Artikel mit dem Tag "Übersetzung"



14. Oktober 2014
In einer längeren Übersetzungs-Session habe ich gestern endlich "Les Assis" von Rimbaud übersetzt oder besser: übertragen. Ich bin mit dem Ergebnis einigermassen zufrieden, kann mir aber gut vorstellen, in einigen Wochen nochmals darüber zu sitzen, um es weit freier (auch viel mehr in einem Metrum, das mir besser liegt) zu formulieren. (Den Originaltext findet ihr hier.) Schwarz von Geschwulsten, pocken-narbig, grün beringten Augs, am Gluteus spasmisch Knollenfinger lauern; Stirnbein...
02. April 2014
Die Leere entleert von ihrer Leere ist die Fülle Die Leere erfüllt von ihrer Leere ist die Leere Die Leere erfüllt von ihrer Fülle ist die Leere Die Fülle erfüllt von ihrer Fülle ist die Leere Die Fülle entleert von ihrer Fülle ist die Fülle Die Fülle entleert von ihrer Leere ist die Fülle Die Leere entleert von ihrer Fülle ist die Leere Die Fülle erfüllt von ihrer Fülle ist die Fülle Die Fülle erfüllt von ihrer Leere ist die Leere Die Leere erfüllt von ihrer Leere ist die...
16. Februar 2014
Ein gefundenes Gedicht Wie man an einem Computer sitzt Wie man lächelt Wie man Kompromisse bildet Wie man Blutspuren aus Kleidern wäscht Wie man das Lernen über Dinge liebt Wie man den Leuten das Beibehalten Ihres Mädchennamens erklärt Wie man nach Bolivien telefoniert Wie man an Gott glaubt Wie man eine Hochzeitsrede hält Wie man ohne Kochen überlebt Wie man es das ganze Jahr in Appenzell Innerhoden aushält Wie man Austrocknung behandelt Wie man schwarze Augenringe wegmacht Wie man die...
08. Februar 2014
Dann sieht das Bild auf der Etikette unseres Lieblingsrotweins Aus wie mein Ehemann, der sich von einer Klippe abstößt In seiner Inbrunst sich von mir zu befreien. Sein Fell ist rau und rosig, sein Gesicht Ruhig, verzückt, grübelnd, Der Bogen jede seiner Stangen reicht zurück Bis zu seinen Hüften, wie das Modell seines Gehirns, archaisch, Unhandlich. Er trägt ihre knochige Schale Gerade als er aufsteigt vom Rand des Abgrunds, Traumhaft. Entkommt jemand Hüpft mein Herz auf. Selbst wenn...
15. Dezember 2013
Überschriits, überflügs Übergumps, chum echli übre Riiss di los. Wie en Stei vo de Schlüdre Wienen Stern vom Himmel... Immer Verlürsch sälber all das Zügs... ... Herrgottnomol s wird nuno schlimmer Suechsch d Brülle für d Schlüssel fürs Zimmer!
25. November 2013
Jeder Trottel schafft’s in den Ozean hinein Aber es braucht eine Göttin Um aus einem herauszukommen. Was für Ozeane gilt gilt natürlich auch Für Labyrinthe und Gedichte. Wenn du zu schwimmen beginnst Durch Brandungs-Rhythmen und durch den Seetang der Metaphern Musst du ein guter Schwimmer sein oder eine geborene Göttin Um aus ihnen herauszukommen. Schau nur die Seeotter an die wild wippen Da draußen in der Mitte des Gedichts Sie schauen so eifrig und ruhig aus beim Spielen da draußen...
30. August 2013
Am Anfang ist da kein Inhalt, nur Form, eine runde oder rechteckige Blechform, die auf einem hohen Regal in einem Küchenschrank steht und mit Margarine beschmiert und mit Grieß bestreut werden muss, damit man den Inhalt leichter herausnehmen kann. Du bäckst es während mehr als einer halben Stunde. Dann, wenn ein köstlicher Geruch aus dem Ofen zu kommen beginnt, gebrauchst du ein Messer, um zu kontrollieren, dass es innendrin nicht teigig ist. Wenn es fertig ist, nimmst du es vorsichtig aus...
10. Juli 2013
Der Fluss muss jetzt so denke ich voll Vom Lachs sein. Spätaugust stell ich mir vor – Wie’s war an jenem Morgen: Niesel stach Die Fläche, über Bänken Nebel wie ein Netz Er legte sich um uns – alles feucht Und leuchtend. Damals, ungeschickt Und schwer in unsern Hüftstiefeln wateten Hinaus im Strom wir und fanden Plätze Flussaufwärts du um Ellen, weit Da draussen. Erinnerst dich noch dran: Der Fluss floss dir in die Stiefel – Du wurdest schwer von Niederlage. Den ganzen Tag schaut...