IRRE oder Die Launen eines Gedichts

Behändige

Was dich bändigt:

Sandbänke und Unterspülungen.

Dein Griff hindert

Die Wendung. Führe Kühlung

Dem Mütchen zu: krumen-nah

Und doch nicht da

Erwägst du Inseln

(Irre Kapseln)

In inständiger Innervation

Und Kehraus des Unwirsch-Guten —

Nimm dich in die Hand — du

Arzneimittelschrank des Bögelns.

Du legst dir ein Geschirr an

Das nicht von hier. Flirren

Eines Bogens: kretine Krusten

Säumen die Kreten über die gespannt deine

Batteriebetriebene Ohnmacht —

Geweisselte Wand

Hinter der du das zu vermuten gelernt hast

Was dich zu versuchen reizt

Bewertete Irrsal

Deren Kurs du zu beeinflussen gelernt hast

Ohne ihn äffend eine Spur zu ändern —

Geisseltierchen und Irrlichter

Die dem Ahnen bahnen

(Rotes Rinnsal)

Fahrtenfurten zu

Inseln aus Brisen und Binsen…

 

Lauf! Sommerregen…

Fluten haben Humus geleckt

Und die Friedensglocke schwankt tonlos im Gust

Und dein Gesicht

Schön wie die Ottobraunstrasse

Schön wie die Meretoppenheimerstrasse

Löst sich auf in meinem —

Lauf unbedacht auf Würde

Im Rücken

Die galoppierenden Wellblechhütten Harares — du

Die pochenden Opernbreschen Rimbauds — ich

(Und lange nicht zum letzten Mal!)

Und vor uns

Die Unmittelbarkeit fallenden Wassers

Halb Rutsche

Halb Peitsche —

Ein Lauf ohne Blick auf

Würde und Werden —

 

Aus Irrsal und Wirrnis

Wachs und Horn:

Mutterknochen des Materiellen

Der im Staub noch atmet…

Kreta ist nicht fern

Kreta ist nie fern…

Und die trotz allen Handels

Und trotz allen Handelns

Depletierten Vorratskammern der Plether

Trotzen weder der Geradlinigkeit

Semitischer Erzählung

Noch der abgebrochenen Prophetenrede

Wiederkehrender Geschehnisse und Gedächtnisse

Indogermanischen Erfahrens…

 

Habt ihr das Geräusch des Wassers gehört?

Frosch oder Ikarus?

Kennt ihr den Wert

Eines Froschgesangs?

Kennt ihr den Wert

Eines ikarischen Gesangs?

Hat nur Ikarus

Und der Frosch kaum

Würde?

 

Die Sandbänke wachsen:

Es wird Sommer…

Auf den Fensterbänken

Der Saharastaub

Und in den Gestern hängen

Den Abziehbildchen gleich und den Blattknoten ähnlich

Dringend und engend

Die letzten Hasenpfoten

Kommerzieller Umnutzung —

 

Immer noch träume ich

Von diesem kutschenreinen Saal

Von diesem milchtropfenden Gaul

Von diesem unzeitigen Mahl

Von diesem ungefallenen Pfahl —

Wie eine tönerne Tatze

Schlägt dieser Traum

An die Glocke der Entrinnung

Und währenddessen

Wächst in mir

Der umgedrehte Pelz eines Igels

Und vor dem Schnauben des Gauls

Der selten ist wie ein weisser Rabe

Wirbelt auf der Nebel

Zu galaktischen Blattern…

 

Ich sehe es

Ich sehe es

Wie durch den Boden einer Flasche

Bevor sie kreischend aufsetzt auf dem Strand

Sehe ich es

Und in die Reglosigkeit unserer Leben fällt

Als schöbe das Nebelhorn das Schiff voran

Die Fliegenklatsche der Liebe…

Ja

Ich habe es gesehen

Sehe es noch

Wie durch das Mass einer Hand und ihre leuchtenden Fingerkuppen hinweg

Die Kruppe der unausweichlichen

Unabwendbaren

Unverwindbaren

Unumwendbaren

Baren Füsse der Tatsachen

Weggewischt

 

Und da hinein

Schwing ich

Die Fessel der

Verheutigung.