Samstag der Poesie als Ausdauer-Prüfung

Dieser Samstag der Poesie war eisig. Es war eine wirkliche Prüfung meiner Ausdauer. Es war erstaunlich, wie symptomatisch die erste Lesung war: noch nie hatte ich böse Blicke geerntet bisher, aber am Tellplatz, meiner ersten Lesung, erntete ich insgesamt 4 böse Blicke. Wirklich böse Blicke. 

Es gab gestern wenig Leute, die bei dieser Eiseskälte stehen geblieben sind, aber es gab sie, und ich danke ihnen. Und wie immer gab es auch jene, die ihren Schritt verlangsamt haben, um einen oder zwei Verse lächelnd und mit zunickend aufzunehmen - die Beginner im Poesiehören sozusagen. 

Und am Lustigsten war eigentlich die Tatsache, dass an der Ecke zum Literaturhaus, wo ja das Basler Lyrikfestival stattfindet, niemand angehalten hat oder mich zur Kenntnis nahm, bis ganz am Schluss doch noch eine Frau stehen blieb und sich dann bedankte für das "Amüsebouche", das ich ihr geboten hätte.

Das heisst doch eigentlich, dass die Lyrikinteressierten nicht wirklich an Lyrik interessiert sind... Oder besser gesagt: nicht an spontaner, leicht anarchischer Lyrik. Lyrik ist letztlich für die meisten, denke ich mir, eine Kunstform, die erstarrt und in warmen Räumen zu geniessen ist. Und nicht eine, die im Alltag verankert sein kann. 

 

Wie auch immer, es war letztlich doch schön. Ausdauer macht stark und selbstsicher. Ich halte mich an die Wörter - und diese erhalten mich. Oder, um es mit dem bezeichnendsten Zitat des Tages zu sagen, aus dem Bukowski-Gedicht "Eine nicht so gute Nacht im San Pedro dieser Welt":

 

LASS UNS FEIERN DIE BLÖDHEIT UNSERER

AUSDAUER. 

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