Viertelstundgedichte

Viertelstundgedichte sind eine Textsorte, die ich vor rund anderthalb Jahren "erfunden" habe. Ich führe hier als Erklärungs- und vielleicht auch Lese-Hilfe mein Vorwort aus dem Gedichtbuch "1 Tag Gedichte" unten stehend an. 


Vorwort

 

Im vergangenen November war ich mitten in einem versuchten poetischen Neuanfang. Ich beherrschte die klassischen Formen, verstand sie zu füllen, war in und mit ihnen über mich hinausgewachsen... Darüber waren sie mir schal geworden.

Den freien Vers hatte ich bisher wenn nicht verabscheut, so doch gemieden. Es war mir unerklärlich, wie diese (Un-) Form rhythmisch sein konnte, getragen von dieser inneren Notwendigkeit, wie sie eben eine Form, ein Metrum erzwingt, ermöglicht und bietet. Der freie Vers – das war die Syntax, das Ordnen nach Perioden oder Phrasen...

In einer ersten Annäherung schuf ich das Viertelstundgedicht, dessen einzige Formvorgabe die Zeit war und ist: was anderes als Zeit ist der Rhythmus? Das Viertelstundgedicht dauert immer genau 15 Minuten, dann hat es zu Ende zu sein (im Gegensatz zum Vollendetsein). In diesem Rahmen sind auch die üblichen Hilfsmittel, der Duden, Brockhaus oder Schönes Emblem-Wörterbuch, die die Reichweite eines Gedichts erheblich erweitern können, unmöglich: sie nehmen Schreibzeit. Daraus ergibt sich in den besten Fällen konzise, strukturierte und zirkelnde Lyrik, - in den schlechtesten Fällen... ein Geschwätz. Ich habe diese Form oft auch als Einstimmung vor einem grösseren Gedicht benutzt oder als Ertastung und Erprobung von neuen lexikalischen Registern.

Für den Poesie mehrheitlich scheuenden heutigen Leser ist das so entstandene Gedicht ideal aus zwei Gründen: es ist kurz und lässt sich in einem erfassen, ohne eine Vorkenntnis lyrischer Formen oder Sprechens mitbringen zu müssen, und bietet darüber hinaus Anregung für ein eigenes (poetisches?) Nachdenken, für vielleicht gar eine Tätigkeit, die sehr nahe an poetisches Denken und Handeln heranreicht: für das Sinnen: einem Versinken in unklarem, müssigem Bewusstseinszustand, der im besten Fall in die Bewusstseins-Erweiterung führt, im schlechtesten zu erfrischtem Tätigsein „da draussen“, wo es ums Handeln und nicht ums Nachdenken geht.

 

Oliver Füglister

 

Basel, im August 2012 

 


Sommerregen, Berlin 1998

Ich erinnere mich an keine Bedingungen
Der Regen füllte die Luft
Und du Freundin liefst an meiner Seite
Die Flut an den Knöcheln
Das Brandgeräusch des Himmels
Die Kälte wurde Wärme
Die Kleider Haut
Die Luft Regen -- 
Und du Liebe warst vergessen -- 
Deine Tränen in meinen Leichtmut --
Und du Freundin liegst an meiner Seite
Und im Raketengeräusch des Himmels
Lachte ich über die Bedingungen
Deiner überströmten Küsse. 

Bergsteiger-Gedicht

Auch du bist ein Bergsteiger -
Trägst mit den kräftigen geübten Bewegungen deiner Zahnbürste
Morgens und abends ein wenig vom Zahnwerk im Mund ab.

Und jeder verstreichende Moment birgt die Chance
Nicht mehr genügend Zeit zu haben
Eine neue Fähigkeit erlernen zu können:
Vom Nassrasieren bis zum Gitarrenspielen. 

Auch du bist ein Bergsteiger:
Verbissen in den Fels der Sprache und erinnerst dich
Hörst du von Stürzen Erfrieren oder Lungenembolien an jene Momente
Da du selbst Kies schmecktest
Da du selbst im Fieber lagst
Da du selbst keine Luft mehr fandest.

Auch du bist ein Bergsteiger
An dir selbst und diesem Gedicht
Dem weitere folgen werden wie eine Kette
Unwahrscheinlich neigungsvoller Viertausender
Ins Grün gestreckt wie Sommerkühe.

Auch du bist ein Bergsteiger 
Einfach nur im Mittelland dieses Lebens. 

Verzweiflung

Ein Wunsch verschlossen

Für die Zeit des Unwollens oder

Den Anstandspickel aus Zahlungen und

Lügentrümmel. Ich kann nicht 

Vom Vergnügen und den Tagen reden:

Eine Jugend der Fülle kriecht

Den Rereferenznummern auf den Leim.

 

Ich plane nichts. Die Wucherungen fortgeschrieben

In handwerklich hergestellten Eiern

Unterm fruchtbaren Hacken der Schreibmaschinen. 

Ein Trumm Wolken bricht hinunter

Aus der Schwellung der Nacht. 

 

Kein Wunder mahnt mich alles

An die Wunder der Regenmärsche

Und die schlagenden Argumente 

Meines zerrissenen Zelts. 

Ich will ja nur die Güte der Ergebung

Prüfen im Taumel der Entbehrung. 

 

Die Fülle des Mankos ist auch

Einer wehrhaften währschaften Lüge näher

Als jede noch so gespenstische Herzverlötung. 

Erfüllt (aus dem "Konversationslexikon des Dichters")

Erfüllt ist ein Wort 

Das mich gerade sehr

Berücksichtigt: ein zurückgesetzter 

Balkon ohne Gemüse oder Sitzgelegenheit — 

Ein verschmitztes Absinken ins Greisenhaft-

Befreite — ein aberverliebtes Gut 

Der verzückten Einheit mit dir 

In Stille und Plüsch — eine verrückte 

Falte des Glücks — ein Tusche-Strich 

Quer über die Brücke des Zutrauens:

Ein Wort von Kenntnis und Krücken-Müdigkeit:

Geiselhaft von Waggis

Die mich brutal vollstopfen 

Mit den fehlenden Zinsen 

Der Wertschätzung zwischen frischen Eltern — 

Erfüllt ist ein Wort 

Das mich gerade sehr

Berücksichtigt: ein Manko weniger

Das mich zu dir schwemmt. 

Die Ordnung des Alltags

Da stehen sie schon Schlange vor dem  Elektronikfachgeschäft:

In Reih und Ordnung wie zur Erschiessung abkommandiert. 

Noch ein letzter Blick in ihre Bildschirme und

Eine kurze Nachricht an die Liebste — 

Drüben eine weitere Baugrube wie ein umgekehrter Kühlturm

Vor der ein Rentner steht und hinunter forscht

Als ergründe er die Augen seiner Enkelin — 

Und vor Werbeflächen verkünden 

Irgendwelche filetierten Frauen 

Den umgewandten Feminismus 

Der in der Annahme der Zuschreibungen

Gegen die Zuschreibungen anzulaufen vorgibt — 

Und einige Amöben taumeln durch den Bahnhof

Den Rausch ausschlafen und die klamme Kälte vergessen

Bevor sie unter Werbeflächen 

In Reih und Glied wieder anstehen 

Den Blick in die Bildschirme oder Baugruben gesenkt

Und auf ihre Erschiessung warten

In der Ordnung der Preise und Regale 

Nachtgedicht #2

In gewissen Nächten 

Schweis gebadeten Nächten

Wenn Leintuch und Kissen dem Körper

Einen heroischen Wickelkampf liefern

Und besonders in den kühleren und 

Bereits wieder helleren Morgenstunden

Geschieht ein halbes Leben und du bist ein Haar

Das der Wind der Synapsen um den Finger der Wahrnehmung wickelt

Der plötzlich zum Zeiger der Vorstellung wird und du

Zum Guckloch der Schöpfung

Alle Muskeln angespannt zum Sprung über den Abgrund der Dämmerung

Und du wachst auf und dein ganzes Wesen steht dir zu Berg

Bist um Jahre gealtert und was

Du geträumt hast ist dir 

Nur halb noch bewusst

Und doch fühlst du dich

Im nassen Bett liegend 

Wie in einem widerspenstigen Mangrovenwald

Als könntest du gut und gern einmal

Einen Tag

Nicht leben. 

Kollege Essig

Im Bauch der Kantinengespräche

Schaukelt Kollege Essig

Auf dem Himbeersirup der kompetitiven 

Freundlichkeit: noch ist sein Kopf

Unerfüllt und die Versprechen 

Entenbürzel — Überstülpung eines Tunnels

Mitten im Satz und mitten im kollegialer

Brüderlichkeit: Essig fällt 

Das geschmeidige Gleiten ein

Das ihn ins Wrack lässt 

Das er ist. Er lächelt in seine Saugnäpfe.

Monumentalseiten

Im Rachen der Monumentalseiten 

Ist das Meer: ein Wirbel von Bauchsteinen und 

Eine Kumulierung von Perspektiven

Im Anblick der Krokodilstränen 

Aus Nacht und Alben. Eine Bronze

Von geständiger Behändigkeit:

In dem Doppelkinn kurz vor dem Abruf

Der Steinhalterungen und grubenförmigen

Annalen: das Auftreten von Bezirken der Liebe

In Ermangelung von Kniefällen und 

Sehenswürdigkeiten. Ich sehe noch

Die Zauberfalten am Rand des Seitenbeckens

In das wir die Steine gehäuft haben

Und unsere bronzenen geäufneten Gesichter. 

Die gleichen Menschen

Am Morgen sehe ich die gleichen Menschen

auf meinem Weg zum Bahnhof

an stillen Pausenplätzen und

am aufgeregten Treiben der Krähen 

vorbei die gleichen Menschen und

zögere manchmal besonders an so einem Tag wie diesem

mit einer Märzsonne mitten im Februar

weil sie im Regen anders ausgesehen haben diese Menschen

bekannter

vielleicht mir selbst ähnlicher

und ich erkenne sie erst spät 

wenn wir schon aneinander vorbei sind

oder gar nicht und einige blicken mich im Näherkommen an

wie ich sie anblicke ohne die übliche Bestimmtheit 

abwesender als sonst

verwirrt durch das Licht

und heben erst im letzten Moment

erschrocken die Hand zu einem Gruss

den sie nur halb ausführen

denn wir kennen uns ja nicht

und nur die Babysitterin

eingemummt wie zur Polarexpedition

auf ihrem altmodischen Damenfahrrad

erkennt mich früher als ich sie

und blinzelt mir verschwörerisch zu

und ich denke an den alten Mann in seinem grossen Haus

der manchmal mit vorsichtigen Schritten und Gesten in seinem Garten für Ordnung sorgt

im Haus unter meinem Haus:

Davor stand heute früh blinkend

die Ambulanz. 

Montauk-Monster

Ich leide es nicht länger:

Die Liebe ist nur ein nacktes Monster mehr

Das mit einer Sandkruste als einzigem Schutz am Strand liegt und

Die Hände nahe am Schnabel hält 

Wie ein Kleinkind

Das gerade gerügt wurde für das Daumen-Nuckeln

(Du bist schon ein Grosser oder?) — 

Pickt nicht mehr nach mir unter den Wellen — 

Liegt unterm Brand der Sonne am Strand

Bald mehr Dattel als Ratte

Ohne deinen Blick — 

 

Ich leide es nicht länger:

In den Morgenstunden ist dein Name

Nur das entfernte Säuseln einer Brandung 

Und obwohl ich mich von ihr mit Absicht 

Noch weiter entferne wie ein Wal

Der keine Neigung zum Stranden hat

Donnert sie doch nur allzu bald

Über mir zusammen wie

Ein Orchester beim Stimmen im Konzertsaal

Und mein Gehirn wie ein Krähennest hoch oben in den Nussbäumen

Schwankt bedenklich

Lieber litte ich

Ohne dich zu vermissen. 

Noch ein Eichengedicht

Auf der Ebene der Borken gibt es 

Helden und Musen. Larven allesamt

Mit Gewissheit: eng beschriebene Seiten

Unterhalb der Gürtellinie zwischen

Vorstellung und Absicht. Marken

Des Hinaus und Hinfort. Auf der Höhe

Der Borken verfällst du den Ritzen

Einer schon anderen Welt: Helden

Gibt es da und Musen vegetieren 

Umschlungen von Versen und Perioden

Dahin und kennen dich 

Dich nicht: kämpfen nicht

Gegen die Geschäftigkeit und gegen die Blauwesten an:

Das ist wie Gras — und lebst du 

Wie ich auf der Stufe der Borken

Knapp überm aufschiessenden Saft

Gibt es noch Helden 

Blosser Abglanz möglicher Tat

(Einer immer neu noch möglichen Tat) und

Musen mit wortfilzigen Haaren

Die sich in den Spalten der Zeilen und

Wahrnehmung kriechend winden 

Für mich im Streit oder im Beischlaf. 

Faktencheck

Du weisst nicht

Wie dein Gesicht wird —

Es sendet dir keine Nachrichten

Und ist gut in den Spiegel eingebettet

Wie die Stimme des Nachrichtensprechers

Die Schadensmeldungen und diplomatischen Vorfälle 

Wie Rezepte vorträgt und dein Gesicht

Nimmt Gestalt an seit einiger Zeit 

Und trägt dir die Mutter oder den Vater vor — 

Und im Morgen gehört es dem Spiegel 

Wie ein alternativer Fakt 

Und dein Gesicht gehört bereits

Ein weiteres Mal der Zukunft

Und du träumst davon

Stadtgärtner in Schutzwesten 

Kletterten in deinen Krähenfüssen herum

Um ihr Wachstum zu dokumentieren oder 

Ihre Schadkraft zu behindern bevor du 

Dein Gesicht ein weiteres mal 

Für einen reality check vorführst. 

Verdammt!

Früh fährt die Welt dazwischen

Mit ihrem wimmernden Bohren 

Das in den guten Momenten

Wie ein Sommerflugzeug und in den schlechten

Wie der geile Esel mit seinem heraushängenden Schwanz

In der Kälte des Wintermorgens klingt und

Ich denke an die Gedichte

Die andere schreiben und die mir

Blosse Spielereien sind und keine Spiegel

Oder Warnsirenen oder Erdbeben 

Denn es ist ja kein Rumpeln oder Krachen

Es ist ein Wimmern und Jaulen 

Und wäre ich nah genug dran

Vielleicht hörte ich auch

Die Zähne knirschen

Fährt also dazwischen die Welt und 

Es fällt mir plötzlich sehr schwer zu verstehen

Was zu sagen mir bleibt 

Trotz meiner Singerigkeit

Welche Töne die meinen 

Wären stimmte ich ein aber so 

Dass alle sofort wüssten —

Weltuntergang. 

Schwelle in den Tag

Die Schwelle in den Tag

Ist nicht zu überschreiten — 

Es bleibt Nacht und die Tanne 

Streckt ihren rabenhaltigen Finger

Aus in die Fenster und Gärten.

 

Die Leidenschaft trägt diesen Klumpen

Der aufschwillt wie ein Airbag

Mit jedem unsicheren Erinnern deines Gesichts

Bis in die Kehle des Morgens

Immer wieder an diese Schwelle 

An der den Tritten zum Trotz

Das Moos leckt —

 

Die Schwelle in den Tag 

Lässt sich nur reiten — 

Es bleibt Nacht und die kalten Lippen

Streifen ungeschickt die Scharniere 

Meiner Augen und meiner Vorkehrungen. 

Besser

Jetzt ist es besser.

Keine Hochzeitskutschen mehr 

In der Brust und keine Ochsen

In den Nieren — nur noch 

Das entfernte Hüpfen 

Deines Kerzengesichts 

Das an mir pickt. 

 

Ich könnte aufstehen

Und durch den Garten fortgehen

In dem die Meisen

Über der weissen Erde toben

Könnte dieser Zeder widersprechen

Die im Park ihren Grünkreis zieht

Gegen die Rufe der Kinder an ihrem Hang

Ich könnte sogar 

Briefe schreiben an den entfernten Onkel der 

Trotz den besten Gaben und Ausgangslagen

Wie alle sagen

Nicht das oder nichts

Geworden ist von dem

Was erwartet wurde —

Ich stelle ihn mir vor

Ein Greis wie meine Zeder

Die sich über ihren Kreis lehnt 

Vom abfallenden Weg wegneigt wie jemand

Der sich in stiller Verzweiflung auf etwas zu besinnen versucht

Im Lärm der erwachenden Station und in den Fragen der weissen Röcke — 

 

Jetzt ist es besser

Und mein Rosafleisch 

Ist wieder rot vor Kälte. 

Ich bleibe doch lieber sitzen. 

Hawalim II

Die Ferse erheb ich 

Ohne Disziplin und Traum —

Wage die Eisblumen an den Kellerfenstern

Und die Wege der Höhenlinien im wintergelichteten Wald

Und habe die Ferse schon erhoben

Gegen die zündenden Tropen in den Falten der Wahrnehmung

Und die wirren Fährten auf den Winterbrachen 

Und wackele mit dem Kopf

Weder Ja noch Nein und

Schüttele meine Zeitung 

Mit blauen Händen auf. 

Hawalim I

Tot ist die frühe Stunde — 

Ihr Gelenk liegt im klammen Gang:

Doppellippige Augen des Tages

Mit der Warze der Empfindung

Die den Prägestock vergessen.

 

Du meine Herrin vom Staub:

Zahlreich wie Erdnüsse

Hüpfen deine Worte in meinen

Angelegenheiten

Die mit Grübchen davonschreiten —

 

Oh mit Grübchen

Für die kleinen Tode

Und Reste der Mechanik

Die aus den 10’000

Du mir liessest

Im Schrecken der Späte. 

Tupelo

Das Kinn schwindet

Im Theater des Schnees.

Mit Lahmheit bestraft die Äste

Und die Stufen mit Verunsicherung begabt. 

Die Summe aller Ermutigung im Kinn

Das schwindet gestützt auf den Pfosten beim Gatter — 

Hinausschauen aufs gemachte Bett: 

Entschieden die Entschlossenheit 

Fahren lassen im Rücken 

Das Kreischen der Hollywoodschaukel. 

Anlässe für Puten

Anlässe für Puten —

Davon hängt das Glück ab. 

Fantasie mit langen Nägeln im 

Abseits: Schüttgut für Glattsohlen. 

 

Aufgeblasene Bäckchen

Gleich hinter den Winterkiesaugen —

Rettung durch Lichterketten und Rosa. 

Die Dosen aufschreiben mit diesen Händen — 

Unmöglich! Schottersalbe 

Streichen in sommerdürre 

Stummelflügelchen. 

Otto-Braun-Strasse, 1998

Die Strasse nagt immer noch an mir. 

Unverwandt ist mein Blick auf den scharf gezackten Rand

Der zerschlagenen Windscheibe gerichtet

Nagt an mir mit der Eifersucht der wachsenden Jahre

An jener Bushaltestelle zu der ich dir

Nachgeeilt war als hätte ich

Mit der geköpften Weinflasche 

Des Gedichts eine immerwährende Markierung 

In die sanfte Kühle deiner Arschbacken 

Geschnitten du meine Hera 

Mit dem Eifer des Vorfrühlings nagt die Strasse

An mir und ihc noch stichfest und immergrün

Lege immer wieder meine unversehrte Freude

Wie einen Zungenkuss auf die gezackten Ränder

Der leeren Windscheibenfassung und

Spüre die Strasse an mir kauen

Wie nur Gedichte das können

An der Karotide einer ernsten 

Mehrspurig befahrenen Liebe. 

Moby Dick

Jetblack

Hänge ich da oben

In 7 Metern Höhe

Festgenagelt — 

Eine Truhe voller Unruhen. 

 

Die zugespitzten Gaben

Machen mich nicht 

Zu Heldischem fähig.

Ihre Schrift im Logbuch

Ist grau und zart und

Leicht ausgewischt. 

 

Ich höre das Ticken!

Es ist immer da

In meinem Schädel —

Im Seegang rollende Nägel. 

 

Und durchbohrt von den Unruhen

Und Winden zuckt meine Seele

Übers Gesicht der Lettern:

Picke du nur an meinen Korinthen

Jason! Das Schwarze 

Da oben in 7 Metern Höhe

Das

Bin ich: Flügel und Unruhen

In einer Truhe 

Die vernagelt 

Zuletzt sinkt

Oh Kapitän meiner Seele!

Walk on the Wild Side

Glühend vor Kälte 

Wachen die Wasser

Auf die nächsten Knöchel. 

 

Ein weiterer geht

Mit Stroh im Haar

Und im Aug ein Glimmen

Von Nestwärme und die Strenge

Von Kot und Moos in der Nase. 

 

Verbrannt von Kälte 

Bannt er mit seinem Schritt

Das Zetern seiner Heimat. 

 

Ein Waten in Gletscher — 

Ein weiterer lässt das Donnern

Reissender Ströme unter sich

Und folgt den Lettern

Seiner Vorgänger im Schneestaub — 

Als wären sie auf Zehenspitzen gegangen… 

Die Ratte

Hier kauere ich 

Mit den Augen eines Wiederkäuers

Im Tor kauere ich

Und kratze mich längst nicht mehr — 

Zöllner in reiner Hochmut und Narretei.

 

Schau nur wie sie ausschreiten

Sobald sie hier in den heimischen 

Schatten treten! Ich brauche nicht mehr

Die Lumpen in die ich mich zu lange schon

Wickele auf meine Gängen durch die geschäftigen

Gassen der Stadt — auf meinen seltenen Kontrollgängen:

Dennoch merke ich auf 

Wenn ich das beachte

Was ihnen Schutz verspricht. 

 

Schau nur wie standhaft sie

Durchs Tor schreiten! In seinem Schatten

In sienem lauen Bächlein und 

An seinen kühlen Wänden mit den Schimmel-Gobelins

Blüht warzengleich und wanzenreich

Die Blume der Narretei — 

 

Und mit blossem Auge kannst du

Kosten die schützende Kruste der Demut. 

Restheimat

Deutsch und deutlich
drängt mich ein widerstand
ausgedehnt wie der reif auf dem umbruch
aber unmarkiert
hinein in den verlust der gesichtsmuskeln -- 
wenigstens brennen die schlüssel 
nicht länger wie dietriche!
 
einen augenblick lang
schreckt mich nichts mehr -- 
weder die blaue visage der schuld
noch die rote wange der wut -- 
ich bin nadel und nagel -- 
ausgestreckt wie ein zeichen im schnee
und fühle die härte meiner tränen 
die mein gesicht durchstechen
und die eisige hose meines urins an den beinen. 
 
aber dann ist es schon zu spät
aber dann ist es auch schon aus -- 
kein notnagel wird mich mehr befreunden
keine notnadel ausschlagen
bis in den orient. die schlösser
in ihren irdenen fassungen 
brechen ohne widerstand heraus
ganz unabhängig vom sprachschlüssel
und durch das kaninchenlochgrosse auge der türen
die mich in den feldern erwarten
erspähe ich den rest heimat
hingespritzt wie der sinnlose samen der habenichtse
auf die dunkle leinwand der habenden 
und ganz ohne berge

 

und ganz ohne dich -- 

Cowboy

Aufwachen aus dem blinden 

Vorgesehenen und noch nicht

Zermahlenen Zeichen — bildgebender

Zahnradlauf hinab in die Wagenburgen

Des Zuträglichen. Ich als minimale 

Lösung von vermauerten Träumen. 

 

Seht wie die Skelette auf der Suche nach Kristallen

Pendeln über die Weiden des Alltags!

 

Ich als Lösung von eben erbauten 

Unruheläufen — im Rücken die Donners

Und im Initialen die Aufstiege zum Erträglichen. 

Aus dem bildenden Vorgeschehen 

Heraus ist nicht zu erzählen: bleibt

Die Stunde in ziffernloser Kauerhaltung. 

 

Seht wie die Skelette in der Zentralperspektive

Hüpfen zwischen den mittäglichen Zeichen!

Hintergrundrauschen III

Was heisst hier Nachrichten?

Nisten nicht Rahmvögel 

Auf dem Korn des Erstatters?

 

Die morschen Flanken der Fakten

Unterm Hagel der Meinungen und 

Das zaghafte Leuchten der Neigung

Überm Wintergriess verschatten

Das Wieseln der Vielbeiner 

Denen die Zukunft gehört 

 

Die Zukunft ohne Limited editions

Spannungsabfälle und Halbwertszeiten

 

Dort in der Erde

Die uns erwartet. 

Hintergrundrauschen

Eingestülpt in mich 
Mein Handeln. Pflanze -- 
Anemone oder Mimose. 
Die Zeit schliesst ihre Braue über mir. 
Die Erde dauert. In ihrem Lehm
In ihrem Dämmern steckt
Mehr Licht als im Behändigen 
All der Dinge -- das Rauschen 
Ist eine Stimme voll Kies
Die Wahrheiten voll Meinungen
Elaboriert. Die Lippen der Angst -- 

Die Lippen der Angst umschliessen 
Wie steinhöhlendes Rieseln den Berg
Der zur Maus geht. Mein Handeln
Ein nachtblaues Fell gegen innen
Mit den kitzelnden wortlosen Sternen. 

Ich werde verdaut -- 
Nichts zeugt davon ausser
Das Zucken der Mundwinkel im Korallenriff und 
Die verzweifelnden Bewegungen 
Des ausgesaugten Adamsapfels
Oben im leeren Geäst zu den Sternen. 

Gedicht von der Erde

Ein Schaulager aus Nutzen und

Knäuel von Absichten. Das Licht

Die Lenden der Rothaarigen.

Das Herz voller Getümmel: 

Voller Ordner, Vorschau und Vorsicht — Telefongespräche

Fast… verbindlich wie die Erde. 

Der nächste Tag

Es gibt nicht den nächsten Tag.

Deine Brust mag sich heben –

Ein grünes Sicherheitsnetz überm Gerüst –

Doch nicht das schwerlippige Schild der Zeit.

 

Es gibt nicht den nächsten Tag.

Er ist nicht einmal im toten Winkel.

Aus Deckeln hörst du das Rauschen der Abwässere –

Und um elf beginnen die Kirchentürme ihren Ruf.

Deine Zunge ist schwer wie ein Mühlstein.

 

Es gibt nicht den nächsten Tag.

 

Kalt sind die Stangen des Gerüsts. 

Leute des Dickichts

Die Bäume sind die Masken

Und in den Büschen hängen

Entlang der Marschrouten

Die Strümpfe der Friedenstifter.

 

Die seufzenden Helden 

Ausgebootet vom Kommerz

Träumen von der Argo

Und von weissen Felsen. 

 

Die graden Gitterstäbe und das Rattern —

Horror für die Leute des Dickichts. 

Die diesige Luft durchwatet

Von weiteren Kolonnen Aufgeschreckter.

 

Oben auf den Klippen raschelt

Barfuss die Krähe und die Friedensfahne

Die nach Schmorplastik riecht und

Es fliegen die Fetzen der Duschvorhänge

 

Der Duschvorhänge in demaskierten Wohnungen.

Die Bäume tragen noch Masken

Wie urzeitliche Amateure incognito. 

Die Armateure lutschen unter ihnen 

 

An der Eichel des Krieges. Ihr Krächzen und 
Würgen erfüllt das Dickicht ganz. 

Ernte und Schrift

Auf den Fingern die Marge

Mit Beeren-Schnalzen und 

In den Haaren die Profite 

Des Solitärs. Die Verträge 

Rühren ihre Haken in den Backen

Um und die Hefe der Verluste

Terminiert die Schwellung der Lüge. 

 

Der rührige Anstand erhebt sich 

Mit gebieterischer Schüchternheit 

Und spricht dem Aufstand der

Bis zur Wildheit keuschen

Praktiker-Schwadronen 

Mit der nötigen Lässlichkeit

 

Ernte und Schrift ab. 

Defizitär

Mangelware kommt paarweis.

Ein harter Schub so unangemessen

In der Unmässigkeit und im gleichzeitigen

Verstieben von Theorie und Porphyren

Dass ein Rest reizlos und dickbackig

Dir immer noch über die Schultern lugt

Widerwillig wie eine säumige Tat

Wenn alles scchon längst gegessen ist. — 

 

Ein edler Stampfer mit simsendem Safari-

Leder und der nötigen Wartezeit…

 

Ein vollmundiges Geschoss seltener als 

Die rechte Sache tun über die Schultern

Gafft auf deine unabschliessbare Baustelle

Pervers. Mit Nadelspitzengefühl

Und feuchthinnigen Schlangendiensten

Und der allgegenwärtigen Jurte

 

Aus orangen Schriftzeichen. 

Schwellungen

Die Kürzung des Lieds hat begonnen. — 

Eine Schwelle wölbt sich unter Wurzeln und

Ich schaue die Saubermänner und die Mauerläufer

In ihren Mühen schaukeln und die Reisfelder

Mit ihren Zipfeln im Himmel wühlen — 

Die Mauerläufer schwänzeln die grüne Schur entlang

Und die Saubermänner aufgerieben vom Haldenleben

Schultern ihr Büttenpapier mit der nötigen Ergebenheit. 

 

Die Kürzung des Lieds dauert nicht lang. — 

Es hat unter Schwellen begonnen und 

Befreit sich in Büscheln unterm Schritt —

Ein müheloses Nachwachsen und

Verständnisinniges Draufhacken —

Die Fühler der Reisfelder längen sich bis hinauf

In die balkonierten Ideen und wenden darin an

 

Die Prinzipien urwüchsiger Schwellungen. 

"Noch sind die Tage der Rosen"

Die Linden längst verblüht
Die Rosen tagen traulich
Die Zähne schmerzen schaurig
Der Sommer abgebrüht...

Die Rechnung längst gemacht
Mit all dem zahmen Taumel --
Die wachen über Nacht
Und reissen an dem Zaume

Vergessen all die Rosen
Die blecken hier Marisken
An eingeheckten Heimen --

Und dann mit Gürtelrosen
Spazieren ohne Listen
Mit eingeweckten Reimen.

Azur und Birken

Märsche in die Abgründe zwischen 5 Minuten:

Die lahmen Enten lassen

Ihre Hälse wie Papierfürze steigen

In diesen Traverseläufen

Verunreinigter Mantelschösse —

Und in den Umschlingungen von Krete und Erde

Hält sich der Eigenwille fest in der Hand

Und reitet auf der Kanonenkugel 

Den Atollen entlang und die Minuten

Strecken ihre Hälse in die Routen

 

Unterhalb von Azur und beherrschter Birkenblüte. 

Laodizea I

Morgenrobe und Leuchtespuren

Von Krampfadern entlang der Aussenbahnen

Schriftlose Witterungen und erkenntniseifrige 

Unbesehenheiten heischen in Zwievokalen 

Nach Umkehrung: Engelskleider winken.

 

Doch nein — eine weitere Stufe 

Lässt sich nehmen: Morgengabe

Und flach gehaltene Bälle auf dem Lauf 

In den gespreuten Tag: Marksteine

Aus Gabardine und Seide mit einer zulässigen

Prise Zuckungen auf Leder. An Laschen

Gehaltene Lebensabende und Schaufenster-

Evangelien begleiten selbst die kleineren Bangbesitzer

Entlang der blauen erhabenen Schrift

 

Ins Tal des Mittags. 

Oka / Baka III

Ende setzen

Enden — der vierschrötigen 

Auffahrt zum Entsetzen:

Ein Zarentum für ein Zögern. 

Die Schröpfhämatome im Nacken und doch

Bald wieder eine Plattenunruhe. 

 

All die Holzhäuser und Pappflieger!

 

Ein Hüpfen führen

Ein Langschwert fast

Mit vorgeschobenen Zeiten und

Wandelbaren Fakten — 

Ein Schwingen von 

Gingen und Ningen

Mit der Schöpfkelle der Glutwelle und dann

Wie ein Biber dem Holz geweiht.

 

Schauer auf Schauer

Im Zwielicht der Dauer

 

Und all die rasenden Hühnerbeine!

Oka / Baka II

Vielleicht gibt es das doch — 

Die Tasse Docht am Rande einer Tischrede

Oder die zumutbare Unfähigkeit eines Handstreichs

Über abgemachten Tarnkappenbombern mit 

Auszuklinkenden Ukas für Momente

Schwankend zwischen Mittelstand und Eckwirtschaft 

Wo das Eisbein auf Pfauentrost trifft. 

 

Es ist anzunehmen

So schwer es auch wiege und

Bald hier bald dort

Ein radloses Gefährt an Gestaden 

Niederzulegen wie ein Tropfen 

Auf einen allzu diplomatischen Stein — 

Der sich wieder mal gesperrt hat

Mit Hand und Hecke gegen 

Die nur zu leicht fallende Art derer

Die da grätenlos und aufs gratewohl 

Etwas wie einen Wind behaupten

Wie einen plötzlichen göttlichen Wind und erliegen

In allzu graden Springfluten 

Den zänkischen Minuten der Wahrheit — 

Meschugge Tschugger des Worts…

 

Vielleicht gibt es das doch — 

Die umgekehrten Dochte der Zahmheit

Im Redefluss der fallenden Idioten 

Die meist am Ziel vorbeischiessen

 

Ins salzige Nass. 

Gotthard

Fregatten voller Mimosenkörner

Kehre ihre Allzeit-Reize

Der Koffeinsee zu

Und aus dem Moos der guten Mienen

Steigt die zünftige Parusie 

Mit schillernden Bohrkränzen

Und ich der ich anders als ein Kummerband

Den Bauch des Mangels überspanne

Erlerne die schweren Tugenden eines Leichtmatrosen

Im Dienste der senkrechtstartenden Entbehrung —

An der Naht zum flatternden 

Nächsten Tag der aufgeht 

Mit seinen Aprikosenverwerfungen

Erfahre ich mehr vom Segeln 

Als je in meinem Spatzenleben

 

Von Gesteinsformationen. 

2 x 2

Die zwei Groschen Flug

Um die du wirbst und

Die niedern Lagen

Die dir unentbehrlich — 

Fürchte sie!

 

Mit brennenden Kehlen

Werden sie kehren

Die Starre um dich und 

Weithin Darre-Barrièren 

In die kreidenen Landstriche

Schreiben mit Goldblattnägeln.

 

Die Raben nicken schon. 

Die gehorteten Truppen von Flügeln und Beinen

Mit ihrem Zweimalzwei

Ziehen herauf über den feigenblauen

Himmel und hecken die Untiefen ein

Mit Niedergaben und Staatsgehaben

Und dem Schreien von Bauern 

Auf den garbenumstellten vorweichenden

Feldern. — Fürchte den Flug und

 

Die rosenfingrigen Lagen!

1. August

Der Lärm bröselt

In die Stille des unwegsamen

Lands: die Jubeltruppen

Klären die Notwendigkeiten

Für die Firstsicht. 

 

Einmal die Heissas

Aufstecken an Jägerhüte

Oben im Gerüst wo die

Leichtigkeit des Sprungs

Im Säuseln ohne Bedeutung — 

 

Einmal die Lüfte 

An die Hüften schmiegen und

Im bröckligen Lärm 

Von Tellsplatte zu Tellsplatte

Staksen mit der Stille

Aus dem Land wo die 

Träume längst von Wüsten

 

Und Tyrannen verschlungen.

Geschehen in der Stube

Eine Deutlichkeit umspielt 

Die Kammer — die Decke 

Voller Reflexe von unten —

Die Wärme bleibt aus —

Die Dornen beginnen sich zu regen

In der Stube — wehren den Händen —

Treiben die Winkel voran 

Mit ihrer spitzen Fülle — 

Und die Ausbreitung der Stille

Nimmt Überhand und macht Fortschritte

Bis dort unten im Schemeldunkel —

Die Formen-Haufen äffen 

Blaffend die ausgestreckten Federn nach — 

Die Wärme nimmt jetzt ab — 

Der Ergebenheitsdünkel sondert

Klickende Laute der Rache ab — 

Und die Deutlichkeit mehrt sich 

Im umbrüsteten Raum da unten

Der letzte Schleim noch nicht trocken — 

Ein müdes Leuchten bricht sich die Sporen

Am zahnweissen Glas des Unterlichts 

 

Im Getrappel beginnender Stiche. 

Das Wachsen der Winden

Die Pausen in deinen Falten 

Werden nicht tiefer davon

Dass du sie mit dem Sandwasser

Des Frühlings flutest oder

Mit geeignetem Schuhwerk ausgerüstet

Die eingenisteten Sporen jagst —

 

Die Risse in deinen Pausen 

Zeigen dir nicht an

Ob und wie

Die knurrenden Formen 

Aus Heimweh und Himmelreich 

Mit ihren surrenden Bügeln 

Die Spannung noch länger aushalten

Als diene verworfenen Hände —

 

Die Stachel in deinen Unterarmen

Kommen nicht nur daher

Dass du wieder einmal nicht

An die Sohlen geglaubt hast

Dem feuchten Sommergras immer noch nicht

Traust oder die Winden immer noch gerne

 

In den Zwischenräumen deiner Zehen wachsen lässt. 

FAKT III

Als würde auf mich getreten

Und die Äste der Linde wüchsen

Unter mir — ein zuckerloses Plappern

Im Zitronenlicht des sirupblauen Himmels —

Rache an den Füssen nehmen 

Die sich am Abdomen unternehmerisch

Reiben und in den Hemingway für eine

Notwendige Sterilisierung eintauchen und dann

Fast nicht mehr gewölbt 

Nicht einmal mehr ein bisschen Buckel

Einschlüpfen in die Welt des drucklosen

Aufquellens: all die Mitteilungen

Unterm Himmel mit seinem Lindengelb

Und im Kleeparcours und all die Röhrlinge

Im Schatten bauchig aufgestellt

Worunter die schabenden Gespräche 

Der Kriechtiere nippen am Tropfen meiner Spucke —

Als stehe jemand auf mich

Mitten im Lauf angehalten

Mit Ekel im Gesicht und riebe

Seine Sohle an der Hose trocken —

Aber auch diesem Reiher 

Kann ich zuvorkommen

Wernn er schläft und die Lindenäste

 

Anders wüchsen als gewohnt. 

FAKT I oder Schneckenliebe

Deine Schleimspur 

Hongzimtenbitter

Verführt und führt 

Zu dir lang und in die Senkrechte

Jetzt schon in den Kreis

Einbiegend zu mir und ich

Kann ihn nicht schliessen

Kann ihn nicht schliessen

Schon deinen Schwanz vor mir 

Langsam locken und enger wird

Der Kreis bis ich ganz

Zu dir aufgestossen bin 

Mit meinem raspelnden Mund

Voller glänzenden Kotze

Und ich anrasple von hinten 

Deine Wildtierstreifen anknabbere 

Lau und einer von uns 

Einen steifen Faden vertäut am Baum

Und wir sind Moby Dick

Schlung um Schlung

Fallen in die Tiefe und dort

Mit unseren nicht allzu sanften Lippen

Küssen und küssen und küssen 

Die Schlünde die Schleusen schon offen —

Stülpen unterm Kinn die Schläuche aus

Jetzt schon Feuerwehrmänner

Schadensbegrenzung pendeln am silbernen Faden

Wie Fliegen im Kreis die sich selbst finden müssen

Sich finden und selbst küssen und das Gut

Von mir und das Gut von dir einander

Zuraupen unter unseren beissen Lippen

Perlfarbene Blüte ein Mondpendel 

Von Faltern umbrummt und ich 

Lasse mich fallen ins raschelnde Laub

Und hätte gerne den silbernen Faden 

 

Aufgezehrt das Gut von dir in mir

Jericho

Die dünne Scherbe 

Ansetzen am Rad des Walls.

Mit ihr die Sehnen durchtrennen

Die alles ermöglichen:

Die Gegenwart vor dem Fenster

Und das Fehlen der Trompete —

Und danach jedermann auf seine Art. 

 

Das Loch weiten mit aller Kraft

Und die Spatzen sammeln wie

Zu weit geflogene Golfbälle

Und durch das Loch wursteln:

Von drüben sollen sie

Rahabs Schnur bringen —

 

Und danach jedermann auf seine Art. 

Danke, ab hier übernehmen wir I

Gepanzert ist die Mehrheit 

Aus Lippendienst und in Kanonen-

Konserven erhalten für

Die endlich rollenden Ausnahmezustände —

„Dies ist nicht länger eine Demokratie“

 

Die Bücher entfalten ihre vielen Köpfe und

Die Haselnussbäume kriechen

Ihre Fühler ausgestreckt 

Mit der nötigen Langsamkeit

Über die vermüllten Plätze und

Im Asphalt steht in Raupenschrift 

Was der Mehrheit anstelle an der Minderheit

Geschieht: „Dies ist nicht länger…“

 

Lange gerollt mit viel Ballast

Aus züngelnden Vergleichen und zündenden

Analogien — und die Brücken behangen 

Mit Love-Charms — doch jetzt ist es

Ein anderer Frühling mit metallenen

Flügeln und andere Blüten werden übers GPS

Anvisiert: „Dies ist nicht länger eine Demokratie“

 

Aus dem Strudel des Eigentums und 

Den Sahnekirschen der Beschwichtiger 

Wurde der Eclair der Affichage und selbst

Der Whooper erhält nun sein lange ersehntes

 

Rohr: „Dies ist nicht länger eine Demokratie“

Nach Sibirien!

Die Gemeinplätze deines Albtraums 

Sauber und willig — viele haben dran schon geschabt

Mit ihren Pantoffeln und viele haben sie genossen

Mit ihren Lederzungen — der Albtraum selbst 

Niemals stubenrein und selbst dein Stubenreim

Domestiziert ihn nicht: überlebe erst einmal

Die eigene schnelle Bereitschaft und

Den eigenen Dreck der sich 

Verfangen verfängt und verfangen wird

In den Haaren deiner Gosche — der Albtraum 

Lebt von dem Willen zur Sauberkeit und von der

Werbenden Billigkeit — so lange bis du

Du selbst ihn sagst

Mit Worten aus Stacheldraht

Willig wie hervorquellende Därme 

Sauber wie ein Fusspilz — mit Worten

Wie Oger-Zahnstocher und über die 

Gemeinplätze wird niemals niemand 

Mehr gehen: Pantoffeln werden 

In die Wüste geschickt und die Reime

Nach Sibirien. 

Das Weltall ist ein öder Ort

Heulend stossen wir aus

Nicht anders als Fakire

Blut schiesst aus unsere Schoss

Den ungedemütigten Wind.

 

Und im Moment der Schwerelosigkeit

Aufgeblasen wie das Glas des Himmels

In der schon verzischenden Hitze

Bricht die Spitze unserer Veilchen-Eier. 

 

Heulend stossen wir ab

Nicht anders als Echsen

Die Lehmgeburten auf Asphalt

 

Die unumstülpten Worte. 

Einer jungen Dichterin

Eine Art ausgestreckter Bauch

Und logischerweise blindlings losgerannt

Mit einem gefühligen Schlachtruf

Und der Unvermitteltheit geschenkt

Was verdaut gehört: Inspiration!

Mit mehrfach gebrochenem Nasenbein

Und Veilchen überall am Körper

Wie in den Eigenheimgärtchen

Von Merenschwand bis Hersberg

Die alten röhrenden Reime gehängt

An mit Nikefüsse mit Tennissocken

Einfach möglichst Direktschuss aus dem 

Sympathicus — eine Art Hexenkarren der 

 

Dichtung mit all der Säure des Wohlstandsmagens. 

Disco

Der naive Himmel und

Der Strand wie das Leintuch

Am Abend der Hochzeit — 

Dinge kennen keinen Zweck.

 

Im Fass der Bucht tobt

Der menschliche Wein:

Lichter zucken und schäumen

Himmel und das Getriebe 

Der Musik läuft hochtourig 

Für die noch nicht genug weichen

Hirne — am bleichen Strand 

Brandet die Zeit und längt 

Weder Welle noch Herzschlag…

 

Und die Hochzeit geht weiter —

Kennt kein Zurück und keinen Halt. 

Das Stroboskop der Hitze und 

Die wummernde Schönheit 

Der Dinge ohne Zweck

Erträglich im Rausch: 

 

Im naiven Vor-Zurück

Zu Dingen werden…

Gären ohne Kenntnis…

 

Zucker für die Zeit… 

Brandungen

In eingerollten Erstheiten

Den Salamaleikums widerstehen

Den Trauben von Gutem — 

In den feuchten Gluten des

Letztmaligen Schwalbenflugs

Die Hintergründe halten

(Halten halten halten)

Und in ständiger Biscuitproportionierung

Die saugkräftigen Nagetier-

Zuspitzungen und Tröpfel-

Schalen der minimalen

Glückserträglichkeit

Zumessen wie die Trippel-

Schritte der Freiheitskultur…

Erkrankung oder Krankheits-

Erfreiung. Abschüssig

Ist das Wesen des Würgens — 

Und in den gasartigen Einschlüssen

Der Artlosigkeit (Werden als

Erst-zu-Künftigung) und der

Sagenhaften Schlafnotwendigkeit 

Ducken sich darüber hinweg 

 

Die ersten Brandungen der Dunkelheit. 

Strahlung III

Prasselnde Logik lässt hier

Nicht auf sich warten und nicht

Auf dich. Die brennenden Kerne 

Der Bannworte aufgegeben

Im rückwärts gedrehten Verständnis:

Eine Art von Beten im unilateralen Bereich —

Die Musik spielt nicht mehr hier

In diesen träfen Wägbarkeiten oder dort

In jenen ungereckten Sandstellwänden —

Mutmassungen über den Fortgang der Rede

Mittels körniger Punktuation oder aber

Zunehmender Schalentierverschlüsse

Während das Blinzeln nichts übrig lässt

 

Vom Verständnis der Folgen oder Schäden. 

Strahlung II

Angereicherte Spiegel 

Und Rückstandsbeeren —

Falloutlämmer und

Fatalismusflöze — 

Nichts ist mehr

In den Forwarherzen. 

 

Pulen in den fortgesetzten

Taubennestern nach dem Stoff

Der selbst fliegt und wie

Rieseln von Kieseln

Auf den Spulen liegt. 

 

Alles ist zu sehen. 

Die Gesichter geöffnet

Die Urnen geäufnet

Und die Sümpfe dehnen sich

Mit ihrem Spinnweb

Über die blendenden Panoramas aus

Bis in die Kerzen der Zeit

 

Mit ihren stotternden Tumotoren. 

Sagen sie

Die Wurzeln der Stirnen

Stehen fest und irren

Doch: im Krachen hinten

Legt Kolumbus sein Ei:

Als könnte er binden

Ein Amerika wie eine Münze

Mit ihren beiden Küsten. 

 

Und ich mache ein Gedicht.

 

Die Säulen der Lippen 

Schienen die Mienen — 

Noch: in den Linien des Sturms 

Zieht Amerika an Strängen 

Der Montgolfieren mit ihren

Beharrungskräften-Panzerketten. 

 

 

Und er macht ein Gedicht. 

Hunger I

In der Warte regnets sehr lange schon. 

Der Grund ist weich und den Knien angenehm.

Draussen fliegen sie in Scharen auf. 

Das tun sie immer. Der letzte Schimmer

Dringt herein und ist Milch — laues Meinen

Laues Halten. Die Freiheit der Haare kennt ein Ende —

Die feuchten Enden greifen sich den Grund aus Haut

Und Knochen — in der Warte arbeitet die Zeit

Für das Fallen und der Raum verschliesst sich

 

Dem Himmel ob der Strähnen. 

Balkan

Schlunde schiessen auf

Scherenrunde und Wehrnisse — 

Hornissen flattern sturzvoll

Drüber und drohnen kreischend 

Mit Vergeltungsschlägen bevor sie

Eingesogen werden wie alles andre auch: 

Kokosphären der Fehlbehandlung

Sowie Kosmosflausch einer zunehmenden

Einzellerperspektive begattet überm

Rost der Hängebrücke mit 1’000 Fähnchen

(Weltfrieden und Erleuchtung oder so was) — 

 

Eingesogen und schockgetrocknet im Schlund

Der heiss und geil vor markwirtschaftlichen Fortschritts-

Potenzen und daneben ja noch einer und noch einer — 

Und tief unten das Kichern eines Jungen

Verzweiflung und Unaufhörlichkeit

Engerling-Finger und auf jeder der vier Seiten

 

Innendrin stehen Bilder oder Lettern

Und das wird dann geschehen

In was du zuletzt geblickt —

 

Eine Hornisse und eine weitere

Schnippelrunde bevor sich die Schlunde

 

Schnell schliessen und atmen.

Gedicht für meine Spätzchen

Verzweifelte Nacktheit

Und eine Geduld die

Wie eine Kinderkrankheit

Dinge wie Ideen verschlingt

Von der Laune die mich eine halbe Stunde 

Wieder auf die Beine stellt bis zur

Krume die ich in der Küche 

Unachtsam zertrete — 

 

Einfälle wie Reiskörner 

Die beim Unleeren wie Blitze

In die Ritzen spritzen — 

 

Die blanke Verheissung von Kleingeld

Die mein Portemonnaie 

Zum Münzenkreuzer 

Zum Flugzeugträger umformt — 

 

All die Silberspatzen und besonders die Rotbäuchlein

Darin und in meinem Hirn:

 

Wie ich sie liebe… 

Strohhalm und Schatten

Du bist mein Strohhalm und bist der Schatten

Um den Lichtschalter geschaffen von meiner Hand:

Ein wenig Süden an meiner Wand und

Ein Zittern am Abgrund in Raten.

 

Du hast gesenkt die gelben Strähnen

Deiner Wurzeln in mich und gelegt die schwarze Erde

Deiner Blicke über mich und während ich werde

Springflut oder Blitz sehe ich das Gähnen.

 

Erst das weiche Senken von Wänden und Enden

Vollbracht mit lichter Nähe und dann

Ein ganzer Abhang mit all den Blütenständen

 

Schlitternd und bittend als sei ich kein Mann. 

Tollwut

Bald ist ein Wind — 

Gleichmässiger Glatzenwurf oder

Mindestbisschen von Huritauben

Und die Kamele verwerfen ihre Lippen.

 

Nein ist keine Biestigkeit zuliebe — 

Die Falten des ersten Zögerns 

Noch sichtbar bis in die letzten Tage

Des verfluchten Erregers.

 

Ein Wind in den Muskeln

Auf fetten Betten und hohen Konten — 

Auftrieb für die Seidenstrassen-

Lumpen oder ein kurzer Flug

Über den Baum

Der im Feuer wurzelt.

 

Und keine Krume ist vergebens — 

Mein Rücken hier trägt die Zeichen

Falscher Versprechungen wie den Bart des Propheten

Und die Staubstoppeln der Zukunft

 

Bedecken meine Augen. 

Ratschlag für den Rücken

Meinen Rücken reden lernen —

Den Wirbeln ihr Recht zur Faust geben!

Aus der Nervensäule die Funken schlagen für den 

Aufstand: ich sah den Engel wie einen Blitz

Vom Himmel fallen… Aus der Furche 

Durch die ich blindschleiche den Rücken 

Recken als ein Iota und in Gerten-Worten

 

Sich an der Gegenwart vergehen. 

Das Wenn aufzäumen (Balzac)

Riemen angelegt und im Bereich

Zwischen Tor und Huf gründlich 

Zwergfortsätze in die Wahrscheinlichkeit 

Gestolpert. Im Schatten der Baumschulen

Reden von gutem Darm und Leitern.

 

Ein Tuckern scheint zu genügen

Oder ein Name — Fanny oder Farah.

Der angenehme Geruch des Schnaubens 

Vor dem Anfang jedes Satzes…

Komplizenhaftes Lächeln beim Aufzäumen:

 

Die tumorblauen Fragen 

Aussagen und im Rahmen stehen

In Erwartung des Geschirrs — 

In das Dröhnen heraustreten

Und am Schlag in die Schnauze

 

 

Die Rache des Wenn fühlen.

Durchgefallen

Durchfällige Mehrungen

Drängen sich auf und scherzen

Von alten Frauen 

Die wie Floskeln

Aber doch mehr — 

 

Samt und sonders Zahlen

Ohne Worte. Ein Krinolinen-

Ergebnis mit Kloster.

 

Der Abfall schlendert und nimmt dann

Fahrt auf — ein Freiheitsverhängnis

In Elysium mit Platinhüften raschelnd. 

 

Und die Geister

Margarethen

Die Besonderheiten

 

In samtheisse Tücher. 

Zahlenmässig

Zahlenmässig lässt sich rechtens

Nicht verdeutlichen und sei es mit Buch-

Stäben oder anderen probiotischen 

Nahrungszusätzen und Diätzureichungen

 

Wie die Gesänge vom Mond

Und die weniger werdenden Absätze der Wirklichkeit

(Schuldendienste Makrowirtschaften und Existenzminimüter)

Und am allerwenigsten diese meine

Zuckerhutstosstrupps und

Vielfach- und Nebeneinander-

Denkbarmöglichkeiten doch 

 

Zwar in verschwindendem Masse

Sozusagen iotaweise in den einzigen

Noch real existierenden diätetischen 

Und ordnungspolitisch normierten 

Mäander und ganz und gar

Ungerechtfertigterweise 

Doch noch einfliessen könnten

 

Und bevor sich etwas beweisen liesse

Ob zahlen- oder zunahmeweise

Sind die Brennstäbe und anderen

Strahlenden Absätze in euer Leben

Getaucht und ich sehe euch jetzt

 

In der Tiefsee durchscheinen. 

Grasbalg oder Fehlgast

Ein Grasbalg

Oder Fehlgast

Lebt nicht

Im Angeburteten.

 

Es gibt für ihn nur

Thailändische Härte oder

Rudimentäres Grausen.

 

Die Sinnverwirrung

Von der er spräche

Steckte er nicht fest

Als wäre er die 

Schwindelschaffende Nabe

Ist an sich harmlos —

Nicht mehr als ein Zirkelschluss.

 

Es gibt für ihn nur mehr

Die Tintenstiche in Zeichensprache

Oder eben halt alltägliches Pressen.

 

Ein Fehlgast

Oder Grasbald

Haust im Geschürten.

 

Stolpern über Rinnstein oder

Rachengähe Repetitionen

Gehören zu seinen besten Stücken. 

 

Eine Phase allerdings

Hat er hinter sich:

Die Sinnliche.

 

Es gibt jetzt schönste

Bleisänften oder vaginale

 

Fliesenfänger. 

Tauchsieder & Reaktor

Ein Betrug am Ufer

Ein Unlecken am Sand und

Dürren raschelnden Stengeln. 

Über das Weiss

Aus Kraft der Wellen

Und dem Dunkel aus der Tiefe

Von Wald und Meer —

Ein Betrug am Bleiben in mir. 

 

Schau den Menschen an

Auf dem Nadelbett

Als ein Berg aus Fleisch 

Brennend im Fleisch

Wie ein Tauchsieder 

Gesenkt in die Tasche eines Reaktors

Hingestreckt am Ufer

Wo die Dünen dauern

Wo das Salz anlandet

Wie dein Wort in mir.

 

Ein Krallenwurf 

An weissem Strand

In all das Rundgerollte

Und Abgeleckte. Ein Betrug

Am niedergeschlagenen Bruder 

Der in der Seichte schon ertrinkt

Den Rücken noch nadelbestückt. 

 

Ein Betrug an mir 

 

Entgegen aller Witterung. 

Auf die Schliche kommen VII (Heim)

Keine Heimlichkeiten mehr — 

Der Friede war nicht umsonst.

In den tiefen Trümmern und selbst

In den Spitälern des Militärs

Und kein Versprechen mehr

Von besseren alten Zeiten.

 

Oh wie das glüht! Innen

Ist äusserer als aussen —

Aus dem tiefen Staat 

Mit seinen Warnnetzen

Und aus den Zahnreihen

Jenseits der Glienicker Brücke

Und den Schwaden des Grills

Beim FC Babenberg lässt sich

Ein schleichender Treck lesen:

 

Oh wie das glüht unter den Füssen 

Und im Mund: ein Heim

Für jene mit Schaum vorm Mund

Und strahlenbreiten Sohlen

Aber kein Denkmal für die Helden

An denen Hochzeitspaare

Sich küssend inszenieren oder 

Für den Tanz der Tauben.

 

Oh wie das glüht

Wie das Trillern

 

Eines Morgenvogels…

Auf die Schliche kommen

Wie ein Korallenwurf

Im heiteren Himmel

Schleicht sich die rückende

Rechte Hand ein

Bis zwischen die Beine

Und reisst auf was

Einzig und elend

Ausgeweidet gehört.

 

All die mühelose Sieche

Krallt sich ein letztes Mal

In den Speichelfluss

Während das Wasser

Brennend übers offene Gewebe

Schäumt — einzig und elend

Gebückt und fluchend

Aufschrei 

Ob der schneidenden Schönheit

Die wässrig und gelb

Sich mischt mit dem Werk.

 

Das genügte. Eine rechte

Rückende Hand - Schabenschmal

Zwischen das Klammern und Pressen

Gefahren aus heiterem Himmel.

 

Ein Handwurf von Korallen

Mit genügend steinernen Zungenspitzen

Aufzuspüren die Kunstgriffe

Aus Gewohnheit und Kleinmut

Zu enthemmen gekommen

 

Mit der Kompetenz einer Rasierklinge. 

Handreichung für einen Dichter

Es reicht. Der Russ

Legt seine blühenden Hände

In den Schoss und sein Fett

Schmiert dort jede Wiederholung:

 

Aufsteht in Unablässigkeiten

Handreichung zum Wort

Das gut eingelassen

Als Halterungsknopf

Nicht das Bittere trägt:

 

Die bekömmlichere Wiederholung

Und die Lässigkeit des Machbaren.

 

Und manchmal im Schwadenwurf

Der unbekömmlicheren Gifte

Verklingt das Hämmern und Schnappen der Rädchen:

Und aus den gelockerten Kronen quillt

Der rote Saft des Müssens heraus

 

In all seiner erregenden Bitterkeit. 

Einflüsterung

Die Schulterblätter sind noch nass

Die Wangen eben noch trocken

Brennen von lauer Flut.

 

Ich kehre mich nicht dran.

Nicht um. Schnappend geht der Mund

Und schluckt Staub und Salz.

 

Du füllst meinen Mund —

Den ich nicht mehr öffne

Nicht mehr öffne denn

 

Die Schwämme meines Rückens

Wiegen schwerer — 

Könnt ich sie nur sehen und auf Händen

 

Tragen! So aber — 

Von vorn wie hinten

In der Traufe eines Tuns

Dessen ich wert —

 

Oh ich öffne ja den Mund 

Will es ja — nur giesse nicht ein

Diesen Sirocco

Den zu verstehen ich

 

Zu Mensch. 

Liebesgedicht auf Kaukasisch

dunkeln de

pazor niecht mehr als

grossnistrisches abfuck-

abstrakt mit ein ganz

hohes merkalitäten —

über de quadrat blank wie

nur katzengast mit sam

pa sibie oder vielleicht gradiges

nebenfluss-shit oder tschort mit

ohne. tschort sagt tschau und Mutti

beschlof baikalisch

das grübelmastodon aus perma-

hüftigen nimmermehr — ach du mein

alkalische münzen! niecht willtu

man blues ahlen mit lut.

ach und nick de brück springen

nicken nur und vermedvedigt 

und entlich eine blank gestülpten

gerüst von hurenmus. ja

pazor fast ab frank in 

geinrich genemetzten

dunkeln de

niechtschar ob

katzenhengstbild

und blank wie eine schwert-

laib wie einen gekwassten

hoser - sagmaltekische

nubier in gesamtgracchen-

skythos (shitos). maug satschem

 

maug!

Überkant

Sarglose Arbeit in Zeitfenstern

(Vorbild Bartwuchs) und Dünenstrichen

Dünn wie die folgenreichen Sperenzchen auf Millimeterpapier — 

Und die Faltung des Bauplans 

Übung fürs Überkantdenken. 

Ein Becher voll lauer Bitternis.

 

Die noch nicht zu ihren Steckern gelangten

Drähte in Primärfarbenumschlingung

Zu den Füssen des Nussen-Onkels — 

Abgewendete Fütterung eines Zukunftsstrichs

Oder rettende Begrünung der Brillenränder —

Da wo es schmerzt und nicht im Fokus.

 

Dann kommen die Nägel dran —

Sonden für papiermächtige Fronden

In die Überblendung hinein

Aus Grün und Braun —

Ein Wölkchen von Rahm

Hätte mich versöhnt…

 

Lasst uns gedenken

Der Anmut unserer lichten Särge

Angesichts des Frühlingsvortriebs

 

Durch die allzu willige Erde der Zeit. 

Gedicht für Philatelisten

Die albernen Hornstösse küssen!

Den Bürgersteig von Zeitungswissen

Befreien und die Dämmerung von 

Druckerschwärze. Die Mutmassungen

Terrassieren und die Insolvenzen endlich

Nach links wenden. Das Gesicht

Entsichern und die Wahrung gewähren lassen!

 

Die Lungeflügel stutzen und die Tropen

Anwenden. Das rutenschlagende Trapez

Der Einsamkeitspinsel erklären mit

Sträflichem Richtfest. Die Not

Mittels summarischer Statik

Aufladen und das Klima mit sehr guten 

Greteln füttern. Die albernen Hornstösse

Und die Heiligen Kühe fortführen 

 

In die Parteizentralen der Philatelisten. 

Bescheuerung

Rabenfrohe Rötungen

Mit pausierenden Kennungen

Spielen in die Traufe hinein

Und keine der Grünungen

Hält die knospenden Röhren

Mehr auf oder offen —

 

Das fernere Jauchzen wird zum

Fernerhin-Jauchzen und die

Brüderlichen Schranken heben 

Zugebuttert ihre Ärmlein.

Wie Ableitungen in die Krümmung

Des grünen Himmels — die Rinnen 

Verkümmern zu Ritzen und 

 

Bis in die Traufen hinein

Spült die kräuselnde Welle 

Von Sand und Bimsstein 

Die befrackten Rötungen 

Die roten Rippen der johlenden 

 

Frühlings-Bescheuerung. 

Gedicht an die Herbivoren

Die bewachsenen Bunker der Dornenstapler!

Jeder mit seinem Milchbüchlein

Voll fein gestochener Marken!

Ja! Auch die Herbivoren kennen den Abakus!

 

Doch was geschieht mit den Brötchen

Aus ungemahnten Trachten und 

Unbefahrenen Igeln? Ein Land

Eingeklemmt zwischen Fettrückständen und 

Den  Dauerzuständen der Tatsachen — 

Eine Art Mariske über dem Geheck der Zeit. 

 

Oh je! Aus Wildständen beschauen die Herbivoren

Die präzisen Markierungen in den Heftchen der Metzger!

Das Muhen in den Dornbesetzungen

 

Erschüttert noch die Darmverschlingungen nicht — 

Abgang

Allein zählt die Schippe.

Vom Schritt bleibt der Klang.

Ein Gang ohne Zipper.

Und ein-zahm verlangt

 

Nach mehr. Erde fliegt. 

Der Tod trägt die Kürze.

Allein zählt was biegt. 

Bind nur um die Schürze

 

Und rühr fix die Sosse

Nur an: Porzellan

Und Griess Gras und krosses

 

Gefloss. Unten ist Blösse

Und mein Rippenmann

 

Im Fall letztes Stossen. 

Aber

Die Saalwacht ist nun

Zeitweise verhindert mit Ruinen

Von Steuerfüssen. Die inveterierten

Busenfreunde des Alltags 

Streichen sich den Honig des Gehörsamens

In die zotigen Haare. Aber

 

Das Fest beginnt. Ein Glas

Auf die Raumseligen!

Die gassenwirksame Arbeit

Prickelt in den Nasen all der

Tischklopfer und Zischtrinker. 

Der Marabou nimmt die Hände

Und verschränkt sie. Aber

 

Das Erlebnis krönt sich selbst: 

Die Gäule ergiessen Milch

Die Seichen brechen wie Reisig

Während die 10 Stiche in der Innenlippe

Schneller heilen als die Maskara trocknet

Im den Büchern der Saalwacht. Aber

 

 

Es ist vorbei. 

Hier baut...

Mobile Sprecheinheiten räuchern

Die letzten Schweigetaschen aus.

 

Die stand-alone-Komplexe besetzen

Die Baumkronen. Abgesandte

Verschicken sich selbst in Umstände:

 

Begattungen stechen Augen voll Untrauer aus.

Sahnehauben schlendern ins Gefecht.

 

Die stabileren Schriftzüge des Morgens

Legen sich über die Fernwärmeleitungsgruben

Und du der du brustlos deine Absonderungen

 

Ausschickst mit allem ausgerüstet

Nur nicht mit dem binären Code

 

Für die Erkennung von Souffleuren

Oder anderen Mittlergewalten

Du leerst deine Taschen ohne

 

Ein einziges widerstrebendes Klingeln

 

Oder ein bisschen dampfendes Mitleid. 

Unbeschlafenes Gedicht

Kiesgruben — Müdigkeit

Schmiegt sich in hohem Bogen

Durch das Gemäuer von Liedern

Mit Kompostierbarkeitsanleitungen. 

Seine Waisen eben noch gebeutelt

Von den Lauten eines Geschlechtsakts

Der ein Stich durch den Knörpel des Tages ist. 

All die Austragungsorte von gemütsvollen

Sinterkuren und von medialen Sinekuren!

Es rieselt. Selbst im Gebrüll aus Reif

Angestimmt in unbequemen Lagen kehlaufwärts

Und mit geschmackvoll geöffneten Lippen

Brennen die fortgesetzten Versprecher 

Lächelnd über den Feldern der beschleunigten

Zärtlichkeit. Nagelfluh — 

Eine plötzliche Häufung von 

Klumpenbildung unter Eicheln und Schamblättern. 

Die Laute gleichen sich immer mehr.

Und während die Socken in unseren Kehlen anwachsen

Fährt mit geschlossenen Augen

Die blindere Haut des Affenzahns

 

In die glattgestemmten Abhänge aus. 

Frühlingsgedicht

Reiz und Reibung —

Kräuselt sich nicht

Im Kabriolett des Weins

Ein sirachender Früchtling?

 

Doch — wessen Atem?

 

Aus der Dolle springt die Welt

Ach die gehegte Welt unter Tröpfchen — 

Zusätzlicher Wirklichkeitsverlust

Oder zunehmende Laugenopfer?

 

Doch — wessen Wäsche?

 

Ist das Kielwasser schon warm genug?

Glüht der Schlitten über den Rist hinweg

Anders als die Hand in meinem Schritt?

Eine abgedeckte trunkene Traufe… 

 

 

Doch — wessen Taufe?

Vom Wegab

Kleine Anwandlungen der Gewegtheit. 

Nur zu spät und ein Bedringen

Und ein Knotenwurf in das auge des Betrachters. 

 

Ein angebotener Schritt hinein in das Draussen

In diesen Menschen da — innerlich

Bereits gefesselt wie ein Wegemutiger. 

 

Und wandeltest du auch aufrecht über die neuen Planken

Oder beschränktest die Augen mit dem bekömmlichen Vagen — 

 

Die Ketten klirren unbesehen und unentwegt. 

Grausen

Das Grausen beginnnt als

Immergleich — mit den nurkurzen

Fellen aus gewöhnungssüchtigen

Lockrufen: bitte keine Wiederholungen

Ausser mit abblätterndem Zahnschmelz.

 

Fast ein Klima für mehr als

Schrecken: ein Rasen mit Schärpe

Oder eine Socke mit Versen —

Die senfgrünen Läden aufgehalten

Von einigen Wiederholungen.

Ausser schmelzenden Dachsen

 

Fehlen die furchtbaren Gewohnheiten für Einfaches. 

Antikarneval

Eine Mussschale rettet.

Eine Mussschale ist eine gute Wette

Auf Gedeih und Verderb —

Eine Mussschale bietet so etwas wie

Einen Kokon aus Entlösung und Bedröselung —

 

Da schippernse. Mussschalen

Mit dem freien Lachen aus Jammer und 

Bammel. Können so gut wie heute

Nicht mehr spinnen…

Voller Eifer mit Liveschaltung und Zureden —

Arschbomben der Gegenwartsvergeltung.

 

So etwas wie Thailand ohne Geschlecht

So etwas wie Schweizerhall ohne Rhein

 

Eine Mussschale an der andern wie 

Bubenträume ohne Küchenpapier

Klarsichtmäppchen ohne Notizen…

 

Eine Mussschale reiten

Mit allem Ungepäck der Berechnung

Unter hinter dem Gesicht

Das zu träumen glaubt

Das sich gerade exiliert

Im Lidflattern wie ein weisser Elefant

Einem Kreis von der Schippe fallen… 

 

Eine Musschale geben

Dem aberwitzigen gewohnten Halseinzug

Dem gepressten Gang im Schwarm durch Bahnhöfe und

Grossraumaufbahrungshallen bis dorthin

Wo der Ernst samenlos

Eine Art Maschendrahtzaun gesponnen hat

In dem sie bald wieder

Modernen Tanz üben werden.

 

Eine Mussschale werfen

In den verpuppte Gebrüll aus Spass und

 

Dunklen Windungen… 

Dem Vergehenden

Täglich bleibt vom Vergehenden

Ein Teil — ein vergebener Ruf

Eine tappende Unterlassung.

 

Dickicht sträubt sich in Ecken 

Wie ein Besen. Das Umkehren

Von Steinen und das Winden

Von Seilen und die Kinder

Der Müdigkeit — harren aus

Im Vergehen wie vollgesogene Kippen.

 

Und in Nächten von dekorativem Gewälze

Und ablativem Gezwänge vergeht nicht

Vergeht auch nicht der absurrende Kehrvers

Aus Händeringen und Lippenschinden.

 

Oh kein Anteil daran haben!

Auf eine wissende Weise auf einen Ton warten

Der die Müdigkeit wie einen Blätterteig bräche

Und das Gewirr im Erdreich auflöste 

Und die Seile entwände denen

 

Die gegen das Vergehen sich sperren…

Vorsprünge oder Absprünge

Ein vorgeworfenes Kinn

Knospt an der Stirn.

Für die Dauer eines Hutes

Nimmt das Land

Eine andere Gestalt an.

 

Auf Stelzen geworfen

Wie von geständigen Mimosenpeitschen. 

 

Der Genuss von Ständigkeit ebenso 

Wie der von nur Aufgeworfenem

Ein unverzeihliches Gut

Aus Mannekenpis und Aubacke. 

 

Die vorgestolzten Vorsprünge

Unbewohnt von anderen Gestalten

Als den ständigen Normalobolzen

Zerren an den Hutschlaufen der Fremdlichkeit

Und lehnen sich viel zu verdammt weit

Aus ihren vorlauten Stirnen. 

 

Das Aufheben des unvergleichlichen Lands

Unbewohnbar und das Aufheben um das 

Vorgestossene Scherzmittel (an Blinde und

Taube verfüttert) sind vorzugsweise

Kittel der Ehrbarkeit im dauernden Rasen

 

Aus braunem Wunder und schraffierten Schnauzen. 

Brotgedicht

Erwrungen auf allerweltige Art

Die zu dünne Scheibe aus

Vorstellung und Verdrehung.

 

Dem Erwidernden erwidern

Mit durchtränkter Rücksicht

Oder Griessbrei-Zuversicht.

 

Hülfe das Drehen — wo 

Kämen wir dann hin?

 

Über zugekleisterten Scheiben

Oder Parklücken der Verstellung

Breitbeinig hingepflanzte Nabobs.

 

In Rückspiegeln oder Halskehren

Erwähnt die durchnummerierten

Ungefilterten Bedürfnisanstalten.

 

Begänne das Pressen — wozu

 

Führte es uns dann?

Jerusalem

Alle wollen es gewesen sein —

Wie Steine im Seitwärtsgang. 

 

Lebkuchengesichter in Schartenhaft:

Das Füttern von Maniak an die Esel und roten

Fast vertaumelten Zinnen. Niemals wieder — 

Die Heerscharen in fast forward 

Nussabhaltung: niemals wieder…

 

Die Härchen noch feiner

Die Bötchen noch kleiner

Die Rotten noch lieber

Die Boten als Schieber — 

Alte Pflichten und niedrigen Schichten… 

 

Und an Nasenstübern soll es nicht gemangelt haben!

Von hinten sogen die Wellen und zogen daran — 

Doch oben immer oben

Erhoben über die hellenischen Barden

Und ihre Augen wie unbezungte Schornstein-Schlunde

Bekränzt von Zinnien und Forensikern

Leuchtet allen Winkelzügen udn Winkelrieden

Das letzte das erste Schilfrohr

Mit seinem Schrei des Esels und

 

Den klappernden Tortentakeln. 

Forttragen!

Alles nicht wahr!

Ein Gaumenspiel und du

Tauber als die Gegenstände.

Immer dieses Ansetzen in 

Vollkommener Verlegenheit!

 

Auch im ernsteren einfachen Ansehen.

Das Gelump auf der Gepäckablage

Fast gleich farbig — wie Zungen 

Teilweise überhängend. Und wieder 

Ein Spott und eine Gaumelei.

 

Alles nicht wahr!

Die Beschreibung spottet deiner —

Eingeschlafen bereits bevor

Richtig aufgeweckt — aufgeweckt.

Immer die Angeln als Zaumzeug…

 

Und wenn du dann 

Einmal motorisch korrekt

Wie ein Mensch bist:

Trage dir

Die beschriebenen Austragungsorte

Einfach und spöttisch 

 

In die Prosa fort. 

Hommage an Thomas Kunst

Ich sehe nur noch nur noch die Schleimtruhen und die Zebrafelder.
Wäre dieser Wechsel nicht
Wäre ich längst schon woanders
Oder gestorben. Ohne Ziel allerdings.
Die habe ich wie leergesaugte Krapfen
Hinter den angereicherten Kerben
Den Maseratistämmen vergeben.
Tunke aber weiterhin
Meine Fuhrwerke regelmässig
In den Schleim der wie denkenden Leiber
Die ich nicht vollspritzen werde
Mit dem grauen Botox einer losgelassenen
Karpfenherde. Schleimtrunken und doch
Aus klinischer Durchführung bestehende
Felderwechsel als wäre die Seezunge
Eine Art vorgezogene Stille aus Schlaf-
Und Salzpastillen. Was du angehst
Muss ich ja immer wieder verdeutlichen
Ist mehr ein Fuhrwerk mit halb ausgestorbenen
Indigenen Volksgruppen in Zelten
In der Ebene zwischen dort
Wo die Herden ziehen wie in Alkohol getauchte Vorhangkordeln 
Und hier wo die immer noch unausgespienen 
Groupies der Bäcker die Konfitüren öffnen.

Scheibenwischerei, industriell

Das Betreiben von Scheibenwischerei

Oder die vorgängige Abzahlung von

Versvergütungsschreiben sind Massnahmen

Ersten Grades gegen äquatoriale

Und vor allem auktoriale Ansprüche

Aus Breitengraden der Wurstelei oder

Zöpfedreherei: die Absendung 

Zeilengefallener Sprüche eine geeignete 

Antwort auf Kollatoralschäden

Am Seitenwagen der Träumerei

Und die stimmlose Aufschäumung

Unrichtiger Tonlagen und Rhythmus 

Überstimmt das Zeichen aus Anstand

Und Rechtmässigkeit in der Leere

Der Informations-Urflut. Das Betreiben

Einer Anlage von Massenversierungswalküren

Kann nicht länger verzögert werden —

Dies ist die Mutter aller Meringues:

Der Zucker des Worts aufschwungen

Mit dem Eiweiss des Heims

Und all das industriell —

Ein durch die Wut potenzierte

Massenverschlagwortete versangereicherte

 

Methangas-Zentrifuge der Wirklichkeit. 

Abgelehnte Belehrung

Genau sein und sagen

Wie Millimeterpapier

Genau bündig 

Mit der Aufmerksamkeit

Die als Geschenk zu verstehen

Wäre — und nicht so viel 

Wagen: nur grad das aussagen

Was ansteht und nicht

Alles zugleich — immer aber

Meiden die Schmerzgrenzen.

 

Das Sagen ist keine Fabrik:

Ist Buchhaltung von I-Tüpfelchen.

Genau sein und sagen heisst

Langsam wachsen 

Kommen und reifen lassen:

Keine Türdichtungen im Autowerk

Keine Akkordleistungen im Textilwerk und

Keine Verbundstoffe für Hermetikpakete oder Gewinde

Für Aufwinde aus dem Ersatzteillager — heisst

Präzise das zu sagen und nicht mehr

Was lange warten muss

Um gut und vorsichtig

Eine punktgenaue Landung 

In die offenen Ohren des Lesers

Hineinzulegen und warm

 

Von dem Tragen an der Hühnerbrust. 

Strich auf der Stirn

Trägst den Strich auf der Stirn

Steil wie Felsen

Woran Tännchen sich klammern — 

Er wird im ruhelosen Bett und im ersten 

Nachtschwarzen Kaffee:

Eine Kerbe für den Tag. 

 

Der Duft der Bleistifte:

Dein  Schweiss im Nacken

Im kalten Nacken.

 

Trägst den Strich auf der Stirn

Pfeil der Sorge

Woran die Federn singen —

Und Perlen aus Watte rinnen

Aus dem grauen Morgen

Der nicht zu Ende geht

Vollgesogen und hart.

 

Die klamme Kälte der Luft:

Und sieh die Diven auf Barbados!

Steiler ritzen Folgesorgen

 

 

Diesen Strich auf der Stirn. 

Vermessung vermischen mit Vermissung (Handreichung)

Eine Vermissung deren Längengrade

Als Fieberkurve über den Globus

Streichen — unsichere Stiftführung und

Baldige Schnittmenge… Durch

Durchstrichene statt unterstrichene Zeitzonen

(Durchkreuzte Horizonte und

Hastige Durchzüge) klingen

Die Stimmen verwaschen und verloren

Hinüber und weder Waage noch Wiege

Können kurieren was im stieren steifen Blick

Der ungelogen schon vorher gezogen

Sich der Messlatte entzogen — eine Vermissung

Jenseits aller Verzeihung und fern

Vom Gedeihen grader Längengrade

Die eingeschmolzen nicht mehr helfen als 

Der Federbolzen des Uhrwerks: 

Eine Vermissung sondergleichen

Vermessen und grenzenlos zugleich. 

Über die Saiten der Distanz streichen

 

Wie über die zarteste Haut eines Menschen. 

Eine Büste

Eine Büste mit verschworenen Zähnen

Blättert Strunk um Strunk um. 

Es windet kein bisschen. Die Szenerie

Macht eine Kurve. Plötzlich

Aber irgendwie gerissen

Fällt das blonde Haar 

Wie Reisig knackend und spröde 

In den öden Büstenmund

Der im Tal unten noch

Von Wäldchen zu Wäldchen

Kaum seiner Herr war und

Faselte… nieselte… 

Verbissen wühlen sich die aufgedeckten

Tiere geblendet vom Marmor 

Tiefer in die lockere Erde zurück… 

Die Büste liest knatternd

Die Wurzelspuren und gelenklosen Finger

Und lächelt mit ihren

 

Wurmweissen gelockten Augen. 

Kauderwelsch

Das kauterisierte Kauderwelsch

Das alle sprechen ist

Allemal besser als

Das verklausulierte Kauderwelsch

Das ihr sprecht!

 

Die Hälfte von dem

Was ihr sagt ist durchdacht 

Die andere Hälfte ist Fliegenscheiss

Auf Akademikerbrillen —

 

 

Eure gehörnten Saumseligkeiten

Heissen euch Spürspuren

Und sind doch nur Biestigkeiten

Des gesunden Menschenverstandes

Sprühspuren von Sprachunterworfenen!

 

Redet ihr nur in 

Zarten Unwahrheiten

Blassen Fellationen

Minderen Mutationen

Biederen Mutigkeiten

Wahren Verleugnungen —

 

Das kauterisierte Kauderwelsch

Das wir sprechen

Ist der Hammer auf den Daumen

Stimmt schon — aber

Lieber den Hammer auf den Daumen

Als den Amboss im Herzen.

 

Errichtet nur eure bewusst

Willkürlichen Kauderwelsch-Ambos:

Niemand wird auf sie einschlagen!

Und das Korn eurer Worte

Geht in eurem Rücken auf 

Wie Möwenscheisse — 

Im welschen Flug aus

Metapher und Gelehrsamkeit

Fängt man euch zu Piesacken

 

Mit Pantomime und Pfeife… 

Komputationen

Die Komputationen

Sitzen mit auf gebräunte Brüste

Offenen Hemden und verdrehen

Wörter wie Daumen zu

Ausgeklügelten Gelenken

Als wären’s Zahlen

Die ineinander übergehen

An den Wänden entlang. 

Niemand hat die Geduld

Dem zuzusehen. Das Läuten in den Ohren

Ist vermutlich leicht zu ignorieren.

 

Die Meister des Ozeans

Mit grünen Gesichtern

Mit Lippen wie Rum

Geben auf. Der Konsum von

Gebrautem Groove zeichnet

Graphitene Grenzen in die Sinne

Der Sehenden. Die Hörenden

Machen das Beste aus dem

Unterstand der Porösität

Den die Komputationen

Halb willentlich halb vorsichtig

Teils vorausblickend teils geblendet

Wie Daumenschrauben 

Aus den Kugellagern der Bücher

Gebaut haben damit

Flächenhaft die Bäune 

 

Auch uns befällt — 

Wüstenlied

Das Gut erwacht erst in der Kälte. 

Die Sauerkeit im Mund dampft

In die anderen Gesichter. Ein Kamel ruft. 

 

Die Inseln sind jetzt weit weg

Mit ihren Schnorchelparcours und

Mit ihrem Allyoucaneat… 

Von dort erreicht uns keine Botschaft mehr.

 

Wer sich in der Nacht in die Mulden gelegt hat

Die ein Bergbach vor einer

Grossen Anzahl von Sommern gegraben haben mag

Liegt wie aufgebahrt

Die Nase eine fremde Blume

Oder die Luftwurzel eines verdorrten Sumpfbaums — 

Das Gut erwacht erst in der Kälte. 

 

Niemand braucht Aufseher.

Es gibt genug zu tun. 

Am Abend sinken wir nieder wie Elektrogerät

Dem man den Stecker gezogen hat

Und kauen wieder ein paar Stengel

Denen Blätter fehlen

Von dem Kraut das hier

Draussen vor der Tür wächst und in der Nacht

 

Zischelnd singt. 

Rede an ein Kalb

Entbunden du

Kalb des Grollens

Du mit dem ungesunden Gut

In die gestirnte Kammer der Schwerkraft

Aus den Kesseln des Übermuts:


Drücke nur zur Seite

Die fliehenden Schultern!

Binde nur ab die Schnüre aus

Dem Band von Speichel und Rotz!

Der Stein muss entsteint werden!


Die Summen gerkrümmt wie Verben

Stehen auf aus den Mauern. 


Bohre ur in der Nase du!

Und alles Entsteinte

Von der Farbe des einen Eises

Rollt einem Lied gleich 

Hinaus in die letzten Bissen und ersten Gefährten…


Mit hoher Stirne und weichenden Talaren

Erbrichst du Kalb des Murrens einen weiteren Brocken

Mehr als nur die dünne Schicht 

Aus heissem Schlussstrich und gesundem Menschenverstand:

Zoll der Schwerkraft. 

Die nächste Liebe

Marschrouten pendeln

Über den ausgewaschenen Erden

Und die Schläge des Reifs

Zögern zum ersten Mal. — 

Die Gebrochenen zündeln

Mit dem wenigeren Anteil

Ihrer Kindheit: Eiskunstlauf

Auf gewissen Lehmtorten.

Das nächste Mal Kauen

Bringt die Gunten zum Glühen

In denen die Gefundenen

Mit ihrer nutzlosen Schönheit

Mit ihrer vergeblichen Liebe

Sich wenden wie Weichteile

Auf dem Weg zum Scharnier-

Geschehen: eine Fontäne 

Fontanellenhoch aus den Bünden

Mit dem tanzenden Morgenstern: 

Ein Haarnetz aus Sehnsucht

Für Johannes’ Locken. Und die Kinder

Winseln in den Büschen

Mit wunden Ärschen:

Das siebte Mal im Gesicht des Winters

Ist ein unverzeihliches

Ist ein verheimlichendes

Ähnlich der Spur aus

Unerwiderter Liebe und

Unvollendeter Gier — 

Das Mal springt

Splitternackt über die Machenschaften

Die wie Ruten aus Reif

Beugen die Nacken der 

Wenigen der Mehrheit

Deren Züngeln an der Wahrheit

Verfolgt die entkindeten

Im Lehm gebannten

Weichteile der kaum Gekannten.