Tagesgedichte. Einblicke

noch ein Nachdurst

So möchte ich einen Ledergesang anstimmen –

mit dem fleischigen Teil meines Herzens

hoch aufgerichtet in die basische Zärtlichkeit zu den Augen und zur Tollheit:

eine Art Kronleuchter aus Sehnen und Sehnen unterm Schraubenfuss der Praxis

ein Igelpfad zwischen Tropfen und Blei

und gereckt in den Büschen kauern

halb Indianer halb Dominikaner.

 

So möchte ich klopfen auf die ockerfarbene Flaschenbürste und auf die Perlmuttblätter

in der Hitze und Unaussprechlichkeit von Lauten

die wie Preiselbeeren die wie mit Spinnenbeinen an das sandgefüllte Glas klopfen: sind das deine Augen?

und mit den Barthaaren ertasten bis hinauf in den Regenwald des Unterlids und

in die Flechten der Iris und die Myriaden Augenblicke

die du verteilstund mit dem Zeigefinger einer Antenne

unter der Himmelskutte das runde Wiehern ausscheiden –

 

So möchte ich am Rattenschwanz der Wirklichkeit so lange zerren

bis die Laute wenn nicht vorne gemacht

so doch hinten bekommen werden und das tolldreiste Flüstern der Epidermis

unter dem Möchtegang von füchsischen Absichten und strauchförmigen Winkelzügen

und einmal ganz ohne die flatternde weisse Fahne des Alters

aus ihrer karolingischen Minuskel traubenartig aufschwillt

und in einer Flamingorötung in den unteren in den hinteren Regionen

aus heiserem Absaugen von Zeit und ringenen Witwenhänden aufgeht.

 

So möchte ich auf den Morsecode gestrichen mit blau gefalteter Zunge eindringen

in die symbiotischen Aberwelten uvularer Salbung und

in die windgeschweiften Säurezustände voller gepfropfter Wahrheiten:

unter der Maseratikappe für ausgeschürfte Fossilien härtet sich

Ton um Ton und bauschig aufgerichtet

im Ho-ho-wie zwischen wahrhaft und wahrhaftig

und mit Blaubart-Zärtlichkeit die grüne Hand der Zeitlichkeit.

 

So möchte ich wie Kohlensäure in den Asphalthimmel platzen

ein Troublefête mit posterodorsalen Limonadenwörtern

und Austernschraube für Lippenhecken und Backenzähne:

und ich Nathanaël Sohn von Thomas ziehe meine Furche in die sandige Finsternis

hinein vor der Entstehung von Schwerkraft und schlingender Materie

vor der Frage nach deinen Algen und raube in der klingelnden Nacht

noch vor dem Klopfen der Engel den Vermeil-Verbiss an der Ikonostase deines Bauches.

Nachdurst

Meine Lippen springen –

und im All-Kehlkopf verstört das Pfeifen der Antennen die Lichtwürfe in der Konstanz ihres Zitterns

und über der Atacamawüste schliesst sich die Blende und das Salz und die Artemia schütten die Rosarosse der Beginne und Vorkehrungen

mit kampflosen Augenaufschlägen und forschenden Schlürfgeräuschen zu

und die gerollten Muster in den Handlungsansätzen ebenso wie die Sätze der Mutter

(oh diese parataktischen Andersweitigkeiten der Provinz!)

schlüpfen wie Spurenelemente und Kater durch mein Porengitter und sprengen die herrschenden Meinungen davon

was Boden und Fuss davon

was schnaubende Boliden und duftenden Linden

mit den Sprunggelenken und den Fassdauben im Augenblick des Aufpralls im Keller anrichten

im Keller sage ich mit fossilen Lippen und diesem knackenden Krabbenlaut ganz ohne Bolus im Rachen –

düstere achtbödige Lasuren über dem prächtigen Himmelscheit:

 

ich ziehe darüber hinweg

ich ziehe darüber hinweg die letzten Kehllaute der Lust und die ersten Schaubrote der Angst und schreibe über den Masuren

denn so scheint es sich darzustellen im spitzen Winkel des Eintreffens:

eine weite Weidelandschaft mit im Licht schimmernden Wasserlöchern –

schreibe mit einer Krängung und schon

stösst der Schnabel herauf und entgegen als läge ich noch im Baggersee –

von den Mazurken aus Steingut und Skorbut

von den stirnlosen Abzügen und den gefrorenen Gestirnen draussen

im wagenlosen Anfang und im Bissentod der Geometrie geformt:

ich schabe am mit der Kompassnadel am zitternden Leib der heiligen Mutter

und das ekstatische Fiepen schiesst aus der schwarzen Schale und lässt die Ohmmeter ausschlagen wie Fohlen:

als schriebe ich an einer Votivtafel für Laghet!

 

Und kein Rabe galoppiert die Ohrtrompeten hinunter oder die Abgründe der Lichtwürfe hinauf an diesem tauben Ort:

noch stiege ich krebsschrittig diesen salzigen Zinnen entlang

unter denen der Adamsapfel hüpft

als schälte ihn die Klinge einer Okarina –

und mit einem Schneckensprung

drei Viertel irden und ein Viertel linksgewunden

stehe ich am Apex und hing eben noch in der Gaumenwand.

 

Sklave des Gaumens IV

Diktatur des Staunens: Vor-Schrift

für eine Öffnung – und Gänse in ihrem Sträflingskleid

am Saum der Perspektiven: keine noch so zugenähte

Kluft vermag über das Kielwasser zu täuschen

das sein auseinanderstrebenden Knochen im Winterhimmel zeigt:

Hingabe von Luft in Passwörtern vor Vor-Toren

hinter deren Beulen im Ventilatorfauchen

an Zettelkästen-Ärschen geschnipselt wird

denen Zähne wachsen und niemand bemerkt die Kraft

für die ich Edison spiele: Stufe um Stufe und ohne Beschriftung

aufgestiegen in den geifernden Zenit mit einer Stimme

Eiterhell am Euter der Pannen straffe ich die Wangenwand

und sage noch nichts zu all den versorgten Gütern und wilden

Gerüchten: das übliche Gaffen soll mal überwiegen.

 

Und schrieb ich vorher vorher die zunehmende Stotterung

an der Baustelle oder auf der Kippe: niemand vergeudet mehr

Papageienschwänze die wie Schaitan blitzend

in die Verkabelungen fahren und meine Haut kabbeln lassen –

ich schenkte dir Namen wie kläffende Wunden

und aufgerissene Meere wie nicht fachmännisch ausgeführte Sturzflüge

und im Speichel meines Angesichts gähnt die Diktatur der Empirie

mit ihren Ärschen voller Karies blöd aus der Wäsche –

als weiteres Indiz für eine Öffnung: unaufhaltsame Entropie

in den Guschen gischtend und niemand hat die aufgeplatzten Sesamkerne

untersucht: der Mond über allem und ich blute

mit heliumheller Stimme und fasse ein Vietato

in Empire-Stuhlbein-Löwenblecken an – übliche Geizes-Raserei:

und der Berg geht zum Meer und das Heulen fällt aus den Wolken:

 

Der übliche Demagoge! Und ich schiebe die Lippen vor

bis in deine Buchten und ich öffne die Schere weiter

zwischen dem Staunen und dem Schilderwald –

willst du nicht suchen die Nesseln und Nelken

Kindchen? – und in der tropfenden Milch der Dämmerung

fasse ich die Leitungen und Perspektiven an

(wieder ohne Handbücher noch Daunenkissen!)

und schlucke ein ums andere Mal

als trüge ich den Krieg nach Karthago

die Arschgeigen und die Schleimhäute und die Passwörter

als teilte ich meinen Kopf in mich und dich und

während meine vorher-beschrifteten Wangen mit saugendem Geräusch

Schlundversuche anstellen und gleichzeitig sich

zugvogelhafte Sprachlosigkeit einstellt

als löse jemand das Problem der Diplomatie mit einem Zahlenschloss:

und die Knastbrüder wie Perlen im Hof aufgereiht

mit ihren Wimpern schlagen wie Gänse und ich 

in meiner eigenen Mundhöhle

in die nur du mutig die Zunge schiebst

auf der Suche nach dem üblichen Staunen

schicke meinen Pinochet vor

als einziges was vorgesehen ist und

springe mit ihm in der Wange über die Klippe und

klinge –

Rückkehr

Sklave des Gaumens I

Noch warten keine Wühltische auf mich –

die Preisschilder baumeln im  Ausschnitt –

windlos liegen die Kissen –

heisses Öl spritzt auf meine Schulterblätter –

 

mit geschlossenen Augen und zuckendem Mund

zähle ich auf

die restlichen Küsse

für das Weggeld.

 

Im Schatten eines fallenden Blattes und stolz

krümme ich mich über das Häufchen

und halte meine spröden Hände darum:

niemand spuckt auf dieses Wehr

in dem preislos baumeln

die restlichen Bilder und summenden Nerven

und in meinem Rücken ist Wind.

 

Die Haare eine Filzmaske und die Zunge eine Meerbrasse

messe ich den Abstand zwischen

Stationen und Ständen

mit Plastikrascheln.

 

Noch spricht man mich nicht an –

hört man nicht die stummen Kerzen meiner Zehen –

beugt man sich über die Auslagen

und die roten Rücken der Därme leuchten

im Gebet um Senf –

 

was für einen Ständer ich habe!

ich rolle ihn neben mir her:

angeschlossen an den milchigen Beutel

in dem wabert

halb Schorf halb Schleim

das restliche Wirklich und das nährende Eigentlich.

 

Noch warten keine Wühltische auf mich –

keine Hand liegt auf der roten Schulter –

die Preisschilder baumeln rastlos in meinem Schritt –

trocken liegen die Küsse –

und mein Zahnstein liegt ausgebreitet und trittfest

in den Lücken des Laufens

Rosung & Herzung

Ich bin deine Rosung und du bist meine Herzung.

Wir haben Umschwung: und rundum

Ist die Stille und die Mulden im Bett.

 

Die Beruhigung ruft mit barem Fuss

Nach deinen Rudeln von Küssen und

Nach meinem Handeln von Glut.

 

Du bist meine Herzung und ich bin deine Rosung -

Ein grosses Tun über den Bund

Hinaus in die Tusche des uns -

 

Wir treten aus der Schonung in die Waldung.

Aus: "Prokura"

Mitten im Schneckenklee führe ich dich ein:

oben und unten gleich lang und keine Draufsicht.

Entfernt erinnern wir uns an das sagenhafte Jucken.

Während Schluckmomenten hältst du die Handreissschiene wie ein Instrument der Ergötzung und ich unterm Reissbrett

überströmend von Speichel und Jugend –

und vergesse nicht die Gnadenlosigkeit der Ringmuskeln und

die Gedankenlosigkeit des Kehlkopfs:

ich höre noch das Schaben an der Zellulose in den Plicae transversae –

und ich denke an die gleichschenkligen Dreiecke im hellen Saum der Neonbatterien und deinen Gang:

eben zur Vertikale prokrustet und den Hals in einer Beflissenheit zur besseren Resorption der Stärke in kaudaler Pelikanhaltung –

ergötzlich sieht das nicht aus:

aber es ist still und ich vergesse nicht

es ist die Stille nach der Frage

(und niemand ist mehr da)

darum könnte es sich gehandelt haben –

ich hielt die Schablone fest in der Faust

als wäre mit Schluckstörungen zu rechnen

aber nicht einmal das schien mir gesichert

und auch erbrochenes Feuer möglich –

sah die den Plan falten: Haustrum um Haustrum verschwand er in deinen Händen und war am Ende

grad so gross wie mein Gesicht.

 

Mitten in der Schneestille führe ich dich ein:

ein kranialer Vorbote von Hernien und Reflexen.

Es gibt keine Amylase

die dir hülfe: und der Sphincter

ist selten Bestandteil der Show oder Schlagzeile.

Im blauen surrenden Licht konnte nicht vergessen werden

dass die Zirkel einer letzten Fliege nicht von deinem Einsatzzirkel gezogen wurden und ich

im Rachen der Korridore und im Rektum der Produktionslinie

die fluoreszierenden Botschaften der Lösungsmittel erspähte:

kein Auskommen ohne Verwindung –

keine Einkunft ohne Peristaltik:

und kein Vergessen ohne Strichliste.

 

Und doch ist Jucken eine Ergötzung:

lässt sich nimmer vergessen

auf den einsamen Spielplätzen der November –

lässt sich nimmer aussitzen:

ein speichelschimmernder gut durchbluteter Lappen des Lebens im warmen Brausen.

Ball

Der Ball ist im Lager: sattes Leder –

die Leber eines Hais oder ambre gris

und es taut in den Beckenbereichen der Grossmütter:

nur noch die eine Parade zur Vervollständigung einer strafferen Leihvaterschaft.

 

Andere Bälle unterliegen den Gezeiten aus rarifiziertem Trauma und unkostbaren Luftwegen:

sinken als wären sie geflüchtet in die eingedickten wärmedemmenden Schichten eines Totmanns.

 

Die Fatigue rollt über die Scherben des Stoffwechsels nicht unversehrt hinweg:

um ihre Gargantua-Knöchel rieseln die foie-gras-farbenen Würfel ungesättigter Wahrnehmung vor und zurück.

 

Vor und zurück: geballte hypnagogische Kraft

eingesaugt vom XX. Parteitag

ausgeschieden von Enola Gay –

eine Wiegenbewegung oh nichts anderes

ein Blick aus dem Schlafzimmer: die Grossmutter bauscht die blutroten Kissen und Decken über die am Abgrund versammelten Stühle und steht für Momente über dem Schwarzmarkt an der Friedrichstrasse und den kyrillischen Schildern –

und es taut in den Stempelmaschinen

("der Sprache nach war sie eine Russin")

und in der Errichtung des Potala auf dem vom Menstruationsblut verkrusteten Brustbein

und im Bergen des frisch geschlürften Asphalts (mit und ohne Abdrücke und Schneckenschleifspuren)

tänzelt die Zunge des Apparates in einer Art Glukoserausch über die Beschlüsse und Ausreden hinweg:

zum grösseren Wohl der Menschheit.

 

Und als die Menopause fällt in die ungeschlüpfte Kibernetik und in die ausgerollte Bannmeile der Blutsperren –

als die verstopften Kapillare bersten vor Gelbheit und die letzten Knorpel unter dem Druck sedimentieren

ist es an den Nilometern (und die uringelben und ringelblauen Eierschalen treiben wirbelnd obenauf) ihre Aufgabe zu erfüllen:

keine Weisung mehr und keine Glutaminsäure

kann das Seufzen der Menge dämmen –

denn der Ball rollt umgedreht

(immer noch von hartem Leder)

zwischen den Zelten hindurch und stösst eine Schneewehe um.

Drall

Denkt nicht an Frühling und an Äther –

an keine Rotstifte und Destillate –

an keine bronchiale Brachialphasen –

und mögen sich die Koordinaten auch blähen:

aufgesessen wird immer: Spulen wringen und

in von Estern angereicherten Grübchen

verdunsten Gepflogenheiten und laufen Vorsichten und Versprechen ein –

Sämiges Charadenmaterial für Bock und Zicke in den Spülkästen der Bildschirme:

kühl verwirbelt liegt es anders, russischer auf Bauchdecken und Karotidensträngen:

sto gramm im Frühling der Anschlüsse und rotgemalten Grenzverläufe:

Drüsenland lernt Vegas-sparen –

Glyptotheken voll durchsichtiger Süsse.

 

Eingebrannt in die dralleren Scheiben und vergünstigt um einige Aufmerksamkeitsspannen

und doch mehr als warme Luft oder andere Entenformen und Sommerlöcher

und den Behauptungen der Gegenwart näher wie IKEA-Anleitungen

lesen sich ganz unrussisch und

unvernebelt die schlichten Wülste der Unterwerfung unter die Druschina der ungesättigten Leibeigenen von ausgeblasenen Gottesnarren und auslaufenden Drehscheiben –

und kein Äther und kein Destillat:

lange Ketten von Äusserungen entstehen:

Neutralfette stopfen die kreisenden Anlagen von Gut und Böse –

Chimären in Form von Drudenfüssen und weltweit verbreiteten Luftschlössern

die schwer auf der Evolution lasten:

Anwalt-Ärsche und Stimmen für Potentaten.

 

Auf den Koordinaten die Ringe von Zucker

ausgerichtet von Kutschen im Sonnenuntergang und Unique Visits.

Und kein Frühling daraus und

kein Rotstift perforiert

Leichentuch und Stützstrumpf.

Haftungsausschluss

Haftungsausschluss: keine disziplinarische Antwort mehr

für ungebändigte Schienbeine und das gehäufte Schlucken von Kaffee.

Während des Schlitterprozesses gelingt in seltenen

Fällen eine sensomotorische Verstärkung des Taumels mittels

Bergung des Kopfes in den Achselhöhlen. Das Abstossen und gleichzeitige Erhalten des khakifarbenen Bolus

dem das Rollen abhanden gekommen ist

noch bevor er die Zunge an die obere vordere Gaumenplatte drücken konnte um den dafür angemessenen Laut zu produzieren

oder im besten Zusammenbruch anklagend in die Richtung des beschleunigten Leders zu blicken

diese beiden aneinanderhaftenden Handlungen

begleitet vom für den Schrei notwendigen Aspiration

eine also ganz unabsichtliche Aktion

angeleitet von Papillen und Schluckzentren und Gravitation

laufen automatisch und ohne Warnschilder ab

und ohne Rücksicht auf ein allfällig vorhandenes Ethos der Schliessmuskeln.

Das Produkt dieses Vollzugs aspiriert auf mehr als

Pflicht und Bändigung: es handelt sich hier um keine willentliche Verschüttung.

 

(Indes es durchaus als zulässig gelten könnte

in diesem Moment nach Münzen zu grabbeln

um Lösegeldforderungen oder Lockerungsübungen zuvorzukommen

ist hinzuweisen auf

die peristaltische Fortdauer

sowohl der Erschütterung als auch des Taumels.

Nur ein Boofke fände es hier gelegen

spurensichernd an Gummiabrieb und Spuckelettern auf Asphalt und Wangen zu lecken.)

 

Das Kartonschild auf Höhe des beschleunigten Leders ist zu beachten:

die Waschung des Perineums in den fraglichen Perioden der Entsicherung

wie auch die Häufung von Heruntergekommenheit

(allerdings ohne bekömmlicher zu werden)

vollzieht sich mit der nötigen Kunstfertigkeit.

Von Disziplin zu sprechen erübrigt sich.

 

Das Willkürliche dieses Ablaufs ist nur vorgespiegelt und

voraussetzungslos: ob es schmeckt oder nicht

nimmt er seinen Lauf. Morgens und abends

entspringt der Kloake die Mauerweisse und die Himmelsbläue.

Wenigstens unter den Schwingen riecht es nach dem Schweiss der tätigen Fingerbeeren.

Verzehrt vom Taumel: das Trauma vom Aufstieg.

 

(für Thomas Kunst)                                                                                                       

Sprüche des Guten Riesen XII

Ins Zeitliche hinausgeglittene

Formosa-Farm: in Blau eingelegte Türen

führen an den gelben Pool:

 

Die Fortsetzung von Lügen mit den Mitteln der Buntheit

im Bunde mit den Hosen der Futuristen und

ein wenig Milch der Ähnlichkeit.

 

Ich bin kein Mensch: bin ein Kirschenstein im

anbrandenden Cocktail der anstehenden Sprache

und verfalte die Pocporn-rupfenden Sklaven.

Sprüche des Guten Riesen XI

Die Gemüsebrüste vorgestemmt

erhebe ich meine Papillome

in die Herrlichkeit der Vermurmelung:

 

Es gibt keine bessere Tüte als mich

Es gibt keine weichere Dotterung als mich

Es gibt keine schleichendere Refektion als mich.

 

Die Salatköpfe auf Kniehöhe sind mir lieber

und die Hüpfer auf den kupfernen Mädels

beschreibe ich gerne als des Sitzleders würdig. 

Sprüche des Guten Riesen IX

Erzählungen in Apfelkernen:

Ein Haus im Wald mit Hungerschätzen und

andalusischen Absätzen.

 

Ich lege meinen Schoss in deinen Kopf.

Die Bissen liegen in den Magerungen:

Vom Süden armierter Argwohn.

 

Den schweissigen Nasenflügeln abgerungen und

den vom Grün verklebten Fenstern.

Und die Zeitrückstände sternen in die Zukunft:

 

Im Minimum ein Wort darum.

Sprüche des Guten Riesen VIII

Im stampfenden Grau schweben die Körper:

und die Büsche stemmen ihre Haut gegen die Luft.

Der Wagen der Wahrnehmung in ungekrümmter Rinne:

 

Das Haarnetz aus Hitze und Schweisstälern

über die Erinnerung an dich gebreitet

mit einer lichten Wärme und echtem Harm.

 

Wie ein schnelles Flüstern steigt aus dem unmittelbaren

Darm der Zeit mit all seinen Zotteln dein graues

geplättetes Gesicht aus dem Dickichtoval.

Sprüche des Guten Riesen VII

Sieh dich um: die zahlenmässige Ergebenheit

Aus nesselgründlicher Verlegenheit und

unverhindertem Selbstzweifel stellt

 

Wetterlagen in Frage und das Lachen der umstehenden Kinder:

die Unterlegenheit des Mannes und die Geburt

eines Knöchels volle blasenhaltiger Flügel.

 

Sieh dich nur um: die umstehenden Umstände waren dir

zu lange Unterstände und die fortgesetzte Gründlichkeit

des Brandes Ausrede vor der Ergebung ins umgebende Lachen.

Sprüche des Guten Riesen VI

Das gewandete Gesicht bringt die Nachtschatten

Ebenso zum Sacken wie die Argusmerksätze:

Eine Mühle mit Gegenwänden im Riechsalz.

 

Und die Fahrrinnen im Rücken nüsseln:

Ich bin nur die Botschaft der Brockenstuben und

Mirkosen. Das eingetütete Blütenheer

 

Springt auf die Zähne von Muttern und konzentrischen Kreisen

die zu wenden nur bedingt gelingt

wenn die Sternschwaden ihr Salz ins Glas mauern.

Sprüche des Guten Riesen V

Ich liebe die Kabeljau-Morgen:

Die Verkabbelung von unglücklichen Umständen

mit den untrüglichen Urständen der Netzhaut.

 

Die Crème de la Crème der Vereinungspflüge einmal ganz ohne

Rahmenabkommen und Erscheinslüge

über mein Unbilden-Herz ziehen:

 

Ich liebe die Steuerfüsse der Finken

und die Stempelsätze der Lilien

und die ungeschlagenen Schuppen der Prüfungen.

Sprüche des Guten Riesen II

Der Kaffee ist ein abtrünniges

Fest der Beutelungen: Safari

und Rizinus. Die Nüsse der Küsse

 

Traben über die Hohrücken

eines abgewandten Morgens

der langsam der Naht entlang einläuft -

 

Dann gibt es noch die Backpfeifen -

Aus dem glasgrauen Himmel

mit heller Stimme aufgerappelt

 

in die noch unverwandte Bitternis.

Draussen sein (ein Bahm-Gedicht)

Auch meine Mutter war so eine Pflanze, bei jeder Berührung oder Rührung verliess sie den Alltag,

Als flüchtete sie aus einem Stall, setzte sich in ihre Ecke, kratzte an ihrer Stirne herum, 

Mit vor wortloser Panik bebenden Lippen, als flüsterte sie mit der Erinnerung an ihre Entjungferung,

Und ich war ein Insekt in Winterstarre, um das man vorsichtig herumzutappen hat, 

Es könnte einen unvermutet anspringen wollen, auch wenn es beim Versuch bleiben musste, sagte Bahm

Und rieb sich das Kinn, ein Staubkörnchen, das sich ohne jedes äussere Dazutun zur Staubratte auswachsen würde,

Und ich stelle mir heute vor, dass sich diese Stille im Haus und im Hirn 

Wie das Kratzen von Bartstoppeln auf Seidenwäsche angehört haben muss, 

Aber ich habe nur Bilder im Kopf und kaum Geräusche, weil die Stille 

Ewig dauerte und elend machte, und als ich grösser wurde, begann ich

 

Zaubersprüche zu erfinden, über das kiesige Schweigen gemurmelte Bejahungen, wenn man so will, Flüche

Und vorauszusehende Hindernisse in die Sprache flechtend, Wäscheleinen und Stolperdrähte, und so, mein Lieber, 

Überwand ich die staubkörnige Ruhepresserei voller Dampfbügeleisendämpfen, nicht aber schadlos, lernte ich damit doch

Das Krakeelen der Poeten, und Bahm stimmte sein herrliches Lachen an, das ich so sehr vermisse,

Auch heute noch vermisse, ein Lachen ohne zurückgeworfenen Kopf, das erst nur ein Gluckern war

Und dann zu einer dröhnenden Brandung wurde, meine Kinder reden heute noch von dem Mann,

Der wie eine Welle lachte, lachte und sich dabei leicht nach vorne bog, aus der Couch halb aufgeschossen, 

Das spitze Gesicht wie ein Vogel über den Beistelltisch und die Gläser darauf geneigt, 

Oh wie ich die Stillen hasse, wie ihre Vorsicht, ihre Umsicht verachte, ihre schüchterne

Arroganz in der Bewahrung des Eigenen, des unbedingt allein Eigenen, des Kieselstein-Seelchens,

 

Die sich gegen die Zudringlichkeit von Welt und Ding zu wehren versucht, denn Welt und Ding sind,

Sie aber nicht oder noch nicht oder gerade eben gewesen, indem sie alles in sich aufsaugt, die Liebkosung und

Den Kuss, und gibst du einer die Hand, verschwindet selbst deine eigene, fleischige, anwesende

Hand im Nebel der Achtsamkeit, als sei auch sie Teil der Verletzung durch Leben und Mutter und Armut und

Lärm, Neutralisierung oder Ernüchterung durch Einverleibung, könnte man sagen, und natürlich

Können auch sie nicht ohne Worte, natürlich brauchen auch sie diese flatternden Zweige der Gegenwart, 

So praktisch zum Aufflug, die billige Sprache der Draussenheit, aber für sich, aber für sich, nur

Im Umklammern der Wortbitzen, die sie im Kauern und Harren in der Stille und Winterkälte

Aus ihren enger werdenden Herzen klauben und wie Perlen sanft an ihren Schössen reiben,

Nur im Behalten der weiss-schleimigen und doch steppen-trockenen und unfruchtbaren

 

Einsprengsel, gleich einem verhegten Hag, im Erhalten dieses geringen, dünnen Impulses

Gewinnen sie etwas Eigenes, so glauben sie, etwas Eingesickertes, das sich in ihnen wnadelt

Zu kostbarem tiefen Lebensdrang, doch nicht hinaus wollen sie dann, sondern noch tiefer,

Noch schmäler und ferner wollen sie vordringen, und immer ohne Schreien und ohne Prahlen, denn ihnen

Ist ja alles Prahlen, alles Schreien, und so schwanken sie wie Jotams Bäume hin und her, 

Auf dass der Bocksdorn sie berge, dieser struppige, ruppige Kerl voller Einfälle jenseits

Von Vernunft und Traum, der überall wächst, ungepflegt und ungehegt, wild

Wie die Wutwörter, die sie in keusche Säugwörter abändern, der überall wächst, der Dorn, wachsen und schwanken

in seinem feurigen, trockenen Schatten, draussen gegen ihren Wunsch, und ich weiss nicht, was sie fürchten,

Denn hörte ihnen jemand zu, müsste sich die Welt ändern, gäbe es kein Draussen mehr. 

Das Hervorbrechen

Die einen proben

Das Hervorbrechen der Sonne aus dem Nebel 

Mit Mitteln 

Die aus ihren Engen

(Aus dem Überdruck)

Bisen gegen den Sargdeckel 

Stemmen oder im Januar

An Geräten ihre Oberarme und Bauchmuskeln

Stählen gegen die sanfte Zudringlichkeit

Der 10’000 Tröpfchen 

Aufgereiht zwischen den Hügeln 

Oder im November mit dem Versinken

In Ohrensesseln und dem Ringen der Hände

Und dem Klauben an ihren linierten Stirnen oder hängenden Mundwinkeln 

In der gleichen Absicht wie die Bisen- und Gerätedrücker

Mit einem Mittel der Gewalt 

Mit einem Brecheisengebet 

In einem Aufbegehren 

Auf den Zehenspitzen 

Nach Stärkung 

Nicht aus sich —

 

Die andern üben 

Das Hervorbrechen des Nebels aus der Sonne

Mit Mitteln

Der in ihnen keimenden Ausdehnung

Der in ihnen herrschen Ausdünstung

Im Versuch der Trübung aller Aussichten

Im Versuch der Beschlagnahme aller Ansichten

Mit einem Mittel der Bestäubung und Annahme

Oder in den Heften Schritt für Schritt

Schriften der Benebelung oder in ihren Wanderungen

Durch die Winternächte das Undeutliche

Deutlicher zu verfassen in einem Aufbegehren

Kniefällig mit geballten Fäusten 

Nach Stärkung 

Nur aus sich — 

Gehobener Schatz

Ein maler beschreibt wie er eine japanische mit den kalligraphien einer freundin auf der Pariser mülldeponie sucht
Da steigt dein bild in mir auf aus der nacht und ich hatte alles vergessen und sogar meine träume steigt auf aus meinem traum von der eigenartigen farbe deines gesichts und der scheuen mutwilligkeit deines lächelns
Und ich versuche während mir der metallische und saure reiz von müll in die nase steigt nicht mich zu erinnern
Das wäre wie die suche des malers nach der rolle mit kalligraphien seiner japanischen freundin vergebliche liebesmühe
Aber doch den fahlen anschein der orte im traum
Immer die gleichen: der kiesige Strand eingeklemmt zwischen mauer und turm die leicht abschüssige wiese vor den ebenerdigen balkonen und das unendliche dickicht danach das zum versumpften fluss führt
Und dein gesicht im traum von dieser eigenartigen farbe die sonst der haut der rothaarigen eigen ist eine art schilffarbenes licht
Das ich nie berührt habe und nie mehr berühren werde und ich sehe aus dem zugfreister 
Den reiher mit eingezogenem hals auf dem reifacker stehen während mein nachbar mich in die rippen stösst um bequemer zu sitzen und entweder ein sehr seltsames parfum trägt oder sich einfach wieder mal nicht gewaschen hat heute früh
Und ich könnte das gesicht nicht beschreiben ausser den zarten krähenfüssen und den tiefer werdenden lachfalten um den mundwinkeln die du damals und im traum nie hast
Und doch bewegt es die dampfenden Komposthaufen und die schutthaufen der geschichte meiner seele bis auf den kalkigen untergrund
Der vermutlich auch einfach aus dreck und scheisse geformt ist
Und ich fühle die trauer aufsteigen die freudige trauer darüber dass
Liebe nie vergeht und ich 
Wenigstens wenn ich das schwitzen eines hartkäses sehe
Eines Cantals zum beispiel mit seinem rosamilchigen grobporigen fleisch
Ein wenig von der essenz und der konsistenz deines gesichts und des traums heraufrufen kann
Und ich öffne das buch nochmals und begebe mich auf die suche nach dem wort aus dem bericht des malers
Über den verlust der rolle mit japanischen kalligraphien seiner freundin
Das dein gesicht nur für kurz gehoben hat
Aus dem gewirr und gewimmel
Unter all den vergessenen und vergessenswerten gesichtern meines lebens. 

Turnstunde II

Ungeschenkte Puppengesten

Arretierte Wendungen

Ägyptische Sprünge — 

Harte Zeiten für Balken. 

 

Die Halle brüllt. Das Lachen wird

Jetzt gestanden. Hier fliegt nichts.

Das keine Fortbewegung. Das it

Stante pede. Der Balken ist nicht das Problem.

 

Die Füsse löffeln das Holz. 

Im Gebrüll der Halle dieser Körper

An der Luft angemacht. Die Verse

Oder das Brett das Magnet

 

Genug für jedes Kunststück?

Aber die Streicheleinheiten für 

Hart geprüfte Balken wie Blitzlichter

Durch das Gebrüll der Halle — gehalten

 

Wie ein gestopfter Kauz im Kinderzimmer. 

Die Strenge der Mundwinkel glänzt

Violett ungeschmertz überm 90-Gradwinkel der Arme.

 

Das Lachen überm Balken ist die Übung. 

Nochmals Fluchtverse

IV

 

Wenn du unten bist

Kennst du nur 

Den Schmerz im Nacken 

Und das Weiss der Augen — 

Dein Kopf voller Kleinstgeld

Das zu zusammezuzählen

Noch nie gereicht hat. 

 

Die Arbeit zu tun

Die andere nicht schert weil

Unerträglich und uneinträglich — 

Letzter Hochmut und Ehrentitel

Für Leber und Darm — 

Dein weisser Elefant zerdeppert Geschirr

Dem niemand anhängt — 

Kostbarer als alle die Geisterfahrten 

In den Vorstandsetagen Verhandlungsritualen und Mitarbeitendengesprächen — 

Und keine Kontoflipperei

 

Und doch wenn ich jetzt heimlatsche

Kein Bier im Eisschrank

Und nicht die Spur einer Möse im Bett — 

Und die Freiheit von Maggi — 

Mehr nicht als die Geisterfahrten

Des Ganzen als Nichts faltenlos oder 

Der Zwiesprache mit den 

Denaturierten Lettern 

(Danke Herr Fauser) — 

Und die Salzflecken auf blauer Decke

Und die leise Moosluft mit Tomatensaftduft. 

 

Die Zimmerfahrten ohne konkrete Vorstellungen 

Aber viel Absichten mit ohne Inneneinrichtungen — 

Ein Strip Hoffnung und ein Strip

Ganz natürlicher Mittellosigkeit plus die Prise

Arschleckerei und Schulterzuckelei und die 

Scheppernde Notlüge der Bürgerlichkeit und darunter 

irgendwie lahme intellektuelle Arschbombe

Der nichtbedürftigen Prinzipienkackerei…

 

Wenn du unten bist

Lauter wortsäumige Zimmerfluchten

Und Fusel wie Sangria 

Und du denkst

Mit deinen weissen Augen

Und deinem steifen Nacken

(Dem einzigen steifen und dem einzigen weissen an dir)

Wenn du noch denkst

Wenn das noch Denken ist und du

nicht schon nur noch

Grünen kannst unten 

Unten lässt es sich auch

Leben aufm Sunset Boulevard

Der enlausten Egoficks. 

 

V

 

Und irgendein Arschloch oder

Noch so ein Arschloch 

Läuft mit der Aufschrift rum

Vivre la vie à tout moment — 

Mit einer Visage

 

Wie Kotze in der Steinenvorstadt. 

Fluchtverse

I

 

Billiges Bier in guten Dosen

Vereinzelte Socken und Teigwaren

Mit vielleicht sogar Käse. 

 

Das flüchtige Bisschen

Anschein. Numismatik mit

5-Räpplern. 

 

Messingtage. 

Fleischkäsehemden.

Brunnenwasser.

Schrittchen zum nächsten

Ende. Gebrauch von Nichts

Für Wiedernichts. Geratewohl

Einer Blüte aus einer Null. 

 

Dafür — das Nein

Erübrigt sich von selbst:

Wahl gibt es keine — 

Absichten und Zuversichten. 

 

II 

 

Das nächste Ende kommt schon 

Nur keine Bange. Der Gürtel ist rund. 

Nicht der Fakt. Solange du einen

Roten Heller hast gibt es ihn. 

Das ist der Fakt. Schau ihn gut an. 

Mehr gibts nicht zu sagen

Oder fühlen. Das Netz

Exisitiert für den Anschein

Nicht wirklich mehr und doch 

Gibt es diesen Staub aus dem Kies

Leicht aufzuwirbeln — 

 

Und das Kies

Das die Ameise pflügt

Ist leichter als 

Die Räppli darin

Von der Fasnacht

Übrig. 

 

III 

 

Wenn du unten bist

Kennst du nur 

 

Diesen Schmerz im Nacken. 

Wie hinter einem Haus

Gleichzeitig und im gleichen Raum

Erreichbar wie die Miene im Spiegel

Geschlossen wie ein Blick durchs Fenster

Mit Worten aus meinem Maul

 

Ein schabender Schatten im Gesicht

 

Ernährt von dem genauen Traum

Unscharf wie an Türen die Riegel

Entrissen dem geglückten Monster

Und eigen wie damals Saul

 

 

Wie rasende Matten unterm Schritt

Theorem vom Gutsein

Ein Maibrot bitte!

Und schön zwischen die Schenkel!

 

Das tat gut: eine Faser noch

Vor dem markerschütternden Stoss

Hinab in die enthüfteten Angeln

Einer Anklage — das gleiche

Wiederholt sich: mit einem rauen Berg

Aus Gaumenfreuden und Gummi-Astern.

 

Und diese Arschbombe hier?!

Die altgewohnte Salamitaktik der ausgefransten Mittelpunkte —

Ein Scheit zwischen den Tomatenbeeten. 

 

Das tut gut: eine Weile braucht es nur noch

Für die Herstellung einer neuerlichen Perspektive:

Ein mächtiges Lachen von unter der Erde:

Pakete verschnürt mit Bändern 

Aus Regenwürmern und Nachsendungsaufträgen.

 

Und dann die Gefährten aus Nörgelfluh 

Und die Furze über semitropischen Mikroskopen:

Ein Wurf über die Ähren hinweg

Zur Besserung der Polkappen — 

Ein Martyrium von gestapelten Teppicheskapaden

Und gestaffeltes Panzerglas für das gleiche Kommisbrot

Auf das ich die Margarine der Sanftmut verstrichen habe. 

 

Und nochmals: Danke für die Blumen 

Und die Tomatenhaut unter den Nägeln

Die langsam zu sehen beginnen —

Arme um die Knie geworfen

Etikette drauf und ins Regal damit.

 

Das wird gut: ein Biss genügt — 

Mit dem Korn im Auge erübrigt sich

Auch das Kauen — erstickte Präzision

Und irgendwo links unterm Ohr 

Ein treffender wenn auch nicht gezielter Stich.

 

Ein Maiboot bitte und schön

Diese pomadigen Gleitsichtferngläser

 

Wie hüftlose Frauen…

Weiter!

Schleppe den Eigengeruch

Weiter — ein hüfthoher Stumpf:

Mondauge im Hartland.

 

Das Kratezen von Wolle auf dem Torso.

Flug von Tinte im Dickicht. Flehe mich

 

Weiter an: ein Buch

Weiter weht der Wind

Fotografisch durch die Saiten

Des Steins — Milagro am Damm

Und die Schöpfung des Papiers.

 

Die Katzenhitze auf der Trasse

Und der Finger am Lehmbeutel — 

Die gekappte Wunde aus Eigentum

Und Eigenmut davon geflösst

 

Und in den Bergen

Vor der Eishärte

Lass ich im Stich

Den Vater und anschwellen 

Unter der Verzweiflung der Mücken

 

Bis an die Baumgrenze 

Und drüber hinaus weiter

Eingedenk der Sandsäcke

Die sich rächen

In der gelben Ebene und bis

Zu den harzqellenden Wipfeln —

 

Der Eigengeruch lässt nicht

Wünschen — kein Schmelz mehr in der Stimme

Oder Essig zum Trost für den Vater nicht einmal

Im Himmel der sich zum Dunkeln auftut

 

Fehle weiter dort oben

Astlochsterne im Endlager

Weiter schleppen

Die abgehackten Buchstaben 

Ins Hartland der letzten Eigenheiten

 

Vor dem Ausfall der Lichter.

MEGA SUPER SPAR REISEN (eine Instinktsicherung)

Mega Super Spar Reisen (eine Instinktsicherung)

 

Instinktsicher

Herrchen und Hund beim Spaziergang

Im effektiven Verlauf

Offensichtlich präzise Signale

 

Präzisierung: Bedeutung noch lange nicht

psychopathisch

verdeutlicht Grafik

 

Turbulenzen

von Psychopathen bevölkert

typisch instinktsicheren Herrchen mit Bedeutung

und Konjunkturdaten und 

temporären Phasen

entsprechen noch lange nicht der Realität

der grossen Unsicherheit

 

Und beim Spaziergang

verrückt und typisch

Turbulenzen

 

Präzisierung: 

Instinktsichere Turbulenzen

offensichtliche Bruttoinlandprodukte und 

effektive Verläufe

 

Die Konjunkturdaten (Präzisierung)

und Turbulenzen (Präzisierung)

Die effektiven Verläufe (instinktsicher)

und grossen Unsicherheiten (instinktsicher)

in temporären Phasen:

Herrchen & Hund beim Spaziergang

 

Es will gehen

wohin will es gehen

mit der grossen Unsicherheit

verrückt offensichtlich und instinktsicher

mit präzisen Signalen 

und von Psychopathen bevölkerter Bedeutung

mit Spaziergang der

 

noch lange der Realität nicht entspricht.

Ein Hauch

Ein Hosendeutsch ist

in Stuhlkreisen anzuordnen.

Heisst aber nicht

Gitzifüsse mit Stirnhöhlen 

Würzen. Heisst vielleicht

Arschzirkel nicht länger

abführen heisst zu

sammeln sammen in

Kürzerer Schürze die über

Dem linken Hosenbein einige

Spuren von Dialekt behalten hat. 

Die Stühle schiessen von unten 

herauf grün und braun und gelb

und Hotzenplotz wird wieder gebraucht

in solchen Fällen wie auch 

die silbernen Schuhe oder 

die Uhren für die Kanäle 

dorthin wo der Dreck her

und die Marmeladen schweben

und her und hin ergeht: das Deutsch

in Hosen ist ohne Wolken

nicht zu verflüssigen:

Stockernst und steinhart

ein dichtes und gut belegtes Aufatmen

wie weiland Mutter in der Küche oder

Der Lautsaum des Hastens im Gedicht. 

Medea VII

Ich klinge schon wie ein Bahnhoflautsprecher.

Auf meiner Platte

Kreist der abgeschlagene Schwanz. 

Der Schatten zieht weiter

Über die Scheibe voller Trippeln.

Die Bruchstelle hinterlässt 

Abrieb wie Lippenstift 

Auf all den Fräulein-Spiegeln.


Der Schwanz zuckt noch wie mit dem Kopf!

Der Drache in all seiner Niedlichkeit

In den Scherben auf dem angehaltenen Steinfluss:

Das Bitten im Blick hat immer gewirkt…


Das Kitzeln ist unerträglich —

Meine Ansagen donnern

Durch die schattenlose Halle…

Über dem Füsseln bin ich

Wie der zischende Stromabnehmer.


Der Chor der Fräuleinwunder tritt bellend an

Deine geschmeidige Ankunft zu loben. 

Ich sitze im ungerührten Schatten

Während deine Züge sich winden

In den Spieglein — irgendwie mechanisch.

Noch klingen meine erkalteten Platten

Von deinen ersten Schritten: es raschelten

Deine Sohlen wie Gummi auf Asphalt.

Was dir vom Schatten bleibt

Ist nicht die Ankunft: es ist

Das Eilen. Und die runden Gesichter 

Der Spiegel zeigen dich noch immer

Von hinten: die roten Lichter

Locken in die Warnung. Meine Stimme

Donnert mit ihren Ansagen

In einen heuchelnden Asphaltsturm — 

Und alle meine Sätze beginnen mit: Du

Ich habe ein Problem… Und der Schwanz

Abgefallen dreht seine kopflosen Kreise.

Der Splitt knirscht unterm Schatten

Im Zirkel der Gepfählten:

Aufscheint im Streifenglanz der Jalousien

Der einzige Finger: Richtung Spiegel!


Tief unter dem Aufklang

Und untektonisch und unendend

Rollen die Köpfe wie Nadeln

Warnend und weich wie 

Lippenstift oder Ziegelweg

In die Fräulein-Mörser…

Über dem Stösseln bin ich 

Wie der knirschende Kalk der Zähne.


Wohin mit dem Stürmen?

Die Hydraulik deiner Ankunft

Pfeift auf den Schwanz von Geschichten!

Meine Stimme wie ein Bahnhoflautsprecher

Rumpelt wiedergängerisch im Bauch

In den Licht fällt wie Blitze

Durch die Stiche der Gummihülle —

Wohin sage ich wohin

Durch die Splitter 

Bis zum gelben Kies der Spiegel?


Mechanisch zuckt der Schwanz

Auf meiner dunkeln Platte

Unterm Schatten

Der mit Licht verlegen

Und aufsteigt wie ein Signal 

Im Gesicht des Fräuleins

Lange hinzüngelnd. 

Wie eine Wache in der Nacht

Neben der ich liege

Sie ist krank

Unversehrt & krank

Sie funktioniert nicht mehr

& die Ärzte sind hilflos: finden

Weder Ursache noch Wirkung.

Zum Zerreissen gespannt

Zum Zerplatzen gefüllt. 


Neben der ich liege 

Verwirrt & müde

Sie ist mein und geht voran

Ungetäuscht & wach — 

Die trockenen Augen wie Frösche auf mich gerichtet…

Alles Ungestüm hat mich verlassen wie die Ratten auf dem Schiff:

Es gibt keine Rückkehr mehr

Es gibt keinen Anfang mehr.


Neben der ich liege 

Sie wird nicht schlafen

Die ganze Nacht & ich

Halte ihren heissen Körper 

Mit meinen Fischhänden…

Die sie nicht mehr erträgt & von sich schiebt…

Ihre Augen 

Erfüllt von Angst & Bitte

Ihr Leib

Gespannt vom Ostwind

Diesem weit herkommenden Schrei nach einem Joch —

Alles hält mich hier 

Neben ihr. Sie wird nicht

Schlafen noch träumen. 


Neben der ich liebe

Sie ist der Grund für mich

Sie ist das Resultat für mich —

Meine Augen flattern & schwinden & ich habe

Nichts mehr zu sagen. 

Ich denke nur an Schlaf.

An den weit offenen Fenstern klebt 

Schweissdunkle Schalheit

Laute Unbewegtheit…

& ihre schwarzen Augen blenden mich

Was mein Gott ist unter ihrer Schale?!


Neben der ich liege

Sie will mich halten 

& ich schmecke das Salz ihrer Wangen —

Oh könnt ich nur schlafen!

Mich in die Arme des Traums werfen

Weg von ihr & dem

Was kommen wird

Was mich hilflos ausliefert dem

Was mein Leben wird

Über uns die flackernde Fahne der Dämmerung.

& der Traum löst sich von mir 

Mit dem Geräusch eines aufgeweichten Blatts

Das entzwei gerissen wird. 

Hitzefrei

Der Kalender ist aus Hefe.

Die Sonne scheint auf seinen hellen Bauch.

Es wurde Zeit

Die fingerbeerengrossen Abdrücke

Die der Frühling hinterliess

In seinem taumelnden

Ich-bin-der-Dingsbums-Lauf

Aufzuschwellen. Jetzt

Darf geweint werden

Gibt es kein Halten mehr…

Zur Verdeutlichung der Korruption

Dient der mondhelle Bauch des Kalenders.

Hier wird in die Hände des andern gespuckt

Die ballistische Kurve der Sommerzeit

Als Jabobsleiter der Schwarmärkte:

Wirkliches Dingsbums ohne Schnickschnack

Bye bye Heideröschen! Und dann:

Hallo? Ist da jemand?

Ach, die übliche winkende Hand

Die niemand sieht ausser ein paar Apotheker!

Doch nein an jedem Strand

Ist er schon der Bauch

Der aller Definition spottet

Aber nicht aller Versicherung.

Was für eine Freiheit auf einmal!

Anzüge & Suppenküchen stehen Spalier

Für Frauenbeine & goldenen Glanz im Glas…

Was für eine Revolution!

Die Kinder alle gefressen — 

Im Rumpeln wird aus das

Klar wie Klossbrühe. Hm.

Und ich schiebe

Meinen Lineal zur Seite

Mit dem ich die Schwangerschaftsstreifen

Zu begradigen versucht habe.

Es wurde Zeit ja das wurde es

Die Hefe ist warm wie die Achselhöhle.

Der Kalender

An dem bisher alles hing

Wird gleich platzen. 

Ich sauge am Finger und denke

An nichts ausser an

Einzelne Seiten

Aus der Wüste Atacama.

Kolostrum

Und plötzlich fliesst es.

Das ist dunkle Milch

Die nach Erde schmeckt

Und nach Stein. Ein Schluck Öl.

Die Brust öffnet sich 

Weit wie eine Wunde

Ungeschlagen & ungeschöpft.

Halme spriessen und kitzeln in der Kehle.

Das Schlucken

Ungelernt

Ist noch kein Gurgeln.

Das kommt hoch. 

Das kommt noch:

Nur Geduld. Erst mal

Sich die Lippen lecken

Als hätte man sie verbissen —

Die Zunge stösst hervor 

Wie die Dornen im Wind. 


Es fliesst. Dämmergelb. 

Doch auch Schlamm leuchtet auf in sich:

All das Leben

Unsichtbar & im Werden

Jetzt wie ein Tanz im Schoss des Zwielichts —

Und bitter munden die Gerinnsel

Die zuerst heraustreten:

Die Zunge streicht wie eine Faust an der Feder

Über die Brust: saugender Schmerz

Schöpfender Kuss. Dämmerung fliesst

In der Kehle

Körnig & Korn.

Es spriesst & sticht schon.

Bald ist die Rede ganz unmöglich. 

Was es ist (Inventur)

Es ist nicht was es ist

Es ist nichts

Es ist nicht

Es ist was es nicht ist


Es ist gratis

Es ist notwendig

Es ist Nabi

Es ist nutzlos


Es ist Lagos

Es ist Asphalt

Es ist masoretisch

Es ist Butter


Es ist sühnelos

Es ist Lack

Es ist Wagen

Es ist Marder


Es ist Muckis

Es ist Murmeln

Es ist Koho geri

Es ist aber


Es ist Franse

Es ist das Stahlauge von James Stewart

Es ist Wald

Es ist Amen


Es ist Nutria

Es ist wagen

Es ist Lagenübung

Es ist blöder Fuzzi


Es ist Diensthabender

Es ist Genussschein

Es ist kaheksa

Es ist Muttern


Es ist apokryph

Es ist Albertine

Es ist Stallung

Es ist Kyrie


Es ist Gazelle

Es ist Wallung

Es ist fussen

Es ist natürlich


Es ist Transe

Es ist Herr Meier

Es ist näher

Es ist Schwäher


Es ist leer

Es ist Lack

Es ist Laminat

Es ist Porsche


Es ist polygam

Es ist Markus

Es ist wahrscheinlich

Es ist Nukleus


Es ist bucklig

Es ist Genuflexion

Es ist Scham

Es ist nur


Es ist Schur

Es ist müssig

Es ist russig

Es ist Lukmanier.

Sauls Rechtfertigung

Moment Mal! Ich

Bin der Verfolgte. Ich!

Verbrenne im weissen

Feuer. Ich bin doch nicht

Verrückt! Ich zucke hier

Am Boden 

Nackt und doch bin ich 

Mensch — ich singe nicht

Wie der andere weil ich

Zögere. Ich zögere

Weil ich Sinne habe und

Sinne. Nicht auf

Macht wie der andere —

Auf Güter nicht

Auf Güte und

Blankes Entsetzen. 

Ihr Gaffer! Blutsauger!

Habt ihr noch nie einen Nackten gesehen?

Noch nie Begeisterung verspürt

Den dunkeln Atem des schwarzen Feuers

Das ihr gelegt habt

Unter meinem Arsch?

Dahingerafft von Folgsamkeit

Abgeschlafft in Aufschau — 

Und ich wälze mich

Unten. Steif von Verlust und Frust.

Ausgesogen jetzt.

Sinnt mal! Lasst euch mal

Nicht bespielen. Kalifornien ist nicht

Gibea. Die Frohbotschaft

Ist kein Lied — die Frohbotschaft

Ist ein Leid. Mir hat sich

Die Salbe ins Gehirn gebrannt.

Mein Geist ist Feueratem der Güte:

Haltet die Hand vor das Maul!

Er ist Seuche — Freundlichkeit 

Ist nur auf seinen Lippen

Den brennenden Lippen

Aus Wahrheit und Untat.


In meinem Rücken haben sich 

Die Steine losgesagt und losgelöst

Und rollen in die Tiefe… 

Unten ist auf dem Berg. 

So ist es. Jetzt bin ich

Ruhig und warte

Auf die Armee der Philister.

Ich bin Opferlamm. Das bin

Ich. 

Fusion (für Sofia)

Heiss ist es - 

Schmölze jenes

Ohne jenes kalte

Berechnende?

Alles ist nass -

Rächte sich jenes

Schmelzende am kalten

Berechenbaren?


Im Rachen steigt Dampf

auf in der Betonblume:

Hera dein Auge strahlt.

Nichts ist fest - ändere dich!


Porqué mi gusta la fiesta

Si me gusta la fiesta

A mi


Herbst ist es - 

Wie alt sind die Finger

Der Pappeln zeigen in den Himmel

Ohne Asche und Brand.

Gleise gleissen grade.

Zaun ist es - 

Stacheln wie Kreuze

Wie Sommervögel

Aufgespiesst. Ruhe.

Keine Menschentrauben.


Die Ernte ist Schlaf. 

Dieses Land gehört der Werst

Und nicht dem menschlichen Tritt.

Nichts ist plan - ändere dich!


Porqué mi gusta la fiesta

Si me gusta la fiesta

A mi


Peinlich ist es - 

Zum Wegrennen ist es.

Alles schwillt auf.

Das anders - bin ich. 

Eklig seid ihr - 

Planarien! Vorstufen

Von mir und Zerr-Arien. 

Ich bin kein Streuungskoeffizient!


Du mein Okapi

Halb Giraffe

Halb Bardot

Nichts ist schön - ausser du änderst es. 


Porqué mi gusta la fiesta

Si me gusta la fiesta

A mi

Niemand hat mich gebeten 

Niemand hat mich gebeten

Das Eigene unter die Kumme zu stellen

Und doch hab ich’s immer getan - als ob Schwellen

So hoch wie Augen mich hinderten! Gellten

Nicht Motoren und wehten

Die Flaggen nicht rot vor der Nase und schellten

Nicht Zungen im Unterholz? — 

                                                         Komm in das Helle


Komm ins Helle, Kulak!

Das Kummt ist bereit und der Pflug kann nicht warten!

Was lappst du aus fremdem Geschirr! All die Fahrten —

Und wer war zuletzt denn jeweils der Genarrte?

Immer zählt dein Geschmack!

Und wer war der der mit gesenktem Gesicht still verharrte;

Der Disteln gekaut hat aus höherer Warte?


Aber hatt’ ich nicht schmerzen

An Nase und Nacken? — 

                                         Was sind das für Farcen!

Als schwäng’ ich Muletas im Auftrag der Parzen! —

Der Staub der Arena erfüllt meine Lungen!

Komm! Befühl meine Kerzen! — 

Und plötzlich und aufheulend hast du gesungen! — 

Ich bringe das Joch nicht zurück in das Schwarze…!

Nicht mehr in die Stadt

Edi wir kommen nicht mehr in die Stadt —

Schau dir diesen Schneehaufen hier am Bahnhofsausgang an:

Das ist ja nur noch ein Haufen aus Kies Abgas und Dreck

Und dann die vielen Kinder

Die ihre Kehlen leeren

Ich denke manchmal Eid

All das Gas das ihnen entweicht

Denn sind ihre Schreie nicht nichts anderes als Abgas

Erhöht die Wahrscheinlichkeit des Klimawandels

Und ich beginne nicht mehr an Al-Kaida zu zweifeln

Und dann schau mal Edi

All die Mütter und Väter 

Die aussehen wie mit Raupen überfahren

Haben wir denn etwa auch so ausgesehen Edi

Sag mal und schau nicht immer zum jungen Fräulein rüber

Sie mag ja Brüste haben dass es in ihrer Bluse tätscht und klöpft

Aber sie hat eine viel zu weite Hüfte

Eine Hüfte wie ein Kühlschrank sage ich dir

Wie ein Kühlschrank —


Eid sag wir gehen nicht mehr in die Stadt

Die Frau dort drüben

Kämmt ihren Hund mit den Fingern

Und reisst ihm dicke weisse Haarbüschel aus

Die dann irgendwann und irgendwo einem asthmatischen Jungen in die Luftröhre geraten

Die haben doch heute alle Asthma und Allergie und Ritalin

Nicht wahr Edi? Und da wundere ich mich ja nicht

Mit all den Abgasen die der Föhn heute so schön verbläst

Wenn da nur nicht die Blätter und Stecken wären

Und niemand liest sie mehr zusammen

Die finden doch in der Stadtverwaltung auch niemand mehr

Der nicht aus Mauretanien oder Libyen oder Syrien kommt 

Und zum Putzen neigt

Also schau ihn dir nur an Eid 

Der steht mitten auf der Strasse 

Und redet und redet mit jemand am Telefon

Dass du denkst er müsse die ganze Strasse von wichtigen Entführungen oder Geiselnahmen informieren

Ist doch klar dass es dort

Wo der herkommt

Weder sauber noch ordentlich sein kann

Wenn der so lange telefoniert

So jetzt kommt dann gleich der Bus…

Edi was machst du? Komm jetzt!

Du musst doch so einem Penner nicht einen Zweifränkler geben

Hast du nicht gesehen wie der gelaufen ist und was für einen Mund er hatte

Der hatte ja eingetrockneten Schaum auf den Lippen 

Was der sich einverleibt haben mag also ich weiss nicht 

Und hast du das Mädchen da gesehen da drüben sitzt sie

Die hat ja gar keine Socken an

Und man sieht das Bildchen auf ihrer oberen Pobacke… 

Eid schläfst du oder wie

Unser Bus ist da ja lasst doch 

Die Leute erst aussteigen 

Und drückt uns nicht so zur Seite

Herrgottnochmal Edi

Wir kommen nicht mehr in die Stadt

Hier in dem Bus haben ja die Einkaufstaschen mehr Platz

Als wir alten Leute… 

Ist es nicht so Edi? Edi? Sag doch mal was. 

Skarabäus

Mein Körper ist bereit.

Jetzt wird gerollt. 

Das Bord hinunter —

In die Senke wird gerollt. 


Das ist kein Ausweg

Kein Ausweg mehr — 

Jetzt wird in die Hände 

Auf die unterm Kinn

Eingeklappten Hände gespuckt.


Was für eine Verschwendung war der Tag!


Ein letztes Zucken

Der Nervenenden:

Jetzt hat sich’s ausgeguckt!

Die Mulde ist näher gerückt. 


Das ist kein Lauf 

Kein Wettlauf mehr — 

Der Stutz wird immer steiler

Das Rollen immer schneller:

Unterm Lidflittern gibt es keinen Körper. 


Verschwendung ist der Tag!


Wie lange ist der Rand

Auf den ich mich lehne

Wie in deine Hand und kaum

Weiss wie mir geschieht…


Ich habe keine Neigung

Keine Neigung mehr — 

Bin die Neigung! Und da

Unten ist das Becken 

Nur um weniges näher gerückt. 


Was hast du dich verschwendet an den Tag!


In Augenhöhlen schwimmen 

Die letzten Dinge. Verlassen

Wie eine Grube

Liegt der Körper:


Das ist kein Mensch

Kein Mensch mehr — 

Das ist ein Transformator

Ein überirdisch

Wandelnder Blindmull…


Was für ein Geröll hat der Tag da zusammengekarrt!


Die Spannung ist unerträglich

Unmenschlich - da wird

In den eigenen Graben gerollt!

Die Traumwürmer recken ihre augenlosen Enden.


Das ist keine Arbeit

Keine Arbeit mehr — 

Eingerollt in den Muskovit

Den Kopf in die Schiefe und in die Hand geneigt:

Nimm an die Senkung und die Senke!


Dieser von der Spucke des Traums verklebte Tag!

Und hier bin ich nun

Und hier bin ich nun:

Wie die Dornen der Rose

Abwärts gerichtet. 

Ein einziges

Starres

Glotzen.

Von oben

Von der Leiter meiner Gegenwart

Sehe ich dich

Laufen

Immer wieder 

Ihm zu laufen

Mit fliegenden Haaren

Lachend wie eine Möwe

Mit ausgestreckten Händen

Auf ihn zu

Laufen

Und ich kann wie damals

Meinen Blick nicht davon abwenden… 

Und gleich darauf

Kaum hatte er dich aufgefangen

Und seine Blicke trafen meine Blicke

Über deine Schulter hinweg

Sehe ich 

Von hier wo ich nun bin

Mit meinen Ader-Augen

Diesen Instrumenten zur Weitung der Wunde

Die Höhlung deines Gaumens

Und nicht meine Zunge ist es

Die darin spielt wie Leviathan

Ein Geschrei wie Kies

Prasselt daraus und spritzt

Bis in mein Herz

Das noch jetzt

Leise rasselt

Von dem Splitt dieses Schreis

Und von hier

An diesem steilen Gestade der Zeit

Über das ich krieche 

Und wende ich den Kopf

Sehe ich seine Augen immer noch 

Wie Steinschleuderschlingen

Und deinen Mund der dieses Gesicht zerreisst

Zu einer Vulva der Ohnmacht —

Herrgott!

Weshalb wende ich den Kopf

Weshalb schaue ich hinunter

Als sei ich Orpheus?

Mit einer Geste des Schmerzes 

Zerschneiden die Dornen mir

Im Aufstieg die Kleider…

Was für ein Klageweib bin ich

Geworden! Und meine Stimme

Hat nichts von deinem Lachen

Bewahrt das wie Schneeflocken

Zu mir heraufschellt. 

Nicht hören

Du willst es nicht hören.

Nicht nochmals. Und überhaupt

Das ganze Selbstdarstellungs-

Ding! Du kannst es nicht

Hören. Nochmals wäre

Das Ende. Doch das sage ich dir:

Das Atmen des Gegenübers

Dringt wie Teppichklopfen

Rasch und kurz

Bis an dein Ohr. 

Höher fast schon biergelb sprühend

Und du sagst

Prustend

Ringt das Warten um die Arten

Mit Basedow’schen Augen

Von ergänzten und

Gänzlichen Aufgaben —

Alles eine Sache der 

Eigenherdung und Eingemeindung. 

Nicht nochmals kann es geschehen

Dass hinter dem Plastik der Platitüden

Den Armen auf dem Rücken

Den eröffneten Drüsen

Die Schulterblätter sich

Rotierend lösen. 

Störe mich nicht. Die Darstellung dessen

Was in mir klopft

Wie das Aufheulen eines zurückgeschobenen Stuhls

Nimmt alles

Was auf die Haut des Ranzens passt

Über den Scharten 

Die meine Beschläge geschlagen

Mit in die Keller der Eigenheit.

Du kannst hören weder

Die Eigenwerbung

Die im Gaumen der Wörter platzt

Noch die simpeln wenigen Takte

Aus Ehrlichkeit und Strenge. Du bist

Wie die Luft

Die aus den Schildern der Ventilatoren

Sauer und fade

Stammt. Alles

Was in dich tropft

Wie das Aufbäumen eines zurückgezogenen Kalkvorhangs

Ist hier drin. Die Glocke am Hals des Tiers

Klingt weil seine

Hörner es nicht können. 

Du kannst nicht länger

Bis an das Tor

Meiner Gegenwart 

Horchen! Ich bin eines Vaters Geist

Hinterm Schädel der Intentionen.

Stimmt alles? Küss mich jetzt

Auf die Stirn

Wo es schmerzt: 

In die Falte 

Die sich öffnet

Wenn ich dich 

Sehe. Und ziehe nicht

Am Reissverschluss 

Unseres Rendez-vous. 

Der Rest (Hamlet)

Mit den Bewegungen

Die ich gewagt und vermocht

Verbleibe ich. 

Wenige — eine Kollektion aus

Präzision und Zufall.

Eingeklemmt zwischen 

Ehgraben und Augenliner

Aussenständen und Ehekrise.

Ein verquerer Haufen 

Aus Vaseline und Wasserköpfen.

Die Wüste durchquert 

In diesem ehrlich

Konstellierten Seesack.

Einige wenige markante

Knochen im Viehgatter.

Ich raufe mir die Haare.

Die wenigen Bewegungen

Sind allen durchsichtig:

Konsterniert und vertiert

Schnappe ich nach Luft

Die wie ein Schneeball 

Meine Lungen füllt. 


Du hast dich doch

Gut erhalten

Sagen manche.

Ja konserviert

Antworte ich. 

Das kommt davon

Dringt ihre Stimme durch die Membrane

Das kommt davon

Wenn man

Die Kröten im Hals

Zu Worten macht 

Und umgekehrt. 


Die letzten Bewegungen

Unterm Schutz der Wirklichkeit

Werden allein

Der Bedeutungserweiterung 

Dienen. 

Empfehlungen (an einen Schweizer und an Schweizer Erzähler)

Du musst nicht hinausgehen:

Du bist ein Schweizer. Vergiss es nicht.

Du bist nicht wirklich. Du hast die Gicht:

Du kennst doch nur die Nähen!


Du musst nicht noch mehr flehen:

Du bist ein Schweizer. Vergiss es nicht. 

Du bist beweglich. Begrenz dich nicht. 

Du kannst überall nähen. 


Herrgott! Vergiss es! Lass dich doch fort!

Besitzest niemals das Eigne - trenn dich -

Die Frauenröcke dort wehen!


Und aufgebrochen der Schweizer Hort

In Floskeln-Schonung. Geh jetzt endlich!

Spürst du nicht auch hier Wehen?

TIXE I

Du bist verändert. —

Das ist erst der Anfang:

Ich zehre mich auf.


Ich bin in einen Zustand geraten — 

Ich unterbreche mein Lachen 

Wenn ihr geht

Und hebe es dort wieder an

Wenn ihr kommt

Wo ich es habe steigen lassen

Egal

Ob ihr euch noch erinnert

An den Witz oder die Geschichte

Je erlebter umso erfundener.


Meine Visage erblüht 

Wie jene Rose 

Die eine rote Robidogtüte ist

Im Knopfloch der Geschäftsfrau.

Ihr junger Pitbull erwürgt sich fast

Um an meinem Schritt zu riechen. 


Du bist verändert. —

Das ist noch nicht das Ende:

Ich nähre mich selbst.


Ich unterbreche meine Wanderung nicht

Die eine Wandlung ist —

Wie der ausrangierte Bürostuhl 

Auf dem anfangs Strassenarbeiter und Schulkinder 

Ihre Drehungen vollführten und irgendwann

Muss seine Lehne einen Knacks gekriegt haben

Und ist hoffnungsvoll nach hinten gekippt wie jemand

Der den Himmel besser sehen möchte

Aus dem ihm der Regen ins Gesicht prasselt

Aber er blieb einsatzbereit der Stuhl

Sitzbereitschaft nennt man das wohl

Noch im ersten Schnee

Wanderte aber die Strasse hinunter

Verlor dabei nach und nach seine fünf Rädchen

Und steht jetzt nachdem eine Krähe

Ihren Schnabel oder eine Katze

Ihre Krallen daran erprobt hat

Halb ausgeweidet

Wie ein Himbeereis mit Rahm

Mit ein paar Hundekotsäcklein

Unter einem zum Schutz eingezäunten Nussbaum

Und lässt sich immer noch drehen…

Hat also immer noch

Etwas zu verlieren… 


Du bist verändert. —

Ich suche den Eingang zum Ausgang

Und wehre mich nicht mehr

Gegen den Khat

Auf dem ich kaue

Seit du anders bist

Als ich es mir wünsche —

Gegen die lehmbittere Ankunft dort

Wo das grüne Licht 

Wiederweltlich

Anzeigt das Knospen 

Das zu erbrechen

Nur mir gegeben ist. 


Jenes Knospen das

Knorpelweich wie die Fleischhaut der Baumnüsse

Dem Zermatschen unter meinem Schritt

Widerstrebt 

Während meine Kinnladen noch zittern

Lüstern und flügellahm

Vom Weg der Dinge. 

14 Dinge, die man sich weder verdienen kann noch muss

Die Vertrautheit des eignen Kindes

Und die Liebe der eignen Eltern

Und die Zuneigung dieses Freundes

Und die Träume die nicht altern


Die Erleichterung durch das Pinkeln

Und die Schönheit der Frauen-Waden

Und das Wachsen des Krauts in Winkeln

Horizonte die immer faden… 


Das Vergehen der Zeit

Die Gesichter im Denner

Das Harren des Baums am Rain


Das Gespräch mit dem Penner

Und der plötzliche Fall des Reims

Und die Leichtherzigkeit. 

... wie

Ein Gedicht brennt

Wie Salz auf trockenen Lippen

Und die Stücke der Erdnüsse in den Mulden der Backenzähne

Lassen den Mund weiter wassern

 

Ein Gedicht brennt

Unfertiger geht’s nicht

(Wie ein leeres Bücherregal)

 

Wie die vollen dunkel behaarten Unterarme einer schönen Frau

In deren volles dunkel umkräuseltes Gesicht man nicht blickt

Weil die eine Handspanne entfernten Knie beredter sind

In ihren vollen Konturen und ihrem vielversprechenden Plot

 

Ein Gedicht brennt

Wie Frühstückskrümel vom Samstagmorgen auf der Haut des Sonntagmorgens

Wenn deine Frau herüberlangt in einem Verlangen

Aus Hygiene und Verzweiflung

 

Und man drückt es hinunter

In den sich regenden Schritt und die beginnende Glut

Errötet auf den Backenzähnen

Und wartet ein Verglimmen oder ein Erschlaffen ab

Auf dass man die Anzeichen zu sehen und lesen vermöchte

Vakuum III

Hier ist’s nicht dunkel.

Aus meinen Astloch-Pupillen

Schlüpfen die Falter

Mit ihren bärtigen Schnauzen.

 

Dort oben — Körbe.

Enthalten Sätze und Hüllen

Die ich mir sage

Als ob sie kämen von Lao Tse.

 

Ich höre Stimmen von Käuzen.

Hier bin ich nage

Am Stein als Extremophiler.

Wenn ich nur stürbe!

 

Ich schreib in himmlische Flöze

Nur mit dem Spaten.

Du blickst: Sirenen erfüllen
Mich mit Gefunkel.

Einmal einen Satz sagen

Einmal einen Satz sagen wie

Ich brauche meine Freiheit. 

Meine. Freiheit. Schiere Unmöglichkeit 

Dieses Satzes. Ich bin vierzig. 

Will heissen die Kindheit liegt vor mir.

Wieder. Vor. Mir. Scheuheit

Bindet uns in diese Umstände

Korrektur band mich in diese Umstände

Und wir bandagieren unsere 

Eigenen Erwartungen

Mehr noch unsere eigenen 

Vorstellungen von dem 

Was uns zu erwarten hätte

Da draussen jenseits der

Schaukeln geraubten Küsse verratenen Freunde und 

Gerade diesseits der schwellenden Brüste und Klöppel

Mit ungestümem Gleichmut und veränderungsloser Gleichzeitigkeit

Mit Sicherheiten und Wägbarkeiten.

Scheuheit und noch etwas. 

 

Die Feigheit beginnt da wo du vergisst

Dass du selbst über alles nachdenken kannst

Und das bereits Gedachte und in meinem Fall

Gesagte annimmst als gehörte es 

Zu einem Code d’honneur 

Gewisse Fakten 

Die als Fiktion gelten

Nicht auszusprechen

Weil sie als Fiktion gelten 

Beginnt da wo du auf der geplatzten Lippe deines Lebens

Noch Salzreste findest die dich an den See erinnern

An dem du mit geschlossenen Augen

Und mit offenen Türen entlang gehst. 

 

Es gab einen Moment 

Den ich verpasst habe

Als die Mädchen noch lachten und

Einem nachrannten weil man ihnen

Die Mütze vom Haar gerissen hatte

Und ich erinnere mich gut an diesen März

Und das Mädchen stürzte sich wild lachend und keuchend auf mich

Und war schwer schwerer als ich dachte

Und wir fielen auf den schwarzen Boden

Der noch mit Kieseln bestreut war

Und ich riss mir davon die linke Wange auf beim Fall

Kiesel gruben sich unter meine Haut

Und es gab jenen anderen Moment

Als man sie im Schwimmbad erblickte

Wie aus den Versandkatalogen und Revuen

Die ich auf der Toilette durchblätterte

Ohne zu wissen was genau ich fühlte oder zu fühlen hätte

Als man sie erblickte und nur noch Schrecken empfand

Ob dieser ausgiebigen und defensiven Schönheit…

Auf dieser Ebene zwischen diesen beiden Momenten

Die nur ein Spalt ist im Bewusstsein oder in der Wahrnehmung

Aber ein Abgrund im Handeln und ein Sprung in der Zeit

Und es waren die gleichen Mädchen

Und wir waren die gleichen Jungen

Auf dieser Ebene steht immer noch

Unbestimmt und zwinkernd 

Der Wetterhahn des Alltags

Den wir ja wir aufgerichtet haben dort

Als könnten wir uns nach ihm richten.

 

Waren wir nicht alle einmal wie die

Die nach Westen zogen

Einfach nach Westen zogen

Auf dem Oregon-Trail

Obwohl wir uns fühlten wie die Cherokee

Auf ihrem Tränentrail?

 

Einmal einen solchen Satz sagen wie

Alles ist möglich. Ich sage ihn nochmals

Alles ist möglich. Denn ich möchte so sehr

Nach Oregon. Ich bin gar nicht 

Erwachsen. Ich kennen alle Vorstellungen

Die wie Verbände uns hemmen

Alle Erwartungen die wie ein zu weites Gelände

Vor uns liegen und uns nachdenklich stimmen. 

Die Ränder der Schablonen dieser Welt sind bläulich abgefahren

Die Tiefen der Schubladen dieser Welt sind gräulich angefüllt

Und wir sollen die Ränder den Amerikanern überlassen 

Oder ganz einfach den andern und in der wogenden Mitte

Mit den andern Bisons brüllen wir sollen den andern 

Die es nicht gibt ein Mythos sind sie diese anderen

Alle sitzen sie in der vagen Mitte gut ich gebe zu

Manchen ist die Achse gebrochen oder sie haben den Wundbrand

Aber nochmals wir sollen den andern 

Den Schritt an den Saum der Wirklichkeit 

Erlauben und uns mit der fadenscheinigen Socke des Alltags 

Zufrieden geben die man ja nicht sieht im Schuh drin?

 

Alles ist möglich heisst nicht

Alles ist erlaubt. Aber erlaubt ist

Was möglich ist und vieles ist

Möglich wenn man nicht mehr 

In den Schubladen wühlt und nicht mehr

An den Schablonen leckt als seien es 

Briefmarken. Meine Freiheit

Heisst nicht Flucht und doch

Haben wir verlernt den Staub 

Von den Füssen zu schütteln

Freunde. Die Kindheit ist nicht mehr

Gestern. Die Jugend ist schnell

Wie ein Regentropfen verspritzt

Obwohl wir eine mächtige Sintflut 

Gewesen sein müssen alle zusammen. 

 

Ich komme mir ein wenig wie

Der verfluchte Feigenbaum vor:
Woher weiss er noch dass er ein Feigenbaum ist?

Epilog zum Zyklus "Vakuum"

Ich brauch

Dich. Bist Blase

Und Rauch.

Ich emphase

 

Dich. Bist Blase

Und trugst mich

Mit Emphase

Und schufst mich.

 

Du trugst mich

Schwarz im Haar

Und schufst mich

Gleich Gefahr.

 

Schwarz im Haar

Und Rauch

Gleich Gefahr.
Ich brauch…

Vakuum VI

Ich-der-Astronaut

Geschützt in seiner

Aura-Atmosphäre

Nähere mich nicht

Der Aussätzigen

In ihrer knöchellangen gelben Pelerine

In ihren Militärstiefeln

Die hinter sich herzieht

Ihren zweirädrigen Einkaufswagen

Und mir bis zur Brust reicht. 

Ich nähere mich nicht.

 

Mein Einsatz dauert an.

Ich werde ihn nicht verspielen.

 

Die Züge der Menschen 

Erfüllt wie ein sturmgeschwollener Strom

Kuhfladenbreit

Mit Schubladenkinnladen

Stehen mir bis zum Hals.

Ich sehe ihre wutlos-weisse Lippen

Bewegen wie Messingscharniere.

 

Ich trete nicht ein.

Nein das tue ich nicht. 

 

Ich-der-Infektiologe

Unter-Gummi

Beruhige meine Atmung.

Ich erinnere mich nicht mehr

An das Zischen der Schleusen.

Die Ohren schmerzen.

Und der Himmel stürzt mir entgegen. 

Hier flappen die transparenten Türen bereits in Streifen

Wie Algen in mein Gesicht. 

Der Streuselmutterkuchen zerbröselt unter den Nägeln

Die abgeschabte Haut flockt in den seltenen Vers der Freude

Das Elixir der Scham gluckert im weit verzweigten Röhrensystem

Der Destillationsapparatur

Und die Beschlagenheit der Silben kristallisiert sich in den Fieberkurven aus Grossomodo und Quasimodo

Und ich sehen mich so sehr nach 

 

Mary — wo bist du — Mary!

 

Meine Narben sind die Kiemen meiner Sehnsüchte nach Entwindung

Und die Nähte verwachsen über den umgedrehten Gelenke. 

In dieser Provinz kann man sich nur noch betrinken

Vor dem Kauplus schwanken und den Wetterbericht auf diplomatische Frequenz- und kolchosrestliche Atmosphärenschwankungen abhören:

 

Wir alle sind Waldbrüder! 

Waren es…

 

Ich-der-Gallige

Nuckele an der Brust der Eigenliebe

Stille die Furcht

Mit dem Schall der Unbedenklichkeit ihrer Höflichkeit

Und die alte Damen mit dem Helm-Haar und den Mühlstein-Augen versteht nicht

Das Mahlen meiner Kiefer noch 

Den Öl-Sirup meiner Antworten.

Der Hass zerfällt in seine Genome 

Die mich in der Kehle kitzeln.

 

Ich würge an der kurzfristigen Kost der Menschlichkeit.

 

Ich-die-Wiederaufbereitungsanlage 

Jurassischer Instinkte

Verschüttet unter den Verschickungen des Intellekts 

Überfaltet vom Kalkgestein der Liebeswürdigkeit

Von Gräten und Knorpeln lyrischer Beharrlichkeit

 

Ich-der-Steher

Mit dem Traum vom Seher…

 

Ich-der-Kellner

Unter meinem Schlips und meinen gants-gallants

Schnecken-Wickeln 

Öffne meinen Schritt 

Wo mein Feuer-Zeug

Funken-springend

Klickt und lösche eure Kandelaber an

Unterm Schemel der Zivilisation — 

Die Druckwelle stösst mich durch die Drehtüre 

Manschettenlos und ohne Zweifel noch Phantasie

In den Tümpel des Tempels 

Wo ich im grünlauen Wasser treibe

Und in meinem Mund eine Libelle wächst…

 

Als ich die Augen öffne

Häutet der georgische Wein

Die Kröten in meinem Hals.

 

In aller Deutlichkeit 

Erkenne ich den Mann mit dem Schnurrbart

Der mich anlächelt mit seiner Zuvorkommenheit

Mit seinen märchengrünen Zähnen und sich bückt

Um in einer seiner roten Taschen

Nach einem Plastikmythos zu wühlen

Mit dem er verkleiden könnte

Die Mitteilung vom Wetter

Die Botschaften des Gesunden Menschenverstandes

Die Bekömmlichkeit des Dialekts. 

 

Irgendein Halli-Galli wird mich schon noch einfallen

Bevor sie den ersten Schritt hinter den 101. Kilometer getan haben

Und aus dem Weichbild ihrer Dorfstädte hinausgetreten sind 

In den Permafrost

Vor die Palisaden

Meines Garnknäuel-Biotops.

 

Bis der Anblick deiner Gestalt

Den Harm auflöst

Den ich mir angetan habe und antue

Wie den Helm eines Omon-Mannes
In Lächeln und Charme. 

Vakuum IV

Ich habe schon lange nicht mehr gesprochen

Vermutlich noch nie. Es ist auch unmöglich

So zu sprechen: die Handgelenke irgendwie

Hasenartig angewinkelt und mit dem Kopf

Verständnisvoll die Horizontale auslotend.

 

Und hebe ich meine Augen voller Befürchtungen

Sitzt du mir immer noch oder schon wieder

Gegenüber und wartest auf ein Wort von mir

Das weder Zitat noch Wasser auf die Mühlen mehr sein kann.

Die Jute der Sandsäcke hat die Wangen blutig gekratzt.

 

Sitzt du mir mit deinen Robbenaugen

Und deinem steilen Kinn gegenüber und

Ich picke die Brosamen der Vergebung auf sie sind wie

Kiesel und wische mir den Schweiss von der Scheibe

Und verschmiere die Pollenpaste darauf nur noch mehr.

 

Und ich blicke in dein Bergsteigergesicht. 

Ich habe lange nicht mehr gesprochen und jetzt

Gebe ich dir mein Schweigen wie eine Wiese.

An diesem kühlen Morgen hebe ich den Arm und
Rieche darunter. Ich bin schon nicht mehr menschlich…

Vakuum

Nichts entweicht. Schlängeln.

Gedränge: eng wie Haut.

Nah-dies-nah

Hilft auch kein Verhängen. 

Die Winde zischen wie Ventile.

 

- Sie hält die Spannung hoch und denkt darüber nach. 

- Du musst ihr die Zeit lassen.

- Hat sie mir denn die Zeit gelassen?

- Sie muss dich erlernen.

- Das ist doch eine verdammte Freakshow!

- Sie ist 40, vergiss das nicht.

- Reflections outside the Buckingham Palace, my ass!

 

Die Nussreife wie Hände

Gefaltet: ist nicht heute?

Die Reife als Vorstellung eines Räderwerks

Vom innern Aug und von innerer Uhr exkrementiert.

Hier kauere ich im Gebüsch, warmbackig. 

 

- Dort war sie weniger ausgeglichen: Auf den Boden gehockt und Sitzstreik. Sie sei müde. Heim wolle sie.

- So grosszügig wie sie ist, so egoistisch kann sie manchmal sein.

 

La mondiale du huis clos!

Der Teufel steckt in den Dichtungen.

Flatterjahn auf Silver Johns

Schulter. Die Mutter aller Kriege

Findet im Streben nach Metall statt.

 

- Jeder nennt jene Ideen klar, die den gleichen Grad an Verwirrung aufweisen wie die seinen. 

- Das ist Proust, oder?

- Hm-hm.

- Trifft den Punkt. 

- Nicht wirklich, aber verpasst der Chose ein schönes Mäntelchen.

- Jeder nennt jenes Leben depro, das den gleichen Grad an Heiterkeit aufweist wie das seine. 

 

Ein anderer bricht immer die Brücken ab.

Wir nähern uns Herbsten an. Ernst

Ist die Hölle! Die Scheiben verklebt

Von der Fliegenscheisse der Blicke und der Ideen-Spucke.

Die Reinigung erfolgt klinisch geprüft und automatisch. 

 

- Er will nicht mehr.

- Kann er denn noch?

- Wenn er voll ist.

- Dann bringt er’s noch?

- Bis zur ersten Feuchte.

- Und dann steht er auf dem Schlauch?
- Stumm wie ein Grab.

Aus: Wirrwarr-Poem

Heute gegen zwei Uhr morgens hatte ich einen Traum, von dem ich aufgewacht bin.

Einer dieser Träume, von denen wir ahnen, dass sie unser Wesen, unser Eigenstes erfassen und ausdrücken.

Ein Traum voller brutaler Sexualität oder sexueller Brutalität,

Ich könnte nicht sagen, was darin brutaler war als die Sexualität oder sexueller als die Brutalität.

Im Zimmer war es dunkel, ich war schweissüberströmt und

Bekreuzigte mich, wie ich das nach solchen Träumen immer tue, betete ein Vaterunser,

Ohne Ruhe finden zu können. 

Mein Glied schmerzte vor Steifheit.

Alles, was ich denken konnte, 

War geschlechtlich,

Schwellend-weich und

Schrecklich rosa. 

Ich versuchte, mich mit nochmaligem Beten zu beruhigen. 

Ohne Erfolg.

Kein Spritzer des Traums war mehr übrig. 

Ich wusste, ich hatte etwas Fürchterliches getan. 

Nicht geträumt, getan. 

In dieser Nacht demütigte mich mein Glied, es definierte mich.

Ich gleich es. 

Ich befriedigte mich selbst. 

Dann konnte ich wenigstens einschlafen, aber mein Ständer war noch drei Stunden später noch nicht erschlafft, als ich erneut erwachte. 

Was nur kann ich geträumt haben?

Hatte ich meine Tochter vergewaltigt?

Hatte mich ein ausserirdisches Wesen geschändet?

Hatte mich meine erste Liebe erstmals überhaupt geküsst?

Hatte ich mit meiner besten Freundin geschlafen?

War ich endlich zu der Frau geworden, von der ich träume?

Weiss der Geier.

Doch muss ich davon erzählen

Erneut eine Zitrone auspressen

Die schon andere gedrückt haben und wie sie
Auf ihre desinfizierende Wirkung hoffen…

Zürich

Wie aufgespritzte

Lippen umfasst sie

Den See.

Wie die Karrosserie von

Limousinen blinken ihre

Flüsse.

Wie Krokodilleder-

Taschen blähen sich ihre

Fassaden.

Wie Dollarnoten

Grünen ihre

Wiesen.

Wie die Highheels

Einer reichen Ophelia recken sich ihre

Schwäne. 

Wie die Glätte von Boulevard-

Schlagzeilen ihre

Gesichter. 

Wie die Türkishaare

Des flutenden Hahnenfusses ihre

Gedanken. 

Und wie gedämpfte

Beilagen gutbürgerlicher Küche warten

Die Weiden und Eichen und
Zedern. 

Abendstimmung: Das Schiff

Das Schiff heisst

Della Pietà.

Es fährt den Fluss

Hinauf und hinunter -

Einen Kilometer flussauf

Einen Kilometer flussab —

Röhrt und klatscht

Und die Wellen

Schlagen hart

An die Ufer

Auf dem Enten

Ruhen.

In dem Moment

Da der Motor leiser wird und

Fast verstummt

Ist die Wasseroberfläche

Wieder glatt. Dann

Heult der Motor wieder auf.

Die Enten lassen sich

Ins neblige Uferwasser

Gleiten.

Was ist

Was ist denn?

Kannst du noch sagen

Was gut ist

Was bejaht

Ohne es

Und

Trotz deiner Freiheit

Freiheit zur Wahl

Umzuwenden —

Die Glätte und Rundung der Vokale

Zu versteifen und aufzurauen

Bis zum stumpfen Laut —

Musst du das Heute denn

Häuten und seine Haut

Nach aussen gewandt

Der Vergangenheit entgegen

Halten?

Ist es denn Wagnis

Die Zahl auf der Münze

Für die Figur darauf

Aufzugeben

Da sie doch

Wenn auch abgewandt

Bleibt?

Was ist’s denn

Das dich in die Arme

Von Einsamkeit und Verzicht treibt?

Schickst du nicht

Die Suche statt der Flucht

Vor?

Entwendest du dich

Der Zukunft?

 

Du sagst

Die Ewigkeit ist im Heute

Zusammengeschnurrt

Wie eine Hundeleine

In der Hand des Herrn…

 

Ich sage

Erinnerst du dich

Wie wir aus dem Fluss steigen wollten

Und du die Dornen und Nesseln scheutest

Die seine Ufer bewachsen…

Liessest dich treiben

Bis zum Kiesstrand

Viel weiter unten

Trotz deines Wadenkrampfs…

 

Du aber sagst

Selten ist das Herz geworden

Das ich mit meinen Kindern gefüllt

Das ich meinen Kindern mitgeteilt

Das ich meinen Kindern fälle.

Sehnsucht

Hinter Scheunen und Ställen

Hinter Garagen und Industriemehrzweckhallen

Unter Hochstrassen und Traktorauffahrten

Auf Autobahnraststätten

An Abhängen von Ufer-Serpentinen

Auf abgezäuntem mit Busch und Kraut überwachsenen und Baustangen markiertem Gelände

Auf abendlichen Baustellen und nächtlichen Bushaltestellen

In den Hecken von Autobahnabfahrten

In den kleinen Nachtigallen-Wäldchen am Stadtrand von Catanzaro

In den Reusen nach der Flut und in den Rechen kleinerer Wasserkraftwerke nach der Schneeschmelze

In den Gepäckwagen der Obdachlosen

In pubertären Kinderzimmern

In den Auslagen osteuropäischer Kioske  —

Die Sehnsucht nach Inventar:
Aufzählen — Tief aufzählen!

Scheidung II

… Il faut cultiver notre jardin…

 

Es gibt nichts anderes

Es gibt nur das Wandern

Der Zustände. Die Enden

Wenden sich gegen uns

Legen die Fäden bunt

Um unsere Schultern

Stirnen und Sinnen.

Es gibt keine Räder:

Es gibt die Ränder.

An ihnen die Kräuter

Mit ihren Samenkapseln…

Alles fällt und wendet sich —

Alles andere

Gewandtere und Gewandetere

Wird sich erweisen als

Labyrinthen-weglos

Verhindert-reglos.

 

Die Wiesen leben

Bewiesen neben

All diesen Reben!

 

Es gibt keine andere

Kultur deren Kontur

Grenze ist und Mitte.

Du bist ein Komtur

(Vulture of culture)

Gehoben aus Gründen

Deren erworbenes Leid

Gewoben aus Bestand statt Bedarf —

Und in dem Rinnen

Von oben herab und in die Hand

Wie das rollende Kies im Strand

Deines Mundes und Grundes

Liegt kein Bäschele und Häschele —

Es gibt nur das Kippen hinüber

In neue Gruben: extrem tot

Extrem lebendig — und dann

Der kreisende Fall des Blatts

Ganz anders als das Ausdrehen der Münze

Als gäbe es nur dieses

Hinauf im Aufwind des Rabatts

Im Aufwind des erdschweren Rabatts…

 

Auf der einen Seite des Zauns ist

Ordnung

Auf der anderen Seite des Zauns

Nicht.

 

Du schulterst einen Zaun

Und hackst rechts und links

Du faltest einen Raum

Damit du nicht versinkst —

 

Es gibt nichts anderes

Es gibt nur das Sprengen

Der Umstände. Die Engen

Drängen uns entgegen

Als könnten sie erheben

Ihre flachen Brüste wie Flügel

In dem Wind unserer Ordnung —

Und Fäden des Regens

Ziehen an unseren Schultern

Füllen den Kelch unserer Stirnen

Streifen den Humus von der Sinnenglatze —

 

Ja — du: verwischende Gischt!

Im Auftrieb wirst du

Schuppen-mannigfaltig —

Gott in vielen Stufen

Ein Gehänge von Rufen…

Doch nichts hält auf

Die Entwertung der Traube im Wein

Des Glaubens im Keim —

 

Umschlinge nur deine Schlingen

Umzäune nur deine Zäune

Umkreise nur deine Weisen!

 

Erst wenn der Garten einer Rippe gleicht

Die ausgebleicht ihren Brustkorb

Ins Azur klafft und klaut —

 

Die Wiesen grünen

Bühnen der Kyniker:

Die nichts verdienen…

 

Es gibt keine Mahnung

In den Minen der Ahnung

Und des Blattes:

Die Tat ist Grenze

Berührt im Schwänzeln

Die Mitte. Die Ritte

Auf den ungesagten Ästen

Gestatten einen Aufflug

Über die Schippe der Zäune

Hinüber zum Schäumen der Bäume

Hinüber zum Schimmern der Scherben

Oben auf den Mauern. In den Schluchten sterben

Die Helden. In Bälde

Zähmest du Havarien

Marisken und Leistenbrüche

Beben und Geben. Die Streben

Der Gruben rächen sich an der Last

Mit Nachgeben: all die Knoten

Aus verschobenem Leid

Aus gehobenem Neid

Aus erhobenem Schneid

Aus zerstobenem Gebein…

 

Erst wenn der Garten einer Rippe gleicht

Die ausgebleicht ihren Brustkorb

Ins Azur klafft und klaut

Wird die eine Seite des Zauns

Die andere Seite des Zauns

Annehmen: erst wenn

Alle Wege

Freigesprengt sind

In verknoteter Ausstielung

Von den Wurzeln des Unkrauts

Von den Tropfen gebläht wie Segel

Während das füchsische Schwenken

Ihres Blütenstandes

Die nahen Weiten

Stempeln. Hochkrempeln

Hochkrempeln die Vorhänge

Die nicht zu beweisen…

Scheidung I

Lachszug der Person

Stromauf!

Stromauf!

Jede Schnelle

Mit ihrer Narrenschelle aus Furcht und Hoffnung

Horizont und Fassung einer Person —

Stromauf!

Stromauf!

Ins Reich der rollenden Steine

Der unaufhaltsamen Leichtigkeit einer Strömung

Ins Reich des ewigen Eises

Einer Persönlichkeit

Deren kalbende Inkarnation und Erneuerung

 

Glazial fruchtreich ist. 

Endliche Hortensien

Der Saal zu meinem stiernackigen Verlobungsring

Der bald schon kahl einem bussfertigen Absalom harren wird

Beschreitet keine Entwicklungsschritte mehr 

 

In Richtung auf die samtenen Zoten der Wurzelkäfige

In denen hummerliche Nackedeien der Ahnung eines Grusses

Nachspüren ohne jedoch in der Schönheit der Momente

 

Anders als unwürdig metallen furztrocken und sturztrunken anzulangen —

Ich bete für die Werte der pharisäischen Götter

Die in Kasematten die Wahl treffen für oder gegen


Eine Gesandtschaft an den Hof der europäisch-furtwänglerischen Hortensien. 

Apologie der Xanthippe

Der Mann arbeitet nichts heisst

Er verdient nichts während ich

Kind um Kind rauszerre

Aus fremden Frauen.

Sein Geschwätz hilft jenen

Die nicht denken — 

Allen. Mir nicht. Ich

Ziehe Gören gross

An deren Rauszerrung ich nicht beteiligt war

Wasche seine ständig verschmutzten und in Unachtsamkeit an den Marktständen zerrissenen Umhänge

Und ziehe nächtens

Im Schatten seines Schnarchens

Neue Unfrager heraus

Aus den fruchtbaren Frauen

Deren Männer von ihm

Denken geheissen werden.

Dächten sie

Was würde aus ihm?

Was würde aus mir?

Da sie aber nicht 

Denken sondern nur ergiessen

Kann ich ihn ernähren —

Froh um seine Unwirksamkeit

Die fast Nutzlosigkeit zu heissen ist.

Er denkt und ich dulde —

Wie lange schon

Wie lange noch

Dulde ich sein Denken

Wäre es nicht an der Zeit

Ihn seines Denkens zu entheben

Mich meines Zürnens und Schreiens

Damit er lerne

Dass die Leute nicht denken

Weil sie arbeiten und arbeiten

Um nicht denken zu müssen

Und wiederum

Arbeiten heisst Geld verdienen

Für Versicherungen Häuser Kinder Kleider Ferien und Schminke —

Und die eine oder andere Komödie

Die sie noch besser ablenkt vom Denken

Und zur Prokreation anregt

Die ihn letztlich ernährt.

Ich bin die erste Stoikerin

Das sollte ab sofort jeder wissen —

Ich erdulde ein Denken

Das nichts anderes verdient als
Den Schierlingsbecher. 

Arena der Wörter

Singen der Vögel. Über Wiesen

Huscht das Eichhörnchen. Lärm des Fahrzeugs:

Junge baggert. Pollengelb stiebt der

Sand in den Morgen.

 

Sitze im Türkis-Schatten. Wörter

Fallen drehenden Tanzes in den Sand

Wo sie fest sich umklammern: wartend.

Bald schon ist Mittag.

 

Während es wieder still im Park wird

Lecken Wörter sich ihre Wunden

Blau und körnig, umkreisen sich in

Nachmittags-Zirkeln.

 

Gegen drei Uhr bevölkern Mütter

Voller Fürsorge gackernd Bänke…

Wort verstummt. Wir tragen in Schuhen
Sand in den Abend. 

Tagesgedicht mit "Als"

Ein milchig-verwaschener Morgen

Als wäre Sommer - nichts

Übrig von dem Zutrauen

Das warm pochte in den Schläfen

Und als ich auf den Balkon hinaustrete

Bläst der Wind kalt an meine nackte Brust.

 

Als der Wuschelkopf meines Jungen

Die Treppe hinaufkriecht wie jeden Morgen

Muss ich lächeln und fahre ihm durchs Haar

Wie jeden Morgen. Das dumpfe Wummern

Das meinen Schlaf erschüttert und mir 

eine Ausrede für den Auszug aus dem Ehebett geliefert hat

Ist noch da - irgendwo auf dem Dach

Oder in der Wand ein Ventilatormotor. 

 

Wir sind wie versehrt

Hier mitten im Leben

Als hätten wir seit dem ersten Kuss 

Geschlafen und fänden uns in einer Welt

Die Sehnsüchte und Wünsche nicht kennt

Nicht mehr zurecht

Da unsere eigene Welt uns über unsere Wünsche und Sehnsüchte

Getäuscht hat: als hätten wir je

In der gleichen Welt gelebt…

 

Meine Frau geht und ich

Beginne einen weiteren Tag 

Zu zweit: mein Sohn und ich - 

Und hin und wieder der rosa Elefant

Der meine Tochter ist… Später

Als ich die Toiletten und das Bad putze

Spielt der Junge und eine Wärme 

Schleicht sich an: Ohnmachts- und Heldenschreie

Mischen sich mit 

Fahrzeuggeräuschen und Feuerwehrsirenen

Schlachtlärm mit Todesverzweiflung

Es wird verhaftet 

Geschossen und geschlachtet.

 

Und ich denke 

Auf dem Weg in die Bibliothek 

Als mein Junge eine Biene gerettet hat

Aus dem Brunnen bei der IBZ

So schiebe ich meine Welt vor mir her

Den ganzen Tag: was soll ich nur tun?

 

Ich werde sie nicht los - 

Als könnte die echte Welt sie auslöschen! -

Und ihre Wertosigkeit leuchtet mir nicht ein…

Genau wie die Werthaltigkeit deses bleichen Tags

Mich an das Maulwurfsgesicht Oswald Grübels gemahnt

Das nicht leuchtet wie dieser Tag - 

Ich trage sie mit Leichtigkeit mit mir

Diese Welt 

Diese botschaftslose Welt

Ein Fötus und doch

Voll ausgewachsen

Amöbisch und doch 

Wie in Stein gemeisselt

Mit einer Leichtigkeit 

In den Augen dieses Tags

Als wüchse mir am Kinn ein Pickel

Als mehrten sich die Warzen auf meinen spröden Handflächen…

 

Ich werde sie nicht los

Weil es sie nicht gibt

Hier mitten im Leben

In sich gekrümmt 

Wächst sie weiter

 

Lauwarm wie die Sonne heute. 

10 Thesen

Du bist die Wand

Auf die meine Gedichte

Als Menetekel-Schattenwurf

Fallen. - Sie sind Hände

Die nicht zum Greifen

Sondern für Zeichen

Geschaffen sind. - 

Erwartest du Absicht

Muss ich dich enttäuschen. - 

Der Vorsatz hinter meiner Wand

Ist grösser als dein Verständnis

Und leicht überklingen die Ketten

Seinen Laut. - Im Dunkeln

Kannst du nicht spiegeln

Noch durchscheinen und die Mühe

Mit der ich Zeichen finde und werfe

Zeichnet sich in ihnen nicht ab. -

Du bist niemand im Schweigen

Das für mich beredt ist. -

Die Fassungslosigkeit über meine Rede

Entspricht der Fassungslosigkeit der Rede. - 

Der Laut prallt ab und kehrt

Wie zur Fledermaus zurück: 

 

Du bist noch da…

 

Ja?

Das Verschwinden eines Flusses

Die Reuss fliesst in die Aare und verliert ihren Namen.

Die Aare fliesst in den Rhein und verliert ihren Namen.

 

Ich habe nie begreifen können

Weshalb Flüsse ihre Namen verlieren.

 

Ist die Reuss in Luzern der gleiche Fluss wie in Bremgarten?

Die Aare in Bern der gleiche Fluss wie die Aare in Beznau?

 

Das hat nichts mit dem Wasser zu tun

Das mehr oder weniger Dünger und Gifte mit sich trägt

(Mehr oder weniger in seiner Temperatur schwankt)

Noch mit seiner Geschwindigkeit oder seinen Ufern.

 

In meiner Kindheit schämte ich mich für die Reuss

Schämte mich und bewunderte sie:

Sie verschwand ohne Gegenwehr in der Aare…

 

Floss der Rhein durch Basel würde niemand mehr wissen

Dass sein Wasser nur zum Teil sein eigenes ist.

 

Der Lauf der Reuss bestand und besteht weiter

Der Lauf der Reuss führte und führt weiter Wassser

Nicht von der metallgrünen fast silbernen Qualität der Aare in Bern

Nicht von dem teilnahmslosen Schiffergrün des Rheins in Basel -

Ein grauend-diaphanes Spiegel-Grün

Das Grün der Pfandflaschen die wir im Sommer

Im Freibad sammelten für noch mehr Schleckereien -

All das gibt es weiterhin…

Aber schon in Klingnau ist es vergessen und verschwunden.

 

Es schmerzt mich noch heute…

Als sei ein Name eine Sache

Des Neigungswinkels oder der geologischen Verwerfungen

Der Kubikliter und Fliessgeschwindigkeit und der Erosionskraft -

Als sei ein Name eine Frage der

Benennung und in letzter Konsequenz

Ohne Belang - austauschbar und nur

Laut.

 

Die Welt ist ein geschlossenes System wie unsere Blutbahnen

Durch die wieder und wieder das Gleiche

Das Ähnliche fliesst

Das wir Blut nennen…

Von unterschiedlicher Qualität

An unterschiedlichen Stellen

Des Blutlaufs… Hier

Könnten wir es kokoro nennen

Und dort sertse und weiter weg

Sydän…

 

Gaben wir unseren Kindern Namen

Um sie besser festhalten zu können?

Müssten wir nicht die Ufer

Auf den Namen des Flusses taufen?

 

Und selbst die Fluren…

Ihre Namen enden in

Abhängen Waldrändern und Mauerflechten

Wie das rosafarbene Verblühen des Rotdorns

Und der Verlust des ersten Milchzahns -

Die ganze Welt hochgeworfen wie eine Münze

In ihren Namen hilflos und unbestimmt

Namen wie bewegliches Gut und Ballast

Plötzliche Erosionsmale

Andauernde und nagende

Zwiespältigkeit - V-Täler

Vom Fieber verheert

Das wie im Gedicht und

Entgegen dem Griff zum Wörterbuch

Hochquillt in die Moosgrube

Unseres Gedächtnisses

Unseres Verständnisses

Dem alles trotz der Namen

Unentrinnbar unerinnerbar

Und

Unbeschreiblich unbenennbar

Bleiben muss selbst im

Nicht vermittelbaren

Festhalten an einem Vorrang

Der nicht anders als im Unverständnis

Seiner Unerheblichkeit

Münden kann: nie

Werde ich verstehen können

Weshalb Flüsse ihren Namen verlieren

Weshalb und wann Namen

Verschwinden können: nie

Werde ich meine Kindheit

Aufhören zu benennen nach dir

Reuss.

 

Gebet No. 10

Herr ein abgeschlagenes Glied bin ich

So beschnitten ist mein Herz von sich…

Abgewürgte Impulse… Lack ist ab…

Herr ein abgeschlagenes Glied bin ich

Halde voller Dinge die’s nie gab

Schorf bedeckt wie Staub Tapeten-Ich

Herr ein abgeschlagenes Glied bin ich

So gegürtet ist mein Herz von sich.

Fastnacht

Die schmale Hand des Glücks

Verstreut auf Wegen

Den Gluten-Regen

In dem das Pfand entrückt -

 

Das Leben all der Buckel

Verrückt in Eden

Von Asche-Mahden

In denen krähen Gockel -

 

Das falsche Kinn der Larven

Als Leumund-Gabe

Für Erden-Naben

Durch die erklingen Harfen -

 

Die Herde voller Wüter

Zerpflückt im Trabe

Die Phrasen-Nebel

In die gesät die Hüter.

Erwartung und Sendung

Du sollst nichts wollen.

Du bist wie Knollen

Die lang erwarten

Im Dreck die Feuchte

Das Licht. Verkralle

Dich nicht im Harten.

Ein Netz von Heute -

 

Du sollst nichts sagen.

Du bist ein Schragen

Auf dem der Zorn

Die Zweifel begattet

Von Pilzen. Dorn-

Geweih der Brunft -

Als ob du’s bräuchtest!

 

Du sollst nicht säumen.

Du sollst nicht bäumen

Auf gegen Mond -

Du fällst als Falte

Ins Beet der Fron:

Es keimt das Korn

Wo sprang Vernunft.

 

Lausanner Abend

Die Passanten sprechen

Erkundigungen Rückfragen Status- und Lagemeldungen

In ihre willigen Telefone -

Willig wie meine Hefte.

 

Ich gehe wie ein Kran

Der nachts das Baumaterial

In einer Kiste oder Mulde

Über Baugräben und Rohbauten schwenkt.

 

Die Passanten treideln

Ihren Tag und ihre Zeitnot

Der Dämmerung entlang:

Ein Gang von Resultaten.

 

Geduld wächst in mir

Durch lose Ziele und blinde

Motivation. Irre

Ist nicht ein Wort für Langmut.

 

Die Pfadoffenheit der Passanten

Ist auch nicht sichtbar.

Die Schmiede des Glücks

Glühen vor planbarer Erwartung.

 

Ich bin eine Mutter

Die sich ein Dasein als Münze erträumt.

Ich gehe durch die Abendstrassen

Wie eine Feder in der Abteilung für Beschläge.

Paratonnerre

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Ihr Gesäss drückt gegen seine Hüfte

Auf der schmalen Couch

Auf der er liegt mit einem Buch in der Hand

Und einigen Gedanken im Kopf

Die er bisher durch den Tag gerettet hat.

Auf das Dach prasselt der Regen

Inständig und ergeben

Man hört es in der Stille.

 

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Er hat das Buch sinken lassen

Und wartet auf ihr erstes Wort.

In ihm beginnen sie bereits zu quellen

Unruhe hat seine Zunge gepackt

Er presst sie gegen Zähne und Gaumen.

 

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Und dreht wie eine Eule ihren Kopf

Mit den leuchtenden grauen Augen

Und wendet dann ihren Oberkörper

Der Druck an seiner Hüfte vergrössert sich

Und schweigt immer noch. Dann

Erlischt das Licht in ihren Augen

Und ihr Gesicht sinkt zu ihm herab

Ihre Lippen kommen auf ihn zu

Wie sich bäumende Wellen oder sich bauschende Wolken

Unerbittlich und inständig

Und er denkt für einen kurzen und blinden Augenblick

Denkt er Nein.

 

Seine Frau sitzt an seiner Seite

Und er richtet sich auf

Um das Gewicht von Hüfte und Lenden zu nehmen

Dieses wortlose Gewicht eines Körpers

Dessen Mitteilungen er lange schon vermisst und verkennt -

Unter ihren tropfenden Küssen

Spannt sich auf seinen Lippen ein Lächeln

Und kurz nimmt sie

Wie um Atem zu holen

Und er stellt sich eine Hyäne vor

Die den Kopf blutüberströmt und hechelnd sogleich wieder in die Bauchhöhle ihres Opfers tauchen wird

Ihres Opfers denkt er sich

Das schon halb verwest ist

Das von den Löwen als milde Gabe Geiern und Gierigen berlassen wurde

Aber längst hört er den Regen seines eigenen Bluts

Hinter seinen Ohren rauschen und steigt mit seiner Zunge in ihren Rachenraum.

Seine Gedanken zucken in verschiedene andere Richtungen

Als sie sich erhebt

Die Lichter löscht

Zucken in Richtungen

Als mässen sie die Spannweite der Hoffnungen -

Die Hoffnung auf eine Rede von sich und zu sich

Die Hoffnung auf ein ganz und gar leidendes Dasein

Auf eine Objektivität des Subjekts -

Während ihr Küssen ihn befällt

Wie Pilzsporen und der Putsch seines Blutes

In seinem Glied sich zu sammeln beginnt

Wie Pilzsporen bedecken sie sein Denken unter sich zu

Und leidenschaftlich flüstert er

„Un soldat jeune, bouche ouverte, tête nue“

Und während seine Hände bereits unter ihrer Bluse nach Knöpfen suchen

Die wie harte Tumoren auf ihrer Brust blühen

Als kennten sie ihr Schicksal anders -

Wären sie doch Leuchttürme oder Sirenen oder

Augen! - Schweigt sie weiterhin

Und legt ihren schweren Körper leicht auf ihn.

 

Dann entlädt sich ihr Leib

Wiederholt auf ihn niederstossend

Und erschüttert ihn

Mit kleinen verästelten verzerrenden Schocks

Und sein Schweiss überschüttet sie

Wie das Wasser einer brechenden Dachtraufe.

 

Er sitzt an der Seite seiner Frau

An ihrem schmerzhaft weissen Körper

Der wie ein blanker Spalt in Zeit und Raum ist

Eine Wunde der Offenbarung

Inartikuliert und dringlich

Und er denkt mit rostigem Hohn und erdigem Zungenlappen

Nach über den blindesten wortlos-langen Augenblick des Tages.

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Atlantis

Verarmen - die Kästen und Kassen

Erbrechen. Ihre rechten Winkel

Beugen und ihre Geraden

Schmelzen. Erschliessen

Die Grabmale der Liebe:

Verdünnen die versalzenen Kindheiten.

 

Auf dass sich jenes Loch des Schreis

In das die Münze der Hoffnung geworfen

Schlösse. Auf dass die Mauern des Stausees

In den der Schlüssel des Glaubens geworfen

Brächen. Auf dass die Rückwand des Schranks

In dem das Kleid der Liebe grünte

Berste. Die Säulen meiner Augen

Tragen unsichere Steppen und

Treppen-Sicheln… Ungewissheit!

 

… Unwissenheit! Schon zählt ich

Die letzten Dinare und werde

Zwei behalten. Der Kanal

Der uns trennt wie ein Lidschlag

Durchströmt Gesten und Glieder.

Dein Schrei sinkt ein

In die Lederhaut

Doch bin ich nicht und werde es nie sein

Die Saite gespannt auf deiner Kruppe.

Das Weberschiffchen des Mondes

Badet in der Milch aus Scham oder Stern.

 

Versunken die Reichtümer

Aus Laut und Flut

Aus Flut und Graswurzeln

Beim Übersetzen im Strom.

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Unruhe

Ich sollte gehen. Schreiten.

Die Müdigkeit weiten.

Draussen die Nacht.

Im Ofen ein Brot.

Ideen in Not.

Zukunft verflacht.

Die Reize des eigenen Körpers

Beleibten die geistigen Reize…

Die wenigen Worte des Abends

Verjährt bereits wie der Atem

Bewurmen den inneren Pförtner…

Verfallen ins Glück eines Trabens!

Die schlafenden Kinder - die Naben

Deines Gerenns…

Schlafen nur noch

Schreiten ins Doch!

Storno des Wenns…

Ein letztes Gesicht

Erhalten in hastigem Beizen

Im ersten Gedicht.

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Envolée

Als hätt ich vergessen…

Plein de douceur

S’épuisant en épanouissant

Dans la fureur d’attendre!

Décrier l’âge poussin

Der Servilität…

Lampedusa

Einer Liebe

Die im Grausen

Erstarrt.

Die Mobilität -

Qu’elle est débilitante!

Zarte Körper der Medusen

Ein Knospen wider den Osten

Schwerer Schoss

Von der Tröckne befeuchtet

In Stössen erleuchtet.

Als könnt ich vergessen…

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Die beiden Mauern. Thema

Die beiden Mauern sind Friedhofsmauern. Der Raum wie die Zeit, die sie umschliessen, gehört ihnen nicht - sie gehören weder zu diesem Raum noch zu dieser Zeit.

Das sind wir, diese beiden Mauern: umfriedend den Raum der Familie. Darin wird gelebt und gestorben. Es ist ein Raum von einer gewissen Hektik, eine Zeit von einer gewissen Enge.

Unser Bemühen konzentriert sich inzwischen nur noch auf das Umhegen, auf das Begrenzen. Aber das ist eine Lüge: wir sind fallende Steine in einer Bemühung, sich zu erreichen - am Ende des Bogens, den wir um den Raum und die Zeit zu ziehen bemüht sind.

Nein, wir werden uns nicht mehr erreichen. Das Tor ist offen oder geschlossen; es ist unsere Hürde, die uns nicht zu überwinden gelehrt wurde. Die letzte Front, die letzte Fron, die wir zu bewältigen haben: dieses Tor niederreissen.

Aber keiner von uns beiden Mauern bemüht sich darum. Hier geht es nur noch um den Bestand oder um das Bröckeln. Fühlst du, wie das Bröckeln mich aufhält? Ist das Bröckeln gar eine Geste hin zu dir? Ein Stein um Stein Hinüberzerfall zu Dir? Du hingegen siehst noch sehr beständig aus.

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Die beiden Mauern

Die beiden Mauern beginnen

An der Kirche.

Sie scheiden aussen von innen

Und umringen:

 

Die bleichen Steine bewachsen

Von den Flechten.

Die leichten Tiere durchrascheln

Das Gerechte.

 

Doch ihnen liegt

Das Tor im Weg:

Ein Bogen „nun?!“

 

Und aussen liegt

Der krumme Weg

Ungehegt und stumm.

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Plagicht um Tagschicht

Nag windet sich.

Was hindert mich

Zum schillernd Licht?

Nag Lindwurm nag

Am blinden Ich

Am wilden Nichts

Damit aufbricht

Was mir gebricht:

Tatschicht um Tatschicht

Plagicht um Plagicht.

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Gebet No. 7

Wie kannst du Herr mich Sünder denn lieben?

Ich selbst bin wie ein fliegender Baum

Der ungewollte Frucht brachte und Lieder…

Wie kannst du Herr mich Sünder denn lieben?

Ich falle stehend und wate im Schaum

Der eignen Schuld - schwächstes der Glieder…

Wie kannst du Herr mich Sünder denn lieben?

Ich selbst verzeih mir Luftigem kaum…

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Widerstand

Ich widerstehe

Dem bekannten Wort

Dem blossen Staunen

Dem bekleideten Gefühl -

Ich liefere nicht freiwillig ab

Den Zehnten der Hoffnung.

 

Ich widerstehe

Dem folgsamen Reim

Den blassen Launen

Dem beschreibenden Kalkül -

Ich nehme nicht freiwillig teil

Am Sabbath des Defizits.

 

Dies ist mein Ja-Wort.

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Wendepunkt

Das ist der Moment.

Du kannst zurück.

Trau dich.

Die Zeit ist deine Wahl:

Du kannst sie durchschreiten -

Du weisst sie zu durchschreiten.

Nichts was da verbrennt

Wird von dir getrennt:

Die Asche ist ein Weiten.

Nach aussen gekehrt

Das Gewebe der Wahl:

Was hinten war

Wird vorne sein.

Die Zeit ist dein Wal.

GAU dich.

Laternen bescheinen

Gerüst aus dem gemeinen

Gestauten Verkehr

Der gehievt auf die Brücke

So weiss wie diese Seiten

Der Angst in den Spreiten.

Und Ambra war -

Wird niemals sein.

Das ist der Moment.

Du kommst zurück

Durchs Öhr geschlüpft.

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Über den Körper

Über den Körper kann ich kein Gedicht schreiben:

Das Papier auf dem es stehen wird

Verdrängt kaum Raum

Und nur im besten Fall

Wenigstens die Zeit.

 

Über den Körper kann ich kein Gedicht schreiben:

Die Laute die ich dafür nutze

Schmecken kaum nach Salz 

Und nur im besten Fall

Wenigstens nach Tränen.

 

Über den Körper kann ich kein Gedicht schreiben:

Die Wörter formen Bilder

Die kaum Gestalt werden

Und nur im besten Fall

Wenigstens die Haut eines Ballons. 

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Wachstum III

Gefahren sind

Mir Heimat - Tor

Zu einem Trieb

Befreiend Leib. 

 

Die Spur wird nie

Vom Geist erreicht

Und selten wird

Aus Tieren Kunst. 

 

Und jene Hürde

Die stand vor Neid

Zerschmilzt im Strom

 

Den noch zuvor 

Ich hielt für Brunst.

Find endlich Würde…

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Wachstum II

Mein Mentor du - 

Die Wachheit nächstes

Gefühl der Fährte:

Gewinn an Ruh. 

 

Ich lechze jetzt

Nach dir: ich hechte

Entgegen Pfeil. 

Verlier den Dreh.

 

Nicht mich verletz

Ich so: Gefährte

Der spürte Nächstes. 

 

Erschaffe Steg

Und nichts ist steil.

Vermischt Geschlechter…

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Wachstum I

Ich wuchs dir zu - 

Gewann an Dreh - 

Verlor an Ruh’:

Entsprang dem Steg. 

 

Ich wuchs im Nur

Von dir hinweg:

Das Tier im Weg - 

Es wurde Reh. 

 

Und jetzt ist Flur

Vor mir wie Rohr:

Ich steh im Flor. 

 

Zerschnitten Schnur

Aus Trug und Näh’.

Betört vom Tor…

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Gedicht in La

Die Largesse der Lakünen

Belässt uns allein

Mit den Lagen des abfallenden Laubs.

Die Blasen der lahmen Lasttiere

Falafeln in die lacklüstere Glas-Falte

Aus der blau die blähenden takelage-losen Segel

Ländern gleich die Lustzapfen der Langmut

Belangen für eine lapislazuli Leiche.

In die Glast-Falte voller Flammen und Lemmatas

Deren Lasur von einer landläufigen Frasur ist

Und aus der numinos und luminös das Lassen

Entgegen dem Hassen lallt um das

Lärchenhelle Blässhuhn in Lappenform zu erfassen.

Denn Listenplätze lullen nur ein.

Lacht ihr nur! Die lässlichen unter ihnen

Werden liefern müssen wie

Lamas und Lavater. Die Lahmheit 

Lähmt nicht nur Basen wie 

Rammstein sondern auch Laser wie

Leser. Lausfammenmeil halten gilt nicht länger

Weil der Laum gal nicht leckt. 

Leckt doch euren Lümmel

Des guten Geschmacks selber. Ich liebe nur

Laibe mit Lattenverstrebung und 

Legalzufuhr. Müsst ihr halt selbst lugen

Wie ihr den Lank kriegt. 

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Perfektion

Als genüge ein Knopfdruck

Um den Menschen zu machen;

Als genüge ein Opfer

Um den Täter zu machen:

 

Am Geflecht aus dem Kupfer

Der Entmündigung wachen;

Auf das Recht (und mit Hochdruck!)

Zur Versündigung pochen.

 

Und vermöcht’ ich zu entfachen

Ein Gefecht gegen Opfer

An der eigenen Sache:

 

Ich ergösse den Tropfen

Auf den Glutstein der Notdurft

Um die Tode zu machen. 

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Freiheit

Alles rührt mich.

Die Begeisterung meines Jungen fürs Fangen

Und für das mit ihm spielende Mädchen.

Seine blonden Locken und 

Seine verkehrt angelegten Sandalen.

Die Libanonzeder und die Blutbuche 

Eingeritzt in den Tag. 

Sogar eine Ameise könnte auf mein Mitgefühl zählen.

Alles hier draussen ist

Gemalt. Ich fürchte mich

Es könnte ein- und mich

Hinausreissen. Beständig ist nur

Die Gewissheit des Unechten in diesem 

Einzig Echten. Ich streiche meinem Sohn über die Locken.

Freiheit ist ein Gefühl 

Bevorstehenden Verlusts. 

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Galiläa

„Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“ Matth 28,7

„Paris is for lovers, maybe that’s why I staid only 35 minutes.“ Linus Larrabee in Sabrina (1954)

 

Geht jetzt. Geht!

Auch du, Lazarus!

 

Die Welt dreht sich. Wendet 

Eure Gesichter nicht zu 

Dem Horizont oder den abendlichen Wolkentürmen. 

Schaut auf die Staubkörner der Erde.

Und schaut auf sie nicht nur 35 Minuten!

Die Maschinerie stampft wie ein Tier

Vor euch her: erbarmt euch ihrer!

Und die Trennung zwischen Geist und Ding

Kümmere euch nicht und schmerze euch nicht.

 

Da sind eure Eltern

Ihre Gesichter wie schwindende Segel

Euch zugewandt. 

 

Die Bretter, auf denen ich gehe, halten.

Sie sperren nicht zu:

Hinter ihnen ist nichts.

Die Welt liegt euch zu Füssen.

Die Schärfe weder des Handelns noch der Liebe ist exakt messbar.

Und doch steht da ihr Thron.

Sie sitzen beide darauf. Beide.

Ich schaue auf sie und sehe:

Zwischen ihnen ist keine Trennung 

Sondern zwiefache Eintracht.

 

Das Abwenden

Ihr werdet es sehen

Ist Zuwenden.

 

Auch mir dreht sich der Kopf. 

Frauen und Kinder zuerst! denke ich.

Die Welt bewegt sich weiter 

Hat sich schon weiterbewegt: Hasta la vista, baby!

Die Staubkörner in eurem Gesicht sind mein Vermächtnis.

Die Spriessen in euren Sohlen und in euren Augen die Splitter

Werden beim Öffnen ab- und ausfallen.

Segel und Mast sind eins und hier im Dienst der Winde.

Schaut nicht auf die Eingeweide des Horizonts

Nicht einmal 35 Minuten!

 

Jeder für sich berührt Lazarus.

Das Leben ist kein Sabbatweg. 

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Ein überarbeitetes Tagesgedicht, noch ohne Titel

Ich rede im Imperativ.

Ich bin der Lotse des Kindertages.

Meine Wörter: Möwen

In der Hafendünung. 

Die Bojen der Ordnung wippen

Vom Kielwasser des Alltags:

Minzeblätter sorgfältig in Gedichte gelegt. 

Ein Glas Hafenwasser gefällig?

Die Wärme deiner Stimme und die Achänen deiner Hände

Erinnere ich hier oben in der Krone

In der Freude der Einsamkeit

In der ich niste.

Wie ist sie doch in die Höhe geschossen!

Ich stehe am Eingang des Winters.

Du liegst nicht mehr bei mir.

Vom Kalben des Traums umbrandet

Erstarre ich in Ohnmacht. Hast du

Das Glas geleert?

Ich Apotheker mit meiner Arnikasalbe!

Zu meinen Füssen kalbern die Kinder.

Jetzt rede ich im Jussiv. 

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361. Tagesgedicht: Bestandesaufnahme

Betäubung wächst von Tat zu Tat

Olympisch und millenarisch.

Friedensgrüsse fallen wie Federn.

Brot und Spiele vorhanden.

 

Erwachen rächt sich jedes Mal

Heroisch und kalendarisch.

Schuldgefühle schallen in Regeln.

Schrot und Mühle vorhanden.

 

Ich glaubte wenig mehr an Saat

Im Tag. Ach, Narkose-Naht!

Hut und Reue vergangen…

Verroh ich und animier mich

 

Korinthisch? Und pillenwahr ich

Miene hüt’ vorm Verlanden.

 

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360. Tagesgedicht: Gesten VI

Auf seiner Seite steht

Ziehen

Auf meiner Seite steht

Stossen

Wir lächeln uns durch die Glastür an und

Ziehen beide

Dann stossen wir

 

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359. Tagesgedicht: Wörter

Wörter schwer wie radioaktiver Niederschlag

Wörter gewöhnlich wie das Gespräch zwischen Nachbarn

Wörter leicht wie die Pappelsamen

Wörter besonders und gesondert wie die Seppiheimer

 

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358. Tagesgedicht: Sargassosee

Auch ich bin ein 

Bewohner der Sargassosee!

 

Ich fotografiere nicht

Nie: festhalten heisst verbannen.

 

Ich aber bin ein Fliessendes

Ein im Treibenden treibend Bleibendes.

 

Der Muskulus vitiosus ohne den

Mitteilungen unmöglich fehlt mir!

 

Ich kreise lange im Uhrzeigersinn.

Die Kelpzungen lappen.

 

Zum Teufel mit dem Individuellen!

Millionenschwärme - Touristen.

 

Niemand kennt unsere Wege.

Niemand ausser des schwerer werdenden Wassers.

 

Auch ich bin 

Zitronengeruch des Frauenschweisses.

 

Ein Schwanzgewedel

Das getrieben von der Liebe zur Welle.

 

Ich schreibe nicht obwohl

Von der Form einer Zunge.

 

Die Namen bewandert.

Die Bewandtnisse in Teilen aufgereiht.

 

In den Falten der Wellen metaphysisch

Wachsen uns die Drüsen.

 

Nein ich brauche wie schmal ich auch bin

Und wenn auch viele keine Ermunterungen.

 

Der Zündstoff im Individuellen getränkt oder

Erschwommen ist für mich kein Grund für Pflicht.

 

Und wäre ich Astronaut gefesselt

In den Kessel oder Wein in Fässern - 

 

Niemand in Weiten: niemand

Könnte verschliessen die Zornestore.

 

Genauso wenig wie meine Ohren

Offen sind im Hoffen

 

Um erwartbare und nicht nur mögliche

Geschehnisse deren Laich

 

In der Blüte des Grases

Aufgeht wie die Augen der Vögel

 

Der zucken-erfüllte Dotter

Eines Gottes in der Stagnation der Erfahrung - 

 

Auch ich bin ein 

Bewohner der Sargassosee.

 

Ich schwimme immer mit dem Strom und zurück

Und in den Kiemen Bläschen-Femen.

 

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357. Tagesgedicht: Befreiungs-Triolett

Befreiung findet statt im Warten.

Ohne Kraft findet sie statt.

Die Rückkehr schwindet fast in Arten.

Befreiung findet statt im Warten.

Schartenlaib wütet im Patt.

Kattegatt weitet die Naht.

Befreiung findet statt im Warten.

Ohne Bord findet sie statt. 

 

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356. Tagesgedicht: Schuldsucht

Der Wagen an der Pforte.

Sägemehl im Hals - 

Die Lage einer Brache: 

Wachstum ist nicht sorgsam.

 

Sausen in den Ohren.

Waghalsigkeit im Geist.

Die Lage Lüge der Ansichten.

Die Rastlosigkeit der siebenten Stunde.

 

And still soldiering on!

Das Unbejahte im Nimmerland.

Wachstuch der Schuld.

Die Milch Resultat der Sorge.

 

Und dann der Flug der Marschflugkörper.

Aufquellender Samen der Furcht:

Rauch der Perspektive.

Im Bast der Tat die Kunde des Rads. 

 

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355. Tagesgedicht: Caritas

Keine Forderungen - Geduld.

Kein Verlangen - Teilnahme.

Keine Wünsche - Fülle.

Keine Nähe - Gemeinschaft.

Kein Drängen - Erkennen.

Kein Hoffen - ein Glauben.

Keine Brücken - eine Botschaft.

Kein Verlust des eigenen - Gewinn des anderen.

Kein Zaun bis in uns - Perlen auf Ketten.

Kein Häuslebauen - Mieten.

Kein Laub - Nadeln.

Kein Stammeln - Reden.

Keine Furcht - Vertrauen.

Kein Entscheid - Bescheid.

Kein Entfalten - Einfalt.

Keine Äpfel - Erdäpfel. 

Kein geschenktes - ein geteiltes Herz.

Keine Liebe - Caritas. 

 

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354. Tagesgedicht: Wachfall

Die Wache fällt 

In den Schoss der Freiheit.

Die Arbeit spriesst

Im Bäumen der Möglichkeiten.

In den Namen fällt

Der Funke in den Gaden der Versicherung.

In der Entrüstung dreht sich

Die Blütenzunge nach dem Unerhörten.

In der Frucht des Rumors:

Sukkulentengärten der Mutlosigkeit - 

Säuglinge des Mitgefühls - 

Nummernschilder der Güte:

Lasst die Schinder nicht

In den Winden der Geschichte zurück.

Auch ich baumele

Baumele von der Sprosse des Präsens.

Die Räume hellen

In den lendenden Lagen auf.

Nun ist es Zeit

Die Opfer mit der Schuld zu konfrontieren

Die Täter mit der Vergebung - 

Am Ende der neunten Stunde

Die im dringenden Rat der Kunde und der Klammheit

In den Gumpen der Unzahl

Ausgeleert wird

Wie eine Ohrfeige. 

 

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353. Tagesgedicht: Schuldsonett

In der Schuld versteift

In der Schuld verstockt

In der Schuld gereift

In die Schuld gelockt.

Wie lockere ich 

Diesen Bund?

 

In der Schuld gezeugt

In der Schuld verdreht

In der Schuld gebeugt

In die Schuld genäht.

Wie lockere ich

Diesen Grund?

 

Denn jede Tat bringt neu

In mir hervor die Spreu. 

 

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352. Tagesgedicht: Zitternde Ziffern

Unterbrechungen zählen. 

Einbrechen nicht in die Knie

Doch in die gehäuften

Arten von Bücklingen

Die wir vor der Zeit tun

Von der Zeit genötigt. 

Fülle der Tatsachen

Die über den immer gleichen Leisten gebrochen 

Dir im Tun entgegentreten

Wie zur Audienz

Die zur Rechtsetzung wird

Bevor im Darbar des Zungensprechens

Des noch ungespaltenen Zungensprechens

Ein Verdikt oder eine 

Abdikation getroffen werden kann - 

Bau der Tatsachen 

Aus Nadeln des Bestands

Auf dem schwanken Boden der Realität.

Ziffer um Ziffer zittert auf

(Manche klappern herunter)

Ohne Verzug

Und die Summe aller Unterhaltungen

Hält dich doch nicht auf

Die Haltungen in der flexiblen Erstarrung

Zu bewahren: in allmählicher 

In atmender Annäherung der Brust

An die eigenen Grenzen

Während darin pochend

Die Möglichkeiten pausieren

Und die Körner der Schläge 

Sich ansammelnd häufen

An den Wänden der Venen. 

 

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351. Tagesgedicht: 5. Gebet

Herr ich liebe diesen Raum

Den die Menschen dir schufen

Dass du ihn fülltest

In kühler Nähe 

Und warmer Ferne - 

Ich trete ein und weiss 

Um die Möglichkeiten 

Die hier nicht mehr möglich

Sondern wahr sind - 

Um die Wünsche die hier

Bereits als Wunsch bewirken - 

Um die Gebete die hier

Uns an dir 

Teilhaben lassen - 

An deiner Liebe

Und deinem Erkennen - 

Um das Erkennen das hier

Uns wahrscheinlich wird

Weniger fern und das

Dem Tod seinem Schrecken nimmt

Wie der Bosheit 

Ihre Kraft über uns

Und den Raum 

Da draussen. 

 

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