Eine Sestine: Paraklet (Beistand)

In Booten bangen um Bestand:

Die Wellen falten den Zustand

In viele Täler. Der Abstand

Erwartet uns in dem Verband.

Denn nichts gewärtigt der Verstand

Der selbst aus sich indes entstand.

 

Was tief im Flussstrang entstand

Gebunden lang in den Bestand

Verfällt dort nicht in den Zustand

Von vielen Quellen. Der Abstand

Vergrößert sich in dem Verband:

Die Rede reicht nicht zum Verstand.

 

Denn Körper-leicht ist der Verstand:

Die Hilfe uns noch nicht entstand

Im einzeln-eigenen Bestand –

Wer eicht uns erstmals den Zustand?

Die vielen Leichen der Abstände!

Und ihr: zeigt her euren Verband!

 

Die Boote schaukeln im Verband.

Es glättet Wellen der Verstand

Der kaum geradlinig entstand...

Er richtet unseren Bestand.

Doch wird nicht schlichter der Zustand:

In vielen Falten der Abstand.

 

Und bäumt sich erst dieser Abstand!...

Darunter wartet ein Verband

Von Säuen! Schäumender Verstand:

Der Schmerz im Kreiselnden entstand

Im vielen Handeln: der Bestand

Anheim gefallen dem Zustand.

 

In sich gewandt ist der Zustand:

Es trennt gewaltiger Abstand

Die Reihen: ängstlicher Verband

Der vielen Körper. Der Verstand

Der selbst aus sich indes entstand

Hat tiefer fallend doch Bestand...

 

Wer will Bestand in dem Zustand?

Wer nimmt Abstand von dem Verband?

Wie sprach Verstand eh er entstand?

Ein kurzes Nachwort: Diese Sestine entstand bereits im vergangenen September. Ich hatte mich gerade gestern gefragt, wann ich denn meine letzte Sestine geschrieben habe. Heute morgen, bei der Lektüre einer Bibelstelle (Joh 14, 26), in der das Wort vom BEISTAND - eben: Paraklet - fiel, kam die Erinnerung an dieses Gedicht zurück, das ich vollkommen vergessen hatte. Es ist ein sehr schönes. Es ist dadurch sehr tröstlich, als man als Lyriker immer wieder Zweifel an seiner Schöpfungskraft hat (ich hatte gerade zwei, drei solcher Tage); nur durch ein eigenes Werk, an dem man die eigene - ich wage mal das Wort! - Sendung erkennt und versteht, wird dieser Zweifel für kurze Zeit wieder an seine Stelle verwiesen: an den Anfang des Labyrinths zurück. Gute Lektüre!

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