Blog-Archiv für Dezember 2013

131. Viertelstundgedicht

Alles - befall es!

Reime und leime

Die Kraft in Haft.

Dass Liebe versiege

Begehren ernähre

Glaub nur dran - Blauer Strang

Zum Wort das Bord

Und dräng ich ein - bedrängt ich dein

Schnipsel? Trübsal

Ist Halle des Alles:

Ich zwänge mich rein in Enge und Schein

Und stehe hinan in Nähe vertan

Und wage Lahmheit als nage Zahmheit

An mir und dir.

Späne fallen - alles Gähnen!

Die Stämme des Waldes! Die Dämme der Halden!

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Spiral-Sonett (Meistersonett 1)

Ein Zurück gibt es nicht.

Eine Brücke dreht sich

Unverrückt. Gibt es nicht

Ein Genick auf dem ich

 

Ungebeugt Ausschau hielt’?

Nicht das Deine… Zeugt ich nicht

Von den Traum-Tücken? Hielt

Ich bereuend hin Gesicht?

 

Ein Zurück gibt es nicht.

Und ich bück mich auch nicht.

Gibt es nicht noch Lücken

Im Geweb der Geschicke?

 

Wie die Mücken - Geschehnisse…

Von den Träumen - Verzeihnisse?

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Provinzlied

Auf Rosten warten dampfend Kühe

Im Nebel der wie Regen fällt;

Und unterm Vordach stehen Schuhe.

Der Mist ist wie ein schwarzes Zelt.

 

Refrain:

Achtung: Wildwechsel

Sauen und Rehe!

Verdacht? Ruf an!

 

Korallenriffe - Kirschenbäume!

Die Wiesen voller Furch und Pfad…

Im Reif die Pfähl der schiefen Zäune

Versunken. Wald aus Moos spannt Rad.

 

Refrain:

Achtung: Wildwechsel

Sauen und Rehe!

Verdacht? Ruf an!

 

Es reden von Verwandtschaftsgraden

Und Landverkäufen die Fraun im Bus;

Die Landschaft kenn kaum Geraden…

Um Lippen Runzeln einer Nuss.

 

Refrain:

Achtung: Wildwechsel

Sauen und Rehe!

Verdacht? Ruf an!

 

Vorm Heim im Rauchgelb-Pijama

Ein Opa Kälte-starr wie’n Lurch

Mit einer Miene wie ein Lama

Spuckt zwischen seinen Stiefeln durch.

 

Refrain:

Achtung: Wildwechsel

Sauen und Rehe!

Verdacht? Ruf an!

 

Studentenfutter - Kindertrappeln!

Das Chaos das immer graut!

Ein Blinder dessen Lider zappeln

Befragt die Frauen klar und laut.

 

Refrain:

Achtung: Wildwechsel

Sauen und Rehe!

Verdacht? Ruf an!

 

Bei Thommen warten dampfend Laster.

Dahinter schreit Metall und Glas.

Ein Russky Toy fröhnt seinem Laster

Und scheisst in wohlgeschor’nes Gras.

 

Refrain:

Achtung: Wildwechsel

Sauen und Rehe!

Verdacht? Ruf an!

 

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Eine weitere Lautmeldung

In meinem letzten Portfolio steht ein von mir als "schön" bezeichnetes Gedicht, das vielen unverständlich sein mag. Ich lese es in meiner 3. Lautmeldung, ohne einen allzu grossen Aufwand darum zu betreiben - es böte sich allerdings an zum Singen und Kreischen und Brüllen. Doch lassen wir das. Aussprechen der Wörter genügt hier. Es ist funny to the bone. 

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Kein Samstag der Poesie, aber...

Leider habe ich gestern keinen Samstag der Poesie abhalten können. Dies hat mich aber gezwungen, eine 25. Poetisch-Absurde Revue zu verfassen und aufzunehmen. Ich freue mich über das Ergebnis, das ich wie gewohnt in den Abendstunden publizieren werde. 

 

Gleichzeitig habe ich (auch hier: endlich!) eine weitere "Lautmeldung" aufgenommen. Dabei habe ich eines meiner Lieblingsgedichte von Thomas Kunst aufgenommen. Es ist ein sehr schönes, wenn auch schwierig vorzutragendes Gedicht. Ich hoffe, ich habe es durch meinen Vortrag nicht geschmälert oder gar verunstaltet. Ich denke, es ist ein sehr singend vorzutragendes Gedicht... 

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Traktat über die Angst

Wie der Tod ist auch die Angst ein Tabu. Wer zum Tod nicht stehen kann, wird nie die Angst erwähnen können. Wer die Angst nicht erwähnen kann, wird sie immer erleiden müssen. Wer die Angst erleiden muss, wird sich nie von ihr befreien können. Wer sich nicht von ihr befreien kann, wird nie leben, immer sterben.

Erwähne ich die Angst, gestehe ich ihr eine Existenz zu, mit der ich nicht einverstanden sein kann. Erwähne ich die Angst, gestehe ich eine Existenz ein, mit der ich nicht einverstanden sein will. Erwähne ich die Angst, gestehe ich mir eine Existenz zu, zu der ich trotz Einspruchs bereit sein muss. Erwähne ich die Angst, gestehe ich Existenzen zu, an denen ich trotz Einsicht noch keinen Anteil haben kann.

Angst hat mit Einspruch und mit Einsicht zu tun. Angst, denke ich, ist Einspruch und Einsicht.

Mut aber, auch Gleichmut, seltener Demut, entwindet der Angst ihren Schrecken. Ohne Einspruch und ohne Einsicht lässt es sich handeln.

Helden sind daher immer lächerlich. Ihre Tat ist keine Überwindung. Ihre Tat ist immer Verstümmelung.

Penthesileas Tod gründet im Unverständnis: horror pulchritudinis, in der Einsicht: horror homini, und im Einspruch: horror vitae. Achills Tod gründet in der Hybris. Penthesileas Tod lehnt jegliche Sinnstiftung ab, Achills Tod fügt sich ein in die konflikthafte Sinnhaftigkeit jeglichen geschichtlichen Geschehens.

Beider Tod ist letztlich lächerlich, zugegeben. Vielleicht ist sogar jeder Tod lächerlich.

Wer die Angst erwähnt, wiederhole ich, setzt sich ihr aus. Wer die Angst erwähnt, leistet Trauerarbeit. Er nimmt Abschied vom Erwiesenen, Gewohnten, Vernünftigen. Er gibt der Frage Raum, die unser Leben von jeglicher Finalität befreit. Er findet in diesem Raum die Schönheit residieren, den lebendigen Tod und das tödliche Leben. Ist er kein Held, was ihm zu wünschen wäre, wird er der Dualität, der Linearität und der Realität abtrünnig.

Seine Einsicht begabt ihn zu Potenzen, deren Existenzen niemand nährt. Sein Einspruch ermöglicht ihm Sinn, deren Existenz niemand nutzt. Sein Handeln ist weder eines, das leidensfähig, noch eines, das leidlos ist. Die Lächerlichkeit seines Beginnens, das immer eines bleiben wird und muss, schützt ihn vor Hybris und vor Verstümmelung. Er wird zur Frucht des unfruchtbaren Feigenbaums.

Das Fragen nach der Schuld jedoch überlassen wir den Theologen.

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Überschriits (frei nach W. Chodassewitsch)

Überschriits, überflügs

Übergumps, chum echli übre

Riiss di los. Wie en Stei vo de Schlüdre

Wienen Stern vom Himmel... Immer

Verlürsch sälber all das Zügs...

 

... Herrgottnomol s wird nuno schlimmer

Suechsch d Brülle für d Schlüssel fürs Zimmer!

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Das 9. Portfolio wurde eben veröffentlicht

Endlich habe ich gestern oben auf dem Margrethengüetli mein "Arkadij Makarowitsch" fertig geschrieben und kann stolz die bereits 9. Version meines "Portfolios" präsentieren. Gute Lektüre allen Interessierten und Freunden!

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Arkadij Makarowitsch

Verzichten auf eine eigene Idee

Die löste mich aus dem Warten auf Einsamkeit

Und fiel mit Schwere und Staub in die Scham…

Wie bin ich müde und bräuchte die Ruhe!

Das Suchen fördert die eigene Kraft

Entblösst Geschichten wie Väter die Freiheit.

 

Doch nichts verheisst mir die endliche Freiheit.

Gelöste Knoten… Ich Zeuge der Idee!

Ich trüge gern einen Glauben in Einsamkeit.

Ich züchte hier in dem Kämmerchen Scham.

Und wär’ ich Vater schon: hätte ich Ruhe?

Verstörte mich denn die eigene Kraft?

 

Erkennen liegt in dem Gleichmut der Kraft:

Die grössten Narben entstehen in Freiheit

Für die gefaltet in Rüschen die Idee

Für welche Spatzen gemieden die Einsamkeit

Mit Hirnen ohne ein Bisschen an Scham…

Gefährten! Gleicht ihr mir nicht in der Ruhe?…

 

Die Jugend heisst’s bei euch - braucht keine Ruhe?

Und flösste nicht das Bedürfnis nach Kraft

Den Willen ein zu der Suche nach Freiheit?

Wie kommt der Mensch zu der eigenen Idee

Da alles ihn treibt in kleinliche Einsamkeit

Verstösst in Schweigen und Harm und in Scham?

 

Ich ziehe aus und erfinde die Scham:

In Geiz liegt Demut und duldsame Ruhe.

Die Luft verleiht meinen Federn die Kraft

Die sie allein nicht mal hätten in Freiheit.

Und wär’ ich Vater schon: bräuchte die Idee

Zuletzt als stolzere Stufe zur Einsamkeit…

 

Ich komme heim wie ein Tresor der Einsamkeit

Vertröstet immer von den Renten der Scham…

Die Frauen… leeren die Kröpfe der Ruhe

In denen nussgleich geschwollen die Kraft

Zur Liebe: Duldsamer Mangel an Freiheit

Erlöst vom Stolz in die mündige Idee.

 

Ich binde Ideen in triebloser Einsamkeit

Und finde Scham in der Grube der Ruhe -

Woher nehm’ Kraft ich für Vater und Freiheit?

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Samstag der Poesie!

Es war wunderschön und kalt; am Ende hatte ich fast keine Stimme mehr. 

Ich war diesmal erstaunt, dass selbst an Plätzen, an denen ich bisher kein Publikum gehabt habe (Tellplatz, Bahnhofvorplatz Gundeli oder gar in der Elisabethenanlage neben dem kleinen Teich), Menschen stehen geblieben und zugehört haben. Ich habe dieses Mal weit mehr Couverts mit Gedichten verteilt als die letzten Male zusammen genommen. Das stimmt mich optimistisch. 

Viele "Dankeschön" habe ich gehört und Lächeln gespürt. Eine Frau meinte, als ich ihr das Couvert gab (2 Gedichte angehört, dann gibt es ein Couvert mit einem Gedicht von mir), sie sei ja schon beschenkt worden (mit Gedichten, meinte sie, aber das habe ich erst ganz am Schluss meines Zugs durch Basel verstanden). 

Und ich muss einfach sagen: Es ist für mich inzwischen (das war es nicht beim ersten Mal) etwas ganz Natürliches, Gedichte auf offener Strasse vorzutragen. (Wenn es mir nicht gerade den kleinen Zettel "Samstag der Poesie" vom Notenständer weht...!) Und es macht enorm Freude. Wer mich da noch nach meinen "Einkünften" oder "Erträgen" fragt - hat nicht geschnallt, worum es hier geht. 

Einziger Wermutstropfen: ich war nicht zufrieden mit meiner viel zu spontanen Zusammensetzung der gelesenen Gedichte. Es hat sich für mich kein wirklicher Bogen gespannt vom Anfang zum Ende. Lehrgeld muss man halt immer bereit halten! Das wird das nächste Mal hoffentlich anders sein - Ideen für Bögen und Lieblingsgedichte habe ich ja genug. Vielleicht gibt es zum nächsten Mal eine sehr "beatige" Lesung, mit viel Beat-Literatur!

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