Gedichte von April bis Juni 2015

Anspannung

Da hilft nichts.

Kümmerlichstes

Lebt noch in Spinnweb 

Gespannt in der Kammer.

Selbst die letzten Worte

Spanner für den Seelenschuh

Zerreiben ein Ja

Das du mir gegeben

Einen Dank den du mir

Überlassen in Gipsflocken. 

Und der Denar

Den ich für die letzten Stunden des Tages erhielt

Kränkt mich mehr als 

Alle Freiheit

Die er mir schenkte. 

Die besorgte Ödnis

Haben wir entsorgt

In den zwei drei Stufen

Hinauf zur Demut…

Bis zur Verkrümmung

Bis zur Verdrehung

Sind wir bereit…

Aber nicht zur Hut

Und am allerwenigsten

Zur Faltung unserer Ärsche 

In die Stühle unserer Seelen.

Nichts hilft da. 

Es ist wie eine Hand

Die umfasst

Die Wange eines Kindes

Den Körper eines Spatzen

Und doch nicht hält

Das kümmerlichste der Versprechen:

Die Vorhaut der Freiheit

Abzutrennen von dem lieben Kummer. 


Schweissfüssig treten wir an

Die Arschbacken angespannt und

Zusammengekniffen wie Augen

Schweissfüssig treten wir ab

Die Arschbacken gerötet… 

Medea V

Ich sehe einen Bettler 

Gekleidet als Funktionär. 

Habe ich noch nicht alle Formulare ausgefüllt?

Dein Köfferchen ist prall…

Nicht mehr von Flaschen billigen Fusels

Der uns wärmte auf der Flucht…

In deinem Köfferchen raschelt es wie von Zeitungen!

Als könnte das Marktgeschrei

Das dich umgibt wie Opferrauch

Die Gesten der Bescheidenheit

Die du perfekt geübt

Das Neigen über Bücher der Abbitte

Die du selbst nicht geschrieben

Mehr bewirken als

Mein Ausspucken… 

Du bringst mir noch ein Formular

Das ich erneut mit Formeln fülle…

Deine Funktion ist erschöpft.

Biege dich nur

Wie ein Schwanz 

Der von hinten stösst!

Mich fickt niemand mehr

Nicht einmal auf dem Papier. 

Kolostrum

Und plötzlich fliesst es.

Das ist dunkle Milch

Die nach Erde schmeckt

Und nach Stein. Ein Schluck Öl.

Die Brust öffnet sich 

Weit wie eine Wunde

Ungeschlagen & ungeschöpft.

Halme spriessen und kitzeln in der Kehle.

Das Schlucken

Ungelernt

Ist noch kein Gurgeln.

Das kommt hoch. 

Das kommt noch:

Nur Geduld. Erst mal

Sich die Lippen lecken

Als hätte man sie verbissen —

Die Zunge stösst hervor 

Wie die Dornen im Wind. 


Es fliesst. Dämmergelb. 

Doch auch Schlamm leuchtet auf in sich:

All das Leben

Unsichtbar & im Werden

Jetzt wie ein Tanz im Schoss des Zwielichts —

Und bitter munden die Gerinnsel

Die zuerst heraustreten:

Die Zunge streicht wie eine Faust an der Feder

Über die Brust: saugender Schmerz

Schöpfender Kuss. Dämmerung fliesst

In der Kehle

Körnig & Korn.

Es spriesst & sticht schon.

Bald ist die Rede ganz unmöglich. 

Sich bücken

Sich bücken

An einer Haltestelle

Im Wind der Partikel aus Linde und Russ…

Auf die gelbe Saat der Zähne stossen

Hinterm Ledergurt der Lippen 

Die tränenden Augen 

Auslöschen mit Speichel…

Zunge & Schnittstelle

An der Haltestelle…

Den Saft schlürfen

Der die Verdauung fördert

Lau & schal

Orange & milchig…

Sich bücken 

An einer Haltestelle

Hinein und hinunter schlüpfen

Und das erstickte Summen der Stimmbänder

Spüren wie die Motoren im Leerlauf

Und das Zischen der Türen

Und die um sich schlagenden 

Schlangen der Adern am Hals. 

Stilllung III

Die Glätte steigt auf

In der Dämmerung & in der Kehle

Gesellt sich der Laut der Furcht

Zu der Frucht des Starrens:

Auf dem Boden des ausgeschlagenen Fasses

Die Sporen von Tannin & Gewissensbissen —

Am Buchenstamm die fleischigen Flügel der Pilze und

Im Briefkasten die Mahnungen. 

Das gebliebene Licht

Füllt wie Hefe die Ritzen der Sicht. 

Der Trompeter spitzt die Lippen am Glas. 

Die Apfelhälften auf den flachen Händen

Für all die grauen Pferde!

Behände gleiten die Wolken

Wie Hände in Lazaretten 

Über das Rund deiner Augen. 

Das Gras ist wie eine Brust. 

Stillung II

Tiefer noch: Wurf um Wurf

Schlag auf Schlag

Getrieben & gefallen

Wach & wacher noch

Gefangen fast im Dösen —

Bindet dich die Schlangenlinie

Gleich dem wedelnden Halm

In leichte Kehren.


Alles dreht sich: Nerv-

Kanäle öffnen sich der Milch

Der Lüge die Krusten auswäscht

Von kindischen Beutezügen. 

Tag für Tag — Name für Name

Kräuselt sich die Oberfläche der Dämmerung

Überm Land deiner Kindheit

Dem Land der Glatzen. Alle

Am Tropf der Blüte: raus!


Leitern lehnt ich an die Zentner der Sparsäulen

Streben wuchsen in meinen Büchern —

Füllte die Füllen mit Advokatenblut

Stiess auf — stiess auf Adhocatenschnuten

Die sich wanden in Timpetee. 


Fliehe doch — Schorf mit Schorf

Plag um Plag

Natürlich & gezwungen

Trunken & trunkener noch

Ausgestülpt an die Leinen der Zukunft

Weicht nicht zurück das Facettenauge

Gleich den steifen Fingern im Schosse

Der Daumendrehungen vor dem ungestümen

Wehen der Lippen?

Stillung I

Die Warze wölbt ihre Lippen

Gespitzt dem Azur entgegen.

Die Erde reisst in Waben auf.

Fährten tun nichts dazu.

Auch die Lautsprecher nicht 

Und die Schöngesichter. An der Tränke

Hat niemand Grund zum Dunkeln. 

Regelrecht schütter

Sind die Pläne 

Geworden vom Sog der

Grünen Wiese auf der

Eine einzelne Elster 

Das Hüpfen lernt. 

Blank neigt sich

Die Brust des Mundes

Dem Raub der Zeit

Entgegen. Schergen

Tragen Namen wie

Reissverschlüsse. 

Auch das ist nur 

Nebenbei. Die vorbei

Gingen sahen nicht

Die stampfende Meute 

Unterm Hahn der Wüste.

Platzend formen sich jetzt Knoten für 

Darmumdrehungen. 

Jason IV

Wie sehne ich mich nach Vergebung & Frieden!

Nichts kann begonnen werden ohne diese.

Als legte sich 

Freundschaftlich & bieder

Eine Hand auf meine Schulter

Mich immer wieder

An den zu erinnern

Der ich bin und nicht an den

Der ich sein könnte. 

Ich stehe im Glanz der Empfänge

Und liege im Fettdampf der Gelage

Wie ein abgebissener Finger

Wei eine Warze mitten im Gesicht… 

Niemand sieht 

Was mich am Kragen hält.

Und trete ich zu ihr hin

Wird die Krawatte 

Zur steinernen Natter am Hals

Und mein Lächeln zum eisernen Mundschutz.

Ihre Worte sind Truhen voller Truhen

Und in der letzten noch

Blitzt der Dolch der Erinnerung auf.

Keine Angst

Sie spielt nur damit.

Vergebung & Frieden!

Vergessen & Liebe!

Unfertig bin ich wie ein Jugendlicher

Mit den gleichen Sehnsüchten und der gleichen Unerfahrenheit.

Doch ist das alles was ich will. 

Eine saugende Sonne überm untiefen See

Auf dass nur das Salz des Erbarmens bliebe

Die Kiesel und die paar Fischgerippe…

Die Rostbeulen der Kutter wie

Nässende Narben des Vergessens

Die zerrissenen Netze wie

Das Eingeständnis der Vergeblichkeit

Das Zugeständnis an die Beharrlichkeit… 

Meine Seele flattert 

Im Wind ihrer Augen

Und meinem Verstand 

Schmilzt selbst der letzte Knorpel

In der Glut ihrer Worte. 

Medea IV

Da kommt der Traumherr!

Er trägt ein schönes Gewand. 

Ich sehe sein Gesicht 

Doch ist es wie abgewandt.

Er kommt erneut zu besprechen

Mich im Exil. 

Will seine andere Zunge nutzen

Die mich leckte

Überall als ich tötete

Im Nacken leckte wie

Heisser Windhauch am Abend…

Am Abend ja…

Bevor die Steine der Mauer ausgekühlt…

Er hat geträumt

Das kann ich sehen

An seinen glanzlosen Augen

An seinen rosaroten Backen

An seinen sicheren Schritten

Und werde es hören

In seiner unaufgelösten Stimme…

Nie mehr will ich es fühlen!

Träumer sollten geboren sein

Ohne Zunge… und ich

Die ich Münzen zähle 

Formulare ausfülle

Bittbriefe kopiere

Und hin und wieder

Den üblen Zauber breche

Den die Leute übers eigene Leben legen

In dem sie hoffen auf anderes —

Ihn breche den Reiz zum Träumen

Mit harschem Knirschen meiner Rede

Meiner unkrautzermahlenden Rede

Die mahlt und mahlt wie eine Kuh 

Auf der Weide mit gleissendem Auge und 

Hohen Rippen das Gras mahlt

Zu Sand mahle ich es zu Sand

Für die Sandbänke im Sommerfluss 

Für die Buben da draussen mit ihren Träumen von Mythen

Die verbieten den einen Traum 

Den einen Traum den er mir jetzt wieder 

Besprechen wird. Ich werde ihm nicht glauben. 

Und doch wird er mich

Nochmals wenden 

Schmerzvoll wird er mir den Pelz des Hier

Den Skalp des Jetzt

Abziehen und zum Trocknen

In den Mittag hängen

Ja in den Mittag 

Über den die Schnüre mit der Wäsche gespannt wurden

Damit all die verdammten Fliegen

In Korinth sähen

Was es geschlagen hat:

Die blinzelnde dritte Stunde

Erst und noch Zeit

Noch lange Zeit… Träume

Haben Zeit… Geschiebe der Zeit sind sie… ich aber

Will tun. Ich tue. 

Soll er träumen

Soll er besprechen

Die auserwählten Eingeborenen. 

Da kommt er.

Sein Mund kaut bereits die Wörter und bleckt

Das Lächeln eines Botschafters und 

Die Zahnreihen einer Hyäne. 

Epilog zu Medea

Oh die Dinge sind nicht so

Wie sie gewachsen sind!

Die kringelnden Taten und

Die rennenden Raten

Vertiefen weder die Stille 

Noch die Ohnmacht.

Wer klemmt sich dahinter?

Wer ergreift die Bücher und des einen

Oder anderen Backe 

Hinter denen die Fettpolster

Speicherten die Zinseszinsen der zögernden Zahlenreihen —

Auf dass abgeschält 

Die eine Backe

Der tatenlosen Unzahl

Die andere Backe 

Den ungezählten Mussestunden

Zufallen wie der Pelz einer Hindin?

Doch die Dinge

Die wachsen und doch

Nicht werden wie sie sind

Wie sie zu sein hätten 

Entbrennen in einem Sperrfeuer

Über der Stadt am Isthmus

Als könnten sie die Häutung

Nicht nur der Backen und Bacchen

Verhindern: die Enthauptung auch nicht

Und das Wanken der hohen Frisuren… 

Die Dingen singen wie damals:

Schwebend und bebend

Einem Gewitter gleich

Steigt der Klang der Schmerzensschreie

Über die Feuersbrunst hinweg 

Wie ein Riese und schaut auf die Stadt hinab

Mit ihren Dingen

Mit ihren röhrenden Dingen — 

Was heisst hier

Wachsen wenn

Die Pflanzen selbst

Zurückschrecken vor dem hohen Saum 

Deines Gewandes Königin!

Das Meer suppt an die Ufer

Fettaugen schwimmen obenauf

Und die Geldwechsler stehen 

Mit klimpernden Augen

Barhäuptig und besohlt da

Als bewahrten sie in ihren eichenen Truhen 

Die Wandlung der Barbaren und

Die Änderung des Bartwuchses. 

Oh die Dinge sind

Viele und keinem wird

Bleiben von ihnen 

Wenn du Königin

Gehst und von den Bergen hinunter

Die Granaten zerschellen

Mitten auf dem Marktplatz

Vor den kahlen steinbewehrten Bergen hinunter. 

Medea III

Stille jetzt!

Auch ich bin 

Anders. Mehr noch

Als du: fremd

Wie ein Stein in der warmen Hand. 

Bekannt wie das Blatt der Eiche.

Aber wer ist wie es?

Nichts & niemand…

Mein Herz ist ein Tollhaus

Voller Stimmen weit & eben & hell.

Stille jetzt.

Ich will ihnen lauschen…

Ein Wald von Stimmen.

Alle regen sich…

Jede anders. Gleich &

Verschieden. Das Knirschen

In deinen Ohren ist nicht

Das meiner Zähne…

Es ist der Laut der Entwurzelung

Der Laut rollender Kiesel.

Hast du je gehört

Dass eine Eiche sich umdrehte

Zur anderen Eiche?

Bist du nicht

Ausgestreckt nach einem Licht

Im Zwielicht unter all meinen Stimmen

Unter all meinen Unterseiten?

Verwechselst du nicht

Den Herbst mit dem Frühling

Den Wackerstein mit dem Bach?

Unsere Tage nehmen ab und unsere Tränen.

Sei still. 

Mien Licht ist finster

Ich weiss

Mein Licht ist heiss — 

Meine Liebe aber ist mehr…

Eine blendende Salzwüste. 

Kein Baum nirgends. 

Steinstümpfe bestenfalls & Fossilien.

Komm und stille nicht

Deinen Durst:

Ewig soll er sein und brennend.

Dann wird meine Hand

Dein hartes heisses Herz

Kühlen im Abend… und während dir

Anders wird werde ich dich

Aufzehren wie eine

Letzte zähe Lache

In der Steppe meiner Stimmen. 

Ein Wunder

Ihre Hände spriessen

Aus den Handgelenken

Durchsichtige Flossen.

Ein Wunder dass sie halten…


Ihre Blicke giessen 

Aus die Dunkelheit

Durch den Rauch wie Rauch.

Ein Wunder dass sie halten…


Ihre Zähne reissen

Am Kinn über dem 

Das Zahnfleisch dämmert. 

Ein Wunder dass sie halten…


Ihre Brüste heissen

Heisse Laibe 

In milchigem Spalt.

Ein Wunder dass sie halten…


Ihre Wörter fliessen

Von der blauen Zunge

Speichelweich und warm.

Ein Wunder dass sie halten… 

Jason III

Es ist anders.

Es ist dunkel in mir 

Wie ein Brotlaib

Hart wie Stein und doch

Aus hellem Mehl — 

Ich bin anders

Ich kann anders

Wenn ich in ihrem Strahl stehe

Mein Kopf ist leicht

Wie eine Ähre — 

Ein Ja ist in in mir 

(Wie nie mit dir)

Meine Glieder rieseln… 

Nichts ist mehr

Brüsk oder entschieden:

Das Finstre ein Fenster

Durch das lau ein anderes tritt

Ein Faseln beginnt

In ihrem Strahl

Kinderleicht & folgenschwer

Als könnt ich Gran um Gran

Meinen Worten treu werden

Und wie die Brüste der Mädchen

Häufchen um Häufchen

Spitzchen um Spitzchen

In meiner Brust

Wachsen lassen — 

Ich kann nicht anders

Ich bin nicht anders

Ihr Strahl tanzt 

Wie Sonne auf dem Gras

Auf meiner Brust

Ihr Strahl salbt meine Lippen

Mit geranienroter Lauheit.

Es ist anders.

Zerriebene Dunkelheit 

Legt sich silbern 

In meinen Leib. 

Lass mich gehen

In das andere

Zu der anderen

Als ein anderer.

Ich bin hartes Brot 

Für Schlachtrösser.

Mag sein. Das war mal so.

Doch nicht mehr

Doch nicht nur

Nicht nur… 

Hawija (Sure 101)

Warte nicht länger — 

Stürze dich hinab

In die Truhe der

Sirrenden 

Wehmut nach dem einen Gut:

Dem stampfenden Gerät des Willens.

Was für ein Scheppern darin!

Es gibt nichts zu wühlen… 

Alle Dinge sind gleich

Wie die Brust der Mutter

Vorstossend & passgenau…


Doch halt!

Zuvor noch das:

Diesen Orangenschnitz aus Kirschholz

Vor dein Auge gespannt

Joch & Bogen in einem

Und das Zuckerwasser geleert. 


Und nun: an die Arbeit!

Wühle wühle!

Die Truhe ist voller Güter & Schätze

Und tief wie nur

Selten die Seele.


Wenige gelangten

Bis zum Grunde

Schöpften alles aus 

Den Müllberg nährend im Rücken

Mit Puppenbeinen & Honigzargen.


Und gelangten sie bis dorthin

Kam die Mutter wieder 

Und wiegte sie

Die leichteren

Im Arm wie Spinnweb.

In Shirati oder Arisdorf

Die Lähmung ist Lauf.

Die Blindheit ist Sicht.

Die Depression ist

Gut aufgestellt

Die Gartenbeete und Hecken zu pflegen

Die Sonnenschirme aufzuspannen

Die Ausfahrt zu kehren

Den Rasen zu kürzen

In Kneipen zu kneifen.

In Shirati oder Arisdorf.


Wenn nichts geschieht

Im Dunkeln des Schankraums

Im Schatten von Vorhang und Innendekoration

Wenn nichts läuft

Im Licht der Plastikflaschen und Plastikbeutel

Im Schritt der Schlarpen und knielangen Röcke —

Dann sind wir zuhause.

In Shirati oder Arisdorf.


Der läufige Langmut

Breitet seine Steppdecke aus

In unserem Augenweiss.

Die langsamen Lappalien 

Füllen die Kochtöpfe 

Unserer Mütter.

In Arisdorf oder Shirati.


Gastfreundlich sind hier

Nur Plastegötter

In Form einer Flasche 

Im Profil eines Reifens. 

Selbstbedienung 

In Arisdorf oder Shirati.

Freundlich ist hier

Nur die Landesflagge

Wegen des Windes.

In Arisdorf oder Shirati.


Und der Fortschritt steht auf dem Schlauch

In Arisdorf

Und der Fortschritt wartet in der Schlange

In Shirati

Und reckt seinen Kopf 

Über die anderen Köpfe 

Für eine bessere Sicht. 

Schwere Hoffnung

Die Schwere ist keine Schwere:

Ist Hoffnung. Draussen im Hof

Baden die Spatzen in gelb gesäumten Lachen… 

Denke nicht an die roten Augen der Kenntnis!

Nächtelang starrst du

In die Pupille der Nacht

Schmal & gelb 

Du wirst noch meckern!

Lass der Schwere ihre Schwere:

Man entkommt ihr nicht. 

Lass dich pressen — 

Eine Blüte zwischen Blättern.

Hoffen die Tropfen

Von Spatzen verspritzt?

Wie Perlen fallen sie in den Dreck des Hofs. 

Denke nicht an die roten Augen des Handelns —

An die Schwielen

An den Abrieb

An die Hautfetzen 

Wie Sand gestreut

In deine Kleider — 

Die Blüten & Tropfen

Die Spatzen & Ziegen:

Sinken auch…

Schwere ist Hoffnung:

Da unten ist

Im Spiegel der Lache

Im Kelch der Blüte

Da oben: Aufsteigend

Wie Marilyns Rock

Das Haar gespreitet

Wie der Pilz einer Bombe —

Die Hoffnung ist Ausdehnung

Nach der Schwere.

Es geht nicht anders. 

Balkan...

Deine Krallen erinnert:

Als wir den eigenen Urin tranken

Statt des Tees & die eigenen Schreie

Kosteten wie das atemlose 

Jauchzen & Fauchen der Saxophone

Überm beharrlichen Flirren der Stahlbesen

& neben uns die runden flachen

Knochenweissen Scheiben

Die beim ersten Bissen brechen & bröckeln

& schmecken wie der Sand…


Deine Klauen 

Kornblumenblau

In meinen persischen Ehrenpreis

Gelegt am Wegrand

In der Hitze des Mittags & der Flucht — 

Erinnert. 

Aufgeblasenes Häufchen

Dieses Häufchen Dreck — 

Das bist du:

Halb Frosch halb Kröte.

In deiner Kehle werden

Bedürfnisse Laut

Wie Blasen im Moor. 

In deinem Herzen rinnt

Zäh & gelb ein Blut

Wie Zement. In deinen Händen

Klebt ein Antlitz

Wie die Spur erster Blutung

Wie die Spur von Bohnenfressern

Der dir unmöglichen Tat. 

Du schaffst nicht: du bist. 

Dieses Häufchen aufgeblasene Haut

Dieses Hüftchen Stöckelei

Dieses Büschlein Haar

Dieses stampfende Jetzt:

Wirst du wirkungslos gewesen sein.

Dein Gesicht ist nie eines

Es ist nie deines: ist

Splitternd & echt

Speziell & kommun

Eine Hand nach oben

Eine Faust hinunter — 

Ein Geruch von Mann in der Achsel der Frau

Ein Geschmack von Frau im Schritt des Mannes.

Weder Frosch noch Kröte:

Ein Häufchen Aufstampfen

Eine alte Semmel Aufheulen

Ein Bisschen Aufbäumen — 

Doch fest gefügt wie am letzten Tag

Da die Asche alles bedeckt und fixiert 

Wie ich für immer: Übermut

Nach mehr als dem kehligen Laut des Begehrens

Nach mehr als dem hohen Hüpfen des Geistes

Nach mehr als dem einen Sommerabend. 

Haushalt

Im Rücken der Küchen

Ist Gefahr. Sternblau

Fällt das Haar in die Suppe

Nach oben verdreht

Stellt der Schuh-Haken

Seinen Mann — bis in die Eichel

Der Memmen. 

Ausgespuckt

Treibt das Heldentum

Der Buchhalter in Richtung

Der ungewürzten Grenzen. 

Was Gefahr ist

Weiss das Salz

Fast so gut wie

Das Kraut. Das Haar

Dieses Eva-Gut

Steht nicht in Widerspruch

Zur Wirbelsäule…

Der geriebene Rettich

Aus dem die Träume sind

Schreibt an seinem jüngsten Werk:

Fliedermäuse in Hosendeutsch

Sternschrot für den Sauerteig. 

Du Hausfrau wirst noch lange…

Ach Gefahr: simple Türe

Zum Wirbel der Zahlen im Schopf

Des Mülls aus Los & Lot. & Alles

Ungekünstelt & ungekocht. 

Sturmflut

Der Kreis gähnt…

Gähnt entgegen seinem Los

Und mir entgegen. Sein

Laut bricht alle Trassen

Vom Fuchs bis zum Schakal

Entzwei und bietet

Dann die Völker von den Inseln auf.

Eine eigene Flut

Strömt heran

Mit Federn wie von Alabaster

Mit einem Geschlecht und

Noch einem Geschlecht. 

Die tyrische Stiege

(Dorthin ging ich dir entgegen)

Ist ausgezehrt

Von den Läufen — 

Nicht von den Gewehrläufen.

Die Pampe aus Laut und Los

Die mir entgegen kommt

Kennt keine Kümmernisse und

Hält Atem Augen und Hände 

Streng geschlossen. Ihre

Füsse sind nicht bloss — 

Aber ihre Gesichter sind es.

Barbaren-Mahlstrom:

Gutes Brot. Was da gähnt

Sage ich dir

Hat keine Füllung nötig. Ist

Mehr als Papier

Mehr als Bund

Mehr als Schlund

Mehr als ein Stier: 

Ist liegender Marmorrücken

Verborgenen Geschlechts.

Ja mit dem Rücken zu dir.

Ich denke zurück an 

Die tyrische Stiege und an

Den Zirkelschluss des Anstiegs.

Der sich als Einstieg gab. 

Der Laut ist ein Husten.

Faden von Käse…

Käse: ja!

Doch nicht gelb noch weiss:

Schwarz. Die Zelte der Völker von den Inseln

Wimpellos (wimpernlos?)

Passlos (Wasserscheiden - schon?)

Bedecken die Ebene:

Wann sind sie herangestürmt?

In den Morgenstunden 

Als wir die Wäsche hängten 

Das Brot zum Auskühlen in den Schatten legten?

Was für eine Puff

In meinem Kopf und

In meiner Welt…

Die Männer von den Inseln

Pendeln mit ihren Zungen

Die sie in ihren Hosen wie Penisse

Tragen und zurechtrücken:

Goldene Schnitte

(Schritte?)

Goldene Einschnitte

Wasserscheiden der Zukunft.

Lasst uns ihnen 

Entgegen ziehen.

Der Kreiss kann sich nur noch

Schliessen.

Lehren

Kein Kiesel gewährt Schutz.

Ohne Nabel streckt sich die Ebene.

Darüber die Sterne wie Strudel.

Randlos weitet sich das Wort.


Selbst die Wut saugt die Ebene auf.

Liegt saubrer und gemacht da.

Das Menschliche am Gras: hier stehe ich…

Keine Heere. Doch Kampfeslärm:


Die schweren Tropfen von Weib und Wall.

Peitschenschläge und Kindeslachen.

Vernunft ist nur ein anderer Name für

Feigheit. Die eingeebnete Sonne


Im Augenstern des Lehrers.

Aufgeschnürt die Schuhe.

Rede von der Musterung ist nicht zu meistern

Ohne die Speicherung des strahlenden Worts. 

Ausbruch

In Kassibern lege ich 

Die Zahl der Tage

Die mir fehlen

Bis zum Aufbruch

In hastiger Gewissheit

Und mit brüchigem Wort

Dar: Erinnerungen an Kühltürme

Gedächtnis der eingefallenen Brustwarzen

Empfindung des gefiederten Waldes im Morgen

Widerhall von Stimmen

Die meinen Kindern gehörten.


Nur ich bebe

Davon. Die Vermittlung

Hat eine lecke Tonlage

Zwischen Mut und Gleichgültigkeit.

In der Leitung rascheln Eisenspäne. 

Ich denke an die Säulen der Welt

Die ich immer noch vermute

In den Gesten der Alten

Im Schmelzen der Mütter und

Im Tun und Lassen der Väter und

In den Zaunpfosten an 

Hochgeschwindigkeitstrassen. 

Mzungu II (Der erste Mensch)

Festgezurrt Hände.

Eingeborene Wände.

Was tut’s dass du

Zur Kaper schrumpfst

Und ein wenig noch

Am Abhang nippst?


Buren-Los: wem das Land

Und wem die Scharten

Die es in dich gehauen

Nur allein vom Schauen?

Du bist nicht mehr echt 

Und nur im Suff noch hechtest du

Den Dingen nach in ihrem Dringen. 


Verstuhlte Lauten.

Wertheim-Bauten.

Formulare des Eifers

Treiben dich durch die Pampa.

Gerissen stiehlst du die Abwesenheit

Von Farbe. Wie ein Trüger. Erkenne nun

Im letzten Schuhen

Die Tränke der Namen.


Ich stehe nicht dort. 

Ich bin nur ein Flimmern

Über Asphalt. Und wenn

In dem Spalt deiner Hände

Du mich siehst dort hinten

Möwengleich — was für eine

Verdunkelung! Ich bin nicht

Echter als der erste Mensch. 

Fort!

Fort mit mir!

Gärten voller Stimmen

Gerten voller Heilung

Schale von Wohlwollen

Schalen voller Handgelenke —

Endlich fort!


Ein Amen das ein Horn ist

Das nach mir sticht

Ein Aus das ein Born ist

Der in mir steigt —

Umschau nach Demut.

Ein Los das ein Zorn ist

Der in mich flieht

Ein Schoss der ein Korn ist

Mit dem ich ziele — 

Ausschau nach Rehmut. 


Anschein ist nicht fort.

Aufbruch ist nicht fort.

Wollen ist nicht fort.

Können ist nicht fort.

Wägen ist nicht fort.


Es hat einen Klang

Als schriee eine Katze vor Liebe

Es hat eine Farbe

Als seien sie alle verblichen

Es hat eine Haut

Als komme sie aus dem Wasser

Es hat einen Ruch

Von Zufall und Absicht. 


Ein Hauch von Fort

Mit einer Spur von Du —

Das berühmte Haaröl 

Pissen in die Ecken meines Reviers…

Vielleicht…  geht dann alles 

Die Wand hinauf

 Und hinüber. Fort

Mit all dem 

Was ich könnte

Fort mit all denen 

Die mich können. 

Jason II

Die Kinder fallen mich an

Wie Nornen. Reissen am schäbigen Kaftan

Meiner Seele. Ihre Augen

Saugen. Ich bin ihr Mark. 

Ihre Zungen lispeln heisse Wüsten

Kahle Berge und salzige Winde — 

Als bliese der Drache erneut mich an

Als rieselten erneut die Steine zur Armee zusammen. 

Die Kinder lassen?

Sie lassen? Was

Sage mir was 

Wirst du sie lehren?

Ist die iolkische Dummheit etwa

Schlechter als die skythische Dummheit?

Ihre Köpfe möchte ich 

In die Amphore meiner engen Brust pflanzen

Auf dass sie dort wüchsen

An jedem Atemzug

An jedem Herzschlag — 

Wurzelten in mir

Die Würmchen

Und mich verzehrten

Langsam mich leerten

Von all den Taten

Die mich nennen und mich schufen

Bis ich nur noch

Ein Klumpen Blut & Fleisch bin

Für die Liebe der Hyänen

Die aus einem Umkreis von 100 Kilometern 

Das Schicksal riechen derer

Die fliehen vor ihrem Leben —


Die Kinder — zerren an meinen Haaren

Lösen mir die Rüstung

Setzen sich meinen Helm auf

Deren Busch sie nicht mehr schreckt

Und schlagen drauf mit dem Schwert

Dass die ganze Blechhütte davon widerhallt

Und ich stehe da im Untergewand

Und lächle blöde wie ein Faun. 

Früher

Früher fielen die Träume

Rumpelnd in mein Hirn.

Tag um Tag war’s ein Räumen

Aufrichten und umschichten.

Scheunen gefüllt

Mit dem ersten Staub des Festlands.

Nach und nach kam die Stirn

Runter in den Falltrichter — 

Fäule enthüllt

In dem ersten Schwung der Schlaghand. 

Alles zerfiel

Rappelnder als Zorn.

Nichts war zuviel —

Eng um Eng floss in Schäumen

Aus ins Land der Lebenden. 

Was es ist (Inventur)

Es ist nicht was es ist

Es ist nichts

Es ist nicht

Es ist was es nicht ist


Es ist gratis

Es ist notwendig

Es ist Nabi

Es ist nutzlos


Es ist Lagos

Es ist Asphalt

Es ist masoretisch

Es ist Butter


Es ist sühnelos

Es ist Lack

Es ist Wagen

Es ist Marder


Es ist Muckis

Es ist Murmeln

Es ist Koho geri

Es ist aber


Es ist Franse

Es ist das Stahlauge von James Stewart

Es ist Wald

Es ist Amen


Es ist Nutria

Es ist wagen

Es ist Lagenübung

Es ist blöder Fuzzi


Es ist Diensthabender

Es ist Genussschein

Es ist kaheksa

Es ist Muttern


Es ist apokryph

Es ist Albertine

Es ist Stallung

Es ist Kyrie


Es ist Gazelle

Es ist Wallung

Es ist fussen

Es ist natürlich


Es ist Transe

Es ist Herr Meier

Es ist näher

Es ist Schwäher


Es ist leer

Es ist Lack

Es ist Laminat

Es ist Porsche


Es ist polygam

Es ist Markus

Es ist wahrscheinlich

Es ist Nukleus


Es ist bucklig

Es ist Genuflexion

Es ist Scham

Es ist nur


Es ist Schur

Es ist müssig

Es ist russig

Es ist Lukmanier.

Was es tut (Inventur)

Es tut weh

Es tut nicht mehr

Es tut fort

Es tut jäh


Es tut rücksichtslos

Es tut afrikanisch

Es tut überbrückend

Es tut kantisch


Es tut willig

Es tut gut

Es tut Schaum 

Es tut noch kaum


Es tut beissen

Es tut seichen

Es tut siechen

Es tut Daigg


Es tut feig

Es tut Rost

Es tut Milch

Es tut feilen


Es tut Muster

Es tut imprévu

Es tut noch mehr

Es tut noch weh


Es tut konzentrisch

Es tut in Massen

Es tut in Massen

Es tut alltäglich


Es tut Zäune

Es tut Bärte

Es tut Särge

Es tut Okto-Pussy


Es tut Vater

Es tut langsam

Es tut impro

Es tut schnuppe


Es tut weh

Es tut normal

Es tut falsch

Es tut Viagra


Es tut Zahnfleisch

Es tut vagina dentata

Es tut Sporen

Es tut spuren


Es tut gut

Es tut nicht

Es tut bebend

Es tut schön.

Raststätten

Raststätten entlang der Liebe:

Niemand kontrolliert sie

Weder Rotes Kreuz noch Europarat wissen davon —

Erfüllt vom Gebrüll derer

Denen man das letzte Rückgrat genommen hat

Geleert vom Geplärr jener

Die ihre Ausbeutung noch für Seligkeit halten —

Die Sporenglocken überm Sägemehl

Die Spucknäpfe bei der Theke

Und ein feines Männchen verlangt nach einem Mundspüler… 

Soweit sind wir noch nicht!

Kreischt die barfüssige Marketenderin.

Die Visagen voll von dem Blust

Einer Gewesenheit und einer Duldsamkeit

Wenden sich dem Eintretenden wie Glasscherben zu.

Wie viel Grobheit!

Wie viel Ehrlichkeit!

Ein Krüppel schwingt sich durch den Raum

Und singt das Lied von der ersten Liebe

Die alle hier nicht länger mehr kratzt.

Hier hat jeder einen Bart

Und jede eine Glatze.

Das ist ein Territorium 

Von den Gerechten und den Rechtmässigen

Und jenen die sanitarisch denken

Gemieden und von denen 

Die ihre Frauen und Männer rein halten von dem 

Was sie ruft — 

Es ihnen ersparen

Mit Händchen halten und Bisschen verwalten. 

Raststätten am Rand der Liebe:

Niemand erstellt Berichte und Protokolle

Erteilt Empfehlungen und notiert Verfehlungen

Und die Barfrau flüstert

Mit ihrem Busen die Theke bestreichend

Kannst dir den Gutnachtkuss

In den Arsch stecken Bube!

Medea

Du bist schuld!

Ich habe dich zu spät

Erkannt. Jetzt aber…!

Du bist die Schuld!

Dein Gesicht ist ein Geranientopf

Deine Gedanken sind getäfelt und käsig. 

Ich werde es mir nie verzeihen

Nie! Du bist aus Kleister!

Deine Taten

Die alle besingen

Stehen auf tönernen Füssen!

Du bist eine gottverdammte Vase:

Leer! Doch riecht man noch

Den Inhalt: Kernobst.

In allem — in allem!

Habe ich dich getragen

Ertragen deine ewigen Klagen

Und ohne Fragen

Getan für dich 

Als anderes Ich — 

Wie eine belebte Strohpuppe!

Als könnte mir nichts

Etwas anhaben:

Aus der Nacktheit

Aus der Ehrlichkeit 

Meiner südlichen Berge 

Komme ich bis hier — 

Meine Küsse waren Sekt für dich

Süss & schnell verflogen — 

Hierher komme ich 

Als Beiboot deines willkürlichen

Deines ruderlosen

Deines lotsenlosen Lebens — 

Beladen mit den Buben

Mit ihren Pfingstrosenschöpfen!

Oh ich hasse dich!

Alles zerstörst du!

Alles hast du zerstört!

Unverständig und gutwillig!

Guten Willens

Weil unverständig!

Und wieder willst du

Woanders hin —

Weshalb? Weshalb?

Wohin verschlägt es dich denn jetzt

Du feiger Hund? Bin ich nicht gut genug

Um die Schuld

Für dich zu sein

Den Grund für deinen Mangel?

Die Galeonsfigur deines noch immer wohlgeformten Arsches?

Das Klageweib deiner unwillkürlichen unentwegten Lügen

Die mich auf Wege führten 

Die ich nicht kannte

Die mich einlullten wie ein Kind

Die mich umschlangen wie eine Schlange?

Ich habe genug.

Ich sage es allen.

Du bist die Schuld. 

Du allein hast sie 

Geschaffen!

Saul 

Ich sitze hier

Du stehst dort.

Du reichst mir nicht

Bis ans Herz

Das donnernd schweigt. 

Meine Kehle ist trocken vom Schreien

Meine Zunge ist bitter vom Wein.

Spiel! Spiel!

Klimper! Klimper!

Alle blicken auf uns.

Blicken auf uns wie

Auf zwei Findlinge

Mitten in der Auffahrt der Geschichte. 

Dein Klimpern ist nichts als 

Sentiment. 

Meine Kehle bebt gurgelnd vom Affekt

Vom Schrecken Gottes.

Du Bube Bube

Was weisst du mit deinem harmlosen Grillengezirpe

Vom Geist? Hm? Hm?

Sandalenträger!

Schürzenjäger!

Schäfchenpfleger!

Ich hasse Schafe!

Ich hasse Esel!

Ich hasse Buben!

Ich hasse Frauen!

Ich hasse den Geist!

Moment Moment

Lasst mich Atem fassen und Geist

Und du 

Spiel! Spiel! 

Nein! Nein! 

Leg deine Klampfe weg du Sau!

Niemand wünsche ich den Geist

Er ist wie ein Blitz

Der alles wandelt

In hellste Kohle und dein Gesicht

Bricht in Scherben wie ein künstlicher Topf.

Ja! Ja! So ist es! So geschehe es!

Es geschieht! Ich habe Hitze!

Hitze… Der Geist der Geist

Weicht von mir… Daran glaubt ihr…

Der Geist ist noch jetzt

Bei mir wie eine scharfe Scherbe

Die ich austrage in meinen Eingeweiden. 

Komm her Bube!

Deine helle Stimme dringt nicht zu mir!

Du musst anders singen!

Hast du denn keinen Wind in deiner Kehle?

Nein du bist ein Gebäck: ein Windbeutel.

Daran finden die Mädchen gefallen

Wenn sie zu deinen Ehren 

Ihre Kränzchen abhalten

Und Geld für dich sammeln…

Mein Herz! Mein Herz!

Ich hasse dich Bub

Du bist nicht wirklich

Und hör endlich auf mit diesem Geklingel!

Ich will meinen Geist hören

Wie er rumort und rumpelt 

In der Geschichte und durch die Geschichte

Und nicht dein Geklingel du Esel!

Nicht dein Gesäusel du Vogel!

Still jetzt. Still jetzt. Ich übergebe mich. 

Das sind Klänge. 

Wie sie das Leben schreibt.

Nicht dein Gesäusel.

Jason

Es ist wahr

Ich habe dich verlassen —

Es gibt mehr als dich

Befremdliche Schönheit

Mit deinen Buben.

Ich bin ein Held.

Auch das ist wahr

Denn alle glauben es

Weil man es schon so lange erzählt.

Damals gab es keinen anderen Weg

Als zu dir und mit dir —

Du verbranntest meine Sinne

Mit deiner geschmeidigen Haut

Und dem Leuchten deiner Augen

Und deinem plötzlichen Zorn —

Hellas war fern und finster

Der Osten in deinen Gesten.

Die Heimat mit ihren Schafsdienst 

Und ihren Quadrillen des Anstands.

Du zeigtest mir

Wo die Liebe sitzt

Im Wald deiner Scham — 

Alles wie es sein sollte dort und damals.

Jetzt aber muss ich weiter — 

Habe ich nciht eine andere Aufgabe

Als mit dir wild zu sein

Als dich zu zähmen

Für eine Heimat

Die du verfluchst?

Du nahmst mir diese Aufgabe

Ich opferte sie dir wie einen Stier und wie ein Stier

Ich nehme sie zurück.

Ich glaube an sie

Mehr als an die Wahrheit 

Um die ich weiss

Auch wenn du mir nicht glaubst.

Ich habe dich und die Buben verlassen — 

Ich schäme mich nicht

Und schäme mich doch. 

Es musste sein.

Ich will Perspektiven!

Ich will Anerkennung!

Ich bin kein Schaf — 

Dank dir bin ich keines! — 

Ich bin kein Schaf mehr

Ich will endlich Hirte sein

Wenigstens von Wörtern 

Oder aber

Der goldene Sündenbock. 

Die Lüge vom Weg

Nicht parat für den Weg —

Umgekehrt: Hast du den Weg

Bereitet für dich?


Die Kunigunden deines Lebens

Umstreifen dich mit ihren salzigen Lippen —

Die Blusen deiner Mutter rascheln

In den Kammern deines Geistes — 


Du kannst dich nicht fassen

Du kannst dich nicht lassen —


Ein bisschen Münchhausen und

Ein bisschen Hase der zu spät dran ist.


Man wird dir gesagt haben

Du musst deinen Weg gehen —

Man wird dich gebeten haben

Du sollest nur auf dich hören — 


Aber bei Gott: das geht nicht.

Da drin ist nichts


Das Rascheln der Blusen — ja

Der klatschende Kuss der Kunigunde — ja


Und keiner der Kiesel ist

Ganz dir — hergerollt

Woher?


Dein Bett ist dein Beet

Gesättigt vom Angstschweiss 

Gestärkt von Ergüssen 

Erlegen der Abwesenheit

Verfärbt vom Fieber

Ödland des Schlafs und nichts wächst

Alles wacht. 


Lohnt denn das

Aufstehen?

Der Stein auf deiner Brust

Wer wälzt ihn weg?

Die tödliche Krankheit:

Fessel oder Befreiung?


Manchmal stört ein einziger Krümel

(Brot-Samen)

Vom Sonntagsfrühstück

Tief zwischen den gelben Leintüchern

Ganze Wochen an Schlaf.

Der Rücken fühlt sich 

Als liege er im Kiesbett

Eines südlichen Baches.


Hebe den Kopf aus dem Rascheln und

Aus dem am Ohrläppchen zupfenden Küssen —

Ist das da 

Nicht dein Weg?


Lächle nicht so

Schelmisch: 

Willst du mir etwa sagen

Du habest ihn

Vorbereitet & vorenthalten?

Ver (Miyazaki)

Alles fliegt. 

Ich verlasse euch niemals. 

Die Zähne fallen aus

Die Schuppen wachsen nach. 

Später sind sie die Hand vor dem Mund. 

Die Dämmerung ist mein Ding. 

Ich bin kein Hochstämmer

Dafür war der Tag schon immer zu vorgerückt. 

Meine Fresse ist billig.

Chinesisch.

Aber alles fliegt. 

Hebt sich in die Luft 

Löst sich auf in der Dämmerung 

Wie die blühenden Apfelbäume. 

Ich bin so ein Zuckerstück. 

Mehr war ich nie. 

Meine Lefzen Flügel

Meine Krähenfüsse

Die Löcher in Socken — 

Ich bin der der wütend

An seinem Hund zerrt

Der Fährte aufgenommen hat. 

Es gibt nur

Das Oben

Schaut hinauf.

Die Fische werden’s euch danken

Nicht die Makrelen nein

Die Makrelen nicht…

Gewiss ist: Alles fliegt.

Mit letztem stotternden Schlag

Hinauf in die Regenrinne.

Lasst eure Hüte auf

Das hätte ich nicht gewollt. 

Lasst es fliegen. 

Es bleibt. Es fliegt

Es bleibt. Ich liebte 

Bäume die in Strassen wuchsen 

So wie die Platane in der Auffahrt zum Finanzministerium 

In Paghman — ich stelle mir das alles 

Nicht schwarzweiss vor 

Aber es fliegt wie ein Rock…

Lasst euch nicht täuschen:

Ich bin nicht darunter. 

Ich spiele nicht Verstecken

Nicht mehr. Nie mehr. 

Springen die Fische?

Sie springen: Hasen des Wassers. 

Und ihr werdet mich nicht mehr finden

Im Land Allein

Und die Fetzen dessen

Was ich wollte

Was ich konnte

Fliegen auf

Über der Herde der Stühle

Und die Makrelen unten im Schacht

Beim Holunder 

Der blüht wie ein Wasserschaden. 

Im Land Allein

Im Land Allein

Gibt’s keinen Schein — 

Stein auf Stein häuft sich

Auf die Brust.

Summe beläuft sich

Auf Null. Alles zählt:

Jedes Detail. Sprache

Ist keine Lust.


Im Land Allein

Ist alles Wein — 

Zahl um Zahl läuft sich

Im Wettkampf tot.

Zukunft besäuft sich

Mit Furcht. Und angezählt

Sind die Dinge. Denken

Ist keinem Fort.


Im Land Allein

Brüllt nur das Schwein —

Stadien-weit erkauft sich

Die dünne Luft

Ihren Zoll. Man rauft sich 

Im Sand. Niemand wählt

Den Knauf des Himmels. Fühlen 

Ist eine Gruft. 

Willkommen

Nur einmal noch

Die Krümmung des Wegs sehen

Bevor sein Ast mich sticht.

Ein Stehen ohne Wie & Köder. 

Dann können die Köter kommen.


Nur einmal noch

Die Haltung der Hand üben

Bevor die Saiten sich dehnen.

Ein Stehen ohne Ton & Bronze

Vor dem körnigen Fresko des Morgens.


Nur einmal noch

Die Grübchen im Tal des Lächelns sehen

Bevor mein Speichel sie füllt.

Ein Stehen ohne Ross & Milch

Vor dem Hünen des Arschs der Welt.


Nur einmal noch

An den Würzelchen ziehen

Bevor mein Blatt entflattert.

Ein Stehen ohne Gier & Erde.

Dann können die Köter kommen. 

Absalom (Winter in America)

Verästelung & Verblätterung —

Wo derAugapfel fiel

Dort: Abwehr durch Nähe 

Macht durch Schmiegsamkeit.

Lage der Kernglieder: Rapport!


Auch ich bin Absalom!

Der hochgezogene Rotz

Ist Würze der Nation.


Die platten Hände scheuen zurück

Vor den Spriessen-Sprossen

Hinauf! Hinauf!

Die Biedermänner in ihren knorrigen

Aber farbigen Umhängen kommen aus

Anderen Wintern.


Die Bändel der Floskeln

Wuchsen aus euren Knöchelaugen

Weiss & wurmig —

Pendeln nicht grotesk

Um jeden Schritt… In

Jedem Schritt?… Die Wimpern

Gehen nicht auf 

Die Knorren im Augenblick

Die Knorren im Augenblank

Halten die Kraft zurück.


Pff. Pff. Meine Pfeife gurgelt.

Seid ihr Dampf oder Rauch?

Hm. Ich sehe nicht recht. 


Ah. Briefkästen. Willkommen!


Ich knüpfe die Knospen auf

Entschnüre die Kraft darin —

Sehr her das weisse Blut!

Der Winter ist nicht vorbei

Längst nicht: beginnt gerade


Die Äste lockern die Bremsen

Und schlagen wie Fohlen um sich

Vervielfacht in der ersten Sonne vervielfältigt


Die Blätter spreiten ihre Linsen

Und äugen in die Ferne der Zeit

Draussen im All der Posamentenmacher.

Wem es nutzt (Inventar)

Es nutzt dem Blick

Es nutzt für das Augenwischen

Es nutzt dem Schlick

Es nutzt für die Schraubenwinden


Es nutzt der Steife

Es nutzt um zu leugnen

Es nutzt dem Streifen

Es nutzt um zu beugen


Es nutzt dem Barfüssigen

Es nutzt für die Untertänigen

Es nutzt dem Verflüssigen

Es nutzt für die immer wenigen


Es nutzt dem Verlust

Es nutzt um zu lieben

Es nutzt dem Ablassen

Es nutzt um zu sieben


Es nutzt dem Erfassen

Es nutzt für das Eignen

Es nutzt dem Verguss

Es nutzt für das Schweigen. 

Eine Löffelei

Grützenhafte Götzen der Jahreszeit in Bermudas. 

Die samenlosen Koffern der Postboten und

Die namenlosen Stoffe des Ostgoten-

Frühlings: in schlarpenden Tönen

Verschluckt er die Os als As und

Hält kurz schwer wie eine Hummel

Inne und dreht sich auf die andere Seite

In seinem vollen Bett

Einen Wind lassend

Von der Stärke einer Legofigur.

Die Bostichmenschen in ihrer Tigerei

Noch vor der Käfigung

Kippen Kaffee

In hostilen Kränzchen der Enge

Und zupfen ihre Töchter an Schwänzen

Und zücken ihre Söhne wie Münzspeier.

Der Brei brockt am Bart der Galaxie aus

Kaffern und Prospekten.

Die Traumata trommeln zusammen

Was noch bleibt vom

Lügentrapez & Übungspelz — 

Pflaumenaugen werden gedrückt

Von tantenlosen Schwadroneuren

In deren Scheunen zu finden

Die Goten der Märkte

Wie 

Die Schoten des Frühlingsmarks

Die Köttel von Frühlingsmark. 

Jahreszeiten — Schaumatem der ungezieferten

Der entzieferten Kruste

Im Gaumen der Toten

Die vom Leben zurückkehren

In die Landschaft der schweisslosen

Heime des Schlafs:

Tau — lege unlinde dich

In ihre Pupollen. 

Anders!

Ich sehe die Bäume in ihrem unversehrten Grün stehen.

Ich sehe die Büsche ihre Blüten wie Wimpern abwerfen.

Ich sehe die Hummeln die Narzissen beschweren. 

Ich sehe die Streben der Gräser die Luft halten.


Anders

Will ich wie einen neuen Namen.

Anders

Das Gewohnte

Anders

Die Lieben

Anders 

Die Arbeit

Anders 

Die Morgen

Anders 

Die Geständnisse 

Anders 

Die Verständnisse.


Alles tut.

Die Welt — ein Mississippidampfer.

Schaumschlägerei.

Radschlägerei. 

Reederei.

Alles kehrt sich um

Um da zu sein wo es ist und sein wird.

Der Augenblick ist sichtbar

Das Werden — Pupille.


Ich schmecke den Schimmel im Kellerloch.

Ich schmecke den Erdgeruch meines Körpers.

Ich schmecke den Blütenatem meines Gaumens.

Ich schmecke die Frühlingsnoten in deinen Fingerballen.


Anders aber

Soll es sein:

Ein Wie

Wiehernd vor

Unwiederkehr.

Ein Als

Als Halszäpfchen 

Der Ewigkeit.

Ein Statt

Stotternd vor

Unleugbarkeit.

Ein Ich

Echter als 

Die Schleimhaut der Erde.

Ein Du

Duftender als

Der Staub des Kehrbesens. 

Sauls Rechtfertigung

Moment Mal! Ich

Bin der Verfolgte. Ich!

Verbrenne im weissen

Feuer. Ich bin doch nicht

Verrückt! Ich zucke hier

Am Boden 

Nackt und doch bin ich 

Mensch — ich singe nicht

Wie der andere weil ich

Zögere. Ich zögere

Weil ich Sinne habe und

Sinne. Nicht auf

Macht wie der andere —

Auf Güter nicht

Auf Güte und

Blankes Entsetzen. 

Ihr Gaffer! Blutsauger!

Habt ihr noch nie einen Nackten gesehen?

Noch nie Begeisterung verspürt

Den dunkeln Atem des schwarzen Feuers

Das ihr gelegt habt

Unter meinem Arsch?

Dahingerafft von Folgsamkeit

Abgeschlafft in Aufschau — 

Und ich wälze mich

Unten. Steif von Verlust und Frust.

Ausgesogen jetzt.

Sinnt mal! Lasst euch mal

Nicht bespielen. Kalifornien ist nicht

Gibea. Die Frohbotschaft

Ist kein Lied — die Frohbotschaft

Ist ein Leid. Mir hat sich

Die Salbe ins Gehirn gebrannt.

Mein Geist ist Feueratem der Güte:

Haltet die Hand vor das Maul!

Er ist Seuche — Freundlichkeit 

Ist nur auf seinen Lippen

Den brennenden Lippen

Aus Wahrheit und Untat.


In meinem Rücken haben sich 

Die Steine losgesagt und losgelöst

Und rollen in die Tiefe… 

Unten ist auf dem Berg. 

So ist es. Jetzt bin ich

Ruhig und warte

Auf die Armee der Philister.

Ich bin Opferlamm. Das bin

Ich. 

Gespiele der Vestalin

Vestalisches Grün 

Eingewachsen 

In die Spalten:

Hier die Säuglinge

Ausgewallt

Dort die Dementen

Schaler Schampus schon.

Ruhe jetzt! Schreit nicht! Wer tritt

Ist noch nicht bestimmt und verstanden.

Getreten wird nicht von euch!

Das Gras spriesst wie Zähne.

Lebend begraben sind wir Humus.

Die Umarmung im Staub und Lehm

Bevor die Platten

Mit rollendem Donnern

Über euch verschlossen werden

Schon mehr als Umarmung.

Ihre Haut schlägt Bläschen

Dir entgegen — deine Erschlaffung

Versteht immer noch nicht 

Die Bestimmung: Tugendgras des Körpers.

Hört doch die Schritte der Kunden 

Über eurem Keuchen. Aber bald 

Wächst das Gras. 

Die Ritze deiner Eichel

Speit Zähne wie Gras

In den Schnabel deiner Blüte — 

Knallerbse & Amsel

Grün in gelb. Knetet euch

Mit allen Händen und Zungen

Die euch noch zur Verfügung stehen

Auf dass ihr aufgeht

Wie die Knospen eines Brots

Das nicht altert.

Operation

Die Luft ist steril gekühlt. 

Jemand zupft an deinen Schulterblättern

Als meinte er es gut mit dir 

Aufmunternd. Du siehst den Boden

Liniert und schmierig glänzend

Durch das Loch für das Gesicht.

Im Haus röhrt ein Ventilator.

Der Glanz des Bodens ist berauschend

Oder die Luft ich weiss es nicht mehr

Seine Linien wie vorrückende Schützengräben.

Du wolltest helfen

Jetzt wirst du geholfen.

Das ist alles eine Art

Fortpflanzung des Nutzens:

Deine Lage und diese Liege.

Optimierung der Optimierung oder so.

Nutzbarmachung der Nützlichkeit.

Ich war nicht dafür gemacht

Dir zu helfen: das kommt davon…

Viel zu oft vergassen wir

Das Jetzt unserer Vergangenheit

Weil die Hühnerflügel der Notwendigkeit 

Uns aufhoben wie Kartoffelsäcke

Und trugen wohin

Opportunität und Besalternativnost

Auf Stengeln und darunter wüteten wie chirurgische Eingriffe. 

Du sprachst mit Ausdauer

Von Besmertnost und Apfelhorsten

Und dann privatisiertest du mich zu uns.

Da liegst du

Mit dem Gesicht nach unten

Und jemand rupft an deinem Rücken

Und schiebt dir ein Gerät in den Arsch.

Das Licht fällt aus den Röhren

Wie Dünnpfiff mit Federn.

Du wirst geholfen und die Linien

Marschieren und der Glanz versteift sich

Auf dich. 

Was in Zellen dringt

Was ausgesprochen wird

Dringt wie ein Schatten in die Zellen ein.

Drängt sich vor ins Blutlicht. 

Bevor es zu einem Platzen kommt

Beginnt die Verdünnung - scheint’s. 

Noch ist nichts getan

Noch ist gar nichts getan

Und das wolkendurchbrochene Licht

Vokabular der Verstockung

Dingt 

Und drängelt sich vor.

Ich wollte helfen

Ich wollte ja schon helfen

Aber ich fiel hin

Auf dem Teppich der Tatsachen:

Auch die in Krumen und Krächen

Krämerhaft am Aufstehen

Das für Aufsteigen gehalten wird

Gehalten werden kann

Gleichwie der Kirchturm im Dorf zu bleiben hat.

Zellschleier in Muttenzerkurve:

Die Zeit dingt in der Hure des Umstands. 

Die ersten Spritzer werden die letzten Ritzen erreichen:

In 500 Jahren dann — 

Guten Morgen

Niemand mehr da!

Wo seid ihr abgeblieben?

Weshalb stinkt es denn hier überhaupt nicht?

Was ich aussprach

Drang in die Zellen

Ein. Schatten

Mit kleinen Reflexen…

Es schien wie Leben. 

Die Hilfe kommt zu spät

Die Kinder kommen zu spät…

Vielleicht noch die Glocken

Wenn die Balken endlich

Nachgeben und der Rost

Das Bessere

Der Streben

Gefressen hat. 

Aber das wäre ein Fall 

Für Bienen und Falken —

Nicht für das

Was ausgesprochen

Scheint. 

Drinnen / Draussen

Ist alles möglich, bedarf es der Möglichkeiten nicht. Wenn nichts möglich ist, bedarf es ihrer sehr. — Armut hat Wünsche, die der Reichtum sich erfüllen könnte. — Die Tate erfüllter Liebe erschöpfen sich. — Ist alles erlaubt, geschieht nichts. Wenn nichts erlaubt ist, geschieht etwas. — Das Können ermöglicht nichts. Wer nicht kann - das heisst, wer nicht weiss -, muss ermöglichen. — Die Mittel zum Erreichen sind die Mittel zum Scheitern. Fehlen die Mittel, ist das Scheitern fast nicht zu erreichen. — Gelingen wird, was nicht möglich ist. Selten gelingt, was möglich ist. — Wer draussen ist, will rein. Wer drinnen ist, auch. 

Trost für einen Mzungu

Vor Blüten kann niemand sich hüten:

Weder vorm Funkenstern der Forsythien

Ungestüm wie das Platzen eines Tropfens 

Noch vor den Fäusten der Mahonien

Den Eicheln des April

Platzwunden vorm Urknall — 


Freaks allesamt. 

Dann kommt das Grün

Mit seinem Scheitel…


Und es dauert.

Es dauere dich nicht

Deine Farblosigkeit

In diesem April

Mzungu. Du bist mehr als grün. Du bist

Die Blüte die bleibt 

In all dem Grün das bleibt.

Du bist der Freak 

Der noch leuchtet

Wenn all die Blütenaugäpfel 

Längst erloschen sind und selbst 

Ihre Wimpern nicht mehr stechen. 

Aufgestanden!

Aufgestanden jetzt!

Dieses Land wartet nicht:

Noch lange hängen

Die Abrissbirnen

Nicht tief genug!

Steh auf und jetzt!

Noch krümmen sich die Äste

Wie die Knochen von Kreisen

Denen die Unendlichkeit abhanden gekommen ist

In den baren Himmel. 

Doch schon beflockt

Von den Blüten dieses Taumelgeists

Doch schon beträufelt

Von den Schaumspritzern der Gegenwart…

Aufstehen sage ich dir!

Wie lange willst du noch warten

— Geduld ist eine bürgerliche Tugend

Du trostloser Toter! —

Wie lange noch zögern

Bevor du dieses Land

In Schafsmilch ertränkst

Wie letzten November?

Steh auf und wirf ab

Deine zweite Haut aus Kamelhaar und streife

Den Heuschreckengriess aus den Haaren deines Barts!

Siehst du nicht

Wie die andern bereits

Verwachsen sind mit ihrer zweiten Haut

Aus Häuschen und Gärtchen und Berüflein?

Kennen sie sich denn noch? Kannten sie sich je?

Schau auf und sieh

Wie sie in ihren Gärtchen jäten

Wie sie in ihren Häuschen bäschelen

Wie sie in ihren Berüflein huschen und kuschen! …

Wenn die Rasenmäher singen

Dann ist es zu spät mein Lieber!

Steh auf und nimm deine Harke

Und grabe sie um! Ich sehne mich

Nach dem dunkeln Umbruch auf den Feldern!

Aufgestanden und los!

Säe Dschungel in ihre Herzen und

Läuse in ihren Geist!

Pflege dieses Land

Mit Flut und Ungeduld und Armut!

Emmaus

Da liegt er.

Die Krähenfüsse zucken vor Anstrengung

Und sprechen eine beredte Sprache.


Liegt er schon lange so?

Noch nicht allzu lange…

Tut er nur so?

Öffne seinen Mund und du wirst

Das Stadium sehen 

In dem er den Wettlauf verloren hat.

Ist er seinen Anstrengungen erlegen?

Das glaube ich nicht

Immerhin ist er auch noch da 

Und die Brauen zittern:

Sie sind seine Köder

Und öffnet er seine Augen

Ist es für eine Flucht zu spät.

Flieht er uns so?

Er ist uns auf jeden Fall voraus

Oder gar über.

Und das ist vielleicht besser so.

Läge er nicht hier

Wie ein Leichnam auf dem Osterspaziergang

Hinaus nach Emmaus

Er könnte uns anderswo 

Überfallen wo wir nicht so vorsichtig wären. 

Er meint es also gut mit uns?

Das wird sich weisen.

Weshalb hat er keine Hände?

Er hat getan was zu tun war.

War es genug was er getan hat?

Es ist nie genug mein Kind

Es kann nie genug sein.

Darf ich ihn mal treten?

Nein das gehört sich nicht.

Ist er denn nicht tot?

Das lässt sich so nicht sagen.

Weshalb ist sein Bauch so gross?

Er hat zu viel Eis gegessen.

Nein im Ernst jetzt Opa?

Er stirbt und verwandelt sich…

Vielleicht ist er ein Ballon 

Wenn wir zurückkommen!

Darf ich ihn dann mit nach Hause nehmen?

Ja das darfst du.

Er liegt immer noch dort.

Er hat nicht aufgehört aufzugeben.

Das darfst du nicht glauben. 

Ist er so alt wie du?

Älter. 

Aber er hat keine Glatze wie du.

Nein darin ist er anders.

Wird er noch so daliegen

Wenn wir zurückkommen?

Vermutlich.

Aber er kann nicht in den Traum hinein?

In meinen nicht mein Kind in meinen nicht.

Darf ich dann drei Kugeln Eis im Emmaus?

Ja wenn du sie alle schaffst… 


Da liegt er.

Seine Hände im Herzen des Jungen.

Kratzen mit langen Nägeln

Alle Lust zusammen. 

Pandora?

Die Stadt zu meinen Füssen

Gehüllt in Nebel und Gischt

Wie eine Schachtel Konfekt. 

Die Stirne schmerzt vom Nachdenken —

Das Herz vom Versuch des Fühlens. 

Die Blasen an meinen Füssen

Ein Dutzend Ballons 

Und ich schwebe kopfüber

Über die Stadt 

Getragen vom Unheil — 

Ich werde nie mehr naschen

Versprochen. Ich werde nie mehr

Dulden: nie mehr schwören. 


Ich bin doch nur ein Mädchen

Das vor seinem Jungen steht 

Und ihn anbettelt er solle sie bitte

Lieben. — Ach, Pandora!


In dir hat mein Herz Wurzeln gefasst

Dünne Wurzeln wie Sehnerven

Und in dir richte ich Gebäude auf

Die keine Kartenhäuser sind. — Ach, Pandora!


Düsternis & Zapfenstreich:

Der Wagentross rumpelt hinunter

Und steht an den Toren der Stadt.

Nicht weit dringt die Kunde.

Die Gleise sind zerlegt und zersägt. 

Die Kühe jammern.

Die Gäule scharren wie in Filmen

Und prusten mit schäumenden Lefzen

Das Lachen von Julia Roberts.

Schaut die flachen Zähne!

Ein Unheil kommt selten allein.

Ich bin der Öffner 

Der dich schliesst

Meine Stadt.


Ich kann nicht im Licht stehen

Das kann ich nicht: ich traue es mir

Nicht zu. — Dann nasche nur ein wenig!


Ich bin so wohl

Allein und wohne über der Stadt

Wie ein verdorrter Strauch. 

Dein Schoss ist nicht das richtige 

Gegengift für meine Dürre.

Ach, du störrisches Biest!