim der Gesellschaft

Über dem Lecken an Briefmarken geronnen!


Ja — am Ende bleiben nur

Krümel vom Wind aber genug

Um noch von einem Furz reden zu können

Nahrhaft genug für die erste Ausfahrt

Die baldige Verschiffung und die Auslüftung der Armeeunterkünfte 

Mit ihrem Geruch von Mottengift.


Doch halt — nichts überstürzen!

Solange das Planschen anhält

In den engen Becken der Nation und im kinderlosen Refrain:

Besteht nicht Hoffnung darauf

Dass der Wind endlich 

Auffrischt und uns doch wegträgt?

Meinen Freunden, den Spatzen

Ein unaufhörbarer Wind

Schient die mutmasslichen

Und wenig linden Aufflüge

Der billigeren Träumereien

Endlich in eine überhaupt nicht

Vorhersehbare aber notwendige

Ja durchaus notwendige

Domänen-Gestalt. Ich allein

Wie ein Dämon und Feckenträger

Trete den Bedenkenträgern

Den Feigenblättlern entgegen:

Mit einem Gesicht wie ein Kind

Sowohl unkund als auch unumwunden

Blecke ich meine Wunden

Wie eine hohle Hand und verströme

Diesen alles überwindenden Wind

Der unverwunden die Gesten fleddert

In all seiner nötigen unangebrachten Macht.

Und meine Freunde die Spatzen

Schaukeln kreischend auf seinen Strängen

Und erfreuen sich keiner Strangulierung.

Und das Bisschen Traumheit

Das mir gegen mein Bekunden

Umgebunden bleibt das 

Strecke ich wie eine hohle Hand

Über die Domänen der Tage aus

Voran den Bürzelflaum. 

Wort von der Geduld

Auf See kehren die Wörter nicht um.

Die Seelenschlepper in ihren Rettungswesten

Verlegen fliehenden Kinns

Kabel mit „sehr räubern“ —

Die Gummischläuche der Träume 

Lösen sich auf im Säurewasser

Aus dem Mund der Klempner:

„Sehr räubern alles wegnehmen“.

Ein Volk auf Booten:

Draussen in den Wörtern

Die nicht umkehren

Werden wir ausgebootet

Von der empfohlenen Geduld. 

Alles sehr weg. Die sehren Räuber

Ketten uns in die steifen Nächte

Wie leere Panzerfäuste. 

Denn andere Fäuste sind nicht

Wie die umkehrenden Worte

Die uns vor sich her treiben

Durch die Seelenfluten Amerikas

Geschippert und verfolgt von den Traumstreben

Die uns von den Räubern sehr

Entzogen wurden: ein Volk ohne Geduld

Ist ein Volk ausserhalb des Worts.

Und welche Boote wir immer wählen:

Schleppen die Seelen mit

Wie aufgeweichte Fotografien.

Medea VII

Ich klinge schon wie ein Bahnhoflautsprecher.

Auf meiner Platte

Kreist der abgeschlagene Schwanz. 

Der Schatten zieht weiter

Über die Scheibe voller Trippeln.

Die Bruchstelle hinterlässt 

Abrieb wie Lippenstift 

Auf all den Fräulein-Spiegeln.


Der Schwanz zuckt noch wie mit dem Kopf!

Der Drache in all seiner Niedlichkeit

In den Scherben auf dem angehaltenen Steinfluss:

Das Bitten im Blick hat immer gewirkt…


Das Kitzeln ist unerträglich —

Meine Ansagen donnern

Durch die schattenlose Halle…

Über dem Füsseln bin ich

Wie der zischende Stromabnehmer.


Der Chor der Fräuleinwunder tritt bellend an

Deine geschmeidige Ankunft zu loben. 

Ich sitze im ungerührten Schatten

Während deine Züge sich winden

In den Spieglein — irgendwie mechanisch.

Noch klingen meine erkalteten Platten

Von deinen ersten Schritten: es raschelten

Deine Sohlen wie Gummi auf Asphalt.

Was dir vom Schatten bleibt

Ist nicht die Ankunft: es ist

Das Eilen. Und die runden Gesichter 

Der Spiegel zeigen dich noch immer

Von hinten: die roten Lichter

Locken in die Warnung. Meine Stimme

Donnert mit ihren Ansagen

In einen heuchelnden Asphaltsturm — 

Und alle meine Sätze beginnen mit: Du

Ich habe ein Problem… Und der Schwanz

Abgefallen dreht seine kopflosen Kreise.

Der Splitt knirscht unterm Schatten

Im Zirkel der Gepfählten:

Aufscheint im Streifenglanz der Jalousien

Der einzige Finger: Richtung Spiegel!


Tief unter dem Aufklang

Und untektonisch und unendend

Rollen die Köpfe wie Nadeln

Warnend und weich wie 

Lippenstift oder Ziegelweg

In die Fräulein-Mörser…

Über dem Stösseln bin ich 

Wie der knirschende Kalk der Zähne.


Wohin mit dem Stürmen?

Die Hydraulik deiner Ankunft

Pfeift auf den Schwanz von Geschichten!

Meine Stimme wie ein Bahnhoflautsprecher

Rumpelt wiedergängerisch im Bauch

In den Licht fällt wie Blitze

Durch die Stiche der Gummihülle —

Wohin sage ich wohin

Durch die Splitter 

Bis zum gelben Kies der Spiegel?


Mechanisch zuckt der Schwanz

Auf meiner dunkeln Platte

Unterm Schatten

Der mit Licht verlegen

Und aufsteigt wie ein Signal 

Im Gesicht des Fräuleins

Lange hinzüngelnd. 

Medea VI

Mit Lumpen gefüllte 

Tausendfach gekittete

Irdene Krüge seid ihr!

Als könnten Kriege euch

Reinigen wie Öfen!


Ich lobe mir die Memmen

Die sich unter Granaten

In die Büsche ducken!

Die in Suppenküchen anstehen

Die Lumpensammler.


Und eure Kriege verlängern

Nur unser Elend und nicht

Eure Schwänze!

Was brauch ich euch Stechmücken

Wenn ein Wort genügt

Um die Blähung aufspritzen zu lassen

Wenn ein Blick euch

Aufbäumt und aufspiesst?


Und du Held aller Helden

Rotwangige Banause der Lobhudelei:

Schmierenkomödiant im Löwenkleid

Angemalter Herakles und Stöckel-Achill

Frauen haben euch letztlich

Verdorben: Fliegen flogen in euren weiten Mäulern

Aus und ein wie Schwalben in Ställen!

Du schöngestaltiger Schakal:

Deine Augen brennen uns erst

Die Scheiden in Wallung und dann —

Euer Dölchlein verschlucken sie leicht

Nimmer wieder zu finden… 


Und du du pittoresker Entjungferer

Du Muttersöhnchen aller Helden

Bestiegst mich erst

Nachdem ich dich

In den Händen hielt …

Wie Haselnüsse rollte ich dich 

In meiner einen kleinen Hand

Und vorm vielschwänzigen Drachen

Verbarg ich dich. - Krieger!

Ihr seid wie die Gipsbilder

Bunt bemalt wie die Hirsebrei

Lau und dünn! Nichts mehr als

Milchspeise für Ammenmärchen!

Jason VII

In Kriegen war ich:

Keiner wie dieser. 

Mut ist hier nichts wert

Und auch Tapferkeit zählt nicht.

Dieser Krieg findet unterm Harnisch statt

Unter der Haut oder gar nicht

Fast schon im Blut selbst. 


Wäre er nur eine Infektion!

Eine offene Wunde!


In Kriegen war ich:

Keiner wie dieser.

Wissen ist Krebsgang

Können ist Tanz des Schneiders.

Hier wird gemessen mit Selbstsicht

Und wer sich selbst trifft

Verletzt den andern 

Am meisten. 


Ginge es nur m Wagemut

Um blindes Dreinschlagen!


In Kriegen war ich:

Keiner wie dieser.

Mein rotblonder Schopf

Mein gestählter Arm

Meine breite Brust —

Lauter Nachteile…

Und die laute Rede vorm Heer

Zerschallt am Gelächter der Frau.


Hier gilt es zu reden

Als hörtest du zu

Hier gilt es zu hören

Als redetest du…


Hier gilt es zu schlagen

Wie ein Spiegel

Hier gilt es zu treffen

Mit der Linken… 


Hier gilt es zu wagen

Mehr als sich selbst… 


Was für ein Krieg ist das

Indem der Verlierer gewinnt?

Dschungel III

Ein Schild aus Pfeffer

Trübt die Grenze ein. 

Bambus wächst höher als die Hände einzelner:

Speerstäbe zum Warten. 

Fetzen schlagen in feuchte Gesichter

Mit ihren gereckten Kinnen und 

Tatenlosen Bärten. Blau

Beschleierte Chilitruppen —

Die Schirme vorahnend schon

Aufgespannt: die vielen Herzen

Dieses einen Körpers der nur

Tinte verschiesst und abtaucht

In die Schlingen des Kelpwaldes —

Und die Schierlinge chillen…  die Pfritzen…

Bitte um Nachsicht. Wind dringt 

Durch die Sägeblätter der Umfriedung.

Die Trübung der Gemüter ist wie

Gut Ding will Weile haben —

Und die harthäutigen Tränen

Steigen lange im faserigen Gewebe 

Der allzu nahen Sterne. 

Eindeutig dazwischen VI

Herr Heinz ist sich nichts mehr sicher.

Langsam geht sein Hirn

Den Weg aller Schwämme. 

Seine Augen schwirren

Zwischen Hü und Hott.

Seine Wörter gehorchen ihm nur noch

Wenn er nicht daran denkt

Was er sagen wollte — vielleicht

Hat er seinen Willen zulange 

Hinter sich hergeschleift

Im Staub der Koppel. 

Herr Heinz besucht seine Nachbarin

Regelmässig aber er steht nur

Unten in der Küche und neigt seinen Kopf

Über das verfaulte Obst

Dessen Geruch er noch immer liebt. Seine Hände

Sind wie Knöpfe geworden

An denen man in der Kälte lange klaubt. 

Die vierte Stufe von unten wackelt

Und die Fliesen schreien auf

Im Obergeschoss. Die Nachbarin von Herr Heinz

Geht dort oben ihre Runden

Mit Metronomschritten. Sie ist Herr Heinz’

Leiche im Obergeschoss. 

Jedes Mal fällt ihm der Entscheid

Schwerer zwischen dem Wecker und dem Zeitzünder

In den schwarzen Morgenstunden dieses langen Herbstes.

Der Sheriff schaut schon lange nicht mehr vorbei.

Hin und wieder streifen die Schulkinder übers Gelände

Und jagen sich Angst ein. In den Nächten

Glänzt das gelbe Sperrband und knattert im Wind

Und manchmal denkt Herr Heinz

Er sei mit seiner Nachbarin 

Ein noch nicht fertig geschnürtes Geschenk. 

Eindeutig dazwischen IV

Soll man denn 

Nichts mehr sagen?

Die Verstümmelung

Annehmen?

Floskeln erheben

Zur Wahrsprüchen?

Das Unzusammenhängende 

Zusammenhängen?

Den Moment

Da der Finger

Noch im Schraubstock

Zeigt auf das 

Was zu sagen wäre

Mehrfach falten 

Zu einem Papierflieger? 

Ist da nicht

In der Schandgestalt

Doch ein wenig davon noch da

Was zum Singen einlädt

Statt zum als Papiertiger

Fortgeführten Bildersturm?

Müssen die Sätze

Wie Prachtschnäuze

Gezwirbelt werden?

Ist das Wundwasser 

Wichtiger als die Wunde?

Ist das unerigierte Wort

Nur mit dem Viagra der

Formalen Ejakulation 

Auf Aussagen zu versteifen?

Passt die Klinge der Träume nicht mehr

In die Scheide des Sinns?

Eindeutig dazwischen III

Täglich stieg der Pegel

Doch es regnete nicht. 


Ihr Gesicht wie ein Schatten

Auf dem Herz: blau & kühl.

Jedes Zucken ihrer Mundwinkel

Konnte die Zukunft skalpieren.

Das Aufleuchten der Spange

Wie gespiegelte Hieroglyphen. 


In den Nächten dann

Die Übung im Ertrinken. 


Nichts geschah. Die Tage fielen

In langen Strähnen von meinen Lenden.

Ihre Stimme berührte die wund

Gelegenen Stellen: kühl & blau

Verschütteten die Dünen

Wie versprochene Berge 

Langsam Taten & allmählich Raten

Der geschenkten Zeichen & Blicke.


Der Pegel stieg: wenn!

Und der Regen würde kommen:

Dann! Doch blieb

Blau & kühl

Der letzte Tag

Aus. 

Eindeutig dazwischen II

Nichts ist wirklich solange es

Deutlich ist: wo das Grauen beginnt

Am feinstaubfahlen Fenster

Fängt es an mit der Graupelei

Dem eingesäten Korn des dämmernden

Landes — Mischung aus Mordor und Minais Gerais.

Durchkrustete Stuben erhellt

An jedem Ende

Von einem Alltag:

Feuchtes Korn & gebeugte Stirn.

Lange Lineale 

In den Augen

Und alles Kupfer

Hinter dem Fenster: 

Polternde Dämmerung. 

Eindeutig dazwischen I

Es nagt an mir.

Was nagt an dir?

Das Pendeln.


Regelmässig — 

Egal welche Richtung. 

Überall Arme

Zum Empfang. —

Vorgewärmt oder

Abgelärmt: wie es 

Sein sollte: reglose

Ausstreckung in 

Eine Richtung

Die deine zu sein hätte. 

Eine Art Zuneigungs-

Fahne für dich allein:

Einmal Ja — einmal Nein.

Und die knirschenden

Nagenden Zähne ungefletscht

Das wollen wir hier festhalten:

Ungefletscht und quasi spirituell

Reissen das bisschen Fleisch

Vom Stecken deiner Absichten. 

Und kommen schon wieder zurück:

Ewig hungrig. Dann frischt

Der Wind wieder auf — 

Unter der Decke beissen die Wanzen.


Es nagt an dir 

Und fliehen ist unmöglich.

Denn die Flucht ist gut verankert

Im Möglichen: zu gut als dass es

Sie liesse aus der Bucht. Im Wellengang

Aus Bissen & Rissen

Gefällt es dir doch —

Gib es zu: das Nagen ist

Eine nebensächliche

Unumständliche Nagik 

Deines Lebens. Immerhin war

Nag eine grosse Schlange… 

Heimat

Wenig ist zuerst

Wenig ist zuletzt.

Und der Spatz fliegt.


Die Ohren voller Gebell. 

Wo der Fuss steht

Ist immer Schwelle.


Schwelle und einzige Stelle

Für einen Flug

Oder eine Grube. 


Nicht vorne noch hinten. 

Hier zuletzt und zuerst.

Wenig bleibt: weisser Fleck.


Der Spatz fliegt auf. 

Er — niemand anders. 

Die Zäune bewacht. 


Der Eifer schreit zum Himmel. 

Je weniger und winzig

Desto grösser und mehr die Heimat. 

Regenmacher

Ist das alles?

Kommt nichts mehr?

Ich soll so

Weiter machen?


Nichts rostet. Kalt

Glüht das Eisen meiner Feder.

Die unbestellten Felder

Voller Trampelpfade.


Und blicke ich um mich

Den ausgedünnten Stab meines Kerbholzes

Mit dem ich die Worte weide —

Freunde wie Stroh. 


Längst liegen die Lagunen

In die sich meine Lügen stürzten

Im 100-km-Streifen der Wüste —

Nimmer komme ich dahin!


Was soll ich tun?

Wo bin ich nur?

Wen fänd' ich für den 

Befreienden Schuldspruch?


Nichts ist wild. Überall

Die präzisen Doppelstriche

Der Rechnungs-Nacken. 

Wenigstens gibt’s noch Salz. 

Aufforderung

Sprich mit mir!

Wenn ich nicht da bin

Kannst du schweigen

Pillendreherin!

Jetzt bin ich hier und

Gut ist keine Antwort.

Lege die Wörter ab.

Nackt sage an

Was geschieht:

In deinen Büchern steht

Dosiertes Leid: gerollt

Und gehäuft in den Ecken

Bis in die Mitte des Raums 

Wo ich stehe unter der Glühbirne

Mit dem langen Gesicht eines Esels.


Lüg mich an! 

Fälsche das Buch deiner

Befindlichkeiten:

Blutung der Bereitschaft

Ich. 

Drehe mir lange Nasen

Aber sprich mit mir!

Soll ich weiterhin mit gebundenen Händen

Büchsenwerfen auf dem Jahrmarkt deiner

Scheitelkeiten?

Bevor ich ganz konserviert bin

Im Alkohol: will ich in deine 

Fleischfarbenen Wörter eingehen.

Komm her du Wadenbeisserin:

Bin ich denn dein Postbote?

Ich reisse dir die Floskeln vom Tag

Schäle dich bis zum Nichts…

Sage an du Controllerin des Chaos:

Liebst du mich?

Monster aus der Tiefe

Sarg-Gras

Will wenig mehr 

Als Nein.

Die Krume krümmt sich

Im Tau. Das Seil

Vom Taubenflug

Brennt auf der Haut

Des Tintenglanzes

Und unter den Achseln.

Vogelzweig:

Leicht wie Papier

Dort wie hier. 

Bisschen dalli jetzt

Die da noch strampeln!

Das Nein empfängt euch

Mit wenig mehr als Kohlensäure.

Die Botschaft im Röhrchen —

Krümel von den Pfingsten.

Dann schliesst sich das Land

Über der Saat und Wolken

Legen ihr Siegel darauf.

Wenig mehr als ein wenig 

Verflogener Mut überm Gras

Salz von dem Tau —

Kondensgut von Hilfe und Hetze.

Wie krabben-gefüllt

Der Sarg aus See. Ja. 

Herbst und Nachbar

Der Herbst ist ein breitarschiger

Trapezkünstler: spannt seine Filets

Hoch in der Stratosphäre und für Schnecken

Erreichbar auf wie leichtsinnige

Löwenzahnflocken. — Mein Nachbar

Ärgert sich über das Wetter im Süden:

Als sei das Land selbst Schuld an der Lage. —

Der Gang im Morgen wie

Waten in Muranoglas. —

Der Tau auf den Fussballfeldern:

Sternenspucke. — Der Tänzer oben

Hustet wie mein Nachbar nachts:

Die Sockengesichter im Tramgedonner

Verpackt und immun gegen die Heldentat

Des Künstlers — halb Schnuppe

Halb Eau sauvage — der zwischen Beeren

Des Feuerdorns am Seil zwickt

Und am Winter strickt. — 32 Grad

In der Nacht Schlaf unmöglich

Und die Luftfeuchtigkeit! Unmenschlich!

Schimpft mein Nachbar weiter. —

Die Schieferplatten glänzen noch von der Nacht

Das Gras vom Sommer versengt 

Wie abgeschlagene Falterköpfe. — 

Dann ist das Arsch ausser Sicht für einen Tag

Für nur einen Tag: mit dem Tau und den Kondensstreifen

Verduftet. Es wird warm. — Mein Nachbar

Füttert seine Kanarienvögel im Garten. 

Sein Rücken im blauen Hemd mit den Salzspuren von Schweiss

Nochmals so breit wie das Seil

Das der Sommer vergeblich gedreht hat. 

Urmutter

Platz des Taus:

Gefallen auf die Tafeln 

Wo Profite geschrieben werden

Für die verwaisten Stätten 

Der Urmütter: die roten Heller

Ihrer Brüste leuchten.


Es ist der Gipfel:

Artesisch gewonnen

Perlt es ab von der Stirne der Zeit

Sammelt sich weiss in den Schalen

Voller Knochenstreusel:

Gebrochene Becken

Vermutliche Zimbeln

Schädel-Becher und

Schienbein-Schlägel…


Tundraweiss.

Tau fällt von unten herauf

Wie ein Laut aus Posaunen.

Die Profite schiefern über die Tafeln

Wie Garnelen. Staub fliegt auf

Wie arme Hemden

Durchtränkt von Frost. 

Die Mandalamacher

Ihr schreibt Mandalas

Mit dem Eifer der Jugend.

Als schwitztet ihr. Brutal

Holt euch die Wirrnis ein:

Was ihr schreibt ist Ordnung und Bannfluch

Doch wirkungslos gegen den eigenen Samen

Hilflos gegen den Hunger und Durst. 

Brüstet euch noch mit den Koloraturen

Die erfreuen die andern 

Die bereits verschlungen!

Geniesst das Stehen an der Brüstung:

My heart will go on! Jetzt!

Breitet die Arme aus! Die Kameras rasseln!

Und bald schon hilft keine Ironie mehr

Wirkt auch keine Fabel mehr

Gegen die irre Liebe und die kirren Hiebe

Aus Alltag Sorgfalt und Pünktlichkeit

Und ihr steht verpflichtet und verbindlich kurz

Vor der Türe draussen und friert

Und raucht eure Gnadenzigarette. 

Im Fenster des Hauses gegenüber

Bricht sich das Licht in sieben Teile

Wie eine Seele: eine Art Mandala. 

Nostalgie

Und dann wie ein Honigtropfen

Der den Löffel nie ganz

Verlassen wird passiert

Die schönste Zeit an mir

Vorbei. Schlich sich von hinten an…

Und ich hätte ihr Kichern hören sollen

Aber darauf ist man nie vorbereitet…

Und hinkte mit dem gelben Gesicht

Den abgeknieten Hosenbeinen

Und den unfertigen Zärtlichkeiten

Wie ein Tropfen Trockenheit

Plem! Plem! An mir vorbei:

Ich war stehen geblieben und fuhr

Mit der Zunge über die Zähne

Und half mit den Fingern nach:

Verdammte Speisereste! Alles Zeigen

Hilft da ja nicht. Das schleckt auch keine

Geiss weg: da kannst du das Blatt

Noch so weit von dir halten

Um die Kleckse zu entziffern —

Nicht wird das Eingeschlossene sichtbar

Noch wird am Rücken deutlich

Was für ein Gesicht

Dir grad passiert ist. 

"Es war zu jener Zeit..."

Hier sind die Wölfe bei sich. 

Hier sind die Wölfe wie Ameisen.

Kein Auge sieht all das. Weil

Jagd. Suche. Treib-Gut. Lauf

An Lauf gereiht — 

Und nicht Verzweiflung

Und nicht Demut. 

Was für ein Winter! 

Ein jagender Haufen Zeit

Eine gehäufte Zeit für eine Jagd.

Die gelben Waggons Patronen der Gegenwart

In der Trommel der Vergangenheit.

An der Brüstung steht hier niemand. 

Selbst die Museen schauen blind und

Die Mauern tragen noch die Morsezeichen der Kriege. 

Was für ein Winter!

All das Geläuf um keiner Wette willen

(Beineln nannte es ein Landsmann)

In dem Wald aus Zähnen. 

Die eigene Wärme nur hält am Leben.

Vorerst. Hält am Leben

Deinen Willen zum Biss. 

(Nie mehr zurück ins geordnete

Land der Zahmen mit ihren Milchzähnchen

Ins Gleichmässige des Verpflichteten geschlagen!)

Bedienungsanleitung 

Installationen an und mit Grenzen:

Neue Systeme. Schutzmechanismen

Und Eintauschaktionen 

(Drei für einen).

Plus Kühlwagen-Herunter-Ladung. 

Blaue Schirme und Helme. Eine Taste drücken

Bitte. Egal welche. Es

Können auch alte Knöpfe sein

(Alte Zöpfe?) im Falle eines Fehlstarts. 

Den hier bitte nicht. Die Nummer hier

Gut aufbewahren für alle Notfälle:

Es ist die Nummer des Migrationsassistenten.

(Nicht des Migrationsbeauftragten… nein.)

Er hilft ihnen wenn es

Nicht mehr reagiert:

Die Räder der Ladeanzeige

Leer laufen. Doch seien Sie beruhigt:

Dazu wird es nicht kommen

Nicht nach den Blauschirmen. 

Alle anderen Probleme —

Melden Sie dem Support

Unserer Soforteingreiftruppe Triton

(Bitte nicht verwechseln mit

Der SWAT-Einheit Troja!).

Ist die Installation erfolgt

Bitte Firewall umgehend aktivieren: Ihr System

Ist dann geschützt und bitte vergessen Sie es nicht:

Regelmässige Aktualisierungen helfen

Enorm bei der Verhinderung von

Integrationsschwierigkeiten. 

Wir empfehlen Ihnen jedoch nicht

Zum alten System zurückzukehren

Aus Bequemlichkeit oder Überlastung…

Die neuen Programmversionen können nur noch

Was das neue System bietet. Sollte es

Nach der Rückmigration ihrer gesamten Daten

Zu Wallungen neigen müssen wir Ihnen raten

Einen grösseren Arbeitsspeicher zu installieren:

Damit auch die hinzugekommenen Tools

Ihre Arbeit tun können

Wofür sie ja gekommen sind. 

Ein Wind kommt auf

Ein Wind wurde geboren. Im Osten

Wehte er und blieb lange dort. Im Süden

Drehte er seine Tromben ohnmächtig im Staub

Gegen die Eisenbüsche und Steinwurzeln. 

Er zirkelte in den Börsen

Die weder säen noch ernten

Im Stauwasser von Assuan und Assad. 

Dann aber hob er sich und verheerte wie Nilbarsche

Das trübe Wasser der Volkswirtschaften. 

Hob sich und brachte den Tee von Ceylon

Und die Farben von Biafra für uns. 

Und erst noch nicht genug:

Der Käse ist noch fett und sein Geruch trägt noch weit. 

Noch ist auf auf unserem Teig dünn verteilt

Das Öl der Sojabohnen und das Blut der Tomaten. 

Doch Wind von Knoblauch streicht schon darüber hin. 

Karneval der Kinder

Verdrehte Augen

Verrissene Mäuler…

Mühelos entstehen Figuren aus Gelenken

Die wie befreit von Schwerkraft

Gehorsam dem Willen. 

Totentanz der Lebenden:

Der Jüngsten. Fasnacht der Spiegel:

Aufgerissen wie ein Auge

In dem eine Wimper oder ein Splitter — 

Verkehrte Namen im Mund. 

Lineal wird zum Herz

Und umgekehrt. Die Menge gafft. 

Ein Unfall — Schwamm drüber. 

Eine Wunde — steriles Schwarz. 

Ausser Augen & Maul & Gelenken

Niemand beteiligt. Ohne Pilatus

Geht das nicht. Einige sagen

Die Fratzen seien die Mühe wert und andere

Die Visagen seien zu künstlich. 

Der Umzug geht nicht an uns vorbei

Denn die Bühne dieser Freakshow ist im Parkett

Wo die Schwerkraft am grössten ist. 

Montagspiel

Immer blüht der Morgen.

Nelkenrot. Regen beschleiert die Luft

Mit dem Fusspilz der Machenschaften. 

Die dumpfe Vorstellung der Betriebsamkeit

Drückt schon wieder ihre Nase in den Schritt

Des Theaterdonners. 

Bereitschaft wofür? Leben als Gerät. 

Bildschirme voller Staub. Abwischen den Staub

Mit dem Ärmel oder so. Und durch die Ritzen der Bretter

Rieselt das Sägemehl herab

In Augen & weissere Haare

Und man spitzt die Lippen zum Hören… 

Nur ein Stampfen. 

Dann aber nimmt man nichts mehr wahr

(Mit Lippen ist nicht zu hören und mit Ohren nicht zu reden)

Und legt die Requisiten an den Tag. 

"Der arme Poet"

Gefangen in den Lichtstreifen der Rollläden

Liege ich auf dem Bett und wälze mich darin.

Mein Magen ist flach wie Papier das Wasser gezogen hat.

Mein Geist ist fade und federleicht. Gelegentliche und gleichförmige Gedanken

Halten ihn in der Schwebe der Interesselosigkeit. 

Aufstehen? Wie ein Widergänger hebe ich meinen Oberkörper empor

Aus den dünnen Laken… Man müsste das Fenster schliessen:

Die Luft ist kalt. So stehe ich nicht auf. 

Ich lausche den Schritten des Nachbarn über mir

Beängstigenden Schritten voller Unternehmungslust. 

Ich drehe mich zur Wand und kratze mich dort

Wo das Selbstmitleid seinen Sitz hat. Ich fordere es heraus:

Ich brauche seine Hilfe. Mein Telefon vibriert irgendwo im Raum.

Wie eingeschlafene Glieder regen sich Wörter in mir

Zu einer Art Gebet zu einer Art Verfluchung.

Was für eine plötzliche Leidenschaft & Wut!

Ich werfe mich herum und horche auf den Regenfall.

In der Wand auf Kopfhöhe rieselt und gurgelt es

Dort ist eine Regenrinne… Ich habe Hunger und nichts

Zu essen und denke leise ich liebe dich ich liebe dich

Doch wen genau und lutsche an meinem Daumen 

Statt wie bei Spitzweg an der Feder. 

Pösie!

Place des Vosges

Beim Brunnen Geheul & Gestammel. Was? Wie bitte?

Nicht verstehen. Mein Sohn steht im Sommerkleid und wartet

Auf ein Wort. Sein Haar leuchtet im Frühsommerabend.

Er kommt zurück und nimmt meine Hand. 

Wir stehen am Brunnen und blicken in die Höhe des Strahls.

Die alten Häuser sprechen ihre Sprach mit den Fenstern

Über den Platz hinweg: Rostrot zu Milchschwarz. 

Hier kann man nicht einmal Tauben jagen:

Ein Kind beisst ins Kies und die Tauben gurren

Ironisch französisch und fremdlich. Mein Sohn

Hat ein Mädchen gefunden und tanzt um es herum:

Es lächelt taubenspitz und dreht sich mit. 

Am Brunnen wird es leer und meine Wörter

Verständlich. Ich liebe es wenn er den Kopf

Zu mir hebt und mich anschaut 

Wie den König dort auf dem hohen Ross.

Seine Haare im Wind die Haare Johannas. 

Mag es nur!

Das Wimmeln muss gebrochen werden. 

Mag es auch Ordnung & Richtung haben 

Es bleibt ein Wimmeln: ein hilfloses Geflock

Aus Licht & Spatzen Blüten & Glatzen.

Diesem Wimmeln zu widerstehen hat oberste Priorität!

Mag es auch ungewiss sein was dahinter

Floriert und faunisch tanzt: Leichtigkeit

Ist unerträglich: ihre Gestalt ist Zaun für Blicke —

Es rumort doch dort! Es rumort und donnert

Wie von Schlagwerk und Keule. Die Zähne schmerzen davon.

Unsere Kinder blicken hindurch uns an. 

Ihre blanken Köpfe wie Hände ohne Finger!

Wirrnis Wirrnis über alles: spitzende Schatten

In den Ecken der Richtung und ritzende Glocken

In den Reihen der Ordnung! Mag es auch 

Weder blühen noch rühren: reisst es entzwei!

Vater im Schnee

Rede nur du! Und kämme

Das Kies & die reizenden Duftbüsche!

Partikel um Partikel surren auf

Ein C und ein Q und eine 42…

Mal um Mal. Nerven wollen gestimmt sein.

Die Stimme des Mädchens an deiner Seite

Die Stimme deiner Mutter. Der Gärtner

Grüsst wie beim ersten Mal. Der Strauch

Hat so viele riechende Hände!

Er muss auch gar nichts begreifen! Das Kind

Kreischt und vergräbt seinen Schopf 

In seinem Schoss. Reche du nur und kämme

Die noch grüne Luft mit deinen Augen und die Federn

Der blauen Krähe! Ein wenig noch

Und du wirst zum Vater im Schnee. 

Die Blütenblätter verstopfen den Abfluss deiner Augen. 

Ende der Piratenzeit

Bald schwingt aus das Rad

Über der seichten Breite für die Piraten!

Beilschwingend bringt der Herbst uns

Den Skalp des Tages: das Hundehaar des Sommers. 

Gekälber vorbei. Die Milch des Nebels schiesst ein

In die Schützengräben & Heldentaten:

Wer sich jetzt nicht wiederholt hat

Wird es nimmer tun. Alles Stampfen

Gehört der Witwe Douglas: Bücher in Stuben

Fliehendes Kinn und näselnde Kimmen. 

Die Suppe wird heiss gegessen.

Die Knie werden verschränkt.

Der leichte Abstrich schlägt hohen Schaum

Und wir das entsteinte Kirschlein obenauf. 

Die Messer werden rechts gehalten & die Uhren

Sind Souverän über den Fluss des Tags

Den niemand mehr stehlen kann. Noch

Knistert Becky in der Nase wie Schwarzpulver. 

Die Gesichter meiner Kinder

Ich lumpe mich nicht —

Leicht schleppt sich und

Stummer als ein Ding

(Zertretener Käfer & Schneckenfleisch)

Das Wenig an Übermut

Das bleibt von der letzten Liebe

(Und bis zur nächsten: auch sie die letzte)

Rüber (über die Stiegen

Deren vierte Steinplatte in Form einer Ziffer zersprungen)

Zum Hals der verwirr-tterten Hütte

In dem dumpf und heiss wie Topflappen

Die Gesichter meiner Kinder Bürgerrecht geniessen

Und ihre Hände an meiner Kehle riechen nach Gummi

Als hätten sie tagelang mit Ballons gespielt 

Die mit Salzwasser gefüllt waren

Und im kalten Luftzug wie kann es anders sein

Schlage ich mich um sie 

Leicht wie ein Lumpen und doch — 

Gebet No. 21

Herr mein Weg ist deutlich und doch

Wär’ er leichter unterm Applaus. 

Schliesslich weiss ich zahlt’s sich schon aus…

Herr mein Weg ist deutlich und doch

Bräucht’ ich jetzt ein lohnendes Joch.

Einfach sagt sich - Harre ja aus!

Herr mein Weg ist deutlich und doch

Wär’ er leichter unterm Applaus. 

Nichts als Freiwilligkeit

Freiwillig wie ein Pflasterstein.

Unziemliche Befürchtungen.

Muss kommen vom Simsen

Das Gebotene und vom Verkehr

Die Genauigkeit des Stockens?

Boote aus Fels & Vögel aus Kalk.

Hemmungslosigkeit der Bärte aus labialen

Ergebnissen. Ergebenheiten

Aus Tanz & Musterschnitten.

Ziemlich präzise Schieflagen

Im Verein mit undefinierten Entsprechungen

Schönen die aspirativen Mütter

Aller Lügen: ungehindert schiesst

Die Angst ins Korn. Freiwillig öffnen

Die Betriebssysteme sich am Pflaster 

Der Marktplätze die Stirnen. 

Säuglingsschrei

Nur dies: der ruckartige Säuglingsschrei

Haken in der Kehle

Der mit jedem Atemzug tiefer sitzt

Bis zum Reissen des Fleisches.

Der Mund voller Salz und Blut. 

Mitten auf der Strasse anhalten und

Springen wie ein Merlin: Zauberei

Atemlose Wund- & Wundertat des Mutterarms…

Und weiter rufen im Rettungsboot…

Zitternd über den Wellen der Drohung…

Niemand zieht mehr. Nur der Schrei: Herausgehechtet

wie die Zunge aus dem Bermudadreieck

(Drang Ding Trug). Aufhören!

Alles versinkt und die Luft ist Gischt

Gischt & Ursache & Rausch --

Nur dies: die Angst der Mutter. 

Massnahmen

Letzte Seiten —

Keifende Fragen nach

Lilien & Gischt.


Massen-Namen 

Schleifen in käuflicher

Seide die Brüche.

Alles ist vollständig 

Aufgezählt & überprüft!


Neigung zur Seite - 

Geizende Weisheiten 

Lieben das Licht. 

Die Krume des Salzes

Heitert den Salat auf. 


Letzte Seiten —

Baldiges Spreiten von 

Hand und Milieu.


Mehrdank im Brei

Des Archäopterix:

Komm tututu!

Alles ist anständig

Flachgeklopft & eingezäunt…


Ahoi die Märzen!

Brennende Kerzen

Aus Krokus & Sardanellen — 

Es dunkelt der Tag

Über der dreigezackten Spur. 

Nacht & Tag

Wie ein Sklave

Fällt der Tag

Über die Nacht. 

Krakenhaft und

Mit den Schreien eines Säuglings

Umfasst er all das Tun

Das seine Albinowurzeln senkte

In die Statthaftigkeit & Sinnhaftigkeit

Dieser Kaverne des Zorns:

Mit Kettenrasseln und mechanisch

Kommt der Tag 

Nieder mit der Nacht. 

Seine unmöglichen Folterinstrumente

Liegen auf Purpursamt bereit

Und sein Gesicht ist schwarz

Vom Russ der Aktionen:

Der braucht keine Maske

Der nicht! Minutiös

Nimmt er den Schrecken an die Kandare und

Lässt den hechelnden Wohlstand laufen.


Seid wie Schlangen

Seid wie Füchse

Stöhnt die Nacht — 

Unter dem Gewicht des Überfalls. 

Saugende Geräusche 

Zischende Reden

Sind zu hören für die

Die noch hören können

Die Knie an den Ohren…

Ein schwerer Tatenleib 

Presst die Rippen

Aus denen die wurmgleichen & erdbleichen Atemwurzeln wuchsen

Hinauf in das mögliche Tun:

Aufgerissen und für die Saatkrähen

Breitet ihr süsses Fleisch im Licht des Tages aus

Die Unwahrscheinlichkeit & die Entblödung. 

Hiroshima

Noch stecken die Pilze im Boden. 

Wie lange noch — Herr

Hältst du die Hand darüber!

Tausende Augenklappen hat der Boden

Darunter die Glasaugen der Vergeltung… Augen

Ohne Regenfarben… Aschfahl und 

Berechnet. Wie lange noch

Herr! Die Welt ist doch nicht

Seerosen & Picknicks!


Auf dem Strunk wächst 

Der Flügel eines Pilzes.

Fliegt er auf reisst er

Alles Atmen aus dem Boden. 

Die Lungen werden nicht mehr im Boden

Verästelt ihre Wurzeln ziehen wie die Zwiebeln.

Einem Moor gleich

Kollabieren wir: 

Zeichen auf Asphalt

Von der Hand und in der Sprache

Des Herrn. 

Doch leichthin 

Schreiten wir über den Boden 

Seine tausend Glasaugen ungeschaut. 


Der Dom der Industrie- und Handelskammer 

Reckt seine abgelüpfte Glatze 

Übers Eilen der Schulklassen

Übers Krakeelen der Spatzen

Und jede Dole eine Auge

Das in stumpfer Erwartung

Anblickt den Himmel

Die Pilzgestalt des Himmels. 


Da sitzt der Spatz

Sein Auge blickt dich an

Nichts spiegelt sich darin

Er neigt den Kopf 

Und fliegt auf 

Als habe ein Habicht seinen Schatten

Ausgebreitet übern Boden 

Wie die Hand Gottes

Die ausgestreckt bleibt. 

Meine Lieblingspassage aus "Un amour de Swann"

Als ob die Musiker viel weniger die Phrase spielten als die von ihr geforderten Riten ausführten, um sie hervorzurufen, und die notwendigen Anrufungen ausführten, um für einige Momente das Wunder ihrer Beschwörung zu erlangen und verlängern, fühlte sie Swann, der sie genauso wenig sehen konnte, wie wenn sie einer ultravioletten Welt angehört hätte, und der bei der Annäherung die Erfrischung einer Verwandlung in der zeitweiligen Blindheit, mit der er geschlagen war, genoss, er fühlte sie gegenwärtig, wie eine Schutz- und Vertrauensgöttin seiner Liebe, und die die Verkleidung dieser lautlichen Erscheinung gewählt hatte, um angesichts der Menge bis zu ihm gelangen und ihn zur Seite führen zu können, um mit ihm zu sprechen. Und während sie vorüber ging, leicht, heilend und wie ein Duft gemurmelt, ihm sagte, was sie ihm zu sagen hatte, und wovon er jedes einzelne Wort überprüfte, ihren schnellen Aufflug schon bereuend, machte er unwillkürlich mit den Lippen beim Vorbeiflug ihres harmonischen und flüchtigen Körpers die Bewegung eines Kusses. Er fühlte sich nicht mehr exiliert und einsam, weil sie selbst sich an ihn richtete, ihm mit halber Stimme von Odette sagte. Denn er hatte nicht mehr wie früher den Eindruck, dass Odette und er der kleinen Phrase unbekannt seien. Denn sie war doch so oft Zeuge ihrer Freuden gewesen! Es stimmt, sie hatte ihn oft vor deren Zerbrechlichkeit gewarnt. Und heute, wo er doch damals in jener Zeit Leiden in ihrem Lächeln, in ihrem klaren und nüchternen Tonfall erahnt hatte, fand er ihn ihr vielmehr die Eleganz einer fast fröhlichen Ergebung. Von diesen Sorgen, von denen sie ihm damals erzählt hatte und die er sie jetzt, ohne dass er von ihnen berührt worden wäre, lächelnd in ihrem verschlungenen und schnellen Strom mitführen sah, von diesen Sorgen, die jetzt die seinen geworden waren, ohne dass er die Hoffnung hegen konnte, von ihnen je befreit zu werden, schien sie ihm wie einst während seines Glücks sagen zu wollen: "Was ist das denn? All das ist nichts." Und die Gedanken Swanns richteten sich zum ersten Mal in einem Anflug von Mitleid und Zärtlichkeit auf diesen Vinteuil, auf diesen unbekannten und feinen Bruder, der wohl auch viel hatte leiden müssen: was war sein Leben für eines gewesen? In welchen Schmerzen hatte er diese Gotteskraft geschöpft, die grenzenlose Fähigkeit zur Schöpfung? Wenn die kleine Phrase ihm von der Eitelkeit seines Leidens erzählte, empfand Swann eine Süsse in dieser Weisheit, die ihm eben noch unerträglich geschienen hatte, als er sie in den Gesichtern der Gleichgültigen zu lesen glaubte, die seine Liebe für eine bedeutungslose Abschweifung hielten. Denn die kleine Phrase sah im Gegensatz, welcher Meinung sie auch immer haben über die kurze Dauer seiner Seelenzustände, in ihnen etwas, nicht wie all diese Leute, weniger Ernsthaftes als das wirkliche Leben, sondern etwas diesem im Gegenteil so Überlegenes, das allein es Wert war, ausgedrückt zu werden. Die kleine Phrase wollte diese Reize, der von einer intimen Traurigkeit bestimmt war, imitieren, wieder schaffen, und hatte sie bis in ihre Essenz, die doch in ihrem jeder Mitteilung verschlossenen Wesen liegt und die jedem anderen als dem, der sie empfindet, beliebig erscheinen mag, eingefangen und sichtbar gemacht. So gelang es ihr, dass ihre Kosten benannt und ihre Süsse geschmeckt wurden von all ihren Zuhörern (und seien sie auch nur ein wenig musikalisch), die diese Zauber dennoch später im Leben in jeder Liebe, die sie an ihrer Seite im Entstehen begriffen sähen, verkennen würden. Und ohne Zweifel lässt sich die Form, unter der sie sie verschlüsselt hatte, nicht rational erklären. Aber seit mehr als einem Jahr, während dem die Liebe zur Musik, die ihm selbst viele Reichtümer seiner Seele offenbarte, wenigstens für eine Weile in ihm enstanden war, hielt Swann die musikalischen Motive für veritable Ideen einer anderen Welt, einer anderen Gattung, von Finsternissen umhüllte Ideen, dem Verstand unbekannt und undurchdringlich, die aber dennoch sehr weohl die eine von der anderen unterschieden sind, unter sich ungleich in Wert und Sinn. Als er nach dem Abend bei den Verdurins sich die kleine Phrase wieder hatte vorspielen lassen, hatte er herauszufinden versucht, wie sie ihn in der Art eines Parfums und einer Liebkosung einhüllte und umfasste, und er hatte festgestellt, dass dieser Eindruck von zurückhaltender und unbeständiger Süsse von dem geringen Abstand zwischen den fünf Noten, die sie ausmachten, und von der steten Wiederholung von zwei davon stammte; aber in Tat und Wahrheit wusste er, dass er nicht über die Phrase selbst nachdachte, sondern über einfache Werte, die für die Bequemlichkeit seines Verstandes die geheimnisvolle Einheit ersetzten, die er wahrgenommen hatte, noch bevor er die Verdurins kannte, als er die Sonate zum ersten Mal vernommen hatte. Er wusste, dass noch die Erinnerung an den Klang des Klaviers den Bezirk, in dem er die Dinge der Musik sah, verfälschte, dass das dem Musiker offene Feld nicht eine armselige Tastatur von sieben Noten war, sondern eine unermessliche Klaviatur, noch fast gänzlich unbekannt, wo nur hier und da, getrennt durch dicke unerforschte Finsternisse, einige der Millionen Klaviaturen aus Zärtlichkeit, Leidenschaft, Mut, Heiterkeit, die sie ausmachen, jede so verschieden von der anderen wie ein Univserum vom andern Universum, entdeckt worden waren von einigen grossen Künstlern, die uns den Dienst erweisen, indem sie in uns die Entsprechung des Themas, das sie gefunden haben, wachrufen, aufzuzeigen, welchen Reichtum, welche Vielfalt ohne unsere Kenntnis diese grosse undurchdrungene und entmutigende Nacht unserer Seele verbirgt, die wir für Leere und Nichts halten. In ihrer kleinen Phrase, obwohl sie der Vernunft eine dunkle Oberfläche bot, fühlte man einen so dichten, einen so ausdrücklichen Inhalt, dem sie eine solch neue, solche originelle Kraft gab, dass jene, die sie gehört hatten, sie auf gleicher Stufe mit den Ideen der Vernunft bewahrten. Swann bezog sich auf sie wie auf eine Anschauung der Liebe und des Glücks, von der er unmittelbar wusste, wie speziell sie war, wie er das von La princesse de Clèves oder von René wusste, wenn sich ihr Name seinem Gedächtnis darstellte. Selbst wenn er nicht an die kleine Phrase dachte, existierte latent in seinem Geist genau gleich wie gewisse andere Begriffe ohne Entsprechung, wie die Begriffe des Lichts, des Tons, des Reliefs, der körperlichen Wollust, die zu den reichen Besitztümern gehören, mit denen sich unsere innere Welt schmückt und wechselt. Vielleicht werden wir sie verlieren, vielleicht werden sie ausgelöscht, wenn wir ins Nichts zurückkehren. Aber solange wir leben, können wir genausowenig so tun, als hätten wir sie nicht gekannt, wie wir auch eine wirkliche Sache nicht leugnen können, genausowenig wie wir zum Beispiel nicht am Licht der Lampe zweifeln können, die man anzündet, vor den verwandelten Dingen unseres Zimmers, aus dem sich bis auf die Erinnerung der Dunkelheit alles Dunkle verloren hat. Dadurch hatte sich die kleine Phrase von Vinteuil, wie ein gewisses Thema aus dem Tristan zum Beispiel, das sich uns auch als einen gewissen Besitz unseres Gefühlslebens darstellt, unserem sterblichen Stand angepasst, etwas Menschliches angenommen, was ziemlich berührend war. Ihr Schicksal war mit der Zukunft verbunden, mit der Wirklichkeit unserer Seele, von der sie eine der spezielleren, eine der unterscheidbarsten Zierden war. Vielleicht ist das Nichts das Wahre, und alle unser Träumen existiert nicht, aber wir fühlen doch, dass diese musikalischen Phrasen, diese Begriffe, die auf sie bezogen sind, dann auch nichts seien. Wir werden vergehen, aber wir haben als Geiseln mit uns diese göttlichen Gefangenen, die unserem Schicksal folgen. Und mit ihnen besitzt der Tod etwas weniger Bitteres, weniger Ruhmloses, vielleicht gar weniger Wahrscheinliches.

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Das Gurren der Tauben

Das Gurren der Tauben

Aus den Bäumen um das Haus —

Wie die Rede einer Greisin:

„Mir geht es gut… doch doch!“ — 

Misst nicht die Zeit

Misst anderes

Dessen Verstreichen & Auffliegen

Weder in Tagen noch Nächten

Mondzyklen & Kometenbahnen

Noch in der Blüte der Linden

In den ersten Küssen oder

In letzten Untreuen gezählt werden kann:

Ein huschender Laut

Der nach etwas hascht

Das nicht vergeht. 


Widerstrebend heben 

Die Bäume um das Haus

Die weiten Äste im aufkommenden Wind — 

Ein Atmen der Erde

Ein Anfang von Flug.


Und wieder gurren die Tauben 

Verborgen in den Tollen der Bäume

Als sei nichts gewesen

Nicht Wind noch Regen

Als sei nie etwas

Nicht du & nicht ich

Nur das Gurren und

Die gezausten Schöpfe der Bäume. 

Das Monster aus der Tiefe

Borten aus nussbrauner Anhänglichkeit:

Alle Gefässe zerplatzen

Unterm geringen Druck…

Nicht mehr mit Streifen!

Ein allzu gegenwärtiger Reifen

Um die Körpermitte gelegt… 


Und ich streichle dein ungetrübtes Gesicht

Mit den klaffenden Fangarmen

Dein quallenklares Gesicht

Als könnte sein Entweichen in höhere Schichten

In tintenfreie Schichten

Behindert werden von meinem hirnfarbenen Glibber. 


Du entweichst 

Wie die Sahnevolke im Tee.

Auf meinem Schnabel glänzt

Der Revierruf wie Orangeade —

Wie deine Orangeade und auch

Mein Schnabel ist deinem gleich:

Die zarten Zottel der Lippen 

Die festen Zähne der Bitten

Innen weich & bröcklig & klebrig

(Dem Blütenweiss anhänglich)

Wie die glitzernde Spur der Schnecke

Auf den Flossen der Bergenie

In der Mittagsstunde…


Das Monster aus der Tiefe!

Ein letztes Aufquellen 

Und lautloses Platzen

Im Sinken des organischen Schnees

In das Gedicht vom Meer. 

Erstaugust-Philippika

Rasenmäher schaffen Lagunen. 

Der Raddampfer schlägt 

Die Sahne des Vormittags. 

Die Feiertümer setzen an den Sandbänken von Mall & All an — 

Laufende Kosten der Ermittlung 

Eines Mittelwerts der untiefen Kaiserschnitte. 


Alles ist schon vorbereitet.

Huckepack auf den Arm genommen

Erhebt die Staatsbürgerschaft

Einen Taumel in der Schale

Bis obenhin gefüllt mit Demenz Redundanzen Tafelwerk und Rekurrenzen

Sowie notabene auch

Ein wenig Schüttelruhm und Bütteltum

Aber vor allem 

Vergessen wir es nicht

Eine Schale der Wohlbemessenheit

Schnippeldischnapp

Mag der Schaum noch so schäumen —

Für das Staatsbürgertum die Schale

Voll taumelnder Heimatpillen: 

Wehe den fetten Schirmen und den Rettungswölfen!


Die Wiesen grünen wie Bühnen des Ebenmasses. 

Dass alles in der Lagune versinken soll

Auch die wie Bordüren geschorenen Borde

Die doch eben noch erquickend schäumte 

Mit gerechtem Zorn und orangen Schutzwesten: 

Ausländische Handgriffe an den Eutern der Ausschliesslichkeits- und

Guillotineklauseln… Bürger sind Würger und

Indianer wohnen in ihren Kehlen

Die sie weiten wie Schilf 

Und durchwühlen wie Tunnels.


Und der Raddampfer des Vormittags

Läuft auf 12 Uhr auf. 

Gebet No. 20

Herr ich baue keinen Turm

Denn ich kann & will nicht rechnen. 

Und ich scheu nicht deinen Rechen. 

Herr ich brauche keinen Turm

Und ich werde gerne blechen.

Herr ich baue keinen Turm

Denn ich kann & will nicht rechnen. 


(eine Antwort auf Lukas, 14, 28f.)

Medea V

Die Kinder werden gut

Wenn ich sie halte

Ihre blonden Köpfchen zwischen meinen Brüsten. 

Auch für ihn sind sie kein Gut:

Der kleinste unteilbare

Gemeinsame Nenner:

Und doch zählt er wie ich

Die Dinge an ihnen

Die sein sind und 

Will sie häufen höher als die Dinge

Die mein sind an ihnen. 

Er nimmt ihnen

Was er kann — 

Wie er mir getan.

Er gibt ihnen das

Was ich nicht geben kann —

Wie er mich gefangen. 

Die Kinder kommen von ihm 

Ausgewechselt und fremd

Seine Augen glänzen in ihnen

Seine Worte flattern aus ihnen.

Und fast lächelte ich

Gefangen von diesen

Mutwilligen Lektionen der Menschlichkeit.

Aber ich lasse mich nicht

Von Mutwilligen beherrschen!

Ich nehme sie an meine Brust

Und fühle sie dort zucken & zittern. 

Sie wehren sich ein wenig

Und werden bebend 

Wieder gut und nah bei mir. 

Noch eine Weile sehe ich in ihren Augen 

Seine Worte und in ihren Mündern

Höre ich seine Augen leuchten. 

Ich gebe ihnen Scharfes zu essen

Nicht Süsses und an ihren Tränen

Lese ich dass das Gut

Das er ihnen einflösste 

Sie wieder verlässt.

Nachher sind ihre Augen 

Meine Augen & ihre Münder

Sprechen meine Sprache. 

Ein Rest bleibt ihnen von ihm immer

Ich weiss es und kann es nicht hindern. 

Salz in ihrem Hirn und

Kalk in ihrem Herzen. 

Regenfalltag

Der Regen fällt. Ernüchterung.

Änderung ist anders. Tatsache.

Es geschehen Fakten:

Das Grün ist auf dem Weg zur Morbidität. 


Die Spatzen scharen sich in Hecken zusammen.

Keiner schlägt mehr Kreise in den Kreis mit seinen Flügeln

Von der Grösse einer Kinderfaust

Halb Bad

Halb Teller. 


Nein. Regen fällt und streift

Eine weitere Hülle über die Dinge:

Darunter die Trunkenheit

Die alles potenzierende. Blank und

Musikalisch geschieht die Welt

Was alle Tage geschieht:

Entzug des Tanzes

Anflug des Biederen:

Die hüpfende Amsel auf dem Rasen

Mit ihrem Schnabel wie

Der Stadtgärtner mit seiner verlängerten Hand.


Regen fällt und hüllt

Nüchtern wie eine Traube

Ein die Tromben der Möglichkeit

In seinen Streifenfaltenplastikbeutel. 

Vase, zerbrochen

Nicht länger wie ein Spiegel:

Zersplitterter Boden.

Im Nachenlosen

Wurzeln die Strünke.

Der Laich des Morgentaus ist nicht mehr 

Als Salz auf den Stimmbändern der Halme. 

Die Äste überm Ufer berühren

Verdorrte Luft. 

Eine Schleppe aus Sand

Kehrt von den Gleisen 

Den Schimmer & Glanz. 

Die Sonne knackt Wespen

Wie Kakerlaken auf. 

Der Boden bricht weiter entzwei

Für die Dunkelheit aus der Hitze.

Ein einzelner fetter Käfer 

Kratzt über die Schale des Firmaments

Wie die Spitze einer Feder über Pergament. 

Die Unterschrift eines Schiffers. 

Nummer 255

Rasch schiesst es ins Blut:

Die Senke ist kein Ort

Für baumelnde Taten.

Über den Wiesen die Schellen!


Die Marschrichtung wird flacher:

Das Getreide über dem Kopf und

Das Weiden im Wald: Rache

Wie das Rosenfleisch der Muschel.


Lass bleiben das Ungestüm im Zahlenwerk

Klappern die Räder aus Zähnen. 

Rasch schmilzt die Zukunft 

Auf die Grösse einer Murmel.


Jemand muss die Nadeln kennen.

Jemand muss die Adern trennen.

Jemand muss die Knoten lösen.

Jemand muss die Spuren lesen.


Rasch spielt es im Blut:

Ein Gurgeln im Hahn

Das die Leere sagt

Und der Abfluss wie ein Anemonenmund. 

Nie nie mehr!

Nie nie mehr!

Kein Weg wie die Wiege

Keine Wiege wie der Trug

Kein Trug wie der gebogene Brand!


Nie nie mehr!

All die Riegen in den Toren der Stadt

Blaue Flammen aus der Stierheit und Spiegel

Aussteuer der Wohlkommenheit!


Nie nie mehr!

Entschlüpfen dem Baal

Verrücken die Zahl:

Pile ou face der Losung der Erwürfelung

Die am Knöchel als Lösung uns fasst!


Nie nie mehr!

Wiegen sich Wege in Stiegenfall

Liegen die Lieben in Mahlzahl zuhaus

Zu Hass wird die vermiederte Besinnung. 


Eine Kiste voll Kies

Für meinen Gaumen!

Eine Kiste voll Kies!

Mein Knirschen soll nicht länger

In Sicherheit sich wiegen

Vor den Toren der Stadt.


Nie nie mehr!

Die Tiere alle

Zerquetsche Zitronen

Lumpenbilder des Atmens

Kriechend & weichend

Ungejätet & ungeboten…


Nie nie mehr!

Keine Nische für Wagen

Keine Busse für Trinker

Keine Glieder für Reife…


Eine Kiste voll Kies

Für meinen öden Willen…

Das Lichtlied für all die

Schwarzeneggers.


Nie nie mehr —

Ein Tropfen Tran auf der Haut des Abends

Ein Hopfenfeld voller Affen —

Lasst uns die Ecken der Häuser

Pudern mit unserem Leib aus Sand. 

Oral poetry & ich...

Meine Gedichte sind Briefe; ursprünglich Liebesbriefe. Oder Tagebucheinträge. Eher selten handelt es sich dabei um Reden, Voziferationen; doch in letzter Zeit häufiger. 

Sie sind also stumme Zeugen. Dem Blatt und weniger der Zunge verpflichtet. Zuerst. 

Natürlich wohnt in ihnen der Laut genauso wie in jedem Buchstaben, in jeder Ziffer. Ist er denn auch berechnet, mitgerechnet?

Geht mein Gedicht aus dem Laut oder aus dem Blatt hervor; aus dem Wort oder dem Inhalt?

Ich beschreite beide Grenzen, das Spiel und die Aussage, das Zeugnis und die (hintersinnige?) Scharade. 

Der Anfang eines Gedichts ist ganz dem Laut verpflichtet. Gewisse Laute kommen ganz natürlich: die Kombination von A mit U, verbunden mit einem Konsonanten (Tagundnachtgleiche, aber auch Nonsens-Wörter wie Nagular), sehr häufig auch die Verbindung eines hellen Vokals wie Ä mit einem noch helleren wie E: woher mein „Zeichen-Wort“ „während“ kommt. Bald aber macht sich der Drang nach Aussage breit, die Wörter werden zweckdienlich, sehr zweckdienlich. Der Laut bleibt dominant, aber ist jetzt eher dem Lautspiel verpflichtet, das den Zweck kaschiert. 

Und hier stecke ich fest. Was geschähe, entwickelte ich eine oralere Form meiner Gedichte?

Der Aleator beim Zöllner

Die Notorietät murrt nicht mehr

Gegen die motorische Haltung der Wortköder.

Das wäre geschafft. Konjunktion

Aus Sabber & Mutmassung. 

Die aufgedrückten Preise

Die ausschliesslichen Rummel

Lassen die Gestalt der Abwertung des Zinsgroschens

Hinter sich. Es gibt genug Vieh

Für hochgestreckte französische Ziele.

Die berühmten Zahlen

Scrollen die Jalousien der Läden herunter

Wie ein Kommando der Sittenpolizei:

In der Matrikelnummer nur

Die Ausschliesslichkeitsdaten

Der eingeübten Schlagbäume. 

Und das wäre mal was:

Allein mit dem Zöllner

Der mein Gedicht aufwiegt

Das verzeichnet ist im Register der Notfallnummern. 

Der Aleator II

Adagio geknebelt

Unter den Zwiebeln

Über den Schamlippen


Die einen wie die andern

Tausendfach umgebrochen

In beckmesserischem Adlibido.


Denn dies ist die Zeitenwende

In Ungestüm & Tandaradei

Aus der einmal dann wahrscheinlich


Mit Krügen geschöpft wird bis zu den Wurzeln der Erlen hinunter

Was übrig bleibt vom Salat

Der vorsichtig hüpfenden Zehen unterm Laken.


Ein Adagio aus Schamlippen

Und Zwiebeln wie gerufen das

Zur Unzeit die Tastaturen durchpflügt


Und aus den einen tränt das Glück

Und aus den andern schwillt das Stück

Das wie ein Pilz einen musischen Lukmanier


Oder ein zinsloses Darlehen ist

Für langlebige aber gerade Furchenstrecken

Und unbegründete Sehnsüchte nach dem Ende.


Über allem wie eine Stromkette

Auf und ab gleitend im Atem der Halbinseln

Die dumpfen Worte des Adagios


Die Ahs und Ohs der Murkse

Die scheibeln die Zwiebeln wie weiland Grossmutter

Und die Schamlippen schmieren wie Zöllner


Mit dem Abguss von zündenden Ideen

Mit den letzten Worte der Pandämonier und Harfenistinnen

Und der Pause der Unkenrufe


Bis zum ersten Bissen am Knebel oder an der Knolle. 

Der Aleator

Was immer die Kaleidoskopen halten

Versprechen die wuchernden Epikopen

Über Epizentren aus bissigem Stein und hissendem Herz.


Der Aleator kennt kein Erbarmen

Weder mit den Hochstrassen in der Brust der Frauen

Noch mit den Katapulten in der Stirn der Männer:


Alles ein wilder Ritt durch die Dekorationsgeschichte:

Vom Cabanon in den Kanon und zurück

Zu Mme de Maintenant!


Alles Sorgen sammeln sich unter seinem Fuss

Der niederhält die Biederkeit griechischer Backenzähne

Und den Mut der antisemitischen Stadtflüchter. 


Hinter jeder Harke lauert

Eine dark plume und 

Hinter jeder Hecke sabbert


Der Tumor in Gestalt eines Bonzen

Im Gewand eines Schweizers. 

Oh der Finger Gottes im Zement!


Donnernd markiert der Aleator

Den Eintritt in die neue Ära

In das neue vervielfachte Äon


Und die paar statuettenhaften Begehren

Die den Harfensaiten der Begegnungen noch entgehen

Finden sich wieder im Tor des Sommers aufgespannt:


Wo die Perioden in Säuglingen platzen

Wo die Fernseher in misslicher Lage herbe

Enttäuschenden bewerben und wo


Endlich endlich die ersten Keime der Verbrunft spriessen. 

Es ist gut

Der Hasenscharte der Vase

Deren Scherbe die Erde

Entspringt ein Feuer

Die Vase wölbt ihren Bauch in den Himmel

Und ihre Sprache ist ein Schnauben & Donnern

Von vielen Zungen. Ihre Stimme

Die Stimme des Ofens:

Eine Wut so heiss

Wie Gottes Samen

In unseren Stirnen

Eine Ohnmacht so stark

Wie Gottes Namen

In unseren Taten:

Jeder Strich ein Zeichen und

Jeder Schwung am Buchstaben und

Jedes Zucken an der Ziffer

Erinnert an die Stimme des Anfangs:

Ein Haufen Krumen

Mit der Sprach eines Ochsen

Der Geduld des Esels…


Und die Lava aus der Vase

Deren Scherbe die Erde

Entringt uns den Mut

Erhitzt uns das Gemüt

Das tönerne Gemüt:

Wir erschaffen selbst

Gefässe & Geschosse

Mit denen wir die Scherbe bedecken

Bis zum letzten Sprung

In der Hitze des Alltags:

Und sagen Dank

Und sagen Gut ist es…


Denn gut ist

Was du schöpfst

In allen Zeiten

Ist gut das

Was du schaffst

Ist nicht dein mehr

Und ist doch mehr

Als kalter Stein & trockene Schrift. 

Wie eine Wache in der Nacht

Neben der ich liege

Sie ist krank

Unversehrt & krank

Sie funktioniert nicht mehr

& die Ärzte sind hilflos: finden

Weder Ursache noch Wirkung.

Zum Zerreissen gespannt

Zum Zerplatzen gefüllt. 


Neben der ich liege 

Verwirrt & müde

Sie ist mein und geht voran

Ungetäuscht & wach — 

Die trockenen Augen wie Frösche auf mich gerichtet…

Alles Ungestüm hat mich verlassen wie die Ratten auf dem Schiff:

Es gibt keine Rückkehr mehr

Es gibt keinen Anfang mehr.


Neben der ich liege 

Sie wird nicht schlafen

Die ganze Nacht & ich

Halte ihren heissen Körper 

Mit meinen Fischhänden…

Die sie nicht mehr erträgt & von sich schiebt…

Ihre Augen 

Erfüllt von Angst & Bitte

Ihr Leib

Gespannt vom Ostwind

Diesem weit herkommenden Schrei nach einem Joch —

Alles hält mich hier 

Neben ihr. Sie wird nicht

Schlafen noch träumen. 


Neben der ich liebe

Sie ist der Grund für mich

Sie ist das Resultat für mich —

Meine Augen flattern & schwinden & ich habe

Nichts mehr zu sagen. 

Ich denke nur an Schlaf.

An den weit offenen Fenstern klebt 

Schweissdunkle Schalheit

Laute Unbewegtheit…

& ihre schwarzen Augen blenden mich

Was mein Gott ist unter ihrer Schale?!


Neben der ich liege

Sie will mich halten 

& ich schmecke das Salz ihrer Wangen —

Oh könnt ich nur schlafen!

Mich in die Arme des Traums werfen

Weg von ihr & dem

Was kommen wird

Was mich hilflos ausliefert dem

Was mein Leben wird

Über uns die flackernde Fahne der Dämmerung.

& der Traum löst sich von mir 

Mit dem Geräusch eines aufgeweichten Blatts

Das entzwei gerissen wird. 

Lazarus

Harmlos die Dinge.

Wenn sie sich nur umdrehten nach uns!

Das Bett nimmt mich auf wie mein Hemd.

Die Brille nimmt mir alle Ehrlichkeit.

Die Feder nimmt mir alles Nachdenken.


Selbst unsere Glieder 

Vom After zum Auge

Vom Fingergelenk zur Synapse

Zählen zu ihnen.


Eine Umarmung

Ein Kuss

Eine Hand im Haar —

Wenden uns um.

Handschuhe für Dinge sind wir.

Alles ist ihnen möglich

Wir das Echo der Möglichkeiten.


Der Zorn

Wie Gott nahe

Vor der Türe 

(Draussen)

Bäumt sich auf 

Über der Ohnmacht

Über dem Ohngesicht

Dem Ohngesicht meiner Liebe

Der Ohnmacht in der Wurzel meines Körpers

Aus der meine Liebe sprösse & schösse

Wie die Dolden des Schneebesens

Harmlos

O ja harmlos.


Aber woher denn

Der Gram

Wie das Fleisch einer Muschel

Meinen Magen wendend

Wofür?

Der Gram 

Die harte Kruste

Des Unwendbaren

Des Unabwendbaren…


Lazarus war sehr zornig…

Hitzefrei

Der Kalender ist aus Hefe.

Die Sonne scheint auf seinen hellen Bauch.

Es wurde Zeit

Die fingerbeerengrossen Abdrücke

Die der Frühling hinterliess

In seinem taumelnden

Ich-bin-der-Dingsbums-Lauf

Aufzuschwellen. Jetzt

Darf geweint werden

Gibt es kein Halten mehr…

Zur Verdeutlichung der Korruption

Dient der mondhelle Bauch des Kalenders.

Hier wird in die Hände des andern gespuckt

Die ballistische Kurve der Sommerzeit

Als Jabobsleiter der Schwarmärkte:

Wirkliches Dingsbums ohne Schnickschnack

Bye bye Heideröschen! Und dann:

Hallo? Ist da jemand?

Ach, die übliche winkende Hand

Die niemand sieht ausser ein paar Apotheker!

Doch nein an jedem Strand

Ist er schon der Bauch

Der aller Definition spottet

Aber nicht aller Versicherung.

Was für eine Freiheit auf einmal!

Anzüge & Suppenküchen stehen Spalier

Für Frauenbeine & goldenen Glanz im Glas…

Was für eine Revolution!

Die Kinder alle gefressen — 

Im Rumpeln wird aus das

Klar wie Klossbrühe. Hm.

Und ich schiebe

Meinen Lineal zur Seite

Mit dem ich die Schwangerschaftsstreifen

Zu begradigen versucht habe.

Es wurde Zeit ja das wurde es

Die Hefe ist warm wie die Achselhöhle.

Der Kalender

An dem bisher alles hing

Wird gleich platzen. 

Ich sauge am Finger und denke

An nichts ausser an

Einzelne Seiten

Aus der Wüste Atacama.

Serifen

Die Taren sind invasiv.

Der Mutterwitz befällt auch

Die vaterlosen Murkse. 

Klemmvorrichtungen in Beisitzern.

Die Bleigewissen loten aus

Noch die letzten Exempel

Mit Faustkeilen & Fontanellen

Gebrochenen Nasen & Glückshauben.

Die letzte Schulter 

Die zum Lehnen war

Fällt in Hände

Die nicht mehr an Mauern schreiben

In abrasive Hände. 

Wie das Kratzen ind er Kehle 

Und das Schleifen der Messer

Neophytischer Ernst und 

Stochastischer Plunder. 

Nordsee, peripatetisch

Der Kram: Zaun aus 

Pünktchen Pünktchen

Über denen der Haken des Krans

Die blauen Serifen der Zeit hebt.

Das klappernde Werk

Aus Stengeln & Stelzen:

Eine Art Schoss

(Staun-offen)

Aus dessen Kieme

Die Perikopen der Söhne und

Die Peristaltiken der Töchter 

Insektenfühlern gleich wachsen: 

Eine Art Schrift

Die Zeile um Zeile legt

In die Container der

Vergangenen Liebe und der weit vom Stamm 

Gefallenen Geständnisse.

Und niemand

(Wie immer 

in Worten: niemand)

Untersucht das Löschpapier

Voller blauer Spuren der Strandläufer.

Enthaltung oder Erhaltung.

Enthauptung (und Aufspiessung) oder

Auflistung (und Aufspiessung).

Die Fühler zittern noch.

Der Haken schwingt aus.

Die Scherben in der Sohle des Gedichts. 

Halbe Sachen. Vorsichtige Lippen.