Prousthaikus und Proustsätze

Seit bald anderthalb Jahren lese ich fast jeden Tag eine Seite in Prousts Recherche. Ich tue das zum zweiten Mal, und diesmal voller Freude, Genugtuung und nicht ohne einen Anflug von Völlerei, und als ein bedingungsloser Proustianer. 

 

Dabei schreibe ich zur gelesenen Textseite und direkt ins Buch einen Haiku, der entweder die Stimmung, eine Metapher oder eine literarische Weisheit wiederzugeben versucht. Dass dies nicht immer gelingt, aber immer gewollt ist, liegt in der Sache der Natur. 

 

Gewiss ist auf jeden Fall: wie Frank Delaney mit seinem Joyce-Podcast (zurzeit No. 202) werde ich sehr lange daran / darüber sitzen... 

 

Hinzu kommt, dass fast auf jeder Seite einer dieser wundervollen, eleganten und nie langweiligen Schlangensätze zu finden ist, die ich ebenfalls seit einiger Zeit zu übersetzen angefangen habe - mehr um meinen eigenen Periodenbau an dem Prousts zu schulen, als um eine neue Übersetzung zu bieten.

 

In der Osterwoche 2014 bin ich nun mit dem ersten Buch von "Du côte de chez Swann" (das normalerweise mit "Unterwegs zu Swann" übersetzt wird) fertig geworden. Sie finden die 183 Haikus zum ersten Buch in der Rubrik "Combray"!


Und in der ersten Augustwoche 2015 werde ich mit der Liebe Swanns fertig, dem meist gelesenen Buch aus der Recherche. Unter der Rubrik "Swanns Liebe" können Sie die 179 Haikus lesen, die ähnlich wie "Combray" den Verlauf der Handlung nachzeichnen, ironisch und poetisch kommentieren und begleiten. Unter der Rubrik "Proustsätze" finden Sie lauter Lieblingspassagen aus der "Amour de Swann", wie der Band auf Französisch heisst...

 

Übrigens lässt sich meine fortgesetzte Beschäftigung mit dem französischen Meister live und (fast) täglich auf meinem Tumblr-Blog verfolgen...