Es gibt Kunst II

Es gibt Kunst, da braucht jedes Bild ein anderes Licht, einen andern Raum, eine andere "Hängung", und doch ist der Künstler derselbe, und schön ist's, wenn man sieht, wie er wird zu dem, als den wir ihn kennen (nicht notwendigerweise auch schätzen). Im Januar ging im Grand Palais die grosse Monet-Schau zu Ende, die einen solchen Ansturm verzeichnete, dass man die Kunstsüchtigen während der letzten Tage gar nachts in Gebäude liess (mit einer für eine Stunde gültigen Eintrittskarte) - und trotz der nahezu umfassenden Werkschau, die die Kuratoren bieten wollten, kam man sich in den engen Räumen, die dunkel und grau waren (Spannteppiche!), vor wie in einem Raritätenkabinett, wo Tausende wie Chuchundras den Mauern entlang schlichen, wo Spots einzelne Gemälde so hervorhoben, als handelte es sich um Schaukästen mit Brüsten oder Missgeburten, die man aber nicht einsehen konnte, weil davor eine Menge sich drückte und wand (ich liebe es, wenn sich alle zuerst zum Titelschild hinunterbücken, - allein darüber müsste man schon ein Gedicht schreiben!) - die Luft stickig, heiss und stinkig in diesen Kammern. Es war die Entweihung Monets, was hier zelebriert wurde, das Herunterstossen vom Podest: einen der grössten Maler in einem schäbigen Kabuff entsorgt... Die Leute blieben meist stumm, wie betäubt, die Stimmung war wie kurz vor einer Gant, wenn die Erben bei der Beschau des Vermächtnisses auf die Käufer und Gaffer stossen, und es fast zu Handgreiflichkeiten kommt. - Abgesehen davon habe ich die Seerosen nie geliebt, sie sind mir zu kanonisch, zu langweilig, da bereits zu "abgesehen", - diese Bilder sind so gewöhnlich geworden, weil darauf alle so malen wollten, all die Sonntagsmaler, die nach Monet kamen - bis auf die frühen Studien, wo alles noch sehr unmittelbar und vielfältig verschlungen ist, wo die Modernität dieser Malerei noch fühlbar ist in dieser wirren und dezentrierten Farbeuphorie, die fast abstrakt ist. Und in diesen Studien und Gemälden ist Monet noch nicht dekorativ oder ornamental: die Beliebtheit seiner Gemälde könnte ich fast darauf zurückführen, sie sind so bekömmlich hinzuhängen und sagen so herzlich wenig aus, da einfach... schmuck. - Moral der Geschichte: Die Franzosen sind Meister der Improvisation, aber selten kommt dabei was Meisterhaftes heraus. 

Ein Link auf die Ausstellung hier: http://www.monet2010.com

Meine Lieblingsgemälde sind unter folgenden beiden Links zu finden: 

1) http://bit.ly/hwOF6r

2) http://bit.ly/dIJ0YG

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