Traum Nummer 4

Eine Wiese

Weder Geschöpf noch Schöpfer —

Eine Un-

Eine Entatmung -

Ringe in einem Moorteich

Von aufsteigenden Gasen

Geworfen auf Fläche

Zäh-träge

Öl der Nacht —

 

Und wieder diese Wiese

Immer diese Wiese!

 

Verzerrtes Abbild auf einer Blase…

Unsicher aufgespannt

Auf konvexer Leinwand

Von einem Puls erzitternd

Der aus einer Zeit und durch einen Raum heranrollt

Die weder hiesig noch ennet —

 

Wo aber bist du?

Wo aber bin ich?

 

Nur diese Wiese

Die weder vor noch hinter deinem Elternhaus liegt

Wie eine Schneise

Durch die Perspektive

Durch die Wahrnehmung gelegt —

Wie grüne Fliesen

Gebreitet über den wurmreichen Rasen

Wimmelnd von Auswurf

Gewissenhaft haargenau und ungeschlacht

Inmitten der Wiese der Stein

Wie ein Steissbein —

Die Nase eines Begehrens

Die in das Réduit des Weinbrands

Reicht und riecht

An den Bergseen deiner Augen

(Auch sie sind nicht zu sehen) —

Unter den schwarzen Flügeln eines Strands…

 

Ein Stammeln und Einwand

Aus dem Haus im Rücken

Und in meiner Hand blüht

Eine Fahrradklingel —

Wie grüne Fliesen

Über die vergiessen

Die Deutewörter ihr Blut:

Gelbe Pollentropfenfäden…

 

Gezeugt aus allen Wiesen

Wie die erste Wiese —

Meine früheste Wiese

Mein Stein gleich einem

Einzelnen Wirbel

Auf dem Rücken meiner Liebe

Dem letzten Wirbel

Während du nirgends bist

Während ich nirgends bin

In dieser Kammer der Vorstellung

In der sich das Rasengrün

Breit gemacht und festgesetzt hat

In der mir vorgestellt wird die Welt

In der zu leben uns

Allein nicht möglich —

Ein unpersönliches Exerzitium in Rasengrün

Das im Flug die Nacht verklebt und langsam abgelöst wird

Von anderen

Unbelebteren Wiesen

Verheissungsfernen Wiesen

Mit Trampelpfaden Schieferplatten und Glatzen

Vergessenen Spielzeugen verscharrten bleich keimenden Kastanien und Flaschendeckeln

Bedeckt von ihm Sturm heruntergeschlagenen Ästen…

 

Doch unter ihnen fliesst weiter

Dieses Rasengrün wie Flügel

Schwer von diesem Öl

Das sich ansammelt

Aus allen Träumen von dir

Die immer Träume von mir

Vor allem aber Träume

Von uns bleiben werden —

 

Atmende und atemlose Wiese

Zu wenig Schöpfer für diese Welt

Zu wenig Geschöpf von dieser Welt…

 

Ein Doch und Wider

Ein loser Zwitter

Ein Opfer-Widder

Die ich für uns träume

Ein Tank von Wiesen

In den immer wieder geschlagen wird

Ein Loch wie ein Docht in der Nacht.