Nichtigkeits-Gedicht

Plötzlich ist alles nicht nur nicht

Nichtig mein Freund

Als hätt eine Taube draufgeschissen

Sondern in hohem Bogen

Überflüssig als würfe man

Die Säue zu den Perlen:

Die einen zwiebelgleich wachsend um ein Schmutzkorn

Die andern auf Laufsteghacken wühlend nach der Nuss.

 

Ein Gaul steht auf der Wiese des Taus

Den Kopf auf Halbmast. 

Ein Tau entwächst der Flanke einer Ulme

Darunter ein ewiges Licht mit rottenden Rosen.

 

Die Blösse der Sau und die Hülle des Korns:

Wie seltsam ist es doch

Dass die Schrauben in meiner Kindheit

Mehr und mehr von Nieten ersetzt wurden

Und ich dennoch mein Freund davon träume

Den Getriebekasten vorsichtig zu öffnen um nochmals 

Die Schreie meiner Mutter oder meines Bruders zu hören. 

 

Giftgas. Horrorberichte aus Syrien - 

Darunter ein riesiges Bild von einem Bikinimodell 

Mit Gasmaske. 300 Hektoliter radioaktives Löschwasser

Ins Meer ausgelaufen - daneben ein kleines Bild 

Für kostenloses unbegrenztes Kommunizieren in alle Netze. 

 

Über dem Teich steigt Nebel auf. Dort

Wo die Seerosenblätter ihn bedecken

Nicht. Entlang des Schafgeheges ein Plakat:

Minipredigt.ch - an jedem Sonntag neu.

 

Die Garagentore spucken

Wie die Zugbrücken des Mittelalters

Ihre SUVs aus und die Elektrovelofahrer

Rasen visierlos ihrer Bürodusche entgegen.

 

Mein Apparat besteht aus Nadelstichen

In den Fladen des Gewohnten und doch

Glänzen die Knöpfe wie Schweisstropfen

Mein Freund - und manchmal glaube ich gar

Sie nähten daran - nähten daraus

Einen Schneuztuch-Lappen

Der mir in der Hosentasche nässend aufquillt.

 

Richtig ist mein Freund

Dass ich zwar hier lebe

Aber nicht hier bin

Wie das Korn oder die Nuss

Ein Versprechen einlösbar erst

Wenn besudelt oder verbuddelt.

Ich habe keine Ahnung 

Ob die Stickerei

In den Teig des Alltags

Oder die Brüterei

Über den Einzelteilen

Zu etwas mehr Verwirrung beitragen kann

Aber was ich weiss ist mein Freund

Dass jedes aufgenommene Korn

Und jede ausgegrabene Eichel

Trotz Seerosen und Allradantrieb

Nicht nichts bedeuten wird.

Bis dahin bleibe ich nackt

Und wiege meine Hüften zum Klackern der Wörter.

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