Blog-Archiv Januar 2014

Meistersonett 8

HAB DAVON NICHTS BEWAHRT

Von den offenen Türen

Kann nur selten noch spüren

Eine wärmende Art

 

In den eigenen Werten…

Was gewesen - verglüht.

Was geworden - bemüht.

Sind vergessen im Werten…

 

Nichts gibt's das sich bewährte

Ausser Gleichmut und Härte

Ausser Rührung und Schmähung -

 

In den Kammern des Lebens

Ist die Liebe die Blähung…

Es gibt nichts zu bereden.

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Ego scribens - Ich arbeite

Ich werde nicht von der Muse geküsst:

Ich arbeite.

Ich härte Zustände Vorfälle Nomen

Und erweitre:

Und breche ein Paravents hinter denen

Die Wahrheiten

Verwest. Realien werden zu Dahlien

Und Kargheiten

Zu schwarzer Erde und Wadis zum Jordan.

Die Scharbreite

Bricht um Gewohntes - entdeckt in den Untiefen

Die Rarheiten -

Gemisch aus Seele Verraten und Untaten…

Die Alkleichen

Der Lebens-Lügen und Fakten-Verliesse…

Ich arbeite…

Ich öffne Dinge und schlucke ihren Samen

Der erheitert.

Ich nehme Nüsse und werfe - verfehle

Um Haarbreite.

Die Wörter schmecken nach Schweiss und nach Schweigen.

Ich karfreitag’

Auf Rosen-Hügeln von Rasen und Reigen

Und bereite

Die Feigheit auf: Deponien-Proviant…

Die Fährweite

Ist viel zu gross… es denkt niemand ans Sichern

Der Fahrnisse!

Das Licht spielt oben auf Umbruch und Wellen.

Ich arbeite…

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Meistersonett 7

Ich - in Übung der Wacht

Ganz abgeschlafft. Nichts vollbracht

Ausser Vorwurf und Flucht.

Ich - gehockt in die Furcht

 

Vorm Schablonen-Disput

Den du anlegst an das Gut

Das ich rette aus dem Tag.

Muss sich drehen das Rad

 

Durch den Eifer des Hamsters?

Stehe müd unterm Fenster

Deines Willens… Gespart

 

An der Gier des Verdrehens

Und am Mut des Gestehens.

Hab davon nichts bewahrt.

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Paratonnerre

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Ihr Gesäss drückt gegen seine Hüfte

Auf der schmalen Couch

Auf der er liegt mit einem Buch in der Hand

Und einigen Gedanken im Kopf

Die er bisher durch den Tag gerettet hat.

Auf das Dach prasselt der Regen

Inständig und ergeben

Man hört es in der Stille.

 

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Er hat das Buch sinken lassen

Und wartet auf ihr erstes Wort.

In ihm beginnen sie bereits zu quellen

Unruhe hat seine Zunge gepackt

Er presst sie gegen Zähne und Gaumen.

 

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Und dreht wie eine Eule ihren Kopf

Mit den leuchtenden grauen Augen

Und wendet dann ihren Oberkörper

Der Druck an seiner Hüfte vergrössert sich

Und schweigt immer noch. Dann

Erlischt das Licht in ihren Augen

Und ihr Gesicht sinkt zu ihm herab

Ihre Lippen kommen auf ihn zu

Wie sich bäumende Wellen oder sich bauschende Wolken

Unerbittlich und inständig

Und er denkt für einen kurzen und blinden Augenblick

Denkt er Nein.

 

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Und er richtet sich auf

Um das Gewicht von Hüfte und Lenden zu nehmen

Dieses wortlose Gewicht eines Körpers

Dessen Mitteilungen er lange schon vermisst und verkennt -

Unter ihren tropfenden Küssen

Spannt sich auf seinen Lippen ein Lächeln

Und kurz nimmt sie

Wie um Atem zu holen

Und er stellt sich eine Hyäne vor

Die den Kopf blutüberströmt und hechelnd sogleich wieder in die Bauchhöhle ihres Opfers tauchen wird

Ihres Opfers denkt er sich

Das schon halb verwest ist

Das von den Löwen als milde Gabe Geiern und Gierigen berlassen wurde

Aber längst hört er den Regen seines eigenen Bluts

Hinter seinen Ohren rauschen und steigt mit seiner Zunge in ihren Rachenraum.

Seine Gedanken zucken in verschiedene andere Richtungen

Als sie sich erhebt

Die Lichter löscht

Zucken in Richtungen

Als mässen sie die Spannweite der Hoffnungen -

Die Hoffnung auf eine Rede von sich und zu sich

Die Hoffnung auf ein ganz und gar leidendes Dasein

Auf eine Objektivität des Subjekts -

Während ihr Küssen ihn befällt

Wie Pilzsporen und der Putsch seines Blutes

In seinem Glied sich zu sammeln beginnt

Wie Pilzsporen bedecken sie sein Denken unter sich zu

Und leidenschaftlich flüstert er

„Un soldat jeune, bouche ouverte, tête nue“

Und während seine Hände bereits unter ihrer Bluse nach Knöpfen suchen

Die wie harte Tumoren auf ihrer Brust blühen

Als kennten sie ihr Schicksal anders -

Wären sie doch Leuchttürme oder Sirenen oder

Augen! - Schweigt sie weiterhin

Und legt ihren schweren Körper leicht auf ihn.

 

Dann entlädt sich ihr Leib

Wiederholt auf ihn niederstossend

Und erschüttert ihn

Mit kleinen verästelten verzerrenden Schocks

Und sein Schweiss überschüttet sie

Wie das Wasser einer brechenden Dachtraufe.

 

Er sitzt an der Seite seiner Frau

An ihrem schmerzhaft weissen Körper

Der wie ein blanker Spalt in Zeit und Raum ist

Eine Wunde der Offenbarung

Inartikuliert und dringlich

Und er denkt mit rostigem Hohn und erdigem Zungenlappen

Nach über den blindesten wortlos-langen Augenblick des Tages.

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Meistersonett 4

Eines Kusses Erkenntnisse

Wie die Glut von Hornissen

Die der Höhe entrissen

In der Wucht der Saison.

 

Und begriff’s die Raison

Nicht mehr länger wär’s plaisant.

Was gering in dem Rayon

Noch vibrierte ein bisschen

 

Hisste Flagge der Scham…

Und mein Kopf lag als Frucht

In dem Weissen der Bucht

 

Deiner Brüste… Im Schacht

Einer Treppe der Hahn…

In der Stille der Nacht.

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Meistersonett 3

In dem wirklichen Licht

Ist geschehen am Fleisch

Die Erwägung. Und beige

Ich ertrage das Gewicht.

 

Hat gemundet die Maische?

Ich erblicke’s im Gesicht:

Du erwogst den Verzicht.

Hast gewusst, was ich heische?

 

Was gemeint war ist nicht

Was geworden aus Eis.

Lass uns suchen die Hemmnisse

 

Im Verwirklichten nicht…

Und wie brennen ich weiss

Eines Kusses Erkenntnisse!

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Ein weiteres Traumgedicht

Enden Träume?

Ihre Falten umschlingen…

 

Ein Wort mit U

Unfall oder untot

Unselig oder ungleich

Umbrisch oder unter

Vielleicht auch einfach

Ur oder und

Bleibt einzig übrig

Von dem Traum

In dem zusammengefaltet waren

Du & ich

Ohne Unterschied…

 

Nicht einmal ein

Wort ist übrig und doch

Ist alles noch da…

Nicht hier - da…

 

Meine Tochter hält mich am Ellenbogen…

Wenn sie schweigt ist das wie sie sagt

Weil sie in einer ihrer Welten ist

Nicht in der ersten

Der irdischen

Nicht in der zweiten

In der die Geschichten leben

In der dritten Welt

Wo das irdische Geschehen sich vermischt

Mit dem möglichen Geschehen…

Welche der drei Welten denn

Ihre Welt sei frage ich sie:

Alle drei!…

In der dritten sei sie aber

Daheim…

 

Heute muss sie mich bremsen…

Ich höre ja gar nicht zu…

Ob es an meinen Geburtstagen

(Sie wird heute 11)

Auch Schlägereien gegeben habe?

Ich weiss es nicht…

Sie finde ein Geburtstag sei erst dann ein Geburtstag

Wenn es Streit gegeben habe oder eine Schlägerei…

Sie fühle sich dann richtig glücklich…

Meine oberflächliche Moral prallt an ihr ab:

Aber wenn es so sei!…

 

Nein… Träumen

Endet nie: wir sind die Luft

Durch die Ballast fällt…

Und nichts ist je

Zu Ende: fällt weiter

Tonlos fast und weiter

Hallt wieder

In einem einzigen Wort

Das uns bleibt als Klang

Als prallte etwas ab

Als sirrte eine Teetasse

In der Stille des Nachmittags…

 

Ich denke an meinen Grossvater

In seinem Zimmer im Pflegeheim

Das schmeckte nach Speck und Zitrone

Und Hygiene… Seine Blicke

Kamen von weit her und waren doch hier

Spiegelten Wissen wieder und vor

Das seinen Worten mehr und mehr entglitt.

Sein Atmen klang am Ende

Wie das Geräusch einer Hand

Die über die Haut eines Luftballons streicht…

Es geht uns heute gut

Hatte uns die Schwester gewarnt…

Wo war er?… Er wusste aber

Dass er nicht hier war - da

Aber nicht hier…

Woher sonst sein zuvorkommendes

Lächeln und seine ratenden Augen?

 

Woher kamst du in meinem Traum und

Aus meinem Traum in die Welt?

Wo warst du gewesen? Das Wort

Das keines ist

Weil es keines gewesen ist

Wer hat es gesprochen und wo?

Es erfüllt mich

Mit einer richtungslosen Hoffnung

Und einer unbestimmten Freude…

 

Abends erinnere ich mich

Unvermutet an ein Flussbett

Mit moosbewachsenen Wackersteinen.

Seine Grünheit umschlingt mich fast ganz

Während mein Sohn behauptet

Er - er habe heute Geburtstag!

Sie umschlingt mich.

Kurz erfasst mich der Schwindel…

 

Kein Unterschied…

Es gibt keinen Unterschied.

Es ist nur eine Falte

Die sich unerträglich lange schon

Windet und streckt

Durch uns hindurch

Locke oder Band

Seit Urzeiten los geschnitten

Und fallend…

 

Hört ihr das Säuseln?

Etwas so Schönes

Kann doch nur wahr sein…

Wie kann es wahr sein?

Wie wahr kann es sein?

 

Ein Flüstern… wie der Wind im Geäst oder Geweih…

Untot… Unfall…

Mutter… blutt…

Wut… Schluss…

Nur…

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Das richtige Wort

Ein aufgeräumtes (und nicht angeräumtes) Vokabular ist Vorbedingung allen Schreibens. Der französische Rapper McSolaar hat einmal gesungen, wer ihn beneide, beneide seine Bibliothek. Ich würde dem hinzufügen: der beneidet meine Nachschlagewerke. Und meinen Mut, über diese hinauszugehen (manchmal).

Vom welschen Dichter Ramuz weiss man, dass er manchmal stundenlang auf ein Wort gewartet haben soll. Vorher hat er den angefangenen Satz nicht weiter geschrieben. Und um bei Ramuz zu bleiben: immer wieder packt mich eine grundlegende Wut, dass gewisse Wörter von alleine „hochkommen“ oder sich anbieten. Ich nenne sie die „Verwandten und Bekannten“ (frei nach E.A. Milne). Gehören vielleicht zu meiner Persönlichkeit, siehe unten. In einer gewissen Weise konstituieren sie mich sicherlich (betrifft übrigens auch die Syntax: man beachte das späte „sich“ im folgenden Satz!). Und Ramuz hat ja im Höhepunkt seines Schaffens sich von seinen „personnages“ zu verabschieden versucht: Ich habe eine lange Liste von Wörtern, von denen ich mich gerne verabschieden möchte. Keines ist ein Helvetismus. Das ist bezeichnend…

 

Als Dichter suche ich das richtige Wort, den Pfeil, der ins Schwarze trifft. Das richtige Wort ist der direkteste Weg: die Fluglinie des Gedankens zum Ausdruck.

Dieses Wort aber findet sich entweder lange nicht oder im Gegenteil sehr schnell. Dann keimt sofort Misstrauen auf. (Zu schnell, sagt die Schreibinstanz und blättert in den Wörterbüchern.)

 

Beispiele sind hier hilfreich. Ich schreibe folgenden Satz:

„Sein Atmen klang am Ende / Wie das ripschende Geräusch / Auf der Haut eines Luftballons.“

Ich suche „ripschen“, welches (auch typisch: „welches“ statt zweimal „das“ ist für einen Schweizer guter Stil, aber ich vermute, dem ist in Deutschland nicht so) mir das treffende lautmalerische Wort für das Geräusch scheint, das eine Hand oder Haut allgemein auf einem Luftballon verursacht. Nirgends zu finden! (Ripsen finde ich, für „reissen“ - im Internet finde ich im „Rheinischen Wörterbuch“ ähnliche Wortbedeutungen.)

Als jemand, der nicht die Standardsprache spricht (und sich diesem Minderwertigkeitskomplex trotz langjährigem Aufenthalts in Deutschland nicht entledigen konnte, noch nicht), ist mein erster Reflex: gibt es nicht, existiert es nicht; habe ich vielleicht erfunden. Kann gut sein.

Jetzt stehe ich vor einem Satz, der genau das wieder gibt, was ich sagen will: in Kürze und ohne Konjunktionen und Nebensätze. Aber er ist standardsprachlich nicht akzeptabel.

Ein Risiko, das gering ist - wenige lesen meine Gedichte, und die meisten „verstehen“ sie nicht. Trotzdem steigt der Bildungsbürger in mir auf die Barrikaden: „Das kannst du nicht schreiben!“

Ich quäle mich eine Viertelstunde, blättere, blättere, rätsele, spreche laut, schweige. Endlich ringe ich mich zu einer Lösung durch. Jetzt steht da (und ich bin damit einverstanden):

„Sein Atmen klang am Ende / wie das Geräusch einer Hand / Die über die Haut eines Luftballons fährt.“

Moment einmal: „fährt“? Heisst das nicht „streicht“?… Und wieder geht es los…

 

Was ich damit sagen will? Es gibt das richtige Wort nicht. Aber es gibt Annäherungen, beste Lösungen. Und dabei spielt das Lautempfinden eines jeden Dichters eine ganz eigene Rolle - nicht so sehr die sprachliche Verankerung in der Muttersprache oder Schulsprache, als vielmehr das eigene Lautbild. So sage ich seit früher Kindheit „g’worde“ statt „worde“ (für „geworden“) und habe mir das in den letzten Jahren „ausgetrieben“ - nur um es in der Sprache meines Sohnes Urständ feiern zu hören! Das ist sprachliche Tiefenpsychologie: Wörter nehmen Wege, die sich uns entziehen - und wie viel mehr noch „eigene“, muttersprachliche Wörter, - das sind wahre Maulwürfe (auch im geheimdienstlichen Wortsinn).

 

Was aber hier auch nochmals angesprochen werden muss, ist das Gefühl, das für einen „diglossischen“ Dichter konstituierend ist, in einem fremden Idiom heimisch zu sein. Es verstärkt den Fremdheitseffekt, den Verfremdungseffekt der Sprache zusätzlich. Ein nicht muttersprachlicher, will in meiner Situation heissen: nicht standardsprachlicher Dichter kann sich nie sicher sein, dass er grammatisch und lexikalisch richtig liegt. Positiv gewendet, sind das ideale Bedingungen für eine sprachskeptisch geprägte Freiheit des Schreibens…

Dies eröffnet neue Horizonte. So fällt es mir zum Beispiel sehr zunehmend leichter, französische Wörter in meinen Gedichten einzubauen (man denke an das Berndeutsche, das Wörter wie „touchiere“ kennt). In einem jüngeren Gedicht steht „Der Raum plant“, und die meisten deutschsprachigen Leser werden „planen“ (also vorhaben, beabsichtigen) lesen, während ich - in schneller Setzung dieses Wortes - ans französische Wort „planer“ (also schweben, gleiten) gedacht habe, aber den Gleichklang der beiden Wörter als Schönheit und Überraschung empfinde (für mich und den vorgewarnten Leser).

 

Und zuletzt - und das ist im Kontext des „muttersprachlichen“ Schreibens sehr wichtig - gibt es noch die Lieblingswörter, die zu Fetischen, aber streng gehütet und wenn möglich gemieden werden: Tröckne, Heuet, Putsch, Sommervogel, Schärmen, Gunten. Und mein Lieblingswort: Dole (Gottseidank, ich habe mich gerade vergewissert: steht im Variantenwörterbuch, bedeutet: Sinkkasten, Gully…). Und es gibt, auf der gleichen Ebene, noch die alten, guten deutschen Wörter - Lache für Pfütze, zum Beispiel…

Das sind keine richtigen, aber gute und spezielle, kostbare - magische Wörter. Ich hüte sie. Ich brüte sie aus, und nur selten finden sie den Weg in ein Gedicht oder eine Geschichte. Und dann recken sie stolz ihre fremdartig-vertrauten Köpfe wie Mohnblumen im Weizenfeld und nicken mir zu: haste gut gemacht, danke!

 

Ja, ein Dichter ist je stärker Widerstandskämpfer, der sich gegen Maulwürfe zu wehren hat, umso ferner er der Standardsprache ist…

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Traumgedicht

Dein Lachen durchklingt meine Träume…

Ich höre in ihm Glocken und Schnee

Die Glocken von Schafen… Das Grün

Der Dämmerung… Tage entstehen

Daraus und erwachen dem andern

Das leicht und begabt im Vergehen:

Dein Lachen entringt sich den Träumen

Die gleich sich entziehen dem Verstehen

Als lägen sie noch vor uns im Wandel

Gekrümmt schon vom Sprung aus der Nähe…

In meinen Augen lagst du schön…

Ich hör deine Stimme: „Entsteh!“

Dein Lächeln durchdringt meine Träume.

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Andre Paare (Viertelstundgedicht)

Dass andre Paare

Auch wie wir

Vereinzeln

Kann nicht trösten.

 

Dass andre Paare

Auch wie wir

Den andern

Inkorporieren

Und an dem Fremdkörper

Eiterbeulen Wucherungen Tumore bilden

Kann nicht täuschen.

 

Dass andre Paare

Auch wie wir

All ihr Handeln

Auf den andern

Ausrichteten

Kann nicht helfen.

 

Dass andre Paare

Auch wie wir

Die eigene Person

Allmählich im Paar

Zu verlieren drohen

Kann nicht Einsicht bringen.

 

Dass andre Paare

Auch wie wir

Das eigene Glück

Messend vergleichen

Mit dem äusseren Glück eines andern Paars

Kann nicht ermutigen.

 

Wir sind Hermaphroditen-Kugelmenschen und

Müssen am eigenen Leib und an eigener Seele fühlen

Weshalb diese nicht lebensfähig waren

Und doch lebten.

 

Und weder Neid

Noch Schadenfreude

Wird uns oder sie

Erlösen…

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Meistersonett No. 2

Wie die Mücken - Geschehnisse!

Unverwehrt sind gefallen

Erste Brücken. Verwehnisse

Die gehängt in die Fallen

 

Deiner Augen. Geständnisse

Wie die Nomen und Arten

In dem Flieder der Kenntnisse

Uns im Schweigen erwarten.

 

Doch die Schulden geschehen

Wie der Regenfall sommers

Und die Augen sind dicht

 

Und verschlossen dem Nahen

Eines weiteren Kummers

In dem wirklichen Licht.

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Atlantis

Verarmen - die Kästen und Kassen

Erbrechen. Ihre rechten Winkel

Beugen und ihre Geraden

Schmelzen. Erschliessen

Die Grabmale der Liebe:

Verdünnen die versalzenen Kindheiten.

 

Auf dass sich jenes Loch des Schreis

In das die Münze der Hoffnung geworfen

Schlösse. Auf dass die Mauern des Stausees

In den der Schlüssel des Glaubens geworfen

Brächen. Auf dass die Rückwand des Schranks

In dem das Kleid der Liebe grünte

Berste. Die Säulen meiner Augen

Tragen unsichere Steppen und

Treppen-Sicheln… Ungewissheit!

 

… Unwissenheit! Schon zählt ich

Die letzten Dinare und werde

Zwei behalten. Der Kanal

Der uns trennt wie ein Lidschlag

Durchströmt Gesten und Glieder.

Dein Schrei sinkt ein

In die Lederhaut

Doch bin ich nicht und werde es nie sein

Die Saite gespannt auf deiner Kruppe.

Das Weberschiffchen des Mondes

Badet in der Milch aus Scham oder Stern.

 

Versunken die Reichtümer

Aus Laut und Flut

Aus Flut und Graswurzeln

Beim Übersetzen im Strom.

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Ein altes, romantisches Sonett (2007)

Sturmnacht

 

Ich liege wach im Sturm, in den toten Stunden,

Die zwischen Nacht und Tag sich so lange dehnen...

Das Haus ist wie ein Schiff, und die Balken stöhnen...

Ich wälz mich ruhelos; wie schnell verschwunden

 

Ist diese sichre Welt in der langen Nacht!

Gedanken gurren schwach wie im Taubenschlag,

Und schwer und federgleich auf der Brust ich trag

Die Hand der Frau als Pfand... Bin erneut erwacht...

 

Ein Fensterladen schlägt; in den langen Pausen

Erwart ich seinen Schlag... In dem Kopfe hausen

Gesicht und Stimme rein, o du erste Liebe!

 

Und unverfälscht von Zeit und Traumes Flausen

Erstehst du unterm Lid – da erfasst mich Grausen...

Ach, endlos währt die Nacht, die den Schlaf vertrieben...

 

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Meistersonett No. 6

Hab vergebens geharrt

Aufs Erwachen der Triebe -

Hab ergeben gescharrt

Nach den Kötteln der Liebe…

 

Das Erleben ist fart

Of illusions! Siebe

Des Versehens… Entart

Ich gebeugt über Triebe?

 

Wie die Loipen die Spuren -

In dem Schillern: Begier

Nach dem pünktlichen Akt.

 

Was ich trage wie Suren

Auf den Lippen verlier

Ich in Übung der Wacht.

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Unruhe

Ich sollte gehen. Schreiten.

Die Müdigkeit weiten.

Draussen die Nacht.

Im Ofen ein Brot.

Ideen in Not.

Zukunft verflacht.

Die Reize des eigenen Körpers

Beleibten die geistigen Reize…

Die wenigen Worte des Abends

Verjährt bereits wie der Atem

Bewurmen den inneren Pförtner…

Verfallen ins Glück eines Trabens!

Die schlafenden Kinder - die Naben

Deines Gerenns…

Schlafen nur noch

Schreiten ins Doch!

Storno des Wenns…

Ein letztes Gesicht

Erhalten in hastigem Beizen

Im ersten Gedicht.

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Envolée

Als hätt ich vergessen…

Plein de douceur

S’épuisant en épanouissant

Dans la fureur d’attendre!

Décrier l’âge poussin

Der Servilität…

Lampedusa

Einer Liebe

Die im Grausen

Erstarrt.

Die Mobilität -

Qu’elle est débilitante!

Zarte Körper der Medusen

Ein Knospen wider den Osten

Schwerer Schoss

Von der Tröckne befeuchtet

In Stössen erleuchtet.

Als könnt ich vergessen…

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Liebe zur Dichtkunst & Achtung der Gabe

Das Neue Jahr möchte ich mit zwei "Impulsen" begehen. Sie fassen zusammen, was ich zurzeit fühle oder besser: was mich geprägt hat und weiterhin leitet; sie sind aber auch Anstoss für das weitere Tun - gerade im Neuen Jahr. Ein rollender Stein setzt kein Moos an; doch das Moos der Zeit und des Erkennens sehr wohl. 

 

Der erste Impuls kommt aus dem 2. Brief von Paulus an Timotheus. Dabei geht es um die Achtung und Bewahrung der Charismen, also der Gaben, die uns in der Taufe von Gott geschenkt wurden - ja, geschenkt. 

 

"Lass die Gabe zur vollen Wirkung kommen, die Gott Dir geschenkt hat, als ich dir die Hände auflegte! Denn der Geist, den Gott uns gegeben hat, macht uns nicht zaghaft, sondern gibt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit." (2 Timotheus 1,6-7)

 

Der zweite Impuls stammt aus dem Surrealismus. (Auch hier: wie könnte es anders sein!) Es ist die Übersetzung eines Gedichts von Paul Eluard, das "Amour de la poésie" heisst. Auch wenn darin ein sehr klassisches, ja für einen Surrealisten viel zu konventionelles, weil biblisch geprägtes Bild der Frau gezeichnet wird (die Frau als Grund für den Fall), glaube ich dennoch an die Schönheit dieses Gedichts. Und vor allem an seine Botschaft: der befreiende Akt des Verses. 

 

Du bist einzig und ich höre die Kräuter deines Lachens

Du bei dir enthebt dich der Kopf

Und von der Höhe der Todesgefahren

Unter den verwischten Globen der Talregen

Unter dem schweren Licht und dem Erdhimmel

Entbindest du den Fall.

 

Die Vögel genügen nicht mehr als Zuflucht

Weder Faulheit noch Müdigkeit

Die Erinnerung an Wälder und zerbrechliche Bäche

Am Tag des Bockens

Am Morgen der sichtbaren Liebkosungen

Am Hochmorgen der Abwesenheit des Falls

Die Barken deiner Augen verirren sich

In der Spitze der Verschwindungen

Der Abgrund wird entschleiert - an den andern ihn zu löschen

Die von dir geschaffenen Schatten haben kein Anrecht auf die Nacht. 

 

Ja... Der Tag des Bockens! Er muss jederzeit bocken dürfen, der Pan in uns. 

 

Ich wünsche all den seltenen und kostbaren Besuchern meiner Webseite ein gesundes und gesegnetes Neues Jahr. 

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