Kolostrum

Und plötzlich fliesst es.

Das ist dunkle Milch

Die nach Erde schmeckt

Und nach Stein. Ein Schluck Öl.

Die Brust öffnet sich 

Weit wie eine Wunde

Ungeschlagen & ungeschöpft.

Halme spriessen und kitzeln in der Kehle.

Das Schlucken

Ungelernt

Ist noch kein Gurgeln.

Das kommt hoch. 

Das kommt noch:

Nur Geduld. Erst mal

Sich die Lippen lecken

Als hätte man sie verbissen —

Die Zunge stösst hervor 

Wie die Dornen im Wind. 


Es fliesst. Dämmergelb. 

Doch auch Schlamm leuchtet auf in sich:

All das Leben

Unsichtbar & im Werden

Jetzt wie ein Tanz im Schoss des Zwielichts —

Und bitter munden die Gerinnsel

Die zuerst heraustreten:

Die Zunge streicht wie eine Faust an der Feder

Über die Brust: saugender Schmerz

Schöpfender Kuss. Dämmerung fliesst

In der Kehle

Körnig & Korn.

Es spriesst & sticht schon.

Bald ist die Rede ganz unmöglich.