Einmal einen Satz sagen

Einmal einen Satz sagen wie

Ich brauche meine Freiheit. 

Meine. Freiheit. Schiere Unmöglichkeit 

Dieses Satzes. Ich bin vierzig. 

Will heissen die Kindheit liegt vor mir.

Wieder. Vor. Mir. Scheuheit

Bindet uns in diese Umstände

Korrektur band mich in diese Umstände

Und wir bandagieren unsere 

Eigenen Erwartungen

Mehr noch unsere eigenen 

Vorstellungen von dem 

Was uns zu erwarten hätte

Da draussen jenseits der

Schaukeln geraubten Küsse verratenen Freunde und 

Gerade diesseits der schwellenden Brüste und Klöppel

Mit ungestümem Gleichmut und veränderungsloser Gleichzeitigkeit

Mit Sicherheiten und Wägbarkeiten.

Scheuheit und noch etwas. 

 

Die Feigheit beginnt da wo du vergisst

Dass du selbst über alles nachdenken kannst

Und das bereits Gedachte und in meinem Fall

Gesagte annimmst als gehörte es 

Zu einem Code d’honneur 

Gewisse Fakten 

Die als Fiktion gelten

Nicht auszusprechen

Weil sie als Fiktion gelten 

Beginnt da wo du auf der geplatzten Lippe deines Lebens

Noch Salzreste findest die dich an den See erinnern

An dem du mit geschlossenen Augen

Und mit offenen Türen entlang gehst. 

 

Es gab einen Moment 

Den ich verpasst habe

Als die Mädchen noch lachten und

Einem nachrannten weil man ihnen

Die Mütze vom Haar gerissen hatte

Und ich erinnere mich gut an diesen März

Und das Mädchen stürzte sich wild lachend und keuchend auf mich

Und war schwer schwerer als ich dachte

Und wir fielen auf den schwarzen Boden

Der noch mit Kieseln bestreut war

Und ich riss mir davon die linke Wange auf beim Fall

Kiesel gruben sich unter meine Haut

Und es gab jenen anderen Moment

Als man sie im Schwimmbad erblickte

Wie aus den Versandkatalogen und Revuen

Die ich auf der Toilette durchblätterte

Ohne zu wissen was genau ich fühlte oder zu fühlen hätte

Als man sie erblickte und nur noch Schrecken empfand

Ob dieser ausgiebigen und defensiven Schönheit…

Auf dieser Ebene zwischen diesen beiden Momenten

Die nur ein Spalt ist im Bewusstsein oder in der Wahrnehmung

Aber ein Abgrund im Handeln und ein Sprung in der Zeit

Und es waren die gleichen Mädchen

Und wir waren die gleichen Jungen

Auf dieser Ebene steht immer noch

Unbestimmt und zwinkernd 

Der Wetterhahn des Alltags

Den wir ja wir aufgerichtet haben dort

Als könnten wir uns nach ihm richten.

 

Waren wir nicht alle einmal wie die

Die nach Westen zogen

Einfach nach Westen zogen

Auf dem Oregon-Trail

Obwohl wir uns fühlten wie die Cherokee

Auf ihrem Tränentrail?

 

Einmal einen solchen Satz sagen wie

Alles ist möglich. Ich sage ihn nochmals

Alles ist möglich. Denn ich möchte so sehr

Nach Oregon. Ich bin gar nicht 

Erwachsen. Ich kennen alle Vorstellungen

Die wie Verbände uns hemmen

Alle Erwartungen die wie ein zu weites Gelände

Vor uns liegen und uns nachdenklich stimmen. 

Die Ränder der Schablonen dieser Welt sind bläulich abgefahren

Die Tiefen der Schubladen dieser Welt sind gräulich angefüllt

Und wir sollen die Ränder den Amerikanern überlassen 

Oder ganz einfach den andern und in der wogenden Mitte

Mit den andern Bisons brüllen wir sollen den andern 

Die es nicht gibt ein Mythos sind sie diese anderen

Alle sitzen sie in der vagen Mitte gut ich gebe zu

Manchen ist die Achse gebrochen oder sie haben den Wundbrand

Aber nochmals wir sollen den andern 

Den Schritt an den Saum der Wirklichkeit 

Erlauben und uns mit der fadenscheinigen Socke des Alltags 

Zufrieden geben die man ja nicht sieht im Schuh drin?

 

Alles ist möglich heisst nicht

Alles ist erlaubt. Aber erlaubt ist

Was möglich ist und vieles ist

Möglich wenn man nicht mehr 

In den Schubladen wühlt und nicht mehr

An den Schablonen leckt als seien es 

Briefmarken. Meine Freiheit

Heisst nicht Flucht und doch

Haben wir verlernt den Staub 

Von den Füssen zu schütteln

Freunde. Die Kindheit ist nicht mehr

Gestern. Die Jugend ist schnell

Wie ein Regentropfen verspritzt

Obwohl wir eine mächtige Sintflut 

Gewesen sein müssen alle zusammen. 

 

Ich komme mir ein wenig wie

Der verfluchte Feigenbaum vor:
Woher weiss er noch dass er ein Feigenbaum ist?