März20 · 27. März 2020
Vor bald 10 Jahren, in einem anderen Beruf, in einem anderen Leben, hatte ich regelmässig - alle 1 bis 2 Monate - Magenverstimmungen. Ich nannte sie "psychotische Magendarmgrippe". Ich war ein bis zwei Tage "ausser Gefecht", ich kotzte mir alles aus dem Magen und aus der Seele, was ich gegessen hatte und schlucken hatte müssen. Das Leben schlug mir buchstäblich auf den Magen. Mein Körper solidarisierte sich mit meiner Seele, wenn du so willst. Ich weiss noch, wie ich die Kloschüssel umarmt...
März20 · 26. März 2020
Als von Proust durch und durch geprägter Leser und Denker sind für mich einige Fakten zum Schreiben gegeben: Nur aus dir kann es kommen: Von meiner ersten bewussten und durchdachten Lese-Erfahrung mit C.F. Ramuz - ich war etwa 14, 15 Jahre alt - stammt die Erkenntnis, dass ein Stoff aus mir selbst kommen soll; er muss nicht meine Erfahrung oder meine Erlebnisse wiederspiegeln, sollte aber von mir verstanden und nach-erlebt sein. Das bedeutet sowohl eine Einengung als auch eine Befreiung mit...
März20 · 25. März 2020
Schreiben braucht Mut. Ausdauer. Oder vielleicht nennst du es besser Überwindung, "gegen den inneren Sauhund ankämpfen". Denn nichts ist schwieriger als der Trägheit, der Erschlaffung zu entrinnen, dem Schaukeln und Schunkeln im vertrauten Kreis. Du kennst die Abläufe, die Aufgaben, jedes Ding hat seinen Platz, du selbst brauchst die immer gleichen Sinnbrüche und Handgriffe. Die dir auch bei dem helfen, was du kannst. Deinen Gedichten geht es gleich: du bestimmst mit einer gewissen...
März20 · 24. März 2020
Ich glaube, im Anfang jeder Lesebiografie steht die Neugier. Die Neugier von Kindern und Jugendlichen, in Geschichten etwas zu "erleben"; in andere Welten abzutauchen, sich andere Persönlichkeiten und Schicksale anzueignen. Natürlich auch die Neugier, sich Wissen anzueignen: über Dinosaurier, das Weltall, Motoren und Pferde. Es handelt sich dabei durchaus um ein erstes Herausgehen aus sich selbst, ein Fremd-Gehen. Um den Erwerb von Parallel-Erfahrungen, bei manchen von uns vielleicht sogar...
März20 · 23. März 2020
"Ich habe oft gesagt, dass das Unglück der Menschen von einer einzigen Sache her kommt, und die ist nicht in Ruhe in einem Zimmer bleiben zu können." Blaise Pascal Als Religionslehrer erlebe ich immer wieder, wie Schüler*innen sich einer Aufgabe, die sie fordert (und vielleicht hin und wieder auch überfordert), zu entziehen versuchen: sie haben plötzlich schrecklichen Durst, müssen plötzlich ganz dringend aufs WC oder kommen nach vorne, um wie verrückt ein Bleistift zu spitzen. - In der...
März20 · 21. März 2020
Seit einiger Zeit, vielleicht schon seit Monaten, sträubt sich in mir alles dagegen, noch etwas zu schreiben. Mich an einen neuen (oder gar an einen alten!) Text zu setzen, das hielt ich in meiner oberflächlichen Tagesform und Tageseinstellung für überflüssig und unnötig. Anders gesagt: Was ich zu sagen hatte oder hätte, führte nirgends hin, konnte niemand - und am allerwenigsten mich - mehr zu einer Erneuerung führen. Denn in meinen Augen geht es immer um die Erneuerung, wenn du...
feb20 · 18. Februar 2020
In den Falten von Bedarf und Manko hoch oben auf den Zinnen von den wenigen lückenlosen Gegenwartsfrakturen wo keine Rede mehr auftrifft finde ich dich: in den ellenlangen Drehungen und Endungen wo die Erinnerungen an dich schwarzhaariger Clown mit breitem Maul spiegelfast ins Gelände hinausschiessen dorthin wo vom Brauchen nicht mehr die Rede sein kann dahin wo von der ermessenen Tragweite deines Tuns nicht einmal mehr das Ellenköpfchen zu tasten ist: Fakturen um Fakturen von lückenlos...
Dichterschicksal · 26. Januar 2020
Ich steh in deiner Hand ich habe mich selbst dahin gestellt nichts hat mich dahin gezwungen doch deine Hand schien warm und weit Ich steh in deiner Hand ich habe mich selbst noch nie verstellt nie noch zu dir durchgedrungen War deine Hand schon schlagbereit? So stand ich lange kindlich und mit niedergeschlagenen Augen du sollst nicht sehen meine Furcht Da stand ich Schlange vor mir all die anderen mit ihren Laugen Nein dir gebe ich nicht meine Frucht.
Variationen · 10. Dezember 2019
Aber die Lüge ist meine Begleitung. Sie ist das windgefüllte Unterhöschen das über jedem schwachen Moment flattert wenn ich mich noch am Rumpf kratze auf der Suche nach unbestimmten Bedrohungen und Reizen und ich bereits weiss wie unbedingt die eigene Armut alles durchdringt: keine situative Umleitung und kein Nagelfeilen kann die Unschärfe die fehlende Ausdauer und die unerlässliche Improvisation mehr mildern. Als hätte das Nichts in seiner immer wieder überraschenden Neuheit diesmal...
Nov19 · 21. November 2019
Nichts ist ein schönes Wort Es ist das schönste Wort: Ein Strohhalm zum Am-Gletscher-Saugen Ein Zelt für eine zu frühe Übereinkunft. Der Schmerz geht von rechts nach links über die Stirn: das lispelnde Geräusch von Rückhand-Buchstaben. Und an Kehrtwenden genug haben an schmalen Lippen und Massnahmen gegen Sonnenbrand. Im Nichts das kommt unter der Wolkengüte eines zuckenden Lids (kann das abfallen Papa?) kann ich dich sehen schüchterner Handlauf an entriegelte Vergangenheit schönerer...

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