Erstes Prosagedicht

Die Form verfällt zuerst, im Moss und im Tau und im Nebel, die Farne rücken näher, näher. Zerfallend, bewahrt die Form Umrisse, bald nur noch Konturen – ein Brett, das die Torhöhe anzeigt; eine zweibeinige Tischplatte, auf deren Kante eben noch ein Häher sass; drüben häuft sich das Laub wie zusammengerecht im Winkel, da die Mauer eingestürzt ist, - auch hier das Holz dunkel und von oben tröpfelt von Zottel-Ästen die Feuchtigkeit, Nägel wie Finger in den Brettern, blutig. Auflösung – Entstehung. Ein Häher lacht, vielleicht auch nur ein Tukan. Knarren wird zu Knirschen, verfällt der Holzboden. Ein Paravent hängt vom oberen Stockwerk wie ein Punkah dir vors Gesicht. Tauben gurren. Die kichernden Affen haben das Weite gesucht. Sie leben nicht von Luft und Liebe. Die Kälte der Schlucht, alles scheint in Bewegung, Formen nicht nur, - Inhalte, Werde; als streifte sie ein Vogel, der aus dem Wasser schiesst wie der Phönix aus der Asche, streifte sie, und in ihrem Nicken bewegten sich ihre Wurzeln, wie die Finger einer Schlafenden. Ein Gehen, ein Ziehen, bis ins Mark hinein. Was Kontur war, im Nebel, im Sprühwald, wird gewaltlos andere Gestalt, haltlos anderer Gehalt; die Asseln trippeln nicht anders als die Tropfen, die du löst von einem Busch im Dickicht. Was zerfällt in der Form, erhält sich an der Form: eine Würde, - in ihrer hohlen Hand sammelt sich das schale Wasser, - ein Rest des Menschen im Lappen eines Bananenblattes. Als schüttelte sich eine graue Katze. Ein Gefühl von Verehrung und Furcht.

 

(Basel, 19.01.12)

 

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