Hirsch-Sprung (Sharon Olds)

Dann sieht das Bild auf der Etikette unseres Lieblingsrotweins

Aus wie mein Ehemann, der sich von einer Klippe abstößt

In seiner Inbrunst sich von mir zu befreien.

Sein Fell ist rau und rosig, sein Gesicht

Ruhig, verzückt, grübelnd,

Der Bogen jede seiner Stangen reicht zurück

Bis zu seinen Hüften, wie das Modell seines Gehirns, archaisch,

Unhandlich. Er trägt ihre knochige Schale

Gerade als er aufsteigt vom Rand des Abgrunds,

Traumhaft. Entkommt jemand

Hüpft mein Herz auf. Selbst wenn ich es bin vor dem man entkommt

Bin ich zur Hälfte auf der Seite des Verlassenden. Es ist so still

Und leer seit er gegangen ist. Ich fühle mich wie eine Landschaft

Ein Grund ohne Gestalt. Sauve

Qui peut – lasst jene die sich retten können

Sich retten. Ich sah einmal einen Kaltnadelstich von jemand

Kleinem gekreuzigt

Auf dem Geweih eines Damhirsches.  Ich fühle mich wie sein Opfer

Und er scheint mein Opfer. Ich mache mir Sorgen die ausgestreckten

Beine des Hirschbullen seien in der falschen Richtung gebogen als er

Sich hinweg wirft. Oh mein Kumpel. Ich war eitel von seiner

Treue als wäre es

Ein Kompliment eher als ein Zustand

Teilweisen Schlafes. Und schrieb ich über ihn fühlte er

Es sei notwendig herumzugehen

Mit den Büchern auf seinem Kopf wie ein Stapel

Von Postur-Bänden, oder wie das Gestell des Geweihs

Aufgehängt dort wo der Jäger das Wildfleisch

Mit dem Sauvignon runterspült? Oh spring

Spring! Vorsicht vor den Felsen! Muss der alte

Schwur ihm noch Glück wünschen

In seinem neuen Leben, sogar sexuelle

Erfüllung? Am Anfang fürchte ich ja als ich

Uns noch nicht auseinander halten kann. Unter seinem zottigen

Bauch liegen in der Ferne die gleichmässigen Punkte

Eines Weinbergs, seine Reben, nicht vernichtet, seine Wurzeln

Sauber, seine Flaschen anwachsend an den Enden seiner

Lötrohre wie dunkles, grünes, wankendes Stöhnen.