Der 2. "Samstag der Poesie"

Gestern habe ich erfolgreich meinen 2. "Samstag der Poesie" durchgeführt. Dabei habe ich rund 13 x in den Strassen von Basel mein rundes Dutzend Gedichte (wovon zwei eigene, den "Torso meiner Frau" und "Fabrik") gelesen. 

Es war ein sehr schönes Erlebnis, wie schon das erste Mal vor einem Monat. Ich hatte am Anfang ziemlich Angst, aber diese hat sich eigentlich gleich beim ersten Wort der "Definition der Dichtkunst" von Boris Pasternak gelegt. 

Ich habe wieder viele "Eiler" gesehen und bin erneut über ihre Hast und Zeitlosigkeit erschrocken. Ich verstehe sehr wohl, dass man an einem Samstag dringende Besorgungen zu erledigen haben kann, aber muss man deshalb so gebückt und unterworfen gehen?! 

Wieder waren es die Männer, Rentner und Kinder, die am ehesten Zeit fürs Zuhören hatten. Die Frauen nicht, die haben etwas vor; ausser die älteren Semester. 

Ich suche immer noch meine Lieblingsplätze. An einigen lese ich einfach, um dem Lärm, der Hast demonstrativ etwas entgegen zu setzen, an andern, weil mir die Platzanlage gefällt und an wieder andern ist die Akustik spannend (so unter dem Atrium im Dach des neuene Messebaus, wo man in stillen Momenten, wenn gerade kein Tram fährt, seinen Stimme heller als sie ist zurückhallen hören kann).

Am schönsten war das Lesen oben im Spalenberg. Dort hatte ich sogar ein richtiges Publikum; eine junge Frau hat sogar das ganze "Programm" durchgehört. Danke ihr! Dort habe ich auch die meisten Gedichte verteilt: ich verteile ab sofort jenen, die zwei Gedichte anhören aus ihrer Hast heraus, ein Couvert mit einem meiner Gedichte darin... Eine ältere französische Dame hat mir sogar ein Gedicht vorgetragen (auf französisch), das ich dann noch suchen muss, wahrscheinlich von Victor Hugo. Danke auch ihr. 

Das hat mir gezeigt, dass Lyrik (oder eben: Poesie, obwohl ich ja gerade diese Bezeichnung nicht mag, sie ist mir zu schwächlich, zu verzärtelt) eine Stelle in der Gesellschaft hat / haben kann. Dass es doch noch Leute gibt, die "jeden Tag ein Gedicht" lesen, wie mir eine Frau gesagt hat. Das ermuntert, weiter zu machen. Ein junges Mädchen z.B. ist am Münsterberg umgekehrt und kam zu mir hin, um zu fragen, ob das wirklich die "Inventur" (Günter Eich) sei, die ich eben gelesen habe. 

Und die lustigste Lesung gab ich gestern einem Jungen hinter den Beinen seines Vaters, ich kauerte mich der Deutlichkeit halber hin und las ihm "Es chunnt en Riiter über d Brugg"... Und sogar auf dem allzu weiten Theaterplatz hatte ich gegen Ende des Programms einen jungen Zuhörer, der sich bei mir bedankt hat, schön wie der junge Delon. 

Allen also: Danke fürs Zuhören und bis am 30. November! Hoffentlich ist dann auch wieder ein solches schönes, warmes Sonnenwetter. Aber das ist nicht wichtig: Lyrik blüht auch in Schnee und Hagel auf. 

Aber eigentlich möchte ich gleich nächsten Samstag wieder hinaus und lesen. Vielleicht mache ich das auch, aber nur am Spalenberg? Wer weiss!

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