Viertelstundgedicht 36

Das sein was man ist:

Kann man von einem „ist“ reden

Wenn man zuerst erfahren müsste

Was „man“ zu sein hätte

Wer „man“ sein könnte?

Immer wieder les ich die Wahrheit

Von jenen die

Wasser predigen und Wein trinken –

Glauben sie denn daran

Wenn sie sich selbst nicht daran halten?

Sich finden und sich selbs sein / werden

Den eigenen Traum leben

Undsoweiterundsofort –

Klischees der Werbe- und Filmwelt –

Sind sie deshalb weniger wahr?

Sie für wahr zu halten aber

Hiesse das nicht

Sie zu realisieren?

Oder ist die Rede von dieser Wahrheit

Nur Gegaukel?

Eine Schein- und Ablenkungsrede

Um uns alle

Nur noch endgültiger

Im Individualismus

Einzuschliessen

Darin wir willfährig und verführbar sind?

Konsumierbar

Da konsumiert vom Begehren nach dem

Was zu begehren falsch:

Das zu sein was man ist.

Hiesse das

Wäre man das was in uns angelegt ist

Nicht einfach

Mensch sein

Sich und andern –

Durch sich den andern –

Das Wahre wäre dann

Ganz nach Rousseau

In sich das zu heben

Was dem Menschen

Natur –

Doch ist dieses

Gut?

 

(Basel, 23.01.12) 

 

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