Gedichte von Januar bis März 2015

Nachleben

Fast nichts wird.

Alles verbrennt im Nahleben. 

Üben die Tauben in ihrem Ruf

Etwa Nachsicht? Die Störche

In ihrem Klappern etwa

Ungeduld? Frage nicht

Was deine Hand für dich tun kann

Sondern du für sie zu tun bereit bist!

Die Verfassung garantiert 

Die Unverletzlichkeit der Fährten. 

Wer streicht denn nicht

Umher mit aufgesetztem Nachtsichtgerät un verkohltem Gesicht

Auf der Suche nach dem letzten Wilden?

Auf den Höhen die Wimpel der Freudenfeuer

Wie die Augen einer Armee von Spinnen — 

Nah am Leben sein… 

Die Wurzeln der Eibe krallen sich in die Erde:

Haben sie dadurch die Erde erfasst?

Die Lende des Lebens stakst vorüber

Mit vorausnickendem Gehorsam. 

Fasst sie! Fasst den Frevler!

Und ist Nachsicht besser 

Als Vorsicht und Tageslicht nicht

Zuträglicher als Nachtlicht. Die viehischen

Fernen umstreichen uns keckernd mit erhobenem Schwanz

Und die Wüstenei streut Nissen in unsere Haare. 

Wer hat gesagt

Dass alles gut wird — 

Welche Idiotin hat das

Wider besseres Wissen

Unsere Schöpfe verwirbelnd

Wieder & wieder

Behauptet?

Nichts ist zu behaupten hier. 

Fass dir mal an die Eier: 

Sind sie noch da?

Die Blüten sind auch nur

Passagiere. Vögel können auffliegen. 

Tinte verblasst und Liebe ist

Wie ein Schluck Wasser. 

Warten auf Aufflug

Unter meiner Zunge haust ein Ameisenhaufen.

Meine Gedanken flippern — flippen.

Unter meinen Nägeln rasen die Sekunden

Rasen wie kreischende Kreiden. 

Unter unter unter. 

Gibt es denn kein Halten mehr?

Gibt es nur noch diesen Stoff

Der immer spröder wird

Vom andauernden Befingern?

Die Stimmen der Menschen — 

Gabelstapler des Nichts.

Meine eigene Seele eine leere Palette.

Und in meinem Herzen

So sagt man doch nicht wahr?

Dort rauft sich Iwanuschka die Haare!

Meine Seele ist ganz dünn

Vom andauernden Vergewissern.

Es geht gar nicht um Kommunikation

Meine Lieben macht euch doch nichts vor!

Das ist doch alles rein geschäftlich

Und nehmt es doch nicht so persönlich!

Selbst die Sirene eines Buschis im Feierabendzug

Ist nichts mehr als Marketing!

Und unter meiner Zunge wartet

Eine Brustwarze 

Gross wie eine Haubitze!

Für Momente gleiche ich mir selbst

Für Momente glaube ich daran

Dass ich nur die Arme spreiten könnte

Um aufzufliegen wie ein Komplott!

Jemand schlägt mir seinen Rucksack ins Gesicht

Und eine junge Frau steht mir auf den Zeh wie beim Tanz.

In mir wimmelt es nur so von Federn

Ich kann das Lachen kaum mehr zurückhalten. 

Kelter der Hektik und Keller der Oberfläche. 

Und alle turnen mit Kothurnen auf mir herum!

Oh bräche das Eis! Ist denn nicht schon April?

Aber nein. Sie kratzen weiter

Wie Vögel am Salzstein. 

Schneiden Figuren aus mir

Als malten sie Mandalas aus. 

Boat people

Lubrifikation des Gespürs:

Eine Art Kaffeesatz der Vorahnkerung.

Gewiss gibt es die Durchdringung der Enge…

Ebenso sicher ist auch

Die Bezwingung des Leichtmuts.

Bin ich der Leichtmatrose der Antizipation

Als der ich selbst den Hecken erscheinen werde?

Den von Spatzen geenterten Hecken…

Nichts geht über die Süffigkeit einer Erkenntnis

Die auf der Vorstufe zur Einsicht inne hält!

Seht die Berberitze! Ihre Dornen

Scharniere aus Sommervögeln!

Der Wind striegelt mein Haar

Wie ich meine Worte im Schilf

Dessen Schöpfe bald wieder zu Berge stehen werden.

Mancher Berber und mancher Laffe

Wird sich noch seinen Verstand an mir

Ritzen! Im erfüllten Ruderboot

(Ein Boot weil ohne Ruder)

Stehe ich und betrachte die ersten Rippen

Die der Wind dem Wasser zufügt:

Die Zeit der Lerche wird noch kommen.

Und die Wanderzeit ist immer. 

Mein Gespür ist lubrifickiert 

Und meine Hand

Wie ein Stempel

Wie ein Hebel

Fabriziert über den Linien des Hefts

Eine Landschaft

Aus verblassendem Möwenflug: 

Wer schleppt mich hierher?

Meine Hände sind tintig

Von all dem Öl

Aus Leichtmut und Frühling und Grasflut

In der Durchbohrung der Enge. 

Die Reling ist hoch wie der Bambus. 

Der Kwasstrinker

Die Salatblätter sind angebissen.

Die Probabilitäten haben die Probe 

Wahrscheinlich

Bestanden. Niemand weiss es noch genau.

Es herrscht der Kwasstrinker.

Das Gefährt der Briganten steht leuchtend am Zaun.

Die Randenfäuste rollen

Wie Granaten

Vor der einen Grossmutterhand in die andere Grossmutterhand.

Zum Teufel damit! Die Gefässe der Sprache

Halten dem Druck gerade noch stand. 

Der Kwasstrinker fährt sich übern Schnauz

Und kotzt 100 Kilometer in die Runde. 

In den Ballungszentren schleichen die Historiker

Um die Salatblätter

Die nur noch Brei. 

Der Entlassungsschein

Ist klein wie ein Spickzettel.

Bei den Briganten ist die Tasse 

Und der Zucker und die Elektrifizierung.

Das Gesäss des Kwasstrinkers 

Gebiert die Herrschaft des Volkes.

Der Teufel versucht eine letzte Ehrrettung.

Die Prüfungen können nur garantieren

Dass geprüft wurde. Die Schulabgänger 

Kümmert es nicht und auch die Chauffeure nicht.

Aber die Seele

Die Seele kriecht nackig 

An den Tischbeinen hinauf

Bis sie zum ersten Blatt kommt

Das nach Eisen schmeckt und Tränen. 

Benommen fällt sie hinab ins Beet

Hinab durch Stühle und Flöten

Ins Beet. Die Briganten nicken im Schlaf

Über den Kinderfäustchen des Kwasstrinkers. 

Am Brunnen stehen (Frühling ist nicht)

Hier ist der Brunnen.

Trocken wie mein Rachen.

Schwarz umrandet 

Wie meine Lippen

Nach dieser Nacht

Nach diesem Wein.


Bedenke die Steine!

Denke an sie! Höre sie

Rumpeln wie Regimenter

Deren Marsch lange erschallt

Bevor sie die Strassen des Städtchens fluten.


Keine List hilft mehr. 

Ich stehe da vor dem Loch

Wie die Rösser der Hochzeitskutsche

Die ihre Milchtränen weinen 

Am Fusse der Hochtreppe.


Und das Lachhafte — 

Hast du es in deiner Scham 

Auch bedacht? Die Sachen

Öffnen keine Welten dir —

Vollgeschneuzte Taschentücher

Über deinen Gesichtern. Mehr nicht.


Einmal noch die Rollen vertauschen

Mit dem Krämer und dem Schneider!

Mit der Nadel beten 

Mit dem Wallholz und den weissen Händen!

Diener nicht von Geschicken!


Deine Dummheit kommt dich leicht zu stehen

Deine Dummheit trägt dich noch weiter!

Das Sachhafte haftet dir an

Wie die Läuse den Haaren.

Schüttle dich nicht

Als lebtest du noch!


Ja der Brunnen ist es. 

Trocken wie mein Auge.

Die Sache ist zu Ende.

In der Scham- und in der Morgenröte

Entkleide ich mich für die Wut

Für die Milch der ersten Nacht. 

Zweite Natur (Frühling ist nicht)

Das ist nur Lack

Der im Licht spröde wird

Und in Haarrissen aufplatzt

Wie unter leichtem Druck eine reife Frucht.


*


Ich sehe sie wohl 

Die zweite Natur.

Helligkeit ist ein Gut

Wie Lärm. Lauter geht nicht.


Was ist lauter?

Niemand will es sehen

Das Euter der ersten Natur

Wie eine Zwiebelknolle.


Wie eine Zwiebelknolle gekrallt in Staub

De erste Natur. Weiss im Licht.

Arthritische Klaue

Mit einem Wort.


Mit einem Wort 

Das wie eine Münze ist.

Ich sehe sie wohl.

Das grosse Spiel beginnt.


Das grosse Spiel beginnt:

Der Glaube an Fröhlichkeit

Das Vertrauen auf Freundlichkeit.

Die Wurzeln wachsen auch.


Die Wurzeln wachsen auch

Verborgen wie alles unter unseren Füssen

Ausser dort wo viele

Durchgegangen in Hast.


Durchgegangen in Hast

Mit der Fratze des Frühlings

Unterm Arm. Nur unterm Arm.

Nah beim Herz und fest im Griff. 


Nah beim Herz und fest im Griff

Der zweiten Natur aus Grün und Blau.

Das Lachen ist laut

Wie der Lauf über Kiesel.


Wie der Lauf über Kiesel

Das sehe ich wohl:

Das Fersengeld ist teurer

Als wir glauben.


*


Das ist nur Schale

Die aufbricht

Und darunter der Bericht

Vom Fleisch der Erde. 

Gethsemane (Frühling ist nicht VI)

Alle reden durcheinander.

Das Imperium lächelt.

Die Strassen führen zum Weg.

Jeder für sich.


Das Leiden singt und spricht nicht.

Könnt ihr nicht eine Stunde wachen?

Der Tag ist eine Nacht.

Jeder für sich.


Die Boote sind immer überfüllt.

Das Imperium lächelt.

Der Weg ist Heimat.

Jeder für sich.


Die Seele ist eine Kruste von Salz.

Könnt ihr nicht eine Stunde wachen?

Traumverwurzelte Türen ihr!

Jeder für sich.


Wer weiss wohin sich wenden?

Das Imperium lächelt.

Alle sagen das gleiche.

Jeder für sich.


Und drüben dringt aus dem Erdreich

Schon wieder ein Stein hervor

Aus der Furch. Lies ihn auf.

Jeder für sich. 

Frühling ist nicht (Sterben!)

Sie werden sterben. Ein Kegel

Brennenden Blütenstaubs auf dem Ei des Auges.


Ihr werdet sterben. Ein Veilchen

Aufgesprungen aus gleichgültigem Laub.


Wir werden sterben. Ein Land

Verborgen in den Schellen der Narr-Zissen.


Es wird sterben. Ein Schnabel

Rasender Genugtuung im Storchensinn.


Sie wird sterben. Ein Saumtier

Störrischer Erfüllung im Fell der Kätzchen.


Er wird sterben. Ein Pfand 

Kostenloser Vergeudung und Vergütung in jeder Faust.


Du wirst sterben. Eine Nase

Gestochen scharf in den Schwindel des Erdreichs.


Ich werde sterben. Ein Würfel

Aufgelöst in erbarmungsloser Trunkenheit aus Mangel. 

Frühling ist nicht IV

Die Tage krümmen sich

Unter dem Druck des Lichts.

Der Himmel saugt alles an.

Gotttverdammter Staubsauger.


Einer singt vom Eisberg

Und es ist ein Liebeslied. Der Trottel!

Eisberge schmelzen. Regen ist Liebe.

Die Himmelsschnauze saugt.


Die Krähen sind lieb.

Sie passen weder Gefieder noch Lieder an.

Die Beine der Mädchen — Leimstifte

Die Oberarme der Jungen — schlecht gerupfte Pouletflügel.


Die Tage krümmen sich

Und gehen in den Parks in Knie- und Rumpfbeugen. 

Der Himmel hat alles aufgesaugt

Und speit es abends über allem wieder aus.


Was für eine Sauerei!

An die Regsamkeit der Spatzen

Vor meinem Fenster gewöhn ich mich.

Nicht aber an die unbegründeten Farben —


Himmelskotze pur.

Das soll schön sein?

Ich wünsche mir mehr Schatten.

Die Zukunft ist mir zu hell. 

Frühling ist nicht III

Alles geht seinen Lauf:

Die Knospen knospen

Der Abfall verfällt

Die Kinder werden

Die Bäumen treiben

(Das Gras übrigens auch)

Die Reichen sparen jeden Rappen

Die Armen vergeuden jeden Rappen

Und währenddessen

Werde ich auch

Zu einer Redensart

Zu einem polierten Metallspiegel.


Denn das Gras und das Haar wächst

Ohne ein Dazutun. Die Unruhe —

Die Ungenüge ist unser.

Jeder für sich. So ist es. 

Die Kanarienvögel sitzen hoch oben auf ihrer Schaukel fiepen —

Alarmierend ist das nicht. 

Deine Dunkelheit oh Schummler ist längend und engend!

Noch sieht man hoch in den Birken die Krähennester.

Die Amsel singt wie einer

Der Helium schluckt. 


Ja ich überlebe all das. 

Ich bin nicht Gras noch Haar

Nicht Sperling noch Taube

Nicht Schminke noch Spargel

Nicht Hahn noch Stier

Und werde ganz allmählich

Über Nacht und über Tag

Wie ein Tunnel unter den Mauern

Wie ein Hausarrest

Ein schmutziger weisser wackelnder Plastiktisch am Viktoriasee

Wie ein parlamentarischer Vorstoss

Zum Anstoss für eine Redensart.


Oh gewiss du mein Schummler!

Ich lasse mich nochmals täuschen

Von dem Unalltag

Den du lebhaft ausbreitest

Um mich 

Nicht in mir — 

Eine Fahne bist du 

Mehr bist du nicht. 


Und ich bin kein Patriot. 

Das Zeug zum Patrioten hat mir schon immer gefehlt

Die ganzen Knaller und Ausrufe. 


Und auch diesmal werde ich dich überleben

Nochmals überleben 

Sprichwörtlich schon

Werde ich dich überleben:

Mein Schummeln hat Wörter

Deines

Nicht. 

Frühling ist nicht II

Grau steigt der Frühling in die Stadt

Grau und silbern sengt er mit seinem einzigen Zeh

Die Karrosserien der Kretins

Die Vorbauten der Geschäftigkeit.

Die Bäume sind Halme

Die Gräser sind Krinolinen

Und wie Makrelen bilden die Hüften der Legastheniker

Die Zeit der Uhr. Grau steigt der Frühling

Hinunter in das Wallen der Wände

Auf denen die Farben aufplatzen

Prustend wie gasgefüllte Früchte.

Jetzt schreitet die Kretinisierung zur Tat 

Gelobt sei Gott! Die Frauen hat noch niemand gebissen

Die Männer hat noch niemand angeschissen.

Die barfüssige Sintflut des Grautums

Besinnt sich auf andere Töne — 

Die elektrischen Sandkasten der Jugend

Füllen sich mit dem Getümmel der abgeschlagenen Glieder

Der Arbeit von Lichtschranken und Torsensoren:

Die ungenossenen Hundertstel und

Die angerissenen Scheitel

Teilen sich das Grau des Frühlings

Das sich rosa färbt

Von all dem Blut

Das nicht vergossen wird

Um der Frauen willen. 

2 Einträge aus dem Schreibtagebuch

Wörter in ihrer ganzen Allgemeinheit in Gedichte schlagen wie Nägel in lose Bretter: und doch sieht jeder sein eigenes Bild an einem Ballonfaden im Wind hin- und herschwanken. 

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Lamblien

Ihr steht wirklich auf der untersten Entwicklungsstufe!

Abgründe des Lebens:

Flirrende Gedankenlosigkeit

In Finsternis Zotteln und Vertikeln. 

Euer Garten ist unten beim Dreck.

Wer auf euch scheisst

Hat nicht verstanden:

Darum geht es ja gerade!


Ich seid nicht schwer

Für zu leicht befunden steht an der Wand

Und sinkt ab wie ein Felssturz.

Still ist es bei euch da unten. 

Aber ihr seid zuhause:

Nicht in den Vororten

Wo man noch leer schlucken kann

Im Zentrum und im Trog des Körpers.


Für euch ist gesorgt.

Mögen andere bauen buddeln und ballen.

Ihr seid Schwarzfahrer der Entwicklung

In der Agglomeration aus Scheisse und Sättigung.

Und während der Körper Pässe fährt

Und von der Gewichtsverlagerung in den Kurven kotzt

Düst ihr mal schnell an den Ballermann

In der ninivitischen Kloake: frei und bereit

Für die nächste Wirtschaft und das nächste Geschäft.


Euer Garten ist eine flimmernde Dunkelheit.

Ein Sein jeneits des Seins: 

Ein versportes Plankton-Nichts

Ein verbohrtes Zysten-Wort

Wuchernd im Pendelverkehr 

Der Konsumation. Leviathan

Ist nicht euer Feind: 

Ihr überlebt auch seinen Bauch. 

56 Hope Road II

Marley verliert seine Dreads.

Seht den Strich in der Landschaft!

Und sagte man’s auch auf Hosendeutsch:

Das ist kein Löwe.


Die Lippen der Schwestern 

Machen Küchen-Geräusche.

Koriander wird fein zerhackt und Dill.

Hackende Fragen der Fürsorge.


Oh finge ein Haken

Seine faulige Zunge!

Sie bewegt sich noch und springt im Gaumen

Im trockenen Salzgaumen.


Niemand brüllt.

Alle flüstern.

Der See draussen blendet wie ein Schild.

Die Ärzte — vorsichtige Zahnstocher.


Das Rumpeln in seinem Leib:

Diebe rauben Vorratskammern aus.

Schmal wie eine Gazelle

Sitzt er überm März.


Aufstehen ist eine Tat

Als blättere man in einem Buch

Ohne die Schriftzeichen entziffern zu können.

Was hängen eure Hände wie die Pendel in den Häusern der Bürger?


Fasst euch an die Eier, Mann!

Steigt herab von eurem Kili!

Monomotapa ist jetzt!

Wir können das Reich!


Seine Augen winken noch

Seine Stimme säuselt.

Jah scheint auf seinem Kopf auf.

Marley hat seine Dreads verloren. 

Flug & Flux

Poesie ist ein Flug & Flux. — Ich stelle sie mir wie einen Habicht vor, der plötzlich und immer jetzt aus der Höhe der Abstraktion in den Grund der Fakten und Akte schiesst, dabei den Staub der Alltäglichkeit so aufwirbelnd, dass er sich eine Weile nicht wieder auf die Sachen und in die Rachen legt. — Oder wie eine Forelle, auch sie in schiessender Bewegung, nach einem Insekt springend über der festen und fliessenden Fläche, ein heller Blitz aus Schuppen, ein lautes Klatschen auf den Schild der Wirklichkeit, ein Durchbrechen dieses Schilds. — Poesie ist eine Bombe, die im Alltag den Alltag vernichtet. 

Saul-Orpheus

Du Saul du

Vom Bösen vom bösen Geist

Du mit deiner Botschaft 

Von Vorhäuten und für Fuhrleute!

Deine ganze Art ist die 

Eines Storchs: stolz und scheu. 

Du bist nicht länger unter uns. 

Man kann dich schon gar nicht mehr sehen!

Dein Gimpelgenicke vom Esel herab

Ist nichts anderes als ein Vorhofgackern

Aus Furcht vor Liebe 

Und Angst vor Tat.

Lass uns endlich in Ruhe 

Mit deinen Scharaden in denen 

Die Wut einer Turteltaube

Von der Ohnmacht des Siechen

Begattet wird! Du Abhängiger

Du Unsänger! Du Saul du!

Das Kreissen das du verbreitest

Kann uns nicht länger rühren

Das Hassen das du ausdehnst bis an die Ränder unserer Töpfe

Kann uns nicht länger stechen. 

Sieh doch unsere Häuser!

Sieh doch unsere Wege!

Sie doch unsere Füsse!

Sie doch unsere Rücken!

Und keine Saite 

Die dir der kleine Schwule dort

Anschlägt 

Kann dich begeistern 

Kann dir beipflichten

Kann dich befreien

Kann dir einrichten

Ein Herz von Verständigkeit — 

Dir bleibt allein

Die Grube deiner Raserei

In die du dich wirfst 

Wie in die Arme einer Wöchnerin.

Du Saul du

Vom Falschen vom falschen Geist

Deine Stimme ist zu hart und rau und faulig!

Geh aus unseren Ohren

Mit deinen Worten wie

Hartes Brot und struppiges Gras. 

56 Hope Road I

Kann dies schon das Leben sein?

Dieses kalte Flämmchen?

Diese hellen Bildschirme?

Diese dürren Gedärme?

Was ist es denn — 

Flechten auf Schieferstiegen

Sand unter Nägeln

Denn barfuss komme ich.


Das Haus ist nicht jenes mit der Adresse

56 Hope Road… 


Kinder spielen auf dem kupferroten Hartplatz

Nur das Knattern der Füsse

Und das dumpfe Seufzen des Balls

Sind zu hören. 

In meinem Rücken flüstert das Dickicht vogellos.

Rauch füllt meine Lungen als Gebet.

Ich stosse ihn von mir als einen Fluch.

Metallisch klingen alle Schritte

Nur die der Hunde nicht. 

Der Himmel — geronnenes Wachs.

Wer hat denn die gottverdammte Kerze umgeworfen und ausgelöscht?


Verschlungenheit des Gedankens

Mit dem ewigen Licht der Schuld. 

Auf den Bildschirmen und unter den Fingern

Zerplatzen Bonbons zu Zahlen und 

Gummibärchen summieren sich. 


Das Flämmchen des Monds über der Brüstung des Hochhauses

Auch wie eine kretische Schale

In der die Fürze der Eltern

Gerade so

Bewahrt werden können

Aber nicht das Leben. 

Es

Es nuckelt am Flickenteppich

Den man über es gebreitet hat. 

Der Saum ist schon überall getränkt.

Die Engel sehen aus wie kopflose gerupfte Hühner

Und drehen sich krächzend im Zwielicht.

Es ist nicht allein.

Es ist selten allein. 

Alle grüssen es mit einem Lächeln.

Es liegt in Kreuzform.

Seine Zehen sind Perlen.

Das krause Haar bedeckt feucht die Stirn.

Das Saugen klingt wie das Stottern eines Motors.

Der Hund hängt schlaff in seiner Nähe

Seine Augen glänzen wie vorbei schwimmende Fische.

Der Flickenteppich bedeckt nur Brust und Hals.

Im Nabel liegt eine Pupille.

Jetzt hat es sich bewegt. 

Das Bett hat gebebt. 

Der Kopf stiess irgendwo an.

Die Schatten auf seinem Gesicht

Von den krächzenden Engeln 

Ziehen Kiemen. Es ist alt.

Seine Hände sind zuckend geballt.

Es hat Wut. Niemand beugt sich darüber.

Jemand wischt das Haar aus der Stirn.

Die Fäuste zucken neben den Ohren wie Fühler.

Die Zehen machen Wellenbewegungen. 

Versuch eines Spiels

Komm zu mir!

Gehörst du nicht mir?

Und ob du zu mir gehörst!

Den Kopf ist nur die Larve

Aus der ich schlüpfen muss. 

Ich nutze dich und

Du nutzt mich. 

Ich kann nicht ständig daran denken

Und auch nicht immer wiederholen

Was unter der Haut

Knollengleich

Hervorbrechen will.

Ein zweites Geschlecht?

Ein Becher Wein?

Ein Sammelbecken der Unzufriedenen?

Sieh nur wie ich deine Faust

Entfalte ohne Kraft — 

Mit einem Speichel. 

Noch näher! Komm her!

Ich beisse noch nicht!

Deine Bubenstreiche

Schwimmen wie Fettaugen

Obenauf in der Schwärze deiner Pupillen. 

Ich sehe deine Leichen. 

Hier sind deine Eier. 

Sie können dir jetzt nicht mehr nutzen. 

Und ich habe es satt daran zu lutschen.

Was zitterst du?

Wieso singst du nicht mehr?

Gerade hast du mich noch erfreut

Mit deinen Sprüchen und Vergleichen!

Ist meine Nähe denn schon

In dich gefahren? Ich bin

Hier und nicht dort. Öffne 

Deine Augen und fahre aus

Ihr Gebiss — du hast es doch 

Nicht etwa verloren?

Jetzt komm endlich

Ich tue dir doch nichts.

Ich will doch nur spielen!

Hyperventilation

Die Nadel sticht

Genau daneben. Auch getroffen. 

Die Präzision dieses Stichs ist Absicht. 

Blut wölkt in die Kammer

Hinter dem Stich. Stumpf ist die Nadel

Die einen Fadenkurs stechen will

Grün wie das Moos an der Rinde gen Norden

Und rot wie die Talgkruste auf der Warze. 

Im Vorhof steht eine Frau — 

Ein Besen. Ihre Reisigstimme

Kratzt auf den Platten des röhrenden Winters. 

Zeit vergeht wieder. 

Ein weiches Nadelspitzenbett

Und du beisst in ein Gebäck

Das bröckelig bricht vor deinen Lippen.

Die Kammer in der sich Blut in Flocken ausdehnt

Fasst dich schon nicht mehr.

Was wunder wenn man bedenkt

Dass ein ständiges Danebenstechen

Der Präzision nur zuträglich sein kann. 

Und der Schmerz nicht anders als der Verlust wie eine

Dumme Kuh!

Ihren Seichstrahl in Plötzlichkeit und ohne Absicht

Wie einen Seilstrang

Auf dich richtet 

Und du dich zu fragen hast

Ob das Ernst oder Trug sei

Dass die Tinte schneller trocknet als Blut

Und die Bullen hinter dir her donnern

Auf ihren Pumps wie der eigene Atem

Am gespitzten Hyperventil der altväterlichen Bergzitze. 


(Für Thomas Kunst)

Altersgericht I

Die Sekunden schnalzen im Vorgenuss.

Ihre steifen Finger klappern über den Tellern.

Sie erwarten nichts und nichts erwartet sie.

Und während sie ihre Köpfe recken

Schnappt eine Türe zu. Die Krüge

Voller Innereien dampfen auf den Tischen.

Noch hat sie niemand angerührt.

Die Knochen warten auch

Warten auf ihre Verstreuung.

Mit oder ohne Arthritis?

Das ist ihnen so was von schnuppe!

Inzwischen klingen die Sekunden wie Hyänen.

An ihren Gestellen krabbeln irgendwelche

Chininhaltigen Überbleibsel.

Der Rest ist Kalauer.

Die abgemessenen Schnauzen kreisen wie Augen.

Von ihren Schnäuzen tropft ungestüm die Betroffenheit.

Noch eine Türe fällt ins Schloss.

Unterm Fleisch der Tatsachen

Biegen sich die Sehnen der Hoffnung

Mit einem Geräusch wie von Steinschleudern

Um die Knochenkrämpfe (Gürteltierreflexe) zu glätten.

Endlich schliessen die Sekunden ihre Klappen

In die man nicht mehr sehen konnte

In die kein Warenlift je fahren wird

Kneifen sie zu Münzschlitzen zusammen.

Der Rest ist Kakerlak. 

Jetzt fällt der erste Stein aus der Krone.

Nur der Thymian reckt noch steif die Blätter. 

Wildwest

Du weichst aus. 

Weiche nur aus!

Fürchte nur die Schuld — 

Du fürchtest der Zorn der Liebe mehr. 

Und alles weicht mit dir aus. 

Die ganze Welt an einem

Dünnen Faden. An deinem sehr

Dünnen Faden. Wer hätte das

Nicht gern? Weiche also aus

Verschiebe den Schmerz

Von der rechten Seite auf die linke Seite und

Von der linken Seite auf die rechte Seite und

Sofort. Dennoch wirst du 

Kein Perpetuum mobile schaffen

Du wirst nur an deiner Schuld

Herumrücken und herumdrücken

Wie ein Arzt einen Muskel untersucht

Der gut geübt plötzlich nicht mehr wollte —

Du wirst ausweichen und dich wegdrücken auf der Ersatzbank

Bis ans Ende der Welt. Und doch trägst du 

Die Untat und das Unwort

Das dir genehm war noch eben

In dem Hüftholster

Und zückst es regelmässig

Und spürst sein kaltes Eisen an der Schläfe

Das nicht beruhigen kann. 

Du hast getan was andere tun. 

Du hast gesagt was andere sagen. 

Vielleicht bist du sogar fähig 

Es zu denken wie die anderen. 

Aber ich zweifle daran. Du brauchst

All den Scheiss nicht. Wirklich nicht. 

Beteuere es nochmals. Und nochmals. 

Wirklich nicht. Es kann dir

Gestohlen bleiben. 

Gäbe es einen Zirkus der Schuld

Du wärest eine der Hauptattraktionen im Sägemehlrund. 

Du verletzt andauernd. 

Werde endlich erwachsen. 

Ergib dich dem Zorn der Liebe

Die zürnt und dann dich umarmt

Und ihr Zungenspiel ist wie Peitschenhiebe am Gaumen…

Oh sie wird dich

An- und aufsaugen

Zerbeissen und zerreissen

Und ausspucken 

Wie einen schadhaften Zahn!

Aber du wirst dir den Staub von den Hosen klopfen

Den Holster richten und den Hut

Und in den Sonnenuntergang schreiten

Mit Stiefeln die wie Karrenräder jaulen.

Und hinter dir her werden wandern

Die verwichenen Schulden 

Anhänglich und treu und zuverlässig

Und dich in den kalten Nächten 

Hechelnd wärmen. 

Dein Gesicht vergessen

Ich habe kein Bild von dir. 

Ich weiss noch

Dein Gesicht ist einigermassen rund

Dein Kinn hat genau die richtige Breite und Grösse

Deine Nase ist grösser in meiner Erinnerung

Deine Augen verblassen und sind fast schon gelb

Waren sie je kupferrot?

Das ist es 

Das ist das Wirken der Zeit!

Du vergehst in mir 

Wie ein Zuckerstück

Und selbst deine Stimme

Deine bernsteinfarbene Stimme

Kehrt nur selten zurück

Zu mir wie eine Feder

Die ich vor mir herblase…

Es gibt kein Bild. 

Je mehr ich daran denke

Umso weniger bleibt mir von dir… 

Ich will nicht mehr an dich denken.

Das bringt nichts. 

Das verrührt nur dein Bild

Und ich verrühre noch mehr

Meine Hände als wollte ich übers Eismeer hinweg

Zeichen geben das sich ausdehnt zwischen uns 

Wie die Flagge einer Nation von Freaks. 

Die Erinnerung ist ein Scheibenwischer

Der flüsternd über die Windschutzscheibe fährt

Und die Sternbilder aus Mückentod und Vogelschiss verwischt —

Fast erkenne ich dich darin

Aber schon hat der Scheibenwischer 

Ein wenig mehr weggewischt

Und meine Blicke folgen ihm jetzt

Hin und her. Da ist nichts

Was noch du sein könntest. 

Nicht einmal dein Name

Enthält etwas von dir und deiner Gestalt

Und vergebens versuche ich mir deine Hüften vorzustellen

Oder deine bleichen Waden im vergangenen Sommer… 

Du bist zur Feder geworden

Die mich niesen lässt jeden Morgen und Abend.

Du süsst mein Leben und mein Jetzt

Und das ist alles

Was ich von dir behaupten kann

Was ich von dir mit einiger Sicherheit behaupten kann…

Weiss wirst du erdbraun

Und zerfällst in Teile

Und löst dich ganz auf in mir. 

Ich trinke das was du sein könntest

Und die Süsse ist ekelerregend

Aber besser als das Zirpen der Scheibenwischer. 

James Dean

Lang wie ein Hals verstreicht die Zeit. 

Die Züge lösen sich allmählich wie Schminke auf. 

Und über den Knochen schimmert der Rost.

Langsam stirbt das Schweigen des Grases.

Aufblitzend als Wimpel zeigt sich die Meise.

Und unter dem Schnauben der Kühlschränke begraben

Hält sich gerade noch aufrecht

Die kurze Spanne Zurückmut. 


Ein Lärm nach dem anderen trifft auf die Schwelenschläfen der Jahre. 

Wie Kreide über die Tafel kreischt

Hellt die stutzerhafte Entleibung die Nächte auf.

Einem Lago maggiore gleich

Längt sich die fliegende Tolle des Elends

Bis in die ungefugten blätternden Handspannen der Wut. 

Eine Last weniger — könnte man denken

Wenn vom Stimmenreich ertaubt die letzte Einbildung

Und die ungestutzten Gimpel erneut die Astspitzen verlassen

Als gäbe es keine anderen Prinzipien als die

Vermehrung. Denkste! Eine Last weniger!

Der Marsch der Truthähne

Und wieder marschieren die Truthähne. 

Die einen sehen sie

Die andern nicht.

Die kümmerlichen Rezepte zeugen für

Die verdämmernden Gesetze.

Sie werden nicht durchkommen

Damit das garantiere ich euch.

Die eingehegten Bäume und selbst

Die Aschesträhnen der Weide oder

Die gegenwärtigen Kippen — auch sie

Werden sich beugen unter dem Trommelfeuer

Der Schneeglocken und dem Sperrfeuer des Krokus. 

Mögen die Truthähne marschieren!

Wer gibt ihnen Recht? Wer gibt ihnen das Recht?

Ihr Lachen brandet über die Baustellen hinweg

Über die Farbspritzer und Betonklumpen und Vorgärten mit ihren Mulden — 

Und hinter ihrem Marsch öffnet sich 

Eine weitere Glock

Und noch ein Kelch

— Fussstapfen der Zeit! —

Und noch eine Gunte spiegelt

Die offene Wunde des Himmels. Sie werden nicht

Durchkommen. Ich sehe sie kommen

Und ich sehe es kommen. Kein Staubkorn

Fällt ohne meine Absicht. Dies ist ein Rezept aus

Phosphor und Schwefel. Ein Gericht wie ein Panzer. 

Schluckt das mal und das!

Die Weide schüttelt ihre Locken

Die Birke leckt ihre Rinde — 

Was für ein merkwürdiges Unterfangen!

Das wird eine Schlachtung. 

Reckt nur eure fleischigen Hälse!

Ich komme euch mit allem andern entgegen. 

Vierzehn

Die Kraft wenn nicht stehlen so doch stehlen.

Die Unkräftigen stehen auf

Molluskenhaft und muschelbleich

Unblickend und mit den Zähnen klickend

Stehen auf mit Sohlen wie Engerlingen. 

Die Kraft ist barfuss. Merkt euch das!

Nun noch vor dem Tau fallend am Bahnübergang

Pressen sich alle gelb zusammen und stehen

Als Wolke gedrängt (wer hat hier dazwischengerufen: in Hosen!) — 

Eine sengende Scheide zur Aufnahme bereit

Des Kampfes und der familiären Rede… 

Das locker gefügte Erd-Reich umschliesst die Knöchel

Wie mit Mutterhänden. Die Kraft ist immer barfuss.

Trage deine Füsse bis an das Stehlen! 

Schweizerisches Massaker

Was für ein Massaker!

Nichts geht über einen zivilen Ton. 

Das Wort entspringt dem Willen von Ferkeln.

Die Krawatten sind geschürzt

Und die Lippen sind geknüpft.

Die Unzahl

Eben noch die Minderheit

Empfängt eine Art

Tiara der untoten Toleranz.

Verstiegenheit ist nicht.

Verbiegenheit alles.

Was für ein krasser Acker!

Dem soll ich die Steine lesen?

Was ihr nicht sagt!

Ungebärdigkeit ist nur der Vorname!

Den Tag haben sie beringt

Mit dem silbernen Löffelchen der Genüge

Den sie eingeschmolzen haben

In ihren lockeren Sprüchen

Die nichts erfassen und alles belassen.

Das ganze Land plärrt

Von den Stimmen der Gesunden und

Von den Buschis der Gemächtigkeit

Die sich selbst gerecht genug ist. 

Was für eine Habakuk!

Man wünschte sich fast

Gessnerische Geisseln

Aber der Hüte sind einfach zu viele!

Es ist auszuhalten.

Das muss auch gesagt werden. 

Gerade so 

Ist es auszuhalten. Die Apotheker

Decken in aller Stille

Die toten Buchstaben. 

Alles wird gut. 

Hauptsache Reproduktion. 

Frühling ist nicht!

Der bekannte Stamm des Ernstes:

Die lächerliche Blüte der Ehrlichkeit.

Ich schaue mich um und niemand liebt mich.

Im warmen Wind schwanken die Tannen

Und schütteln die Vögel aus

Die nicht mehr schreien.

Der Mut hat mich losgelassen.

Wenn ich lächle

Gleicht mein Gesicht

Einem Strunk.

Ich schaue um mich und liebe nicht.

Die Verzweigungen in jeder Sekunde!

Wie denn kann etwas daraus wachsen!

Der aufgeweichte Boden saugt weiter

Und die Vögel schreien nicht mehr.

Ich aber schreie noch weiter.

Die Armut des Wandels:

Ein warmer Wind genügt…

Genügt das mir? Es genügt mir nicht.

Ich will mehr - viel mehr. 

Der Humus leuchtet dunkel und bereits

Kriechen blutrote ausgezehrte winzige Ameisen

An den Fugen des Waschbeckens entlang

Wie die tastenden Finger einer liebenden Frau

An den Lenden eines wartenden Mannes —

Über den Hochhäusern mit ihren Balkonkinnen

Schrecken Krähen knatternd auf…

Ich schaue um mich und kann und kann nicht

Lieben! Ich wehre mich nicht gegen den Wandel

Und mache einen Bogen um die abgeschnittenen Platanenruten —

Als hätte man einer Spinne ihre Beine gezogen…

Es genügt nicht —

Diese Übung im Warten kann nicht

Genügen! Die Vögel schreien nicht mehr. 

Ich kann nur hoffen

Dass der Strunk auch Ruten wie Insektenbeine treibt

Und mein Gesicht mit einer fremden Bartform schützt

Vor den warmen Winden

Die dem Humus schmeicheln mögen. 

Die Welt aus Nippes

Lästerung! Die Nippes schwanken

Und der Brunnen ist noch nicht in Sicht. 

Bebilderung der Furcht

Aus den Sonnen der Grossnichten nicht:

Kelterung: ein Tuch aus Anken

Gebenefeit in dem Stampfen

Auf den Dornen und Vorrichten. Bricht

Den Götzen der Hals nicht

Wenn sie ihn so vorstrecken?

Ach die Tassen der Vorstellung!

Ach die Trassen der Anstelligkeit!

Beschilderung der Zucht:

Benetzung des globalen Säuselns

Durch die Unspunnensumme der Herkömmlichkeit

Schwer wie eine Scheibe Platitüde

Und ebenso sichtbar. Die Schlichten

Saufen den Wein so. Rabelais

Hätte sie gemocht. Ihren Pflichten

Sind sie näher — sie errichten

Übergänge in die Furcht und bedecken

Die Zwänge des Geistes mit dem Zweige

Des Paradieses damit der Schrecken

Nur noch von Menschen verbreitet werde. 

Ach die Rippe der Wut!

Ach die Lippe voll Blut! 

Die Scham erfasst die Erde

Und dreht sie geschwind mit dem Rücken zur Wand

Auf dass die Arbeitsamen nicht schlichteten:

Richteten

Ein die Vorbauten der Wirklichkeit

Aus die Vorlauten auf Willigkeit. 

Was es braucht

Es braucht einen Zweig zum Fliegen

Es braucht Dornen für Trauben

Es braucht Welpen für Geier

Es braucht Wut für Wissen


Es braucht einen Vogel zum Leben

Es braucht einen Busch für Taube

Es braucht Dornen fürs Feuer

Es braucht einen Kopf für Küsse


Es braucht eine Tür zum Klopfen

Es braucht Wut für Koben

Es braucht Handwerk für Leier

Es braucht Böcke für Schüsse.

Und Gott schrie: Revolution! (Cruz de la luz, Daniel Viglietti)

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Sibelius

Lass ziehen!

Puppe an den Schnüren der Zeit!


Dein Herz pumpt 

Dein Herz stampft

Im Kopf röhren die Ventile der Dringlichkeit.

Dein Herz pumpt 

Dein Herz schlägt

An den mageren Kasten deines Willens:

Bald splittern die Bretter!


Lass ziehen!

Puppe an den Schnüren der Zeit!


Bald splittern die Bretter

Und pfeifen dir wie Sirenen um die Ohren

Und nichts war dahinter

Was für eine Oper hinter dem Verschlag!

Kreischend explodieren die Kreisel

In deiner Brust und zerschlagen

Die Scheuklappen der Gegenwart. 


Lass ziehen!

Puppe an den Schnüren der Zeit!


Die Dinge pulsieren

Die Dinge erbeben — 

Siehst du ihre Ungeduld?

Was ist diese Unrast gegen deine!

Was ist diese Disziplin gegen deine!

Die lunare Trostlosigkeit 

In die sie gebunden!


Lass ziehen!

Puppe an den Schnüren der Zeit!


In was du gebunden

Nimm hin als gefunden

Sagt man dir… 

Du lachst wie ein Wolkenbruch — 

Ich kann nicht! Kann nicht!

Hast du es denn versucht Johan?

Die Ostinati schrillen und klingeln ununterbrochen. 


Lass ziehen!

Puppe an den Schnüren der Zeit!

Zwielicht oder Morgenröte

Und was bin ich für eine Dämmerung?

Bin ich Zwielicht oder Morgenstern?

Keinen Moment stelle ich in Frage meine Gabe!

Eine Baggerschaufel ist sie

Ein Mühlrad

Eine Takelung

Eine Egge

Ein Böög

Eine Sichel

Eine Speiche

Der Bauch einer Geige

Ein Mühlstein

Die Nadeln auf Dünen

Ein Kauenkorb und ein Teerfass — 

Wenn sie nur leuchtete!

Ja es ist Zwielicht

Ja ich bin Zwielicht

Und nicht Morgenröte.

Ich habe zwar den Schemel zerschlagen

Unter dem meine Gabe blakte

Doch bleiben meine Wörter 

Nah beim Nest.

Es ist immer noch zu früh im Jahr um aus

Zu schwärmen…

Und kein Land braucht meine Stimme

Auf dass ich es erwecke… 

Rede ich also für mich?

In die eigene Verborgenheit hinein

In den rein privaten Vorhof

Des Hafens meiner geraubten Schiffe

Des Gartens meiner namenlosen Büsche?

In die eigene Verjagtheit hinein

Ins Innere der Finsternis

Wo schon wieder ein wenig Licht glimmt?

Ich schaue hinaus…

Auf mein Land im Dämmer…

Könnt ich es hinein begleiten in die Schwärze

Mit meiner Baggerschaufel seinen Weg weiten?

Patriotismus?

Ein Land lieben!

Vom Federweissen des Stolzes und der Erinnerung trunken sein!

Wir errichten jenen Denkmälern

Die im Krieg an Lungenentzündung sterben

Oder an Herzattacken Wasserhoden Wundbränden Fussschüssen und ganz allgemein an Krebs oder Zahnweh

Aber nicht jenen die von Schrapnellen zerfetzt

Von Stacheldraht ausgeweidet und von Gas erstickt wurden

Denn bei uns gibt es all das nicht… 

Unser friedliches verschontes Land

Das nur Ländchen ist

Das lieben! Die Menschen darin

Mit ihren kümmerlichen Sorgen

Mit ihren sicheren Geistern

Mit ihrem körperlichen Wohlstand — 

Sich nehmen wir an aus Petersburg

Aus einer lecken Mansarde oder einem schimmligen Kellerloch

Von Leukämie aufgezehrt Hierhin zurücksehnen?

Ein Land lieben… Es gibt überall 

Hügel mit Pappeln und Rapsfeldern die weithin gleissen

Flüsse die dunkel den Schnee durchbohren

Die weichen Horizonte der Moränenwälder

Und die Berge… die werden auch noch erodieren… 


Was dann

Lieben?

Die Kinder dieses Landes vielleicht

Ihnen das Zuviel nehmen

Denn nur wer zuwenig hat

Kann lieben

Denn nur wer den Mangel kennt

Kann dichten. 

143. Viertelstundgedicht

Noch bin ich nicht gestorben!

Noch gleicht die Farbe der Frauenstrümpfe 

Nicht ihrer Augenfarbe und noch mischt sich

Der Gedanke an ihre Schenkel

Nicht mit meinem Hunger.

Aber mein Mund wässert und schmeckt

Fest in Trauer

Freude in Sorge

Münz in Wort —


Elend ist es nicht zu essen

Elender ist es keine Wörter zu haben dafür


Noch lebe ich!

Ich widme mich 

Den Tränen für Gezeiten

Den Backenzähnen für die Mechanik

In der ich rolle 

Seit dem ersten Schrei —

Am Anfang weiss man nicht um diese Gischt

Und staunend blickt man in die Gesichter der Eltern

Von Sorge und Trauer versiegelt

Fast als kennten sie nicht

Die Freude das Fest und die Worte jeden Tages

Und die Leichtigkeit des Lebens —

Das Spiel ist nicht mehr Illusion für sich

Und für sie 

Sie spielen nicht 

Sie träumen nicht

Wie die Kinder…


Wo ist diese Wasserscheide und wann

Dieses Pogrom das einen ins Ghetto der Wirklichkeit treibt?


Elend ist es nicht zu essen

Elend ist es keine Wörter zu haben dafür

Am Elendesten ist es zu spüren

Dass sie diese Lufthappen andeuten

Wie sehr all dies unwichtig ist

Unwichtig und unwirklich


Während ich meinen Gürteldorn hinter dem letzten Loch einsteche

Und die Hosen über die Hüften hochziehe. 

Ukraine

Die Ersparnisse sind verflogen

Und die Granaten schlagen in der Nachbarschaft ein

Mit einem Rasseln wie Schotter. 


Die Männer sind gegangen

Im Osten sind sie

Um das zu tun was Männer tun:

Rauchen

Sich die Beine in den Leib stehen beim Warten

Frauengeschichten aufblasen

Fluchen lernen

Mit einem Halm zwischen den Lippen in den Himmel blicken

In den Morgenstunden das Wasser ins Gebüsch abschlagen und seine Wärme riechen

Und hin und wieder

Aus heiterem Himmel

In eine Sperrfeuer geraten 

Von andern Männern

Unsichtbar in der braunen Steppe des Herbstes und im Riedgras am Meer

Von andern Männern wie sie

Die sie nie sehen und nicht kennen

Wer weiss was die wollen

Und der Instruktor 

Der in Afghanistan war

Erzählt

Dass es sich nicht lohnt mit Geiselnehmern zu verhandeln

Die einen Kindergarten besetzt halten:

Einfach Granaten entsichern und werfen und hinterher!


Die Ersparnisse sind verflogen und meine Tochter hat keine Arbeit mehr

Nichts hat sich geändert 

Und das hier ist der letzte Buchweizen 

Den ich habe und mein Sohn ist im Osten…

Vielleicht wenn es wieder Sommer wird

Wenn ich das noch erleben darf

Können wir aufs Land hinaus

Jetzt sind die Bauern wieder die Reichen… 


Und die Männer kommen zurück

Um in Montur für das Parlament zu kandidieren 

Lauter Helden und legen ihren Kindern zuhause

Ihre Schutzweste und ihren Patronengurt um

Stülpen dem Kleinsten den Helm über

Und zeigen der Tochter wie man die Pistole entsichert

Und halten es lachend mit der Kamera des Mobiltelefons fest

Die ganze Sippe hockt um den Tisch 

Mit grossen schweissigen Gesichtern

Und stösst auf sie an… 


Die Ersparnisse sind verflogen 

Und niemand weiss wer als nächstes

Seine Batterien auf die Siedlung richtet.


Im Park spielen Kinder kreischend mit streunenden Hunden

Und laufen mit ihnen um die Wette. 

Jenes Alter...

Spürst du

Wie die Zeit schwindet und schmaler wird in dir?

Schau nicht zu genau hin

Du könntest schwindeln

Und keiner deiner Schwindelgedanken

Trüge dich mehr hinaus

In eine andere Zuflucht

In eine andere Zuversicht

Denn dies ist

Das Bad des Taumelweins.


Deine Hoden schrumpfen und werden hart

Zu Baumnüssen werde sie in deinem Schritt — 

Deine Haut wellt sich wie das Sandboden im Wattmeer

Zu festen Rillen gewellt wird von der streichelnden Welle… 

Dein Gaumen ist trocken und deine Zunge ist knochig und deine Hand ist schwarz

Und deine Haare gleichen den Haaren auf dem Körper von Fliegen…

Kein Kaffee wird dich jetzt noch retten!


Fühle nur 

Wie die Ausdehnung sich verengt

Wie sie sich zu schliessen beginnt

An den Knöcheln deiner Wörter

Die Weite deines Horizonts

(Willst du denn etwa ewig leben?!)

Wie eine Wunde verschorft 

Und das Jucken das du jetzt zu beachten beginnst

Wie ein Kranker der allein gelassen wurde

Vermag dich vielleicht noch ein wenig zu fesseln…

Ja vielleicht ist es auch gut so

Lass dich noch ein wenig fesseln

Und lass dich tragen von der Schwindsucht der Zeit

Statt von der Flut von der Ebbe

Von der Jugend an bis hierher

Und noch ein klein Bisschen weiter. 

Winter in America III

Womit rechnet ihr?

Ich rechne mit den Zähnen

Ich rechne mit den Augen —


Das vorhäutige Geschwätz

Umwindet die Herzen.

Der leere Markt

(Einmal pro Woche nur Gemüse)

Ist die Arena

Über die die Schlange sich windet

Staubig wie eure Zungen

Sich schlängelt über die Plätze

Afrikas —

Winter ist es & Afrika in euch —

Aufspürend den einen Vogel

Der zu lange badet im Sand.


Das Geschwätz ist unbeschnitten in seiner Freundlichkeit

Es ist wie Regenzeit und bringt nur

Die Körner des Sandes des harten

Diamantenen und sauberen wie Staub — 

Es legt sich nieder mitten im Markt

(Niemand will mehr Barsche kaufen)

Und beginnt eine Düne.


Womit rechnet ihr?

Die Ernte ist mineralisch

In jedem Fall ist sie mineralisch.

Meine Zähne sind vom Knirschen stumpf

Und nicht vom Weinen sind meine Augen gerötet. 

Karl & Saul

Was befohlen ist

Soll getan werden

Was zu tun ist

Soll befohlen werden —

Keine Abweichung und

Keine Abwege 

Haben einen Ort 

Auf meinen Karten:

Es ist nicht einfach

In all der Freundlichkeit und 

In all dem Anstand

Daran fest zu halten —

Sowohl an den Höhenlinien

Wie auch an den Trümpfen

Deren Gesichter euren gleichen

Deren Verlau die Klippen bezeichnet

Über die ihr bereits taumelt und die Gruben

In die ihr gerade tretet — 

Ich bin Karl:

Ich messe zu

Was nicht zugemessen ist

Ich lasse zu

Was nicht zugelassen ist.

Ich brenne nach Reue. 

Was soll mir diese Krone?


Was befohlen ist

Soll es getan werden

Was zu tun ist

Soll es befohlen werden? —

Jeder urteile für sich!

Weshalb all die Holokause und Sakrilegien?

Ich lasse den Krieg zu und führe ihn.

Mein Volk stürzt auf die Eindringlinge

Hinab wie eine Herde Schafe 

Wie ein Fluss im Frühling!

Genug des Gemetzels!

Sind wir denn wilde Männer wie unsere Feinde?

Haben wir denn keinen Geist

Der uns anleitete und anwiese?

Ich höre wohl

Was zu tun ist

Ich sehe wohl

Was befohlen ist

Aber ich bücke meinen Kopf

In das Joch meiner Träume

Und lege die blutigen Hände Davids an die Harfe — 

Bereuen? Was bereuen?

Ich brenne nach Ruhe. 

Ich bin Saul

Gesalbter Gottes:

Lunte des Wankelmuts. 

Über Grosszügigkeit

Schöpfen ist grosszügig. Das mag wie ein abgenutzter Gemeinplatz klingen. Ist es aber nicht. 

Je breiter der Pflug ist, mit dem du die Erde aufreisst; je mehr Fleisch du auf die Knochen deiner Geschichte pflastern kannst; je weiter und länger deine Geschichte in der Zeit vor- und zurückreicht; je mehr Personal sie verschleisst oder mindestens benötigt; je öfter du noch weiter ausholen musst, als du ursprünglich wolltest; je tiefer die Furche wird, die du unschuldig und ahnungslos zu graben begonnen hast, fast im Spiel — desto besser ist ihr Gutsein. 

Das ist Grosszügigkeit. Und es ist einfach: einfach fahren lassen. 

Mancher würde sagen, das sind nur Intarsien, und Intarsien sind doch letztlich nutzlos, vielleicht sind sie nicht einmal schön oder unterhaltend. Aber willst du einen simplen Fichtentisch, der als Prototyp für den ersten vom Menschen geschaffenen Tisch herhalten könnte, oder willst du eine neue Version aus der Werkstatt von Jacob schaffen, wie sie in einer Parallelwelt stehen könnte?

Fusion (für Sofia)

Heiss ist es - 

Schmölze jenes

Ohne jenes kalte

Berechnende?

Alles ist nass -

Rächte sich jenes

Schmelzende am kalten

Berechenbaren?


Im Rachen steigt Dampf

auf in der Betonblume:

Hera dein Auge strahlt.

Nichts ist fest - ändere dich!


Porqué mi gusta la fiesta

Si me gusta la fiesta

A mi


Herbst ist es - 

Wie alt sind die Finger

Der Pappeln zeigen in den Himmel

Ohne Asche und Brand.

Gleise gleissen grade.

Zaun ist es - 

Stacheln wie Kreuze

Wie Sommervögel

Aufgespiesst. Ruhe.

Keine Menschentrauben.


Die Ernte ist Schlaf. 

Dieses Land gehört der Werst

Und nicht dem menschlichen Tritt.

Nichts ist plan - ändere dich!


Porqué mi gusta la fiesta

Si me gusta la fiesta

A mi


Peinlich ist es - 

Zum Wegrennen ist es.

Alles schwillt auf.

Das anders - bin ich. 

Eklig seid ihr - 

Planarien! Vorstufen

Von mir und Zerr-Arien. 

Ich bin kein Streuungskoeffizient!


Du mein Okapi

Halb Giraffe

Halb Bardot

Nichts ist schön - ausser du änderst es. 


Porqué mi gusta la fiesta

Si me gusta la fiesta

A mi

An der Sohle des Fortschritts

Fest ist nur der Hals!

Die Kompagnons der Erschütterung

Mit ihren labilen Lippen

Fahre mit den Fingerspitzen 

An den Spuren entlang

Aus Tätowierung und Bandage.


Es dreht sich: wie die Räder von Güterzügen

Von Ventilatoren und Marsamen

Bleibt fest der Zeiger-Finger

Fest verankert in einer Richtung

In einer unendlich langsamen Bewegung 

Die unendlich schnell ist und längst

Keine mehr ist. 

Es dreht sich - ja. 


Und die Mitsinger —

Leichthinnige Mitesser

(Warzen) an der Sohle des Fortschritts — 

Tappen hinüber die Spuren aus

(Als schössen aus Gräbern

Wurmgleich Hände) 

Gereckten Hälsen

Und durch die Luschen der offenen Reihen

Und durch die Striche der Rechnungen. 


Und im Rücken der zebrierten Götter

Der Schnitzelgötter brandet ölig

Das Gelächter der Untat

Wie eine zu oft wiederholte Entschuldigung —

Auf dass niemand ihr glaube. 

Viertelstundgedicht 135; Schnippschnapp

Das dringt her bis jetzt. 

Das Geräusch der Schere

Die durch dreckstarren Stoff schneidet.


Ist das dein Leben?

Wolltest du es so?


Es kommt was kommt.

Gitter motivieren Bewegung.

Herausgerissen oder entzweigerissen?


Im Zahnzwischenraum

Sitzt ein Fettfaden

Wie ein Köder für die Zunge

Im Meer des Speichels.

Das schmatzende Lächeln der Hyäne:

Schwätzt er schon wieder 

Um sein Leben?


Und die Schere kürzt weiter die Hosenbeine!

Sicher werden - 

We-he-her wollte das nicht?


Den Hals drehen 

Und nochmals drehen:

Einstrangiges Seil der Rückschau. 

Schnippschnapp!


Das gestreifte Gesicht.

Die Zunge leckt Rost.

Die Schulterblätter 

Stampfen: Kolben

Einer Maschine. 

Einer Maschine.


Es ist hier und jetzt

Es geschieht gewaltlos und zärtlich

Wie das Aufsetzen einer Pfote. 


Es kommt was kommt.

Es kommt was kommt.

Du hast es so gewollt. 

Winter in America II

Nur die Panik rettet.

Im Rachen

(Im Rücken das Mahlen)

Bleiben weder Umkehr noch Spitzende

Und selbst die Haufenstränge

Über die wir eben noch schlugen

Wie auf Pausenhöfen sind angeschwollen

Und begittern die Löcher

Durch die eben noch Licht fiel

Wie Trauben. 


Die Stelzen helfen nicht mehr. 

Wenigstens werden wir hier nicht erfrieren. 

Bist du es die summt?

Von unten

(Da müssen wir hin!)

Kommen Aufwinde. 

Ich spitze meine Lippen. 

Es schmerzt nicht.

Wer hat gesagt

Die Panik rettet?

Es ist jetzt fraglich

Wie man sich in diesen Kanal einführt — 

Scheitel oder Zeh voran?


Das Geplätscher von Spülwasser. 

Jemand berührt meine Schulter

Und stösst sich von mir ab. 


Keine Runzeln hier — 

Keine Falten. Wenigstens das. 

Die verschlungenen Schläuche sind glatt zum Gleiten: 

Der Schrei kommt nicht an der Zunge vorbei

Die wie ein Geschlechtsteil im Mund liegt. 

Jetzt ist es zu spät. 

Hätte ich mich nur mehr an dich geschmiegt!


Bist du voraus?

Niemand hat mich gebeten 

Niemand hat mich gebeten

Das Eigene unter die Kumme zu stellen

Und doch hab ich’s immer getan - als ob Schwellen

So hoch wie Augen mich hinderten! Gellten

Nicht Motoren und wehten

Die Flaggen nicht rot vor der Nase und schellten

Nicht Zungen im Unterholz? — 

                                                         Komm in das Helle


Komm ins Helle, Kulak!

Das Kummt ist bereit und der Pflug kann nicht warten!

Was lappst du aus fremdem Geschirr! All die Fahrten —

Und wer war zuletzt denn jeweils der Genarrte?

Immer zählt dein Geschmack!

Und wer war der der mit gesenktem Gesicht still verharrte;

Der Disteln gekaut hat aus höherer Warte?


Aber hatt’ ich nicht schmerzen

An Nase und Nacken? — 

                                         Was sind das für Farcen!

Als schwäng’ ich Muletas im Auftrag der Parzen! —

Der Staub der Arena erfüllt meine Lungen!

Komm! Befühl meine Kerzen! — 

Und plötzlich und aufheulend hast du gesungen! — 

Ich bringe das Joch nicht zurück in das Schwarze…!

Nicht mehr in die Stadt

Edi wir kommen nicht mehr in die Stadt —

Schau dir diesen Schneehaufen hier am Bahnhofsausgang an:

Das ist ja nur noch ein Haufen aus Kies Abgas und Dreck

Und dann die vielen Kinder

Die ihre Kehlen leeren

Ich denke manchmal Eid

All das Gas das ihnen entweicht

Denn sind ihre Schreie nicht nichts anderes als Abgas

Erhöht die Wahrscheinlichkeit des Klimawandels

Und ich beginne nicht mehr an Al-Kaida zu zweifeln

Und dann schau mal Edi

All die Mütter und Väter 

Die aussehen wie mit Raupen überfahren

Haben wir denn etwa auch so ausgesehen Edi

Sag mal und schau nicht immer zum jungen Fräulein rüber

Sie mag ja Brüste haben dass es in ihrer Bluse tätscht und klöpft

Aber sie hat eine viel zu weite Hüfte

Eine Hüfte wie ein Kühlschrank sage ich dir

Wie ein Kühlschrank —


Eid sag wir gehen nicht mehr in die Stadt

Die Frau dort drüben

Kämmt ihren Hund mit den Fingern

Und reisst ihm dicke weisse Haarbüschel aus

Die dann irgendwann und irgendwo einem asthmatischen Jungen in die Luftröhre geraten

Die haben doch heute alle Asthma und Allergie und Ritalin

Nicht wahr Edi? Und da wundere ich mich ja nicht

Mit all den Abgasen die der Föhn heute so schön verbläst

Wenn da nur nicht die Blätter und Stecken wären

Und niemand liest sie mehr zusammen

Die finden doch in der Stadtverwaltung auch niemand mehr

Der nicht aus Mauretanien oder Libyen oder Syrien kommt 

Und zum Putzen neigt

Also schau ihn dir nur an Eid 

Der steht mitten auf der Strasse 

Und redet und redet mit jemand am Telefon

Dass du denkst er müsse die ganze Strasse von wichtigen Entführungen oder Geiselnahmen informieren

Ist doch klar dass es dort

Wo der herkommt

Weder sauber noch ordentlich sein kann

Wenn der so lange telefoniert

So jetzt kommt dann gleich der Bus…

Edi was machst du? Komm jetzt!

Du musst doch so einem Penner nicht einen Zweifränkler geben

Hast du nicht gesehen wie der gelaufen ist und was für einen Mund er hatte

Der hatte ja eingetrockneten Schaum auf den Lippen 

Was der sich einverleibt haben mag also ich weiss nicht 

Und hast du das Mädchen da gesehen da drüben sitzt sie

Die hat ja gar keine Socken an

Und man sieht das Bildchen auf ihrer oberen Pobacke… 

Eid schläfst du oder wie

Unser Bus ist da ja lasst doch 

Die Leute erst aussteigen 

Und drückt uns nicht so zur Seite

Herrgottnochmal Edi

Wir kommen nicht mehr in die Stadt

Hier in dem Bus haben ja die Einkaufstaschen mehr Platz

Als wir alten Leute… 

Ist es nicht so Edi? Edi? Sag doch mal was. 

Skarabäus

Mein Körper ist bereit.

Jetzt wird gerollt. 

Das Bord hinunter —

In die Senke wird gerollt. 


Das ist kein Ausweg

Kein Ausweg mehr — 

Jetzt wird in die Hände 

Auf die unterm Kinn

Eingeklappten Hände gespuckt.


Was für eine Verschwendung war der Tag!


Ein letztes Zucken

Der Nervenenden:

Jetzt hat sich’s ausgeguckt!

Die Mulde ist näher gerückt. 


Das ist kein Lauf 

Kein Wettlauf mehr — 

Der Stutz wird immer steiler

Das Rollen immer schneller:

Unterm Lidflittern gibt es keinen Körper. 


Verschwendung ist der Tag!


Wie lange ist der Rand

Auf den ich mich lehne

Wie in deine Hand und kaum

Weiss wie mir geschieht…


Ich habe keine Neigung

Keine Neigung mehr — 

Bin die Neigung! Und da

Unten ist das Becken 

Nur um weniges näher gerückt. 


Was hast du dich verschwendet an den Tag!


In Augenhöhlen schwimmen 

Die letzten Dinge. Verlassen

Wie eine Grube

Liegt der Körper:


Das ist kein Mensch

Kein Mensch mehr — 

Das ist ein Transformator

Ein überirdisch

Wandelnder Blindmull…


Was für ein Geröll hat der Tag da zusammengekarrt!


Die Spannung ist unerträglich

Unmenschlich - da wird

In den eigenen Graben gerollt!

Die Traumwürmer recken ihre augenlosen Enden.


Das ist keine Arbeit

Keine Arbeit mehr — 

Eingerollt in den Muskovit

Den Kopf in die Schiefe und in die Hand geneigt:

Nimm an die Senkung und die Senke!


Dieser von der Spucke des Traums verklebte Tag!

Foetus-Haltung

Alles geht vorbei: Das Zahlengerüst

Der Jahre fällt ab von der Mauer namens

„Hier & Jetzt“ als Schrei. Entgegen der List

Bewahrheitet sich das Wort der Manen:


Alle werden gleich: und warte nur nicht

Darauf dass die Umstürze dich bewahren

Vor dem Gang im Kreis: im Fenster das Licht

Bedeutet was andres! Bist festgefahren


Hast dich eingerollt: der Zeh am Zahn

Der Arsch unterm Arm und das Herz auf Knien. 

Das Pochen der statischen Spannung geht noch —


Du bist unverzollt! Es sitzt ja der Hahn

Im Dachstock und schreit: Du kannst nicht fliehen!

Das Rechengestell ist hier drin und steht noch…