Artikel mit dem Tag "Alltag"



28. März 2017
Auch meine Mutter war so eine Pflanze, bei jeder Berührung oder Rührung verliess sie den Alltag, Als flüchtete sie aus einem Stall, setzte sich in ihre Ecke, kratzte an ihrer Stirne herum, Mit vor wortloser Panik bebenden Lippen, als flüsterte sie mit der Erinnerung an ihre Entjungferung, Und ich war ein Insekt in Winterstarre, um das man vorsichtig herumzutappen hat, Es könnte einen unvermutet anspringen wollen, auch wenn es beim Versuch bleiben musste, sagte Bahm Und rieb sich das Kinn,...
20. März 2017
Da stehen sie schon Schlange vor dem Elektronikfachgeschäft: In Reih und Ordnung wie zur Erschiessung abkommandiert. Noch ein letzter Blick in ihre Bildschirme und Eine kurze Nachricht an die Liebste — Drüben eine weitere Baugrube wie ein umgekehrter Kühlturm Vor der ein Rentner steht und hinunter forscht Als ergründe er die Augen seiner Enkelin — Und vor Werbeflächen verkünden Irgendwelche filetierten Frauen Den umgewandten Feminismus Der in der Annahme der Zuschreibungen Gegen die...
01. März 2017
Im Bauch der Kantinengespräche Schaukelt Kollege Essig Auf dem Himbeersirup der kompetitiven Freundlichkeit: noch ist sein Kopf Unerfüllt und die Versprechen Entenbürzel — Überstülpung eines Tunnels Mitten im Satz und mitten im kollegialer Brüderlichkeit: Essig fällt Das geschmeidige Gleiten ein Das ihn ins Wrack lässt Das er ist. Er lächelt in seine Saugnäpfe.
20. Februar 2017
Im Rachen der Monumentalseiten Ist das Meer: ein Wirbel von Bauchsteinen und Eine Kumulierung von Perspektiven Im Anblick der Krokodilstränen Aus Nacht und Alben. Eine Bronze Von geständiger Behändigkeit: In dem Doppelkinn kurz vor dem Abruf Der Steinhalterungen und grubenförmigen Annalen: das Auftreten von Bezirken der Liebe In Ermangelung von Kniefällen und Sehenswürdigkeiten. Ich sehe noch Die Zauberfalten am Rand des Seitenbeckens In das wir die Steine gehäuft haben Und unsere...
16. Februar 2017
Am Morgen sehe ich die gleichen Menschen auf meinem Weg zum Bahnhof an stillen Pausenplätzen und am aufgeregten Treiben der Krähen vorbei die gleichen Menschen und zögere manchmal besonders an so einem Tag wie diesem mit einer Märzsonne mitten im Februar weil sie im Regen anders ausgesehen haben diese Menschen bekannter vielleicht mir selbst ähnlicher und ich erkenne sie erst spät wenn wir schon aneinander vorbei sind oder gar nicht und einige blicken mich im Näherkommen an wie ich sie...
29. Januar 2017
Du weisst nicht Wie dein Gesicht wird — Es sendet dir keine Nachrichten Und ist gut in den Spiegel eingebettet Wie die Stimme des Nachrichtensprechers Die Schadensmeldungen und diplomatischen Vorfälle Wie Rezepte vorträgt und dein Gesicht Nimmt Gestalt an seit einiger Zeit Und trägt dir die Mutter oder den Vater vor — Und im Morgen gehört es dem Spiegel Wie ein alternativer Fakt Und dein Gesicht gehört bereits Ein weiteres Mal der Zukunft Und du träumst davon Stadtgärtner in...
25. Januar 2017
Früh fährt die Welt dazwischen Mit ihrem wimmernden Bohren Das in den guten Momenten Wie ein Sommerflugzeug und in den schlechten Wie der geile Esel mit seinem heraushängenden Schwanz In der Kälte des Wintermorgens klingt und Ich denke an die Gedichte Die andere schreiben und die mir Blosse Spielereien sind und keine Spiegel Oder Warnsirenen oder Erdbeben Denn es ist ja kein Rumpeln oder Krachen Es ist ein Wimmern und Jaulen Und wäre ich nah genug dran Vielleicht hörte ich auch Die Zähne...
24. Januar 2017
Die Schwelle in den Tag Ist nicht zu überschreiten — Es bleibt Nacht und die Tanne Streckt ihren rabenhaltigen Finger Aus in die Fenster und Gärten. Die Leidenschaft trägt diesen Klumpen Der aufschwillt wie ein Airbag Mit jedem unsicheren Erinnern deines Gesichts Bis in die Kehle des Morgens Immer wieder an diese Schwelle An der den Tritten zum Trotz Das Moos leckt — Die Schwelle in den Tag Lässt sich nur reiten — Es bleibt Nacht und die kalten Lippen Streifen ungeschickt die...
15. November 2016
Eingestülpt in mich Mein Handeln. Pflanze -- Anemone oder Mimose. Die Zeit schliesst ihre Braue über mir. Die Erde dauert. In ihrem Lehm In ihrem Dämmern steckt Mehr Licht als im Behändigen All der Dinge -- das Rauschen Ist eine Stimme voll Kies Die Wahrheiten voll Meinungen Elaboriert. Die Lippen der Angst -- Die Lippen der Angst umschliessen Wie steinhöhlendes Rieseln den Berg Der zur Maus geht. Mein Handeln Ein nachtblaues Fell gegen innen Mit den kitzelnden wortlosen Sternen. Ich werde...
10. November 2016
Ein Handkehrum nimmt in Vergessenheit den stillen Doppelladerzungen ihre Sicherheit. Das Verbleiben der ungehörten Sprachnachrichten in stilsicherer Unschuld gibt Anlass zum Wursteln. Im Geschirr der Därme würgen Verzeihen und Selbstwert um Fassung und Hürde ganz ohne Händeringen.

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