Artikel mit dem Tag "Poesie"



23. August 2015
Gefangen in den Lichtstreifen der Rollläden Liege ich auf dem Bett und wälze mich darin. Mein Magen ist flach wie Papier das Wasser gezogen hat. Mein Geist ist fade und federleicht. Gelegentliche und gleichförmige Gedanken Halten ihn in der Schwebe der Interesselosigkeit. Aufstehen? Wie ein Widergänger hebe ich meinen Oberkörper empor Aus den dünnen Laken… Man müsste das Fenster schliessen: Die Luft ist kalt. So stehe ich nicht auf. Ich lausche den Schritten des Nachbarn über mir...
06. Mai 2015
Es tut weh Es tut nicht mehr Es tut fort Es tut jäh Es tut rücksichtslos Es tut afrikanisch Es tut überbrückend Es tut kantisch Es tut willig Es tut gut Es tut Schaum Es tut noch kaum Es tut beissen Es tut seichen Es tut siechen Es tut Daigg Es tut feig Es tut Rost Es tut Milch Es tut feilen Es tut Muster Es tut imprévu Es tut noch mehr Es tut noch weh Es tut konzentrisch Es tut in Massen Es tut in Massen Es tut alltäglich Es tut Zäune Es tut Bärte Es tut Särge Es tut Okto-Pussy Es tut...
24. März 2014
Von meinem 5. (oder 6.?) Samstag der Poesie wird mir vor allem jene letzte Lesung in der Elisabethenanlage in Erinnerung bleiben, als ich mitten im Gedicht von Richard Exner über Auschwitz von einer etwa 50-jährigen, verlebten Frau attackiert wurde. Sie trat sehr nahe an mich heran und begann, heftig auf mich einzureden. Sie habe jetzt endlich genug von Auschwitz und den Juden, das wisse man ja jetzt. Es gebe hunderte andere Vorfälle, die nicht erwähnt würden, man solle mal an die...
15. März 2014
Mein 5. Samstag der Poesie liegt schon eine Weile zurück. Aber ein Ausspruch eines Zuhörers - denn entgegen der Erwartung, auch meiner, gibt es tatsächlich, und manchmal an den "unmöglichsten" Stellen, Zuhörer! -, der mir nicht mehr aus dem Gedächtnis will, stammt aus einem Gedicht von Neruda, das ich noch nicht gesucht habe: Die Poesie wird die Welt retten. Und dieser Ausspruch stimmt inzwischen so sehr überein mit meiner eigenen Erfahrung! Denn "die Menschen" lieben die Poesie, was...
16. Februar 2014
Ein gefundenes Gedicht Wie man an einem Computer sitzt Wie man lächelt Wie man Kompromisse bildet Wie man Blutspuren aus Kleidern wäscht Wie man das Lernen über Dinge liebt Wie man den Leuten das Beibehalten Ihres Mädchennamens erklärt Wie man nach Bolivien telefoniert Wie man an Gott glaubt Wie man eine Hochzeitsrede hält Wie man ohne Kochen überlebt Wie man es das ganze Jahr in Appenzell Innerhoden aushält Wie man Austrocknung behandelt Wie man schwarze Augenringe wegmacht Wie man die...
29. Januar 2014
Ich werde nicht von der Muse geküsst: Ich arbeite. Ich härte Zustände Vorfälle Nomen Und erweitre: Und breche ein Paravents hinter denen Die Wahrheiten Verwest. Realien werden zu Dahlien Und Kargheiten Zu schwarzer Erde und Wadis zum Jordan. Die Scharbreite Bricht um Gewohntes - entdeckt in den Untiefen Die Rarheiten - Gemisch aus Seele Verraten und Untaten… Die Alkleichen Der Lebens-Lügen und Fakten-Verliesse… Ich arbeite… Ich öffne Dinge und schlucke ihren Samen Der erheitert. Ich...
26. Januar 2014
Dieser Samstag der Poesie war eisig. Es war eine wirkliche Prüfung meiner Ausdauer. Es war erstaunlich, wie symptomatisch die erste Lesung war: noch nie hatte ich böse Blicke geerntet bisher, aber am Tellplatz, meiner ersten Lesung, erntete ich insgesamt 4 böse Blicke. Wirklich böse Blicke. Es gab gestern wenig Leute, die bei dieser Eiseskälte stehen geblieben sind, aber es gab sie, und ich danke ihnen. Und wie immer gab es auch jene, die ihren Schritt verlangsamt haben, um einen oder zwei...
24. Januar 2014
... mit Gedichten von Boris Pasternak, Rolf Dieter Brinkmann, Paul Eluard, Charles Bukowski, Robert Gernhardt, Clemens Brentano und andern. Ich freue mich sehr, auch wenn ich erkältet bin - vielleicht ent-kältet mich das Lesen ja!
20. Januar 2014
Gerade sehe ich / erfahre ich, dass am nächsten Samstag der Poesie, am 25. Januar, auch das Lyrikfestival in warmen Räumen statt finden wird. Schön. Ich schliesse mich nicht ein oder ab; ich lese draussen, auf der Strasse. Vom Tellplatz über den Theaterplatz, den Spalenberg, den Münsterplatz, die Mittlere Brücke, vor dem Kunstmuseum. Draussen - nicht drinnen. Worte und Verse verweht, hingegeben den kurzen Momenten des Vorüberschreitens. Alle sind herzlich willkommen.

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