Otto-Braun-Strasse, 1998

Die Strasse nagt immer noch an mir. 

Unverwandt ist mein Blick auf den scharf gezackten Rand

Der zerschlagenen Windscheibe gerichtet

Nagt an mir mit der Eifersucht der wachsenden Jahre

An jener Bushaltestelle zu der ich dir

Nachgeeilt war als hätte ich

Mit der geköpften Weinflasche 

Des Gedichts eine immerwährende Markierung 

In die sanfte Kühle deiner Arschbacken 

Geschnitten du meine Hera 

Mit dem Eifer des Vorfrühlings nagt die Strasse

An mir und ihc noch stichfest und immergrün

Lege immer wieder meine unversehrte Freude

Wie einen Zungenkuss auf die gezackten Ränder

Der leeren Windscheibenfassung und

Spüre die Strasse an mir kauen

Wie nur Gedichte das können

An der Karotide einer ernsten 

Mehrspurig befahrenen Liebe.