Dichterschicksal · 26. Januar 2020
Ich steh in deiner Hand ich habe mich selbst dahin gestellt nichts hat mich dahin gezwungen doch deine Hand schien warm und weit Ich steh in deiner Hand ich habe mich selbst noch nie verstellt nie noch zu dir durchgedrungen War deine Hand schon schlagbereit? So stand ich lange kindlich und mit niedergeschlagenen Augen du sollst nicht sehen meine Furcht Da stand ich Schlange vor mir all die anderen mit ihren Laugen Nein dir gebe ich nicht meine Frucht.
Variationen · 10. Dezember 2019
Aber die Lüge ist meine Begleitung. Sie ist das windgefüllte Unterhöschen das über jedem schwachen Moment flattert wenn ich mich noch am Rumpf kratze auf der Suche nach unbestimmten Bedrohungen und Reizen und ich bereits weiss wie unbedingt die eigene Armut alles durchdringt: keine situative Umleitung und kein Nagelfeilen kann die Unschärfe die fehlende Ausdauer und die unerlässliche Improvisation mehr mildern. Als hätte das Nichts in seiner immer wieder überraschenden Neuheit diesmal...
Nov19 · 21. November 2019
Nichts ist ein schönes Wort Es ist das schönste Wort: Ein Strohhalm zum Am-Gletscher-Saugen Ein Zelt für eine zu frühe Übereinkunft. Der Schmerz geht von rechts nach links über die Stirn: das lispelnde Geräusch von Rückhand-Buchstaben. Und an Kehrtwenden genug haben an schmalen Lippen und Massnahmen gegen Sonnenbrand. Im Nichts das kommt unter der Wolkengüte eines zuckenden Lids (kann das abfallen Papa?) kann ich dich sehen schüchterner Handlauf an entriegelte Vergangenheit schönerer...
Bonsai · 15. Oktober 2019
Du im dunkeln Geruch lange nach der Schlacht über den Geiern im Magensaftnebel noch nicht kriechst nie mehr greifst hinauf am Aufwind vorbei mit letzter Kraft und der helle Bärlapp züngelt im Geruch von unten lange nach dem Sommergras und kein Zweifel daran wie übel du mitspielst immer noch im Geschleich vom Sodbrennen du in der Schale tiefer als die Wurzel und Zähneknirschen lange über den Geiern Bettlerarm mit geballten Nadeln ausgestreckt überm Absturz ungeschlacht lange du im Aufwind...
Sommergedichte · 03. September 2019
Wenn ich so in meinem Schweiss kauere Umgeben von Büchern Staub vollgerotzten Taschentüchern und toten Fliegen in diesen vier mathematischen Wänden Denke ich an Hank Alfonsina oder an Arthur An die Loser Die sich gerade so durchs Leben schlagen Jeder Augenblick ein Augenblick zwischen Absturz und Grad-noch-mal-geschafft Denke ich an meine Nächte In denen ich mit einem Wort als Flügelchen durch die See von Schweiss und Sperma pflüge und am Morgen aufwache wie ein Insekt dem man die Beine...
Aug19 · 30. August 2019
Noch immer will ich (grüne Augenkragen) greifen nach Asteroiden geflochten in die Vaterschaft gekrümmt in die Null vor dem Komma Lichtjahre pressen aus Jetzt und in die Astern sturzwachsen und erheben die Alten in ihr verrutschtes Grienen in die Seele der alten Sonnen: wie du noch immer nichts entdeckt: Tafelbergsavannen aus Kontenüberträgen Karteneinzügen und Kakerlakenläufen: will ich wie du wenn der strenge Schlaf das Visier zugeschlagen eichenfarben Spätstroh anders mutiert mutierend...
jul19 · 29. Juli 2019
Ich komme in der Wachheit an weich und Marschfeld im Westen meines Hungers die Beine umschlungen mit Geräten die sich wie Sirenen verhalten die Rückenwurzel enthalst von Finanztransaktionen die dem Hormonhaushalt eines Pubertären entsprechen und komme in die Wachheit mit süssen Nägeln im Kopf und stupiden Clementinen im Herzen und vollführe kunstvolle Saugbewegungen unter einem Skalp der seine Hulkability bis ins letzte Momentum erster Erwägungen und letzter Vorzeigbarkeit verleugnet und...
Poetik · 25. Juni 2019
Die Idee eines statischen Gedichts: mehr Bild oder Skulptur als Film oder Folge - Beschreibung und Fixierung, gelegentlich Vexierung - genügt mir nicht mehr. Gewiss kann ein Gedicht als "Momentaufnahme" ganze Zeitalter durcheilen oder erfassen, nur schon von der Zeitenfolge her. Ein solches Gedicht ist in meinen Augen ein wenig wie Giottos "Einzug in Jerusalem", wo im rechten vorderen Bildfeld drei Männer dargestellt werden, die ihre Mäntel ausziehen, um sie auf die Strasse zu legen: der...
schmarotzer · 13. Mai 2019
Das Gras glüht über der Müdigkeit und die Schreie im Gestein strecken ihre Wurzeln aus nach den Seerosen bei den Fröschen und nach den Eisenstühlen im Kies. Ich fühle mich dumm und ansteckend. Die hybriden Blütenantriebe haben ununterbrochen nach mir gerufen: schien es nicht fast als riefen sie roth aus der arkadischen Ödnis heraus nach der Wolle im Mund der Politiker mit ihren Paletten von Leitbildern und Gemeinplätzen und du mitten im Regen auf der Ile de la Cité hältst mir dein...
Apr19 · 10. April 2019
Auf deinem Amorbogen wächst Moos: Abrieb von Rubellosen – die Karrespuren von Lieferwagen über der Dentaltektonik drainagegrabentief und der Schweiss schäumt auf in der Torso-Stop-Motion und ist auf der Zunge an deiner engen Lende pestizidbitter und in den Gunten auf grauem Leinen siedeln erste Veneriden (Flucht in lauere Feuchtzonen) und über der Heidelandzunge meines Rückens die ausführlichen differenzierten Handzeichen einer Chauffeurin – in der grünen Zone der Marktregel Zufall...

Mehr anzeigen