Okt20 · 05. Oktober 2020
Auf den ausgelaugten Böden wächst nur noch der Mais. Irgendwann müssen wir eh alle sterben Sagst du weil du Unsterblich bist in diesen Augenblicken Die dein Auge mit Büffelfell füllen: Körner von Unbill wachsen wie Türen in den Tiefen deines Körpers Häufen sich wie Schädel im Schambereich Klar und satt von Pestiziden und Öl. Du bist die Speerspitze Ungebrochen von den Samthandschuhen der verschleuderten Gelegenheiten (Unbill ist dein Mahl): Die abgestrittenen Fehler – Kind stürzt...
Sept20 · 14. September 2020
Ich schlafe nicht Die Bälle tropfen auf das gelbe Gras Die nachgesunkenen Sanktionen entladen die Würde: neunte Stunde Ein Flug von Käuzen im Beutel der Hitze Neunte Stunde für den vorbereiteten Karren aus Feuerröte am Himmel über Gilboa: Glaube nur nicht Du machtest mich wach willst hinkommen nur um Nichts von dem zu finden was ich suche – Ich schlafe schon nicht Die roten Wangen und die staubigen Federn: die Stunde zuviel Die wie Pfeffer in das gelbe Gras sinkt Und der Flug eines...
Sept20 · 06. September 2020
ich habe nichts. die landverteilung unter den kanälen schreitet voran nimmt zu. die winde husten in die niederungen über den wattebenen. etwas beginnt zu zittern und später zu tropfen. die wolkenstränge hängen ihre kuppeln voller oliven. aber ich habe nichts: die erfahrung lehrt noch das was erfahren wurde wäre nur zu wahr wenn es erfahren worden sein könnte: nichts verteilt die nahrungsketten besser als diese ungeschifften strömungen von denen ich durch die ladehemmungen im bereich der...
Aug20 · 31. August 2020
lavalader kreuzen sich im wassergraben vor den koniferenfällen als hätten sie nicht von den früchten der tiefe gekostet und könnten nur die verwühlungen in meinem können verachten: verbrachten die verstimmungen in die schlüsselverkehrsstätten nahe der pissoirinfrastruktur der ersten angst: dann wäre ich fast nicht hingefallen. in den andern adern schlürfen die geliebten narren vorsichtig und mit absicht die ungetränkten abschnitte meiner landestätten: abgehungert und ausgekugelt...
Berggedicht · 20. August 2020
Die Innenschenkel von etwas Das ungestirnt und aufgepflanzt Den Nollen auf Augenhöre Mir aufsteht im schamparen Faungerücht: eine Vorstellung von Pink In lässlicher Bestrebung und eine Fahrt Durch rollende Gesteinskämme Mitten im Fleischturm vor den Klauen: Ein ungeschenkeltes Keuchen von etwas Dem die Zunge gezogen und aufgespart Für jene grau geschliffenen Tage Am Ende von Geschlecht und Grammatik Das von den hohen Absätzen aufgespiesst Und bis zu mir getragen vom Firn Spricht von einer...
Schreibkrise  · 09. August 2020
Nicht noch einmal Die Steine umarmen Und einholen aus dem Lee Die Berichte von den Brettern Und Larsens Migräne Nicht noch einmal Ein Mann mit seinem Bedürfnis-Horizont Nicht zurückzuholen aus dem Abschied Und aufschlagen auf dem Traumbeton in seiner Schon wieder rosigen Unversehrtheit Nicht noch einmal Hinaustreten ins Gedicht Hervorgeholt aus der Unschuld des Spiegels Und verrichten die Mauerschau eins Mutierenden Und die Ernsten schrecken Nicht noch einmal Die vierte Wand errichten Und...
März20 · 27. März 2020
Vor bald 10 Jahren, in einem anderen Beruf, in einem anderen Leben, hatte ich regelmässig - alle 1 bis 2 Monate - Magenverstimmungen. Ich nannte sie "psychotische Magendarmgrippe". Ich war ein bis zwei Tage "ausser Gefecht", ich kotzte mir alles aus dem Magen und aus der Seele, was ich gegessen hatte und schlucken hatte müssen. Das Leben schlug mir buchstäblich auf den Magen. Mein Körper solidarisierte sich mit meiner Seele, wenn du so willst. Ich weiss noch, wie ich die Kloschüssel umarmt...
März20 · 26. März 2020
Als von Proust durch und durch geprägter Leser und Denker sind für mich einige Fakten zum Schreiben gegeben: Nur aus dir kann es kommen: Von meiner ersten bewussten und durchdachten Lese-Erfahrung mit C.F. Ramuz - ich war etwa 14, 15 Jahre alt - stammt die Erkenntnis, dass ein Stoff aus mir selbst kommen soll; er muss nicht meine Erfahrung oder meine Erlebnisse wiederspiegeln, sollte aber von mir verstanden und nach-erlebt sein. Das bedeutet sowohl eine Einengung als auch eine Befreiung mit...
März20 · 25. März 2020
Schreiben braucht Mut. Ausdauer. Oder vielleicht nennst du es besser Überwindung, "gegen den inneren Sauhund ankämpfen". Denn nichts ist schwieriger als der Trägheit, der Erschlaffung zu entrinnen, dem Schaukeln und Schunkeln im vertrauten Kreis. Du kennst die Abläufe, die Aufgaben, jedes Ding hat seinen Platz, du selbst brauchst die immer gleichen Sinnbrüche und Handgriffe. Die dir auch bei dem helfen, was du kannst. Deinen Gedichten geht es gleich: du bestimmst mit einer gewissen...
März20 · 24. März 2020
Ich glaube, im Anfang jeder Lesebiografie steht die Neugier. Die Neugier von Kindern und Jugendlichen, in Geschichten etwas zu "erleben"; in andere Welten abzutauchen, sich andere Persönlichkeiten und Schicksale anzueignen. Natürlich auch die Neugier, sich Wissen anzueignen: über Dinosaurier, das Weltall, Motoren und Pferde. Es handelt sich dabei durchaus um ein erstes Herausgehen aus sich selbst, ein Fremd-Gehen. Um den Erwerb von Parallel-Erfahrungen, bei manchen von uns vielleicht sogar...

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