Ein weiteres Traumgedicht

Enden Träume?

Ihre Falten umschlingen…

 

Ein Wort mit U

Unfall oder untot

Unselig oder ungleich

Umbrisch oder unter

Vielleicht auch einfach

Ur oder und

Bleibt einzig übrig

Von dem Traum

In dem zusammengefaltet waren

Du & ich

Ohne Unterschied…

 

Nicht einmal ein

Wort ist übrig und doch

Ist alles noch da…

Nicht hier - da…

 

Meine Tochter hält mich am Ellenbogen…

Wenn sie schweigt ist das wie sie sagt

Weil sie in einer ihrer Welten ist

Nicht in der ersten

Der irdischen

Nicht in der zweiten

In der die Geschichten leben

In der dritten Welt

Wo das irdische Geschehen sich vermischt

Mit dem möglichen Geschehen…

Welche der drei Welten denn

Ihre Welt sei frage ich sie:

Alle drei!…

In der dritten sei sie aber

Daheim…

 

Heute muss sie mich bremsen…

Ich höre ja gar nicht zu…

Ob es an meinen Geburtstagen

(Sie wird heute 11)

Auch Schlägereien gegeben habe?

Ich weiss es nicht…

Sie finde ein Geburtstag sei erst dann ein Geburtstag

Wenn es Streit gegeben habe oder eine Schlägerei…

Sie fühle sich dann richtig glücklich…

Meine oberflächliche Moral prallt an ihr ab:

Aber wenn es so sei!…

 

Nein… Träumen

Endet nie: wir sind die Luft

Durch die Ballast fällt…

Und nichts ist je

Zu Ende: fällt weiter

Tonlos fast und weiter

Hallt wieder

In einem einzigen Wort

Das uns bleibt als Klang

Als prallte etwas ab

Als sirrte eine Teetasse

In der Stille des Nachmittags…

 

Ich denke an meinen Grossvater

In seinem Zimmer im Pflegeheim

Das schmeckte nach Speck und Zitrone

Und Hygiene… Seine Blicke

Kamen von weit her und waren doch hier

Spiegelten Wissen wieder und vor

Das seinen Worten mehr und mehr entglitt.

Sein Atmen klang am Ende

Wie das Geräusch einer Hand

Die über die Haut eines Luftballons streicht…

Es geht uns heute gut

Hatte uns die Schwester gewarnt…

Wo war er?… Er wusste aber

Dass er nicht hier war - da

Aber nicht hier…

Woher sonst sein zuvorkommendes

Lächeln und seine ratenden Augen?

 

Woher kamst du in meinem Traum und

Aus meinem Traum in die Welt?

Wo warst du gewesen? Das Wort

Das keines ist

Weil es keines gewesen ist

Wer hat es gesprochen und wo?

Es erfüllt mich

Mit einer richtungslosen Hoffnung

Und einer unbestimmten Freude…

 

Abends erinnere ich mich

Unvermutet an ein Flussbett

Mit moosbewachsenen Wackersteinen.

Seine Grünheit umschlingt mich fast ganz

Während mein Sohn behauptet

Er - er habe heute Geburtstag!

Sie umschlingt mich.

Kurz erfasst mich der Schwindel…

 

Kein Unterschied…

Es gibt keinen Unterschied.

Es ist nur eine Falte

Die sich unerträglich lange schon

Windet und streckt

Durch uns hindurch

Locke oder Band

Seit Urzeiten los geschnitten

Und fallend…

 

Hört ihr das Säuseln?

Etwas so Schönes

Kann doch nur wahr sein…

Wie kann es wahr sein?

Wie wahr kann es sein?

 

Ein Flüstern… wie der Wind im Geäst oder Geweih…

Untot… Unfall…

Mutter… blutt…

Wut… Schluss…

Nur…

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