Hyperventilation

Die Nadel sticht

Genau daneben. Auch getroffen. 

Die Präzision dieses Stichs ist Absicht. 

Blut wölkt in die Kammer

Hinter dem Stich. Stumpf ist die Nadel

Die einen Fadenkurs stechen will

Grün wie das Moos an der Rinde gen Norden

Und rot wie die Talgkruste auf der Warze. 

Im Vorhof steht eine Frau — 

Ein Besen. Ihre Reisigstimme

Kratzt auf den Platten des röhrenden Winters. 

Zeit vergeht wieder. 

Ein weiches Nadelspitzenbett

Und du beisst in ein Gebäck

Das bröckelig bricht vor deinen Lippen.

Die Kammer in der sich Blut in Flocken ausdehnt

Fasst dich schon nicht mehr.

Was wunder wenn man bedenkt

Dass ein ständiges Danebenstechen

Der Präzision nur zuträglich sein kann. 

Und der Schmerz nicht anders als der Verlust wie eine

Dumme Kuh!

Ihren Seichstrahl in Plötzlichkeit und ohne Absicht

Wie einen Seilstrang

Auf dich richtet 

Und du dich zu fragen hast

Ob das Ernst oder Trug sei

Dass die Tinte schneller trocknet als Blut

Und die Bullen hinter dir her donnern

Auf ihren Pumps wie der eigene Atem

Am gespitzten Hyperventil der altväterlichen Bergzitze. 


(Für Thomas Kunst)