Schreibtagebuch vom 27. Oktober 2014

Du wirst nach der Absicht hinter einem Text gefragt. Du antwortest, da sei keine Absicht dahinter. 

Du meinst, was du sagst. 

Wenn es Absicht gibt, dann ist sie im Schreiben entstanden. Du willst nur schreiben. Du schreibst, das ist Absicht genug. 

Du bist keiner, der auf dem Silbertablett Geschichten präsentiert. 

Du sehnst dich nach einer Sprache, die nicht mehr zeigt, nach einer Sprache, die ist, nach einer dinglichen Sprache. 

Deshalb vielleicht schreibst du: die Dinge in Sprache bannen. Mehr willst du nicht. 

Und weil du die Menschen nicht verstehst, - und hier baust du an deinem eigenen Mythos, deiner eigenen kleinen Lüge, würde man dir erwidern -, kannst du auch keine Menschen beschreiben. 

Absicht ist für dich ein Ekelwort wie Sinn. Darum geht es dir nicht. Du willst keine Absicht, du willst keinen Sinn. 

Du willst dieses Schweben in der Sprache. Das willst du allein. Den Zustand, nicht das Ergebnis. Und manchmal erlebt das ein Leser über deinen Text, wenn er genauso gestimmt ist wie du, genauso schwingt. 

Aber auch das ist wahrscheinlich nur Selbst- und Lebenslüge: jeder Schreiber will geliebt werden. Du willst es nicht? Kannst du nicht auch mit- und fürs Parkett spielen?

Weshalb bist du besser als andere? Ja, jetzt schweigst du. Recht hast du.