Artikel mit dem Tag "Mar14"



31. März 2014
Die Reuss fliesst in die Aare und verliert ihren Namen. Die Aare fliesst in den Rhein und verliert ihren Namen. Ich habe nie begreifen können Weshalb Flüsse ihre Namen verlieren. Ist die Reuss in Luzern der gleiche Fluss wie in Bremgarten? Die Aare in Bern der gleiche Fluss wie die Aare in Beznau? Das hat nichts mit dem Wasser zu tun Das mehr oder weniger Dünger und Gifte mit sich trägt (Mehr oder weniger in seiner Temperatur schwankt) Noch mit seiner Geschwindigkeit oder seinen Ufern. In...
26. März 2014
Schreibe ich ein Gedicht, zählt allein die Sprache. Schreibe ich eine Erzählung, zählt allein der Inhalt; mit ihm, Logik und Wahrscheinlichkeit. Doch diese sind mir unbekannt, unnatürlich. Ich denke logisch, ich handle (meist) mit einem Blick auf die Wahrscheinlichkeit oder Nachvollziehbarkeit meiner Taten, aber in mir ist weder Wahrscheinlichkeit noch Logik zuhause. Als sei ich noch ein Kind, in dessen Welt noch alles möglich ist und alles zu gleichen Teilen wahrscheinlich und...
24. März 2014
Von meinem 5. (oder 6.?) Samstag der Poesie wird mir vor allem jene letzte Lesung in der Elisabethenanlage in Erinnerung bleiben, als ich mitten im Gedicht von Richard Exner über Auschwitz von einer etwa 50-jährigen, verlebten Frau attackiert wurde. Sie trat sehr nahe an mich heran und begann, heftig auf mich einzureden. Sie habe jetzt endlich genug von Auschwitz und den Juden, das wisse man ja jetzt. Es gebe hunderte andere Vorfälle, die nicht erwähnt würden, man solle mal an die...
21. März 2014
Herr ein abgeschlagenes Glied bin ich So beschnitten ist mein Herz von sich… Abgewürgte Impulse… Lack ist ab… Herr ein abgeschlagenes Glied bin ich Halde voller Dinge die’s nie gab Schorf bedeckt wie Staub Tapeten-Ich Herr ein abgeschlagenes Glied bin ich So gegürtet ist mein Herz von sich.
16. März 2014
Ich entdecke die Rhapsodie. Eine Form des Gesangs, der in losen Versen, in direkten Ausrufen, gelegentlichen Reimen und plötzlichen Kehrtwenden ein Thema umkreist. Alles bleibt in der metaphorischen, indirekten Andeutung. Die Sprache schwankt zwischen Alltag und hohem Stil. Nichts ist ihr Fremd, vom Anus bis zum Janus wirbelt sie alles durcheinander. Lässt den Hörer zurück, befremdet und verwirrt. Ahnt er nicht etwas oder meint er noch? Das Wissen durch rhapsodisches Dichten entsteht...
15. März 2014
Mein 5. Samstag der Poesie liegt schon eine Weile zurück. Aber ein Ausspruch eines Zuhörers - denn entgegen der Erwartung, auch meiner, gibt es tatsächlich, und manchmal an den "unmöglichsten" Stellen, Zuhörer! -, der mir nicht mehr aus dem Gedächtnis will, stammt aus einem Gedicht von Neruda, das ich noch nicht gesucht habe: Die Poesie wird die Welt retten. Und dieser Ausspruch stimmt inzwischen so sehr überein mit meiner eigenen Erfahrung! Denn "die Menschen" lieben die Poesie, was...
12. März 2014
Die schmale Hand des Glücks Verstreut auf Wegen Den Gluten-Regen In dem das Pfand entrückt - Das Leben all der Buckel Verrückt in Eden Von Asche-Mahden In denen krähen Gockel - Das falsche Kinn der Larven Als Leumund-Gabe Für Erden-Naben Durch die erklingen Harfen - Die Herde voller Wüter Zerpflückt im Trabe Die Phrasen-Nebel In die gesät die Hüter.
04. März 2014
Der Tod ist ein Meister Aus der Luft. Ein Schwager des Daumens. Die Gruft der Wolken Ist der Turm Aus dem die Sprache entfällt Ist der Sturm Der das Siegel erbricht. Lies nur die Unzahl Und die Verrenkung der Buchstaben - Die Auskugelung Die Ausangelung. Sieh hin… Mottenflug… Kissen im Himmel - Knall und Puff. Ist es nicht süss? Kaa tanzt für die Affen - Noch nicht lange ist’s her. Engelsleiber zucken. Der Flug des Untiers Ins Unhier: Schrift Und Zeichen im Gewebe Von Zeit und...
03. März 2014
Die Sprunghaftigkeit, die Unvorhersehbarkeit (nahe an der Willkür) des kindlichen Erzählens fasziniert mich deshalb, weil ich selbst in Sprüngen denke und schreibe. Das Fragmentarische, das mir so liegt, das Nicht-Chronologische und Nonlineare, das in ständiger Digression wurzelt, - man könnte es auch „Unbestand“ oder „Zentrumslosigkeit“ nennen, - dieses zerfetzte und zerfetzende Erzählen ist der Grund meiner Lyrik. - Ein Prosaiker flieht nicht: ein Prosaiker bringt alle Geduld...

Mehr anzeigen