Dein Gesicht vergessen

Ich habe kein Bild von dir. 

Ich weiss noch

Dein Gesicht ist einigermassen rund

Dein Kinn hat genau die richtige Breite und Grösse

Deine Nase ist grösser in meiner Erinnerung

Deine Augen verblassen und sind fast schon gelb

Waren sie je kupferrot?

Das ist es 

Das ist das Wirken der Zeit!

Du vergehst in mir 

Wie ein Zuckerstück

Und selbst deine Stimme

Deine bernsteinfarbene Stimme

Kehrt nur selten zurück

Zu mir wie eine Feder

Die ich vor mir herblase…

Es gibt kein Bild. 

Je mehr ich daran denke

Umso weniger bleibt mir von dir… 

Ich will nicht mehr an dich denken.

Das bringt nichts. 

Das verrührt nur dein Bild

Und ich verrühre noch mehr

Meine Hände als wollte ich übers Eismeer hinweg

Zeichen geben das sich ausdehnt zwischen uns 

Wie die Flagge einer Nation von Freaks. 

Die Erinnerung ist ein Scheibenwischer

Der flüsternd über die Windschutzscheibe fährt

Und die Sternbilder aus Mückentod und Vogelschiss verwischt —

Fast erkenne ich dich darin

Aber schon hat der Scheibenwischer 

Ein wenig mehr weggewischt

Und meine Blicke folgen ihm jetzt

Hin und her. Da ist nichts

Was noch du sein könntest. 

Nicht einmal dein Name

Enthält etwas von dir und deiner Gestalt

Und vergebens versuche ich mir deine Hüften vorzustellen

Oder deine bleichen Waden im vergangenen Sommer… 

Du bist zur Feder geworden

Die mich niesen lässt jeden Morgen und Abend.

Du süsst mein Leben und mein Jetzt

Und das ist alles

Was ich von dir behaupten kann

Was ich von dir mit einiger Sicherheit behaupten kann…

Weiss wirst du erdbraun

Und zerfällst in Teile

Und löst dich ganz auf in mir. 

Ich trinke das was du sein könntest

Und die Süsse ist ekelerregend

Aber besser als das Zirpen der Scheibenwischer.