Blog-Archiv für August 2011

Aus der Werkstatt

Der Eroberer Wurm

 

Hei! 's ist Hochzeits-Feiern

In jenen einsam-jüngren Ären!

Ein Engels-Trupp, gefiedert, von Schleiern

Bedeckt, getränkt von Zähren,

Sitzt vor einer Bühne, zu schaun

Ein Stück von Hoffen und Ängsten,

Während's Orchester zuckend schnauft

Musik von andern Sphären.

 

Mimen, von des hohen Gotts Figur,

Grummeln und mummeln leis,

Ein Hin und Her im Flug -

Blosse Puppen sind's, unbeleibt,

Regiert von formlos weiten Dingen,

Kulisse schiebend jederzeit,

Schüttelnd aus des Kondors Schwingen 

Unsichtbares Leid!

 

... to be continued...

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Schönes Zitat

"Selbstverwirklichung, ein Tätigwerden ganz für sich selbst, Emanzipation scheinbar im besten Sinne, nämlich alle Aktivitäten..., sich breiter zu entfalten, dieses Ideal heutiger Zeit also, kann uns unter Umständen ganz von uns selbst ablenken." M. L. Möller

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Ein Gedicht zum heissen Sommertag

Wie jeden Morgen durfte Sofia mir heute ein Gedicht vorlesen. Dabei las sie mir folgendes Hebbel-Gedicht vor, das ideal zu den Hundstagen passt.

 

Sommerbild

 

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,

Sie war, als ob sie bluten könne, rot;

Da sprach ich schauernd im Vorübergehn:

So weit im Leben, ist zu nah am Tod!

 

Es regte sich kein Hauch am heissen Tag,

Nur leise strich ein weisser Schmetterling;

Doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag

Bewegte, sie empfand es und verging.

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Mein letztes grosses neues Gedicht

Wurzelt der Körper

 

Wurzelt der Körper mit seinem Gewicht in der Schuld?

Hängend im Hang des Begehrens. Die Wege der Schlucht

Flussgleich da unten erglänzen, und hier in dem Aufstieg

Nah am Gesicht die Gestrüppe, die Farne, im Nebel

Eigener Atem benetzt mir die klammernden Hände.

Schwebe im Felsenwerk. Unten die Hütten wie Särge.

 

Webt sich der Geist mit Gespinst und mit Lust um die Särge?

Pendelnd im Pass des Erkennens. Die Züge der Schuld

Gusseisern schmerzen – Katarrh des Gebirgs, und die Schlucht,

Glücksgebiet, bleckt die Gebissrinnen, während im Aufstieg

Eigenes Wollen verschwimmt in dem Schweiss und im Nebel:

Odem voll Fadenwurf. Oben die Buckel wie Hände.

 

Wecken nicht Halme, nicht Steine, nicht Sande die Hände?

Klammernd im Karst des Geschehens. Das Warten auf Särge!

Putschgleich in Gunten ertränken die schwere Schuld,

Nah am Gesicht das Vergang’ne –wie Beeren der Schlucht.

Eigenes Tun wie die Steinchen, gelöst in dem Aufstieg.

Kuckucksgesänge erklingen im Rücken im Nebel.

 

Wandelt der Wert aller Dinge sich nicht in dem Nebel?

Hängend im Hang des Begehrens. Die zitternden Hände

Bussfertig Erzenes herzen, und hier sind die Särge,

Himmelskot deckt ihre Planken, in ihnen die Schuld,

Eigenes Klingeln, sie stinkt bis hinab in die Schlucht –

Katen voll pendelnder Strohpuppen säumten den Aufstieg.

 

Wob sich der Geist mit Gelächter und Schweiss in den Aufstieg?

Pendelnd im Pass des Erkennens. So dicht auch der Nebel,

Kussfertig lenken die Sinne Fussballen, Hände, -

Nah am Gesicht ist verwurzelt die Zukunft, die Särge

Eigenen Liebens bersten im Sturz, und die Schuld,

Lungen-Ödem, wie dem Weinschlauch entspritzt’s in die Schlucht.

 

Wachsen die Wolken im Schwarm über Schwären der Schlucht?

Klammernd im Karst des Geschehens. Erschwert unser Aufstieg,

Runzlige Stirnen voll Russ – und ich harr in dem Nebel,

Keuchender, aus wie ein Vogel: zur Strafe die Hände.

Eigenes Denken erschafft erst den Abstieg, und die Särge

Hängen in Klängen in Föhren, vernagelt von Schuld.

 

Oben wird leicht erst die Schuld, wie die Sprüh in der Schlucht,

Nah noch am Antlitz der Aufstieg, Paläste aus Nebel,

Zitternd vom Klammern die Hände, und unten die Särge. 

 

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