334. Tagesgedicht: ein stilbildender Autor

Ich lese in einer Literaturzeitschrift

Die wie ein Modemagazin aussieht

Einen aus dem Leben berichtenden Text eines Autors

Dem man vermutlich zu Recht das Etikett

Eines der stilbildenden Autoren der jüngeren Generation

Angehängt hat. Vorher fand ich

In einem für die Abfuhr herausgestellten Papierbündel

Mehrere Jugendbücher ohne die unsere Seele

Mit gutem Recht nicht den guten vom schlechten Stil

Unterscheiden könnte - Oliver Twist ist unter ihnen…

Ich rettete einige davon für meine Tochter.

Den stilbildenden Autor kann ich leider nicht retten

Nicht nur weil er in einer andern Welt zuhause ist

Oder seine aus dem Leben gegriffene 

Und mit versuchten Feinheiten und vorsichtig nuancierten Adjektiven

Gefüllte Erzählung keine Sympathie für sich oder wenigstens für ihn erweckt

Sondern weil ich vermutlich zu Recht 

Die Gleichgültigkeit gegenüber Ehrlichkeit in der Sprache heraushöre. 

Gleichzeitig denke ich an den Lieblingsspruch eines Freundes

Der ein Zitat eines mir entfallenen vermutlich französischen Denkers ist

Authentizität ist ein treffender Vorwand für den Mangel an Talent. 

 

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