Artikel mit dem Tag "Leben"



23. August 2015
Gefangen in den Lichtstreifen der Rollläden Liege ich auf dem Bett und wälze mich darin. Mein Magen ist flach wie Papier das Wasser gezogen hat. Mein Geist ist fade und federleicht. Gelegentliche und gleichförmige Gedanken Halten ihn in der Schwebe der Interesselosigkeit. Aufstehen? Wie ein Widergänger hebe ich meinen Oberkörper empor Aus den dünnen Laken… Man müsste das Fenster schliessen: Die Luft ist kalt. So stehe ich nicht auf. Ich lausche den Schritten des Nachbarn über mir...
25. November 2013
Wenn das Lächeln zu einer Floskel wird Wie die Frage nach dem Befinden Gibt es nur noch eines: Du musst dein Leben ändern. Diese Versteinerung der Konvention In deinem Gesicht ist Zeichen Der Versteinerung der Invention. Lasse dich nicht bannen In die Form deiner Vergangenheit Lasse dich nicht einzonen Ins Areal des Denkens der andern. Zone dich um und Schmelze dahin. Schon Kinder lernen das Lächeln auf Vorschrift. Ich habe Freunde Die niemals lächeln Und kaum mehr scherzen - Sie sind mir...
26. Juli 2013
„Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“ Matth 28,7 „Paris is for lovers, maybe that’s why I staid only 35 minutes.“ Linus Larrabee in Sabrina (1954) Geht jetzt. Geht! Auch du, Lazarus! Die Welt dreht sich. Wendet Eure Gesichter nicht zu Dem Horizont oder den abendlichen Wolkentürmen. Schaut auf die Staubkörner der Erde. Und schaut auf sie nicht nur 35 Minuten! Die Maschinerie stampft wie ein Tier Vor euch her: erbarmt euch ihrer! Und die Trennung zwischen...
13. Mai 2013
Unrasiert und in zu weiten Trainingshosen in der kalten Frische Blinzeln im Rücken die blauen Müllsäcke Deren Geruch dem eigenen gleicht Trotz der Frische des Morgens. Aus der Sonne auf die andere Strassenseite wechseln Dort blinzelnd vom Rauch Stehen und den ersten Husten ausspucken Mit einem instinktiven Fluch Der in die stille Strasse fährt Bevor sich in der holzigen Kehle Schmirgelnd erste Gedanken bilden Die wiederum auf Lebensbejahende Flüche Zu reduzieren sind. An den blossen...
23. April 2013
Das ist die Bank Der Gesellschaft. Wer hier ist Hat Anteil am Tag aller. Mütter stillen ihre Kleinkinder Dann lesen sie in Modezeitschriften Das eingeschlafene Kind noch im Arm. Unrasierte Arbeitslose Wühlen in ihren Rucksäcken Durch die Eselsohrendossiers Und telefonieren mit der Sozialvorsorgerin. Ein junger Vater erzählt seinem Sohn einen Bildband Während der ältere Junge Egoshooter anschleppt. Eine Yugo-Gang beginnt bei den Anatomiebüchern Und endet bei den Erwachsenen-Comics Bis der...
04. März 2013
Kriechend fortfahren. Untief und dauernd. Aufschiessen im Zwielicht Mit Unterlippen Vom Biss errötet. Leben im Zwielicht und kriechen Bis zur nächsten Gabelung. Gibt es einen Anfang? Vager erinnern wir uns: Sind wir viele oder nur eine? Wir klettern nicht – ein Vorteil. Lebendig im Hummelzunicken. Unser Geist: die Härchen an Stängel und Blatt. Leise Empfindung des Insektenkriechens. Glück ist eine neue Sprosse. Leben ist eine Form des Kriechens. Sterben ist eine Form des Honigs:...