143. Viertelstundgedicht

Noch bin ich nicht gestorben!

Noch gleicht die Farbe der Frauenstrümpfe 

Nicht ihrer Augenfarbe und noch mischt sich

Der Gedanke an ihre Schenkel

Nicht mit meinem Hunger.

Aber mein Mund wässert und schmeckt

Fest in Trauer

Freude in Sorge

Münz in Wort —


Elend ist es nicht zu essen

Elender ist es keine Wörter zu haben dafür


Noch lebe ich!

Ich widme mich 

Den Tränen für Gezeiten

Den Backenzähnen für die Mechanik

In der ich rolle 

Seit dem ersten Schrei —

Am Anfang weiss man nicht um diese Gischt

Und staunend blickt man in die Gesichter der Eltern

Von Sorge und Trauer versiegelt

Fast als kennten sie nicht

Die Freude das Fest und die Worte jeden Tages

Und die Leichtigkeit des Lebens —

Das Spiel ist nicht mehr Illusion für sich

Und für sie 

Sie spielen nicht 

Sie träumen nicht

Wie die Kinder…


Wo ist diese Wasserscheide und wann

Dieses Pogrom das einen ins Ghetto der Wirklichkeit treibt?


Elend ist es nicht zu essen

Elend ist es keine Wörter zu haben dafür

Am Elendesten ist es zu spüren

Dass sie diese Lufthappen andeuten

Wie sehr all dies unwichtig ist

Unwichtig und unwirklich


Während ich meinen Gürteldorn hinter dem letzten Loch einsteche

Und die Hosen über die Hüften hochziehe.