All die kleinen Dinge

Die Zerstörung durch all die Kiesel in unserem Leben, unwägsame 

Dringliche und raschelnde Details, die mir nächtlich den Schlaf rauben,

Eine Art Ursuppe der Abwesenheit, der Ausgeschlossenheit von Denkformen,

Schwappendes Wachhalten und leckender Faktendamm, ich werde nie los den Gedanken an das Leben,

An all das Lebendige, sagte Bahm und beugte sich über seine hochragenden Knie vor,

Um einen weiteren Schluck vom „Southern“ zu nehmen, den ich ihm zu dieser frühen Stunde,

Die Kinder waren eben aus dem Haus, auch die Frau, hatte vorsetzen müssen, 

War er doch hereingestürmt mit einem Gesicht, rot vor Angst oder Wut,

Aber das konnte man bei Bahm nie unterscheiden, es waren dies bei ihm zwei Zustände,

Die sich glichen, vielleicht sogar das Gleiche meinten, und er war dann

 

Ein Schiffbrüchiger, den zu retten ich mich immer für verpflichtet hielt,

Entgegen aller Warnungen und Auseinandersetzungen mit meiner Frau,

Bahm hielt sich das Glas vor die hohe Brust, leckte sich die Lippen,

All das Lebendige, das wir streifen mit Blicken und Gedanken, wenn wir wach sind, aber nicht

Wachen, es drängt sich in meine Nacht, ja beseelt sie, und ich rede hier nicht von den

Punkfrisuren der Zahnbürsten, ich rede nicht von den Vulven ungepflegter Kerzen vor den Altaren

Der Armen in Manila oder Macao, ich rede nicht von den Innenwänden der Pfeifen,

Obwohl ich mich gerne über die Ungenauigkeit beklagen möchte, die uns

Auf Schritt und Tritt begnadet, sobald wir nachdenken darüber,

Wer wir sein könnten, wer wir zu sein hätten, könnten wir nächtens nur schlafen und uns

 

Wehren gegen die unglaubliche Schlichtheit und konkrete Unmittelbarkeit

Von Fakten: natürlich sind es nur Eindrücke, flüchtige Wahrnehmungsmomente,

Und doch sind die kleinen Dinge in ihrer Unzahl präsent, dringen ein

Nicht wie Parasiten, nein, wir sind ihre Parasiten, dieses Eindrucks

Erwehre ich mich immer weniger, das garantiere ich dir, je älter ich werde und mich fühle,

Wie notwendige, aber ausgeschlossene oder weggegossene Essensreste und Möbel,

Denen wir seit den Anfängen eine Wohnstatt und Verdauung verweigern, und ich kann wieder nicht

Schlafen, weil sie leben, oh nicht in mir und noch weniger für mich,

Leben, lebendiger als wir in den ehrlichsten Umschlingungen, im dringlichsten Speicheltausch,

Und er blickte mich an mit seinen roten Augen, wahrer als wir, die wir

 

Schlafen nicht wie sie es zu tun scheinen, du weisst sehr gut selber, 

Dass ich es inzwischen kaum mehr aushalte, einen noch so kurzen Besorgungsgang zu tun,

Weil mir dabei all die kleinen Dinge begegnen, in mich einsickern, mich

Fluten, überfüllen mit ihrer Direktheit und ihrer allein sinn-fälligen Sprache,

Und kein Wörterbuch oder Thesaurus kann mir, kann uns dabei helfen, kann uns

Flüchten helfen, und dann kommt wieder die Nacht und führt uns das Gleiche vor,

Die gleichen Reihenfolgen und Folgen, als wolle sie uns für die Armut

Unserer Tage trösten, wenn wir überhaupt Schlaf finden, sagte Bahm und 

Befreite sich aus der Umarmung des Sessels, griff in seine Hosentasche und zog

Einen weissen, fingerbeerengrossen Plastikkönig heraus, den er mir vor die Nase hielt.