2 Einträge aus dem Schreibtagebuch

Wörter in ihrer ganzen Allgemeinheit in Gedichte schlagen wie Nägel in lose Bretter: und doch sieht jeder sein eigenes Bild an einem Ballonfaden im Wind hin- und herschwanken. 


Die Bibelsprache infiziert nach und nach — wie befürchtet — meine poetische Sprache. Eine Stärke dieser Krankheit ist ihre fremde Bildwelt; sie ist voller Chiffren und intertextueller Spielformen. Gleichzeitig ist diese Sprache sehr gegenständlich-direkt und einfach. Damit liefert sie beste Vorlagen für meine beiden Hauptanliegen: intertextuelle Tradierung und Entschlackung der Sprache. Die Gefahr des Ableitens in religiöse Poesie mit ihrem ewig gleichen Vokabular und dem bebilderten „fühlst-du-mich“-Schmus glaube ich vorerst bannen zu können.