30. Viertelstundgedicht

Im Gegenuhrzeigersinn

Dreht sich noch

Der braune Kaffee.

Dann hört auch diese Bewegung auf.

Die Sorgen

Besorgen

Kurzweil.

Ein- aber kein Ausblick.

Verborgen

Dem andern

Horten wir

(Es rasseln die Ketten

Klingen die Hämmer

In Nibelheim)

Die Aborte unserer Wirklichkeit.

Ich denke nicht – ich schreibe.

Abgehalftert – destituiert.

Der Kaffee führt nach Afrika:

Reichtum der Ethnien einerseits

Armut der Alternativen andererseits.

Die Wüste segelt

(Huste trocken)

Segelt nach Bergen-Belsen

Und weiter

Zu den Lofoten.

Mahlstrom der Unmittelbarkeit

(Im Gegenuhrzeigersinn)

Leises Schlürfen...

Den braunen Spiegel

Der zittert

Führe ich zu geschürzten Lippen.

Mit wenigen Worten

(Ritornell des Willens)

Eine Schürze fertigen

Eine Brüstung gegen dieses Borgen

Von Zeit. Morgen, Morgen...

Über die Brüstung schreien:

Morgen ist auch noch ein Tag!

Nur das Gebläse des Geschirrspülers

Der wippende Schnuller des Jungen –

Ich schreibe schnell

Doch mit erhobenem Kopf

Und kaufe nichts

Und verkaufe nichts.

Ich erobere

Was herumliegt

Eine Flut von Zeit

Entledigt der Sorgen

Die ihr absorbiert

Die ihr ernährt.

Nahrhafte Minuten

Lauwarmer Kaffee.

Ich schreibe nicht, ich denke.

 

(Basel, 12.01.12)

 

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