Gedanken zu Knausgard

Obwohl ich nicht Knausgards Meinung bin, 

1) dass alles Fiktive, Erfundene ohne Wert ist, weil es in einem konstanten Abstand zur Wirklichkeit steht und

2) in das Gleiche, in die Gleichheit mündet, 

ist dieses Buch - und vermutlich das ganze Epos - ungeheuer gut und wichtig. 

 

Es zeigt einerseits (und entkräftet so die eigene Theorie), dass das Persönliche, vermeintlich Eigene / Idiosynkratische eben gerade nur in das Gleiche, will heissen: das allen Gleiche münden kann. Andererseits (ebenfalls als Entkräftung seiner eigenen Theorie) macht es deutlich, wie wichtig das Erzählerische, das Kontinuum des Erzählerischen ist, und als solches eben: das Erfinden, das Weiter-Kreativbleiben. 

 

Denn, seien wir ehrlich, jeder Akt des Beschreibens oder Erzählens ist ein Akt der Schöpfung, und jeder Akt der Schöpfung ist ein Akt der Erfindung, so empirisch und fundamental er in der eigenen, spezifischen Erfahrung und im Selbst-Erlebnis verankert sein mag. 

 

Dass ich mich in Knausgards Figur fast gänzlich wieder erkenne, ist für mich nur ein weiteres Zeichen seiner Fähigkeit, besonderes verallgemeinern zu können und der allgemeinen Gleichheit oder wenigstens Ähnlichkeit männlicher Lebensläufe in unserer Zeit.